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Motorradreise 2014 (6): Das vergessene Fürstentum

29 Nov

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Im Juni 2014 war Silencer auf Motorradtour durch Europa. 24 Tage, 7.187 Kilometer, durch sechs ein Viertel Länder. Am sechsten Tag der Reise sorgen Taxifahrer für Ärger und das Wiesel bezieht einen Grenzposten.

Mittwoch, 11. Juni 2014, Saint Cyr sur Mer, Provinz Alpes Cotes d´Azur, Frankreich

Mit Maut oder ohne?, überlege ich, während ich im Zimmer des „Villes des Pines“ auf und abgehe, in der einen Hand das Navigationsgerät, in der anderen einen Klappbecher Instantkaffee. Der stammt aus dem kleinen Vorrat des Motorrads. Ich brauche morgens nicht viel, und die 12 Euro, die hier für ein französisches Frühstück (= 1 Croissant und 1 Kaffee) aufgerufen werden, spare ich mir lieber.

Auf Konferenzen genauso praktisch wie Im Urlaub: Kaffeebecher von Sea to Summit.

Auf Konferenzen genauso praktisch wie Im Urlaub: Kaffeebecher von Sea to Summit.

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Das Fenster zum Hafen ist offen. Die Blätter der Palmen an der Mole pendeln träge in einem kleinen Luftzug. Das Thermometer zeigt 22 Grad, und das um kurz vor Sieben. In der Nacht ist die Temperatur nur wenig runtergegangen, ich habe sogar bei offenem Fenster geschlafen – was ich sonst nie kann und tue. Aber anders war es nicht aushalten, und das plätschern des Meeres und das gelegentliche „ding“ einer Bootsglocke war schon sehr angenehm.

Hat die Nacht im Hotelhof verbracht: Mopped.

Hat die Nacht im Hotelhof verbracht: Mopped.

Heute soll es weiter nach Westen gehen. Ohne Mautstrecken, sagt das Navi, brauche ich dafür achteinhalb Stunden. Wenn ich bis zur italienschen Grenze die Mautgebühren bezahle, nur sechs Stunden.
Die Vorstellung an der sonnenumspielten Code d´Azur entlangzufahren, von einem Fischerdorf zum nächsten, ist romantisch. Aber eben nur das: Eine romantische Vorstellung. Ich kenne die Strecke, sie ist schlimm verbaut, und wenn man Pech hat schiebt man sich im Schrittempo am Mittelmeer entlang, weil alle anderen zeitgleich auch romantisch sind. Nee, dann lieber Autobahn heute morgen. Soll es halt mal 9 Euro kosten, dafür kann ich mir später länger schöne Orte angucken.

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Nach einem Tankstop geht es auf die Autobahn, und nach kurzer Zeit kommt schon das erste Schild, das auf eine Mautstation hinweist: „Gare du Péage“. Das System in Frankreich kenne ich schon. Man zieht zu Beginn eines Mautabschnitts ein Ticket, und wenn man abfährt oder der Abschnitt endet, muss man wieder an einer Mautstation per Karte oder Bargeld bezahlen. Dabei kann es durchaus hektisch werden, denn nicht alle Zahlungsmethoden sind an jeder Fahrspur verfügbar. Manchmal kann man auch nur mit einer französischen Debitkarte bezahlen oder mir einem Télépass-Mautabo.

Als ich auf die Mautstation zurolle, bin ich das erste mal irritiert. Ich weiß, dass nicht an jeder Spur Motorräder bedient werden, aber hier… steht über JEDER geöffneten Spur ein „Motorrad verboten“ Schild. Was soll das? Ich drücke auf die Bremse, und die Kawasaki kommt mitten im Einflugkanal eines Schalters zum stehen. Ich gucke. Und gucke nochmal. Dann vergleiche ich die Anzahl der geöffneten Schalter mit der Anzahl der „Motorrad verboten“-Schilder. Dann gucke ich nochmal. Keine Chance, es wird nicht besser. Motorräder sind nirgends zugelassen.

