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Reisetagebuch Paris (5): Männer, die betreten auf ihre Penisse starren

16 Mai

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Montag, 27. Oktober 2014, Paris

Im Hotel frühstücke ich schon seit dem zweiten Tag nicht mehr. Sechs Euro sind zu viel für eine Tasse Kaffee und ein Croissant. Zumal ich normalerweise eh nicht frühstücke, und einen Kaffee bekomme ich auch um die Ecke. Dort liegt das nämlich das „Café des Deux Moulins“, wo ich meinen Frühstückskaffee stilecht, im Stehen und an den Tresen gelehnt, trinke. Um mich herum sind Handwerker und Verkäufer ins Gespräch vertieft oder lesen Zeitung. Sie machen Frühstückspause, sind auf dem Weg zu Arbeit oder kommen mal eben so reingedippt, auf einen Kaffee, im Tresen, im Stehen, und dann geht es weiter.

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Es ist ein seltsames Gefühl hier zu sein. Alles sieht exakt so aus wie im Film „Amélie“, der hier gedreht wurde. Hier ist der Tisch, an dem der Mann mit dem Diktafon saß, dort der Tabaktresen von der schniefenden Verkäuferin. Aber das hier ist keine Filmkulisse, sondern ein ganz normales, in die Jahre und etwas runtergekommes Café, in dem die Einheimischen ein- und ausgehen.

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Das ist fast ein wenig surreal, und dieses Gefühl hatte ich auch schon, als ich in „Sherlocks“ Stammcafé in London war. Anders als das „Speedys Sandwich Café“ macht das „Des 2 Moulins“ aber Werbung damit, dass es ein Drehort war. An der Wand hängen „Amélie“-Poster, und auf der Toilette ist ein kleiner Schrein eingerichtet, in dem sogar der Gartenzwerg steht. Das Wiesel hält kurz andächtig inne.

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„Des 2 Moulins“, also „Von den zwei Mühlen“ heisst übrigens so, weil es wirklich mittig zwischen zwei Mühlen liegt. Weiter oben am Berg steht die letzte von einst zahlreichen Windmühlen auf dem Montmartre. Sie beherbergt heute ein Sternerestaurant. Etwas weiter die Straße runter drehen sich die roten Flügel der zweiten Mühle, der auf dem Dach des Moulin Rouge.

Der Laden, der im Film dem unfreundlichen Gemüsehändler gehört, liegt nur zwei Straßen weiter. Heute Morgen hat er noch geschlossen.

Der Laden, der im Film dem unfreundlichen Gemüsehändler gehört, liegt nur zwei Straßen weiter. Heute Morgen hat er noch geschlossen.

Während ich am Tresen stehe, mache ich mir ein wenig Gedanken darüber, welchen Eindruck die Stadt bislang auf mich hinterlassen hat. Paris besteht gefühlt nur aus Modeläden und Cafés. Es gibt Fantastilliarden an Schuh- und Klamottengeschäften, und ganze Straßenzüge bestehen nur aus einem Café am nächsten. Mittags und Abends sind nahezu alle voll belegt. Es ist, als ob sich das Leben der Pariser außerhalb der Arbeit in Cafés abspielt. Hier trifft man sich mit Freunden und Familie. Vermutlich will niemand direkt nach Hause, weil die Wohnungen so fürchterlich winzig sind.

Jedes Café hat eine Außenbestuhlung, eine Reihe winziger Bistrotische mit je zwei Stühlen daran. Darüber hängen Heizlampen und machen alles muckelig warm, den jetzt, im Oktober, gehen die Temperaturen schnell auf um die 10 Grad zurück wenn die Sonne weg ist. Ich vermute, dass alleine die Heizlampen der Pariser Cafés ein französisches Atomkraftwerk gut auslasten. Die Außentische sind immer sofort belegt, denn hier dürfen Raucher noch Raucher sein. Geraucht wird in Frankreich noch viel, es kommt schon mal vor, dass die Verkäuferin am Außenstand der Bäckerei erst die Kippe ablegen muss, um das Baguette einzupacken.

