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Wird langsam (3)

07 Dez

Erkenntnis der vergangenen Woche: My, das ist noch VIEL Arbeit bis die neue Wohnung fertig ist. Mittlerweile ist alles umgemeldet und bereit zum Umschalten, magisches Datum ist Freitag, der 12.12. Danach stehen Restarbeiten an. ich habe das Gefühl diesem Datum entgegen zu trudeln oder besser: Darauf zuzustürzen. Viel zu schnell als das ich bis dahin alles schaffen könnte was noch ansteht.

Zum Glück ließ sich vergangene Woche ein Tag frei einrichten, und der war auch dringend nötig.
Einen Einkauf beim Elchhändler später konnten 30 weitere Regalböden verbaut werden und das Arbeitszimmer damit komplett umziehen. Schon merkwürdig: Die neue Wohnung ist noch in jedem Raum Baustelle, aber wenn ich die eine Tür öffne – dann stehe ich mitten in meinem Arbeitszimmer, das fast so aussieht wie vorher aber am falschen Ort ist und sich irgendwie fremd anfühlt. Früher hatte es honigfarbene Holzdielen, jetzt Birkenlaminat. Es sind diese Details, die dafür sorgen, dass es sich gerade anfühlt als wäre es mein Arbeitszimmer aus einem Paralleluniversum.

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Außerdem habe ich einige der merkwürdigen Hinterlassenschaften des Vormieters beseitigt, von denen immer neue aufzutauchen scheinen. Gipfel des Irrsinns: eine Armatur für ein Vorhängeschloss. An der Balkontür. AUßEN an der Balkontür. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem das wirklich sinnvoll ist.

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Einen Teil des Novembers hatte ich damit verbracht einen Kleiderschrank zu planen. Ikea hat dafür ein nettes Tool, mit dem man sich alles so hinschieben kann wie man es braucht und dann spuckt es einem die Liste der einzukaufenden Teile aus. Sowas zu planen ist eine Sache, es zu bauen eine andere.

Ich mag Ikea-Möbel ja sehr. Die sind wie ein großes Überraschungsei oder ein Legobausatz für Erwachsene: Viel Bastelei nach Anleitung, und wenn man sich nur an die hält, wird auch was draus. Ich erinnere mich noch mit Grauen an den Tag im Jahr 1989, als für einen Teil meines Konfirmationsgeldes mein „Jugendzimmer“ geliefert wurde. Schrankwand mit Schreibtisch, Bett, Kleiderschrank und Sideboard sollten das sein. Theoretisch. Praktisch wurde ein Haufen Sperrholz geliefert, mit einer unverständlichen Kauderwelschanleitung. Der Aufbau erforderte jede Menge Zusägen, Leimen und Bohren, und wäre mein Großvater nicht Tischler gewesen, dieses Zimmer hätte vermutlich erst gestanden als ich aus der Pubertät schon wieder draußen war.

Ikea ist da viel einfacher, aber im Fall eines Kleiderschranks doch aufwendig. Allein das Gewicht ist heftig: Über 50 Kilo wiegt allein der Korpus, die Türen und die Innenausstattung ungefähr sie Hälfte. Außerdem muss sehr genau gearbeitet werden, damit die Türen nicht später drei Zentimeter Versatz haben oder die ganze Kiste umfällt. Genau Arbeit und sperrige, schwere Dinge exakt zusammenfügen, dass ist schon eine logistische Herausforderung wenn man allein arbeitet. Ich weiß, dass ich mir jederzeit Hilfe hätte holen können, aber einige Hilfskonstruktionen sorgten dafür, dass ich es auch allein geschafft habe. Anders als die Anleitungen behaupten IST es möglich die Riesenschränke allein aufzustellen.

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Am Ende ist es genau so geworden wie ich es mir vorgestellt hatte. Sieht nicht übel aus und ist vor allem funktional mit Attention to Details: Die Türen und Schubladen gleiten ganz langsam zu, es gibt einen Glasboden, unter dem Uhren, Manschettenknöpfe und Krawatten in einem eigenem Boden liegen, und die sich ständig vertüddelnde Bettwäsche hat einen eigenen Korb, in dem sie sich so viel vertüddeln kann wie sie will. Der Zeitaufwand war allerdings heftig. Als ich den Bogen raus hatte, dauerte ein Korpus nur noch eine Stunde, aber bis alles stand, Türen dran waren und das Innenleben eingebaut war, dauerte es in der Summe eineinhalb Tage. Der Rest des Wochenendes ging für Bodenpflege drauf: Das Parkett und das Laminat wurden sorgfältig gesaugt, gewischt und anschliessend mit einer Intensivppflege versiegelt. Das ist so Profizeug, bekommt man als Endkunde gar nicht zu kaufen, das schenken einem meine Vermieter beim Einzug.

In der Summe recht erfolgreiche drei Tage. Allerdings kann ich jetzt nicht mehr laufen. Der rechte große Zeh brüllt bei jedem Schritt vor Schmerz. Entweder mochten es die Gelenke nicht, dass ich drei Tage in einer unbeheizten Wohnung rumgekrautet habe, oder er nimmt es mir Übel, dass ich Schränke auf ihm abgelegt habe.
Nunja. Ein wenig Verlust ist immer.

 
6 Kommentare

Verfasst von - 7. Dezember 2014 in Gnadenloses Leben

 

6 Antworten zu “Wird langsam (3)

  1. TautiTauti

    8. Dezember 2014 at 12:19

    Eine Verriegelung der Balkontür von außen mit Vorhängeschloß ist gut gegen Fluchtversuche aus der Wohnung!!!
    Haha

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  2. Leandrah

    8. Dezember 2014 at 13:21

    warum hast Du den Schrank nicht von Wand zu Wand genommen? Dieser Platz der da noch frei ist was hast Du damit vor?

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  3. Silencer

    8. Dezember 2014 at 15:34

    Tauti: Ja, genau – aber wer verschanzt sich auf seinem Balkon um jemanden in der Wohnung einzuschließen?!

    Leandrah: Da ist der Raum leider fünf Zentimeter zu kurz um da noch ein Schrankelement hinzustellen. Wird das halt die Ecke für die Diskokugel 🙂

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  4. Leandrah

    8. Dezember 2014 at 16:24

    oh… aber vielleicht so ein platz für den Wäschekorb

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  5. Katja

    17. Dezember 2014 at 18:47

    Den hast du alleine aufgebaut/aufgestellt? Chapeua!

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  6. Silencer

    18. Dezember 2014 at 14:24

    *Verneigt sich höflich*

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