Kurzentschlossen fahre ich auf eine Schranke zu – und bin ein zweites Mal verwirrt. Es gibt keinen Ticketautomaten, nur einen Fangkorb für Münzen. Was soll das?, denke ich zum zweiten mal innerhalb weniger Minuten, streife die Handschuhe ab und fummele Münzen aus der Hosentasche. Die werfe ich in den Korb, und es passiert eine schrecklich Sekunde lang – nichts. Dann piept der Automat, wünscht mir auf seinem Display „Bonne Route“ und die Schranke hebt sich. Boah, Glück gehabt.

Ich mag diese Mautstationen ja nicht. Wenn man in einer hängt, wo dann was nicht funktioniert oder man verkehrt ist, dann kommt man da nicht mehr raus, weil hinter einem schon wieder hundert Autos stehen. Und für Motorradfahrer ist es sowieso immer blöd, das Gefriemel mit den Handschuhen, rumbalancieren auf einem Bein auf Asphalt, der vom Öl und der Klimaanlagenflüssigkeit von tausenden Autos schwimmt, bei schlechtem Wetter mit steifen Fingern kleine Dinge in noch kleinere Öffnungen fummeln, dann möglichst schnell wieder die Handschuhe anziehen und wegfahren, bevor der Hintermann die Contenance verliert.

Tatsächlich gibt es also auch Abschnitte, die einen Festpreis kosten und die man in Bar bezahlen muss. Wieder was gelernt. Der nächste Abschnitt ist einer mit Ticket, das kenne ich. Als er endet, stehe ich wieder vor 8 Fahrspuren, bei denen auf keiner Motorräder erlaubt sind. Ich fahre trotzdem durch, und von meiner Kreditkarte wird der Autotarif abgebucht – ein sattes Drittel mehr als der Motorradtarif. Aber immerhin bin ich durch.
Bei der dritten Mautstation hat sich ein deutscher Passatfahrer mit seinem Fahrradgepäckträger verkeilt, was mir ein wenig länger Gelegenheit gibt mich umzusehen. Nach langem Gucken und Ausschlußverfahren entdecke ich ein verhältnismäßig winziges Schild, dass genau die gleiche Farbe wie die Wand hat, an der es montiert ist, und das zwischen PKW- und LKW-Spuren unter einem Dachbalken hängt: „Autres Vehicule“, andere Fahrzeuge.

Ein Motorrad ist halt kein Auto, sondern ein „Anderes Fahrzeug“ und muss folglich zwischen LKW rumrangieren.

Das ist es! Als Motorrad muss man in Frankreich ERNSTHAFT die LKW-Spur nehmen, weil man halt kein PKW, sondern ein anderes Fahrzeug ist. Wieder was gelernt!
Das System ist natürlich Banane. Als Motorrad unmittelbar vor haushohen LKW rumkurven, die einen quasi unmöglich sehen können, das ist Mist.

Nach einem kurzen Stau in Toulon geht flüssig durch bis Nizza. Über Brücken und durch Tunnel zieht sich die Autobahn durch die kargen Berge, die aus rotem Sandstein zu bestehen scheinen. Ab und an schimmert in der Ferne das Meer, aber das ist weit weg. Dann geht plötzlich nichts mehr. Mein Ziel liegt 20 Kilometer hinter Nizza, dass ich aus Zeitgründen von der Besuchsliste streichen musste, und nun, 15 Kilometer vorher, stehe ich im Stau.

Alle paar Minuten rolle ich im Schrittempo ein paar hundert Meter weiter, dann steht wieder alles. Es ist gegen 10 Uhr, die Sonne steht hoch und das kleine Thermometer im Cockpit zeigt 35 Grad. Das stimmt objektiv natürlich nicht, aber ich stehe hier ja auch in meinem dunklen Anzug in der prallen Sonne herum, und in dem ist es gefühlt sogar noch viel heißer.

Eine Stunde ruckelt das Motorrad immer noch mit weniger als Schritttempo voran, und ich hänge schief im Sattel. Die Temperatur ist gefühlt gerade noch zu ertragen, aber ich spüre, wie der Schweiß in der Jacke hinabläuft. Ich sehne mich nach einem Schluck Wasser, aber der Verkehr geht gerade so langsam weiter, das Absteigen und die Wasserflasche aus dem TopCase holen nicht möglich ist.