Das ist genau so eine Pariser Eigenart wie das Verhalten in der U-Bahn. In Rom spielen in der U-Bahn alle an ihren Handys rum, vornehmlich zur Kommunikation. Telefonieren geht nicht, mangels Netz. In London spielt ein kleiner Teil an ihren Smartphones Spiele, besonders Kartenspiele. Trotz Netzabdeckung telefoniert so gut wie niemand, außer italienischen Touristen. Drei Viertel aller U-Bahn-Fahrer liest in Zeitungen, Büchern und ebookreadern. London ist da herrlich altmodisch, es gibt auch nicht wenige Leute, die die Fahrt in der Tube nutzen, um handschriftlich Notizen in ledergebundene Kalender einzutragen.

In Paris dagegen wird nicht gespielt oder gelesen, selbst Kopfhörer sind nur selten zu sehen. Die Pariser setzen sich einfach nur und starren vor sich hin. Erst wenn ihre Zielstation erreicht ist, kommt wieder Leben ins Gerippe. Das sind ziemlich beachtliche Unterschiede. Würde mich ja mal interessieren wie das in Japan ist.

Untergrund unter dem Louvre-Innenhof: Das „Caroussel“.

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Paris versinkt in japanischen Touristen, die ich von Anfang bis Ende nicht verstehe. Besonders die TouristINNEN. Japanerinnen in diesem Herbst sind puppenhaft geschminkt, viele tragen Kontaktlinsen, die die Pupillen größer aussehen lassen, und dazu eine Glitzerträne in den Augenwinkeln. Das Haar ist erkennbar sehr intensiv gepflegt, was den puppenhaften Eindruck noch erhöht. Sie sind wandelnde Comicfiguren. Im krassen Gegesatz dazu steht das Benehmen, denn die vermeintlich zarten Porzellanpuppen verhalten sich wie Seeleute, die an die Bar wollen: Rüpelhaft und ohne Rücksicht auf Verluste rempeln sie alles aus dem Weg, nur um sich am Ort der Begierde sofort in „süße“ Posen zu werfen, mit einem Joker-artigen Lächeln, merkwürdige Gesten mit den Händen zu machen und dazu mit den Augen zu klimpern. Einer japanischen Touristin ist quasi „der gestiefelte Kater“ aus Shrek, nur in Natura. Eben noch Raubtier, plötzlich hilfloses Kätzchen. Von der Kätzchenpose werden dann 3 bis 184 Selfies geknipst. Mittel der Wahl dafür sind neuerdings Stöcke mit einer Halterung am Ende, in die das Smartphone eingeklemmt wird. Amerikaner machen das auch, allerdings haben die auf ihren Selfiestöcken eine goPro montiert, eine der kleinen Actioncams die Fischaugenbilder macht, und die sie über ihr Smartphone auslesen können.

Arc du Triomphe du Caroussel vor dem Louvre.

Arc du Triomphe du Caroussel vor dem Louvre.

Das Fotoverhalten ist schon seltsam verändert. Früher hieß es „Stillstehen und lächeln“. Jetzt soll ich am Pont des Artes die Kamera auf ein Pärchen halten. Ich tue wie mir geheißen, und die beiden machen 10 Sekunden lang absurde Gesten, ziehen Fratzen und werfen die Körper hin und her. Dann verstehe ich: Die Kamera ist im Filmmodus, die beiden werden später aus den 250 Filmbildern das gelungenste als Standbild nehmen.

Als ich 2012 mal ein paar Selbstfotos aus der Hand gemacht habe, einfach weil ich allein unterwegs war und niemanden fremdes fragen wollte, ob er mich mal fotografiert, da wurde ich dafür bestaunt und von den umstehenen komisch angesehen. Heute macht es jeder, aber Japanerinnen in Extremo.

Das fällt mir besonders auf, als ich vor La Giocanda, der Mona Lisa, stehe und mich wieder von ihrem Lächeln verzaubern lasse. 24 Jahre haben wir uns nicht mehr gesehen, und es ist ein komisches Gefühl zu wissen, dass sie noch hier sein wird, wenn es mich schon lange nicht mehr gibt.

La Giocanda, die Lächelnde. Bei uns bekannt als Mona Lisa.

La Giocanda, die Lächelnde. Bei uns bekannt als Mona Lisa.

Zeitloses Meisterwerk. Und die Mona Lisa.

Zeitloses Meisterwerk. Und die Mona Lisa.

