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Momentaufnahme: Januar 2015

30 Jan

Herr Silencer im Januar 2015
Ich würde jetzt gerne Winterschlaf halten. Nunja, mit kaputten Zeh auf dem Sofa rumliegen kommt dem recht nahe.

Wetter: Zu Beginn einstellige Plustemperaturen, dann zwei Tage leichten Schneefall, Mitte des Monats dann eine Woche Sturm und Temperaturen im zweistelligen Plusbereich. In der dritten Woche der Absacker knapp unter Null Grad, am Monatsende abwechselnd Sturm, Sonnenschein, Regen und Schnee – an einem Vormittag.
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Lesen:

Cheryl Strayed: Wild: A Journey from Lost to Found [Kindle]
Eine wahre Geschichte: Cheryl Strayed ist Mitte Zwanzig, als ihre Mutter unerwartet stirbt. Das wirft die junge Frau total aus der Bahn, sie versucht ihre Trauer mit One-Night-Stands, Alkohol und später Heroin zu betäuben – die Abwärtsspirale scheint unstoppbar. Eines Tages bekommt sie einen Reiseführer über den Südpazifik-Trail in die Hände und beschliesst den 1.600 Meilen langen Weg zu Fuß zu laufen, um sich selbst zu finden und „wieder der Mensch zu werden, zu dem meine Mutter mich erzogen hat“. Unerfahren, mit viel zu viel Gepäck und immer der Verzweifelung nahe geht Cheryl Schritt für Schritt vorwärts, durch glühende Hitze und über schneebedeckte Berge, immer im Kampf mit dem Weg, sich selbst und dem eigenen Körper – der irgendwann so am Ende ist, dass es „eine Erleichertung ist, sich die Zehennägel abzureißen“.
Interessanter Reisebericht, auf jeden Fall. Handwerklich wirkt es, als hätten zwei verschiedene Autorinnen daran geschrieben. An manchen Stellen ist die Geschichte zu poliert und verwendet filmreife und nachgerade unglaubwürdige Bilder, an anderen Stellen klingt es wie das Tagebuch eines Teenagers. Das sind meist auch die Stellen, die ziemliche Längen haben – wenn zum gefühlt hundertsten Mal der Verlust der Mutter beklagt wird oder sich die Gedanken um den Junkiesexbuddy drehen, möchte man einfach nur rufen „JA! Wir haben es ja verstanden, Du Zimperliese!“
Trotzdem ein lesenswertes Buch, zumal für die 5 Euro, die die englische Kindleausgabe kostet.

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Hören:


Awesome Mix Vol. 1 [MP3]
Interessanter Mix alter 70s Songs, Soundtrack zu Guardians of the Galaxy.

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Sehen:

Guardians of the Galaxy [BluRay]
Eine Bande Gauner rettet das Universum. Schön, schräg, humorvoll, actionreich – macht Spaß.

Die zauberhafte Welt von Oz [PSN]
Ein schlitzohriger Jahrmarktzauberer gerät um die Jahrhundertwende in Kansas in einen Tornado und findet sich in Oz wieder. Dort wurde die Ankunft eines Zauberers prophezeit, und prompt schlüpft der Trickbetrüger in diese Rolle um die hübsche Hexe des Nordens zu verführen. Und ihre Schwester. Und eine andere Hexe. Das bricht der Nordhexe das Herz, und sie wird grün und böse und dann geht´s los.

Nette Idee, ein Prequel zu „Der Zauberer von Oz“ zu drehen. Stellenweise ist das auch mit originellen Ideen recht gut gelungen, an anderen Stellen hat der Film deutliche Längen und ist schlecht getrickst. In der Summe durchwachsene Unterhaltung.

Veronica Mars – Der Film [BluRay]
Veroncia Mars hat alle Privatdetektivambitionen begraben. In den letzten 8 Jahren hat sie ihr Jurastudium durchgezogenen und arbeitet an einer Karriere als Rechtsanwältin, als die Freundin ihres alten Freudes Logan ermordet wird. Noch einmal kehrt Veronica nach Neptune zurück und trifft alte Bekannte.
Acht Jahre nach dem unvermittelten Ende der Serie bekommen Fans mit diesem, per Kickstarter finanzierten und von Kristen Bell selbst produzierten, Film eine Gelegenheit, sich in Ruhe und Würde von den Charakteren zu verabschieden. Dabei muss man die Serie nicht unbedingt kennen, ohne Vorkenntnisse ist es ein kurzweilig Who-Dunnit. Kennt man aber die drei Staffeln, ist es eine liebevolle Hommage.

