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Terry Pratchett

12 Mrz

„Was der Unterschied zwischen Douglas Adams und mir ist, werde ich oft gefragt. Nun. Er schreibt Science Fiction, ich Fantasy. Abgesehen davon bin ich fleissiger als er“

– den Satz von Terry Pratchett hätte Adams, der Autor des „Anhalters durch die Galaxis“ sicherlich unterschrieben, denn er bezeichnete sich gerne selbst als faule Sau. Abgesehen davon war die Schreibe der beiden sehr ähnlich, zumindest in Pratchetts Anfangsjahren. Adams´ Geschichten spielten im Weltraum, die von Pratchett auf der Scheibenwelt, einer flachen Welt, die auf dem Rücken von vier Elefanten ruht, die von einer Schildkröte durchs All getragen wird – „Eine Welt, so unwahrscheinlich, dass sie mit Sicherheit existiert“.

Die Scheibenwelt eine Persiflage auf die üblichen Fantasywelten war. Zaubberer (Sic!) waren feige, Cohen der Barbar (Sic!) 90 Jahre alt und Gepäckstücke hatten hunderte Füßchen und trampelten damit Leute platt. Das war in den 1980ern, und wenn ich das heute lese, finde ich die Geschichten und den Humor ziemlich platt, genau wie die Welt, auf der sie spielen.

Aber Pratchett entwickelte sich und seine Welt. In den 90ern wurden die Charaktere besser und unvergesslich: Die clevere Hexe Esmé Weatherwax, die ständig aufpassen muss nicht böse zu werden. Der zynische Alkoholiker Sam Vimes, Hauptmann der Stadtwache. Die Schülerin Tiffany Aching. Der Trickbetrüger Lipwig van Moist. In den letzten 15 Jahren wurden die Geschichten tiefer und die Handlung immer komplexer: Wie ensteht eine Nation? Wie reagiert die Gesellschaft auf Veränderungen? Statt Comedy gab es tiefe Weisheiten und Einsichten in unterhaltsamer Form.

„The truth isn’t easily pinned to a page. In the bathtub of history the truth is harder to hold than the soap, and much more difficult to find…“
– Terry Pratchett, „Sorcery“

Am Ende waren Pratchetts Bücher Lehrstücke über unsere eigene Geschichte und die Entwicklung der Menschheit, aber immer mit dem besonderen Dreh, den Pratchett „The Lion Upside Down“ nannte.

Er erzählte mir* mal, dass das Sternbild Löwe sein liebstes sei. Hunderte Male hatte er es am Nachthimmel gesehen. Dann war er in Australien, und der Löwe stand auf dem Kopf und plötzlich kam ihm das langweilig Vertraute wunderbar und fremdartig vor. Das war es, was Terry Pratchetts Bücher so besonders macht. Er nahm etwas Vertrautes, und gab dem mit den Mitteln seiner Scheibenwelt etwas fremdartiges und wunderbares.

Terry Pratchett ist heute von uns gegangen, aber seine Welt bleibt in den Büchern lebendig. Und „The Lion Upside Down“ wird mir immer in Erinnerung bleiben.

————–
* und 1.000 anderen Studenten, bei einer Lesung im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes Ende der 90er.

 
 

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