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Die Motortemperatur ist auch schon im roten Bereich, durch den fehlende Fahrtwind wird der hochgezüchtete Motor der ZZR viel heißer als sonst, auch wenn der Lüfter es gerade noch im Griff hat. Mehrmals kommt Polizei durch. Einmal läuft der Verkehr für 5 Minuten flüssig, dann steht wieder alles. Sehr merkwürdig. Dafür hat sich die Zahl der Mautstationen exponentiell erhöht, über den Daumen habe ich bereits 20 Euro abgedrückt.

Gegen 12:30 Uhr quere ich die Grenze nach Monaco, auf dessen Ausfahrt aber ebenso Stillstand herrscht. Macht nichts, mein Ziel liegt nur 500 Meter weiter, und da es sich um ein abgelegenes Städtchen im Grenzgebiet handelt, wird dort sicher keiner hinwollen. Denke ich zumindest.

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Falsch gedacht! Die Abfahrt nach Menton, der winzigen Grenzstadt, ist ebenfalls vollkommen blockiert, und HIER geht nun wirklich gar nichts mehr. Ich stelle den Motor ab und schließe die Augen. Schweiß läuft mir über das Gesicht, ich kann das Salz auf meinen Lippen schmecken und spüre die Salzkrusten im Bart.

Plötzlich weckt mich lautes Hupen aus dem Delirium. Ein Taxi kommt mir auf der, bei genauerer Betrachtung merkwürdig leeren, Gegenfahrbahn entgegen und hupt. Nein, Moment, es sind zwei Taxis. Äh. Es sind DUTZENDE. Als der Kastenwagen, der bislang vor mir stand und die Sicht verdeckte, plötzlich ausschert und die Autobahn weiterfährt, sehe ich, dass auch vor mir Dutzende Taxis stehen. Eines hat einen Zettel in der Rückscheibe: „11. Juni 2014 – Für Gerechtigkeit für Taxifahrer! Berlin, London, Prag, Budapest, Menton – europäischer Protest!“

Der 11. Juni ist heute. Das die Taxifahrer in Berlin und London streiken mag ja sinnvoll sein, aber WAS ZUM TEUFEL SOLL ES BRINGEN HIER MITTEN IN DER PROVINZ EINE AUTOBAHN ZU BLOCKIEREN?! Ich bin ein großer Verfechter von lebenswürdigem Arbeitslohn und gerechter Bezahlung, aber weil diese KONSERVATIVEN EIMER HIER gegen APPs streiken werde ich seit zwei Stunden geröstet!

Plötzlich geht es weiter, und jetzt sehe ich, was die Schergen hier anstellen: Sie fahren die Autobahn hinauf, fahren im Schrittempo zur nächsten Ausfahrt, wechseln dann die Spur und fahren im Schrittempo zurück. Da es rund zwei Dutzend Taxis sind, haben sie damit effektiv die Autbahn blockiert. Ich habe noch nie in meinem Leben eine Taxiapp benutzt, aber ICH SCHWÖRE ich werde JEDE die es gibt runterladen und nie wieder ein Taxi direkt anrufen, und wenn sich mir JETZT noch ein Taxi entgegenstellt, dann trete ich ihm die Spiegel ab!

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Aber Taxis braucht es nicht, der kleine Ort Menton hat auch so einen Verkehrskollaps. Eigentlich wollte ich mir hier den Hafen ansehen, stattdessen stelle ich nur das Motorrad ab, trinke eine Feldflasche Wasser leer und stiefele dann zu dem Mcdonalds, dass ich vor der Reise hier per Streetview entdeckt habe. McDonalds sind unterwegs Gold wert, man kann schnell einen Espresso trinken und dann die Toilette benutzen. Das funktioniert nur in Italien nicht so toll, weil dort – aus historischen Gründen oder so, die Restaurants oft nur eine Toilettenkabine pro Geschlecht haben. Keine Ahnung warum, vielleicht, weil man es dort von richtigen Restaurants auch nicht anders kennt.