Lucy [BluRay]
Der Mensch nutzt nur 10 Prozent seines Gehirns. Lucy nur 7. Das ändert sich, als sie mit einer blauen Wunderdroge in Kontakt kommt, die sie stückweise auf 100 Prozent bringt. Am Ende verwandelt sie sich erst in Gott, dann in einen USB-Stick.
„Lucy“ ist ganz großer Quatsch, und keiner von der unterhaltsamen Sorte. Der Film ist geradezu unanständig dumm. Das fängt bei der platten wie falschen Grundannahme (10 Prozent) an, geht über die Ästhetik (Spielfilm wird ständig unterbrochen von Dokumentarfilmbildern), die Schauspielerei (Scarlett Johannsonn telefoniert ihre Rolle nur durch) und die Charaktere (alle unsympathisch außer Morgan Freeman) und vom Plot wollen wir erst gar nicht anfangen: Nachdem Lucy gehackten Schlumpf geschnupft hat, kann sie sofort fliegen, elektronische Geräte fernsteuern und Leute durchleuchten. Am Ende scrollt sie durch Zeit und Universum, um dann … allen ernstes ein göttlicher USB-Stick zu werden. What. The. Fuck.
Ich mag SciFi- Unsinn, aber dieser Quatsch lässt mich ratlos zurück. „Lucy“ ist Luc Bessons „2001“, und den finde ich auch doof.
Rausgeschmissenes Geld.

Genova [DVD]
Bei einem Unfall verliert ein amerikanischer Uniprof seine Frau. Um der Trauer zu entfliehen nimmt er eine Stelle an der Universität von Genua an und zieht mit seinen beiden Töchtern nach Italien. Dort versuchen alle drei auf ihre Art mit dem Verlust und dem neuen Leben klar zu kommen.
Ein äußerst ärgerlicher Film, anders kann ich es nicht ausdrücken. Es ist ärgerlich, dass die Kamera gewollt Artsy-Fartsy ständig in Nahaufnahme im Gesicht der Schauspieler herumwackelt. Es ist ärgerlich, dass die Figuren allesamt egal sind – von der Hauptfigur bleibt bis zu Ende des Films nicht mal der Name hängen. Es ist ärgerlich, dass alles so gewollt auf Arthaus gemacht ist und dabei überstilisiert wird: Der Uniprof hat nichts anderes zu tun als mit 8 Studenten in einem Riesensaal zu sitzen und Gespräche auf Kaffeehausniveau zu führen, wenn er nicht gerade mit Studentinnen flirtet. Die große Tochter pubertiert und schmeisst sich jedem Loverboy an den Hals. Und die kleine Tochter geht stiften, was man ihr bei der Baggage auch nicht verübeln kann. Und es ist ärgerlich, das wirklich so gar nichts passiert.
Ein absurd schlechter, belangloser und langweiliger Film, dessen einziges Highlight die schauspielerische Leistung der damals 11jährigen Perla Haney-Jardine ist.

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Spielen:

Middle Earth: Shadow of Mordor [PS4]
Vor den Ereignissen von „Herr der Ringe“: Talion ist ein Ranger von Gondor. Er hält am schwarzen Tor Wache und passt auf, dass es in Mordor ruhig bleibt. Das bleibt es nicht, ein Überraschungskommando von Urukhs tötet ihn und seine Familie. Aber Talion bleibt nicht tot: Ein Ringgeist ergreift von ihm Besitz und bringt ihn zurück. Beide, Ranger und Wraith, sind fortan eins – und können nicht sterben. Gemeinsam versuchen sie die Vergangenheit des Ringgeists zu ergründen und einen Weg zur letzten Ruhe zu finden. Dabei kommen sie Sauron in die Quere, der im Verborgenen seine Rückkehr vorbereitet.

Was war ich bereit das Spiel zu verachten – es hat nichts eigenständiges, sondern klaut hemmungslos von meinen Lieblingsfranchises, seine Geschichte ist kurz, platt und schlecht erzählt, und die Mechaniken repetitiv. Und trotzdem hat es mich gefesselt. Das Schleichen und Klettern aus Assassins Creed funktioniert in Kombination mit dem Kampfsystem aus den „Arkham“-Spielen besser als in „Unity“ und macht sogar mehr Spaß. Ab der Hälfte des Spiels wird es taktisch: Die Urukh-Gesellschaft mit ihren Rängen wird simuliert. Unbedeutende Orks werden zu Captains, Captains zu Wachen von Kriegsherren.

Talion kann diese Veränderungen direkt beeinflussen, Konflikte schüren und sogar Orks mit Hilfe des Ringeistes manipulieren. Das funktioniert hervorragend und führt zu tollen Situationen. Etwa, wenn Talion einen Kriegsherren stellt, der seine Bodyguards ruft und plötzlich begreift, dass diese ihm nicht helfen werden, weil sie unter Talions Bann stehen.

Jeder Ork sieht anders aus, und jeder hat eine eigene „Persönlichkeit“. Sie erinnern sich an frühere Begegnungen, tragen manchmal Narben von Wunden, die ihnen Talion zugefügt hat, und kommentieren das entsprechend. Dieses System ist auch auf anderer Ebene überaus motivierend: Talion kann zwar nicht dauerhaft sterben, aber wenn ein Ork ihn im Kampf besiegt, wird er mächtiger und steigt in den Rängen von Saurons Armee auf. Wenn man nicht aufpasst und einen der gleiche Ork immer und immer wieder besiegt, steht man am Ende tatsächlich einer mächtigen Nemesis gegenüber. Ein hervorragendes und motivierendes Actionadventure.