Um mich herum tobt das Selfiegewitter. Kleine Japanerinnen rempeln wie Quarterbacks alles um was nicht bei drei aus dem Weg ist, marschieren mit unbewegten Sauertopfmienen bis vor die Absperrung, drehen sich sofort und ohne einen Blick auf das Bild zu werfen um, bringen sich und ihre Haare dann minutenlang in Form und lächeln dann von einem Moment auf den nächsten so süß, dass die Kamera sofort Karies bekommt. Ist der perfekte Selfie endlich gelungen, erlischt das Lächeln sofort, und mit unbewegtem Gesicht wird wieder weggetrampelt.

Mich kotzt das an. Klar, schon immer ließen sich Leute gerne vor Orten ablichten, die was besonderes sind. Aber das stand an zweiter Stelle, oder? Erst das Erlebnis, dann die Dokumentation. JETZT geht es nur noch um das Bild und es möglichst schnell auf Facebook zu posten, für den Ort oder das Objekt wird sich nicht mehr interessiert. Das die Leute sich dabei sowohl eine Realität als auch eine Persönlichkeit quasi zusammenfaken, merken sie gar nicht. Kirsten Dunst hat das neulich mal in einem super Kurzfilm thematisiert.

Witzig: Die alte Internetgarde war, wie ich es auch halte, gerne unter Pseudonymen unterwegs, um dadurch bestimmte Charaktereigenschaften anders auszuleben und mehr Tiefe zu verleihen als das vielleicht in der Realität ginge. Erfundene Identität, echte Inhalte. Die Generation „soziale Medien“ ist nicht anonym, dafür faked sie sich ihr Leben zusammen – also das genaue Gegenteil.

Nunja, zum Glück habe ich mit solchen Leuten nur selten zu tun. An diesem Morgen im Louvre sind sie mir sogar so egal, dass ich sie einfach aus dem Weg schiebe, wenn sie mal wieder minutenlang in Pose vor einem Kunstwerk rumstehen, dass sie doch eigentlich nicht interessiert. Das Wiesel tut das seine, immer wieder schleicht es sich in in Selfiebilder hinein. Einige Leute werden sehr überrascht sein, wenn sie die Bilder ansehen…

Es ist noch früh, als das Wiesel und ich am Louvre eintreffen. Trotzdem sind die Schlangen schon lang.

Es ist noch früh, als das Wiesel und ich am Louvre eintreffen. Trotzdem sind die Schlangen schon lang.

Der Louvre ist nicht riesig. Er ist auch nicht gigantisch. Er ist einfach so unfassbar groß, dass mir die Worte dafür fehlen. Es gibt zwei Flügel, Denon und Richelieu, die je drei vier Etagen haben, die 650 Meter lang und 90 Meter breit sind. Am Kopf sitzt der Sully-Flügel, der vermutlich ähnlich groß ist wie die Seitenflügel, aber quadratisch aufgebaut ist. Im Louvre findet sich eine Menge von dem, was die Franzosen sich so zusammengeklaut haben.

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Als ich kurz nach der Öffnung um 09.00 Uhr an der schon mehreren hundert Meter langen Schlange vorbeigehe und mit meinem Ticket, dass ich am ersten Tag in der Stadt in dem kleinen Büro am Pont Neuf abgeholt habe, das Museum betrete, bin ich erst mal Baff ob der Ausmaße und der Pracht des Museums.

Einganshalle unter der Pyramide.

Einganshalle unter der Pyramide.

Die umgekehrte Pyramide unter der Pyramide über der Pyramide. Oder: Der Ort, an dem die große Erkenntnisszene in Dan Browns „Sakrileg“ stattfand.


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Dann stolpere ich sofort über Werke, die ich einordnen kann.

Ich bin in der Sammlung Norditalien des 15. Jahrhunderts gelandet, und HIER sind die Werke, die in der Villa Borghese in Rom fehlen. Frankreich muss die auch nicht zurückgeben, weil Napoleon die nicht geraubt hat – zumindest konnte er eine Quittung vorweisen. Damit gehören die Skulpturen rechtmäßig Frankreich.

Ups, die Pannenshow. In Marmor.

Ups, die Pannenshow. In Marmor.

Männer, die betreten auf ihre Penisse starren.

Männer, die betreten auf ihre Penisse starren. Ursprünglich trugen die mal einen Brunnen auf ihren Schultern.