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In Menton aber ist es noch schlimmer. Sobald man den Zugangscode vom Kassenbon eingtippt hat, steht man in einer Besenkammer von einem Quadratmeter Größe, in meinem Fall mit 4 anderen Personen. Die warten vor einer Schiebetür. Hinter der befindet sich ein Klo. Es gibt nämlich exakt EINE Toilette für beide Geschlechter, und deren Tür lässt sich nicht verriegeln, weil das Türschloß verkehrt rum eingebaut ist. Also lässt sie sich schon verriegeln, aber nur von außen. Statt Klopapier gibt es Servietten.
McDonalds in Menton? WORST. TOILETTE. EVER.

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Ich bin mittlerweile stinksauer und genervt von diesem Ort, wo die Taxifahrer größenwahnsinnig sind und Toiletten unbekannt, deshalb schnappe ich mir den Helm und steige wieder auf´s Motorrad. Ich blicke die Straße hinauf. Sie ist vollkommen leer. Dann blicke ich die Straße hinunter. Gähnende Leere, nirgends ein Fahrzeug zu sehen. Ich starte den Motor und schiebe die Kawasaki vorsichtig rückwärts. Und stoße fast gegen ein Auto, dass da plötzlich steht. Nicht nur eines: Ich bin plötzlich eingekeilt von Autos. Dutzenden. Ein Stau aus dem Nichts, urplötzlich aufgetaucht. Direkt vor mir fährt eine kleine Bimmelbahn mit einem „Tempo 10“ Aufkleber am Heck los. Ich schließe die Augen und atme tief durch. DAS KANN DOCH ALLES NICHT WAHR SEIN! Balanciert als nächstes eine Elefant auf einem Einrad über die Straße? Das macht dieser SCHEISSORT doch mit Absicht!

Als ich Menton endlich hinter mich lassen kann, seufze ich erleichtert auf. Noch bevor ich das Ortsschild sehe, kommt ein Europaschild mit der Aufschrift ITALIA. Hell, Yeah!

Der nächste Ort ist Ventemiglia, hier biege ich ab und fahre von der Küste aus Richtung Berge. Über Serpentinen geht es immer höher, bis ich das Mittelmeer und die Steilküsten von oben sehen kann.

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Die Hänge der Berge sind mit Terrassen überzogen, auf denen Blumen gezüchtet werden. Das hier ist die „Riviera dei Fiori“, die Küste der Blumen. Hier werden 80% der in Europa gehandelten italienischen Schnittblumen gezogen. Davon sieht man aber nicht viel, das findet alles in Gewächshäusern statt.
20 Kilometer von der Küste entfernt komme ich an einem verlassen Wachposten vorbei. Hier beginnt es, das vergessene Fürstentum, hier verläuft die Grenze zwischen Italien und Seborga.

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Die Geschichte von Seborga
Seborga sieht sich als souveränes Fürstentum, genau wie Monaco, Luxemburg oder Liechtenstein. Von denen hat sicher jeder schon gehört, von Seborga dagegen vermutlich noch nicht.
Seborga ist ein kleiner Ort, rund 500 Höhenmeter über der Blumenriviera. Hier wohnen nur wenig mehr als 300 Menschen, die vom Anbau von Oliven und gelben Mimosen leben. Seit den Sechziger Jahren versucht ein harter Kern der Einwohner anhand von historischen Dokumenten nachzuweisen, das Seborga weder beim Wiener Kongress noch bei der Gründung der italienischen Republik einer Staatsmacht unterworfen wurde, 1993 rief der Floristikunternehmer Giorgio Carbone dann das unabhängige Fürstentum Seborga aus und ernannte eine Regierung. Fortan lebten Italien und Seborga in einem Status ständiger Ignoranz. Italien ignorierte die Unabhängigkeitserklärung einfach, im Gegenzug verzichtet die Mikronation Seborga auf eigene Gesetzgebung, Steuern und Infrastruktur und übernimmt einfach alles vom „Nachbarland“ Italien. Seborga besteht im Wesentlichen aus einer eigenen Flagge, Wachhäuschen und einer inoffiziellen Ersatzwährung, dem Luigino. Als souverän anerkannt ist das Mikroland nur von anderen Phantasienstaaten, wie der Freistadt Christiania in Kopenhagen und der Plattform Sealand in der Nordsee. Abgesehen von einem gelegentlichen Rascheln im Medienwald, das immer dann ertönt wenn mal wieder ein Journalist beim Füllen des Sommerlochs auf Seborga stößt, liegt das Minifürstentum vergessen auf seinem Berg.
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Auf dem „Platz der Patrioten“ mache ich Rast, genieße die Aussicht und esse zum Auffüllen der Energie erst mal einen Apfel. Das Motorrad hat eine Chance sich abzukühlen. Es ist alles ruhig und friedlich, und eigentlich könnte jetzt mal der König vorbeikommen und seine Aufwartung machen. Eine Katze schläft auf einer Bank und zuckt im Schlaf mit den Pfoten.