Assassins Creed Unity: Dead Kings [PS4]
Wenige Tage nach dem Ende der Terrorherrschaft der französischen Revolution: Arno ist von der Trauer um Elise gebrochen und säuft sich durch die Tage und Nächte, als der Marquis de Sartre ihn um einen Gefallen bittet. Arno begibt sich nach St. Denis, einem Vorort von Paris, und steigt hinab in die alten Königsgrüfte, in denen Grabräuber nach etwas suchen.
Exakt wie das Hauptspiel ist auch „Dead Kings“ optisch eine Schau, Storytechnisch aber mau. St.Denis ist düster in Szene gesetzt, hier unterscheidet sich der DLC vom Feeling deutlich von „Unity“. Erzählerisch geht es nur um einen McGuffin, die Story trägt für maximal drei Stunden. An Gameplay wurden absurderweise die schlechtesten Elemente des Hauptspiels genommen und prominent in Szene gesetzt – wer einmal versucht hat mit der Parcours-Steuerung eine Verfolgungsjagd durch eine viel zu enge Katakombe zu spielen, weiß, was ich meine: Alle zwei Meter klettert die Spielfigur einen Türrahmen hoch statt hindurchzulaufden. Das lässt einen vor Frust ins Gamepad beißen, zumal dieser Mist ein Showstopper sein kann. In der Summe: Mehr Zeit in der Welt von Unity, aber kein guter DLC.

Infamous: First Light [PS4]
Fetch sitzt im Gefängnis und erzählt ihre Geschichte. Sie und ihr Bruder waren drogenabhängig und lebten auf der Straße. Ein letzter Deal sollte ihnen den Ausstieg ermöglichen, aber der ging natürlich schief und der Bruder wurde entführt. Was keiner wusste: Fetch ist ein Conduit und verfügt über Übermenschliche Kräfte. Das macht sie zur Zielscheibe für die Geheimpolizei und Gangsterbanden, die ihre Gabe jeweils für sich nutzen wollen.
Standalone-DLC zu Infamous: Second Son, dreht sich ganz um die junge Fetch. Die war im Hauptspiel ein Nebencharakter, nun erfahren wir ihre Geschichte. Schöne Variation, interessante Geschichte, sehr gut inszeniert. So muss DLC!

GTA V [PS4]
Los Santos ruckelfrei und in HD, mit Egoperspektive und vielen optischen Aufhübschungen. Zwar habe ich die Geschichte um die drei Gauner Michael, Trevor und Franklin schon vor einem Jahr auf der XBOX 360 gespielt, aber auf der PS4 geht das Ganze erst richtig ab. Der Nachbau von Los Angeles ist unfassbar detailliert, die Spielewelt so mit Leben gefüllt und so eine Augenweide, dass es eine Freude ist einfach nur durch die Stadt zu fahren. Die Missionen sind abwechselungsreich, und die Heists großartig. GTA ist verdientermaßen das bislang größte Videospiel. Schade ist, dass inhaltlich die Satire nicht weiß was sie will und die Welt mit sexistischen Pipikacka-Witzen überfrachtet ist – GTA ist die Leinwand für große Erzählungen, aber genau hier versagt es und ruft keine Emotionen außer Ekel hervor.

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Machen:
Diverse Ärzte besuchen.

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Neues Spielzeug:

House – die komplette Serie. Günstig gebraucht geschossen. Eine sichere Geldanlage, die Box wird sonst für 90 – 150 Euro gehandelt, Tendenz steigend.

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
2 Kommentare

Verfasst von - 30. Januar 2015 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

2 Antworten zu “Momentaufnahme: Januar 2015

  1. kalesco

    31. Januar 2015 at 12:41

    Fazit zu Wild?? Danke!

    Gefällt mir

     
  2. Silencer

    31. Januar 2015 at 14:25

    Interessanter Reisebericht, auf jeden Fall. Handwerklich wirkt es, als hätten zwei verschiedene Autorinnen daran geschrieben. An manchen Stellen ist die Geschichte zu poliert und verwendet filmreife und nachgerade unglaubwürdige Bilder, an anderen Stellen klingt es wie das Tagebuch eines Teenagers. Das sind meist auch die Stellen, die ziemliche Längen haben – wenn zum gefühlt hundertsten Mal der Verlust der Mutter beklagt wird oder sich die Gedanken um den Junkiesexbuddy drehen, möchte man einfach nur rufen „JA! Wir haben es ja verstanden, Du Zimperliese!“

    Aber trotzdem ist es ein lesenswertes Buch, zumal für die 5 Euro, die die englische Kindleausgabe kostet.

    Gefällt mir

     

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