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Andere gehören wirklich Frankreich, wie diese Büste von Kardinal Richelieu, geschaffen von einem der besten Künstler seiner Zeit. Man beachte die Linienführung, den Gesichtsausdruck, der das Wesen dieses stolzen und eitlen Machtmenschen zum Ausdruck bringt. Wer vermag Marmor so zu bearbeiten, dass er eine Seele bekommt? Sagen sie es mit mir gemeinsam: Ber-ni-Ni! (Wer jetzt nicht weiß worum es geht, liest bitte die Geschichte um die klingenden Marmorblätter).

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Von Bernini finden sich auch Entwürfe für spätere Skuplturen, die ich in Rom gesehen habe. Wie dieser hier, eine Miniatur der nackten Wahrheit, der ihre Kleidung von der Zeit entrissen wurde.

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Alles kann man sich im Louvre gar nicht ansehen. Ich hatte den ganzen Tag dafür eingeplant, aber um alles hier zu studieren würde ein ganzer Monat nicht reichen. Man sollte sich daher vor dem Besuch überlegen, was man hier besuchen möchte. Und man sollte sich einen Plan mitnehmen, die gibt es irgendwo am Eingang. Ohne den ist man verloren, und da ich die Dinger übersehen habe, BIN ich verloren, denn wenn man erstmal drin ist, gibt es keine Pläne mehr. Ich bin froh, als ich auf einer Brüstung einen vergessen Plan auf englisch finde. Mit ihm verlaufe ich mich zwar immer noch alle Nase lang, aber ich finde einige der wichtigeren Werke.

„Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix, 1830.

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Das Wiesel erschreckt einen kleinen Tiger.

Das Wiesel erschreckt einen kleinen Tiger.

Egal wie oft ich „Gabrielle d’Estrées et une de ses sœurs“ sehe, immer denke ich: WTF?!
Niemand weiß wer das Bild gemalt hat.

Der Louvre ist übrigens nur verständlich kuratiert, wenn man einen Nintendo DS am Eingang mietet. Auf der kleinen Spielkiste befindet sich ein interaktiver Guide, der Kontext liefert und dinge einordnet. Ohne das ist der Louvre nur eine Sammlung von Dingen, deren Bedeutung anhand der Ultrakurzbeschreibung auf winzigen Schildchen nicht ausmachen ist.

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Fundament der alten Burg, die hier früher mal stand.

Fundament der alten Burg, die hier früher mal stand.

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Es heisst, man muss im Louvre drei Damen besuchen: Die Mona Lisa, die Venus von Milo und die Nike von Samothrake.
Von der letzteren ist nicht allzuviel übrig…

Die Nike von Samothrake begrüßt Besucher schon am Aufgang der Treppe.

Die Nike von Samothrake begrüßt Besucher schon am Aufgang der Treppe.

Aber die Venus von Milo ist in Stein gehauene Verführung und auch nach 2.200 noch sexy:

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Schönheit in Perfektion. Und die Venus von Milo.

Schönheit in Perfektion. Und die Venus von Milo.

Gegen Nachmittag sind meine Augen müde, mein Hirn voll und die Beine müde. Mehr als 6 Stunden und 12 Kilometer bin ich durch die Säle gelaufen, jetzt will ich nicht mehr. Ich gucke mir noch kurz das neue Einkaufszentrum „Caroussel de Louvre“ an, das sich unter dem Eingangsaal unte der Pyramide befindet. Ja, Paris baut in die Tiefe – tat es schon immer, in den letzten Jahren verstärkt.

Das Wiesel balanciert die Glaspyramide des Louvre auf seiner Nase.

Das Wiesel balanciert die Glaspyramide des Louvre auf seiner Nase.

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Untergrund unter dem Louvre-Innenhof: Das „Caroussel“.

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Dann fahre ich mit der Metro nach Montparnasse, und suche dort das einzige Hochhaus von Zentralparis auf, den Tour Montparnasse. Wie ein Stachel ragt der 210 Meter hohe und ästhetisch bestenfalls fragwürdige Bau aus Montparnasse heraus.

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Ich habe bereits ein Ticket für den Turm in der Tasche, aber im Foyer stehe ich einer riesigen Schlange und einer freundlichen Helferin gegenüber, die sich meinen Zugangscode anguckt und mir dann den Tipp gibt, später wieder zu kommen – ein „Skip the Line“ gäbe es leider nicht.