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Seborga liegt in den Bergen hinter der Küste.

Seborga liegt in den Bergen hinter der Küste.

Das Wiesel hat seinen Spaß. Es übernimmt den verwaisten Grenzposten und will Pässe kontrollieren. Zum Glück kommt niemand vorbei, Seborga ist an diesem Nachmittag wie ausgestorben.

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Wieder an der Küste geht es jetzt ohne Unterbrechung weiter nach Westen. Die Gegend hier ist Ligurien, und zwar genau so, wie ist es von 400 Kilometer westlich kenne: Hohe Berge, die praktisch direkt ins Meer abfallen. Davor, auf nur wenigen Hundert Metern befinden sich kleine Orte, die durch eine endlose Küstenstrasse verbunden sind. Hier geht es nur langsam voran, für 120 Kilometer werde ich über 4 Stunden brauchen, aber immerhin macht das Fahren Spass.

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Der Verkehr läuft, und zwischen den Ortschaften lässt es sich perfekt über die kurvige Küstenstraße wedeln. Außerdem gibt es immer was zu sehen: Kleine Orte wie Nolia, das sich verschämt in den Fels duckt. Imposante Felsenstädte, die von Klippen herabdrohen, wie der Ort mit dem martialischen Namen Imperia, der mit seinen Riesenbauten und den schief übereinandergestapelten Häusern eher wie ein Fiebertraum denn eine Stadt wirkt.

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In einem der Orte komme ich an einer Kreuzung neben einer Rollerfahrerin zum stehen. Sie trägt ein kurzes Sommerkleid, und ein Tribal-Tattoo am Knöcheln, dessen Musters sich nahtlos auf dem Radkasten ihrer cremefarbenen Vespa fortsetzt.

Die Küstenstraße bringt immer wieder spektakuläre Aussichten auf das Mittelmeer, das im Licht der Nachmittagssonne blau funkelt.

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Kurz vor dem Ziel wird mir wieder klar, weshalb ich solche Touren nur allein machen kann. Ich bin jetzt seid 10 Stunden unterwegs, 9 davon auf dem Motorrad, außer zwei Äpfeln gab es noch nichts zu essen – das macht niemand anders freiwillig mit bzw. ich würde das niemandem guten Gewissens zumuten können. Oh, und Ironie: Ich habe zwar 20 Euro an Maut verbraten, am Ende aber länger gebraucht als wenn ich über die Landstraße gekrochen wäre. Soviel dazu.

Tagestour: Von Saint Cyr sur Mer nach Savona,  rund 380 Kilometer

Tagestour: Von Saint Cyr sur Mer nach Savona, rund 380 Kilometer

Die Fahrt endet in Savona, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Der Ort ist ein großer Industriehafen, dementsprechend gibt es hier nur wenige Touristen. Die Anfahrt auf das Übernachtungsziel ist wie immer merkwürdig – ich suche diese Ort ja über Streetview aus, d.h. ich war virtuell schon hier und kenne bestenfalls schon jeden Winkel, und beim REALEN Ankommen stellt sich ein merkwürdiges Deja-vu-Gefühl ein. So auch jetzt.

