Nachtzug

Die Bahn ist für mich die erste Wahl bei den Reisemitteln, zumindest innerhalb Europas. Wenn man früh genug bucht sind die Preise günstig, ich kann direkt von Göttingen aus ohne umzusteigen halb Europa erreichen, und dabei ist das ganze viel umweltschonender und zeitsparender als fliegen. Zudem ist, bei immer knapperen Ressourcen, die Bahn, um das mal dramatisch auszudrücken, das Fortbewegungsmittel der Zukunft. Leider hat das niemand Grube gesagt, der Mann, der mit Vornamen Bahnchef heißt. Die Deutsche Bahn ist die teuerste und unpünktlichste in ganz Europa, selbst die vielgescholtene Trenitalia ist besser als die DB. Das sind Hinterlassenschaften der Mehdorn-Jahre, der das Unternehmen runtergewirtschaftet hat um für Anleger attraktiv zu sein.

Für Preisbewusste gibt es jetzt eine Alternative zur Bahn: Fernbusse. Die fahren zu ähnlichen Preisen wie in anderen Ländern die Bahn, und die DB spürt die neue Konkurrenz. Leider reagiert sie in die verkehrte Richtung. Statt selbst attraktiver zu werden, versucht sie ihre Fans zu vergraulen. Dieser Tage wurde kolportiert, dass die Bahncard abgeschafft bzw. in „personalisierten Rabatten“ aufgehen soll. Prima Plan, Vielfahrer damit vor den Kopf zu stoßen. Strategie Nummer zwei: Fernreisende vom fern Reisen abhalten, durch Streichung der Nachtzuglinien. Nachtzug, das ist, wenn man Abends um 23 Uhr in Götham in den Zug steigt, sich ins Bett legt um morgens um 09.00 Uhr in Paris, Venedig oder Rom ist. Man spart damit einen Anreisetag und ist sofort mitten drin im Urlaub. Und das für sagenhaft wenig Geld, Nachtzug gibt es ab 39,- Euro.

Vor sechs Wochen noch bin ich mit dem Nachtzug nach Paris gereist. Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn diese Linie wird als erste eingestellt. Und zwar nicht nächstes Jahr oder irgendwann, sondern nächste Woche. Das ist nicht nur Schade, das ist eine überaus dumme Strategie von der Bahn. Statt genau solche Verbindungen auszubauen und ihre internationalen Connections zu nutzen, überlässt sie jetzt das Feld der Konkurrenz – denn Fernbusse haben zwar keine Betten, fahren aber auch über Nacht.

In Götham gibt es morgen eine Demo gegen die Einstellung der Nachtlinie nach Paris. Ich fürchte zwar, dass außer dem Organisator niemand daran teilnimmt, aber immerhin habe ich hier mal meinen Unmut geäußert: Ich bin ein Fan von Nachtzügen und möchte, dass die Bahn weiterhin als Fernreisemittel funktioniert.

4 Gedanken zu “Nachtzug

  1. Ich stimme Dir so weit vollinhaltlich zu.
    Bis auf den Punkt, dass man die Fahrkarten bei rechtzeitiger Buchung günstig bekommt. Das ist mir für die Strecke nach Paris leider noch nie gelungen.
    Wobei es ja jetzt auch hinfällig ist. Leider.

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  2. Eine Schande ist das! Ich mag Nachtzüge, auch wenn ich bisher nur einen geschafft habe. Nach Prag wäre ich eigentlich auch gern über Nacht gefahren, aber das gibt’s leider nicht.
    Aber Zürich und Ziele in Deutschland habe ich noch am Plan. Ohne DB wird sich da aber in Dland nix mehr spielen…

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  3. Bezüglich Destination Paris gab es sogar einen Supertip, den mir ein alter Koreaner auf der fahrt verraten hat: Die SCNF, die französische Bahn, unterhält eine Buchungsseite auf Deutsch. Da konnte man Liegewagen für 49 Euro Festpreis, nicht kontingentiert, kaufen. Seufz.

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