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Nunja. Ich nehme die Metro bis zum äußerten Zipfel von Montmarte, wo es noch nicht das Dorf am Hügel ist, sondern schon mit der Stadt verschmilzt. Hier die ist Welt der Passagen.

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Die Geschichte der Passagen
Einkaufspassagen sind eine Art überdachter Gang, mit Geschäften zu beiden Seiten. Die Gänge führen oft hundertte Meter lang durch ganze Häuserblocks hindurch. Sie entstehen in Paris in den 1820er Jahren und bieten dem gehobenen Bürgertum Luxus und die Möglichkeit, auch bei schlechtem Wetter durch die Geschäfte zu flanieren. Passagen sind meist luxuriös ausgestattet, mit viel Holz und Marmor. Schon 1850 gehören sie so fest zum Stadtbild, dass es einen gedruckten Parisführer mit Einkaufstips gibt. In anderen Städten werden Passagen nach Pariser Vorbild angelegt. Später werden die Passagen von großen Warenhäusern abgelöst. Noch heute gibt es z.B. in Mailand, Prag, oder auch Leipzig eine aktive Passagenkultur.
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Die noch erhaltenen Passagen sind anmutige und gediegene Orte, in denen kleine Kunsthandlungen, Buchgeschäfte und Schneidereien angesiedelt sind. Sogar das Wiesel findet ein Geschäft nach seinem Geschmack.

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Nachdem ich heute gut 10 Kilometer durch die Gegend gestromert bin, versuche ich mein Glück ein zweites Mal in Montparnasse. Es ist jetzt später Nachmittag, und die lange im Foyer des Turms ist verschwunden. Es dauert keine zehn Minuten bis ich im Expresslift bin. Der schießt in gefühlt 10 Sekunden bis zur Spitze des Gebäudes und entlässt mich in eine Skylounge im 58. Stockwerk, wo man bei irrem Ausblick Cocktails trinken oder Andenken kaufen kann.

Über eine Treppe geht es dann auf das Dach des Gebäudes, und von dort hat man wirklich Aussicht. Die Plattform ist rundum verglast, aber ein wenig windig ist es schon. Es gibt eine Sektbar, die schon regen Zulauf erhält, aber zum Aufwärmen ist das sicher nicht das richtige. Die Dämmerung setzt bereits ein, und es wird kalt. Ich beschließe trotzdem länger hierzubleiben und erlebe etwas sehr schönes: Paris verwandelt sich. Während sich der Himmel im Westen langsam von blau zu rot verfärbt, bricht von Osten die Nacht herein. In den Straßen der Stadt werden die Schatten länger und zu Dunkelheit, und plötzlich beginnt die Stadt zu glühen. Erst ist das gar nicht so wahrnehmbar, vereinzelte Lichtpunkte in den Schatten, aber dann flammen ganze Häuserblocks und Straßenzüge auf, markante Gebäude wie der Eiffelturm, Notre Dame und andere Kirchen werden angestrahlt und scheinen wie Leuchtfeuer in einer dunklen See. Als die Sonne weg ist, ist die Stadt ein orangenes Lichtgespinst in einem Meer aus Schwärze.

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Besucherpplattform auf dem Tour Montparnasse.

Besucherpplattform auf dem Tour Montparnasse.

Die Sonne versinkt.

Die Sonne versinkt.

In der Stadt ist schon Nacht, während am Horizont noch ein Rest Tag zu erahnen ist. Bild: Silencer. (c)  Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

In der Stadt ist schon Nacht, während am Horizont noch ein Rest Tag zu erahnen ist.
Bild: Silencer. (c) Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Bild: Silencer.  (c)  Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Bild: Silencer. (c) Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Bild: Silencer.  (c)  Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Bild: Silencer. (c) Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

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Champagnerbar auf dem Tour Montparnasse.

Champagnerbar auf dem Tour Montparnasse.

Die Stadt ist ein orangenes Gespinst in einer schwarzen See. Bild: Silencer.  (c)  Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Die Stadt ist ein orangenes Gespinst in einer schwarzen See.
Bild: Silencer. (c) Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Bild: Silencer.  (c)  Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Bild: Silencer. (c) Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Auf Augenhöhe mit dem Eiffelturm. Bild: Silencer.  (c)  Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Auf Augenhöhe mit dem Eiffelturm.
Bild: Silencer. (c) Tour Eiffel – Illuminations Pierre Bideau.