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Das Hotel San Marco ist ein typisches 70er-Jahre Hotel, genau wie gestern das Ville des Pins. Allerdinge wurde HIER zwischenzeitlich investiert. Auch wenn das Äußere heruntergekommen wirken mag und die Kacheln im Bad noch Blümchenmuster haben, ist alles Wesentliche neu renoviert und in Ordnung. Die Dame am Empfang redet mit mir gebrochens Deutsch, ich mit ihr gebrochenes italienisch, bis wir beide feststellen, dass sie als Engländerin mit Englisch am Besten fährt. Gute Nachricht des Abends: Das Hotel hat nicht nur einen kleinen Parkplatz, sondern der auch ein massives Metalltor, mit dem die Renaissance heute eingeschlossen werden kann.

Sicher für die Nacht eingeschlossen im winzigen, aber gut gesicherten Nebenhof des Hotels.

Sicher für die Nacht eingeschlossen im winzigen, aber gut gesicherten Nebenhof des Hotels.

Das sind gute Nachrichten, denn das Hotel liegt in der Hafengegend, inmitten runtergekommener Wohnblocks. Für diese Station hier ist der Zündunterbrecher als zusätzliche Sicherung ins Motorrad eingebaut worden, aber der ist nun nicht nötig.

Eine Dusche später mache ich mich auf die Jagd nach dem Abendessen. Dabei tappe ich die Strandstraße auf und ab, an der eine alte, gediegene Stadthäuser Seite an Seite mit hässlichen Plattenbauten stehen.

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In einem Schnellimbiss probiere ich „Arancini Siciliana“. Das sind keine Orangen, sondern tennisballgroße Kugeln aus frittiertem Reis mit einem Kern aus Käse und Bolognesesauce. Lecker!

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Zu viel mehr bin ich aber heut nicht mehr in der Lage, so ziehe ich mich ins Hotel zurück und schreibe Tagebuch, während draußen, hinter den Plattenbauten, die Sonne im Meer versinkt. Dann gehe ich früh ins Bett – Morgen steht die anstrengendste Etappe an.

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Ausgebreitet: Vierbettzimmer für mich allein.

Ausgebreitet: Vierbettzimmer für mich allein.

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Die ganze Reise:

 
4 Kommentare

Verfasst von - 29. November 2014 in Motorrad, Reisen, Wiesel

 

4 Antworten zu “Motorradreise 2014 (6): Das vergessene Fürstentum

  1. Leandrah

    1. Dezember 2014 at 12:58

    gehe ich recht in der Annahme das dein Kaffeebecher mehrfach nutzbar ist und kein Müllproblem verursacht? Schön… vergessenes Fürstentum. Ist bei einigen anderen schade das nicht auch so ist. Und endlich bist du in Italien angelangt, ich freue riesig… auf die jetzt folgenden Beschreibungen, Bilder und Erlebnisse. 🙂

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  2. Silencer

    2. Dezember 2014 at 10:19

    Ja, das ist so ein Klappbecher, der nicht viel Platz wegnimmt und den man immer wieder benutzen kann – als Kaffee- genauso wie als Zahnputzbecher oder, im Notfall, als Weinglas 🙂

    Wart´s mal ab, Deine Entdecekung kommt leider erst recht spät… war eine der letzten Stationen der Reise.

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  3. Leandrah

    2. Dezember 2014 at 13:12

    Frankreich hat mich nicht so interessiert… ich bin zwar mit dem Typen wegen dem ich letztendlich nach Berlin gezogen bin, auch mal dort gewesen mit VW Bus umgebaut…war lustig Bad Bergzabern rein und dann Stück für Stück das Elsaß erobert. In Molsheim hatten wir das Glück eine Bugatti Ralley zu erleben und einmal in so einem Traumwagen drin sitzen zu können und 100 m gefahren zu werden. Die IAA in Frankfurt ein paar Tage später ging mir danach am A—-vorbei.—-Und für Iris habe ich einen Urlaub in der Camargue beschrieben mit einem Hausboot unterwegs. Geschichte wird gerade überarbeitet.

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  4. Silencer

    2. Dezember 2014 at 22:46

    Frankreich ist schon schön, ich habe es etwas bedauert da nur durchgeflogen zu sein. IAA wäre für mich auch LMAA.

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