Eineinhalb Stunden bleibe ich hier oben, weil ich mich nicht sattsehen kann. Der Moment ist wirklich magisch. Niemand hat mir vorher gesagt, dass der Sonnenuntergang auf dem Tour Montparnasse zum schönsten gehört, was man in Paris machen kann, und ich bin froh, dass ich das entdeckt habe. Hier ist man auf Augenhöhe mit dem Eiffeturm, und von oben anzusehen, wie die Stadt sich verändert…. wirklich, magisch.

Skylounge Eingang.

Skylounge Eingang.

Bei Nacht ist er schöner: Außenbeleuchtung des Tour Montparnasse.

Bei Nacht ist er schöner: Außenbeleuchtung des Tour Montparnasse.

Dann mache ich mich langsam auf den Heimweg nach Montmarte. Ich habe übrigens noch nicht hier gegessen, auch wenn es oft verlockend duftet. Französisches Essen ist mir suspekt, zumal es in Tateinheit mit unfreundlichen Kellnern, hohen Preisen und enormen Zeitbedarf einhergeht. Zum Glück gibt es um die Ecke einen winzigen „Hier gibts alles“-Laden, bei dem ich Tabulae und Brot bekomme. Den kann man übrigens auch kennen, denn es ist tatsächlich der Laden aus „Amelié“, der im Film dem unfreidnlichen Gemüsemann gehörte. Darin befindet sich ein fein ausgesuchter Minisupermarkt, der von einem Armenier geführt wird.

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Der erlangte nach Veröffentlichung des Films 2001 eine gewisse Berühmtheit, von der zahlreiche Zeitungsausschnitte im Fenster des Lädchen zeugen. „Amelié hat das Leben zurück nach Montmarte gebracht“, wird der Ladenbesitzer zitiert.

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Noch einen kleinen Spaziergang durch die nächtlichen Straßen von Montmartre, dann mache ich es mir im Hotel Audran bequem.

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Dreiundzwanzig Kilometer bin ich heute gelaufen, sagt der Schrittzähler. Und das trotz intensiver Benutzung der Metro. Nicht schlecht.

 
10 Kommentare

Verfasst von - 16. Mai 2015 in Reisen, Wiesel

 

10 Antworten zu “Reisetagebuch Paris (5): Männer, die betreten auf ihre Penisse starren

  1. kalesco

    16. Mai 2015 at 09:49

    In Japan wird in der Bahn geschlafen, Filme auf dem Smartphone gekuckt, oder ein Manga (gern eins der erotischen Variante) gelesen.

    Ehrlich, wenn mein bestes Stück sich so komisch nach oben ringeln würde, ich würde auch betreten schauen…

    Zum WTF Bild: WTF?!

    Sonnenuntergang von oben kann was, ist für das nächste Mal auf meiner Liste.

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  2. natira

    16. Mai 2015 at 10:54

    Ein Nintendo DS zum Leihen für den Rundgang? Wirklich?!

    Was das Bild angeht: Wolfram Fleischhauer hat einen Roman „Die Purpurlinie“ geschrieben, in welchem ein Amerikaner dieses Bild im Louvre bertrachtet und fasziniert zu recherchieren beginnt. Ich habe es vor mehr als fünfzehnJahren gelesen und leider keine konkreteren Erinnergungen mehr daran. 😉

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  3. zimtapfel

    16. Mai 2015 at 15:21

    Naja. Schwestern, die sich gegenseitig in die präpubertär gerade wachsenden Brüste kneifen sind jetzt auch nicht sooooooo ungewöhnlich… 😉
    @ natira: das Buch klingt allerdings ziemlich interessant, ich glaube, das merke ich mir mal für den nächsten Urlaub vor. Wenn ich das, mit dem ich auf dem Rückflug des letzten Urlaubs anfing, bis dahin fertig habe.

    Hach, das Café des 2 Moulins! Der Gemüseladen! Ich muss da unbedingt auch mal hin!

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  4. Silencer

    16. Mai 2015 at 17:23

    Kalesco: Danke der Aufklärung. Ich hätte jetzt noch auf Körperpflege getippt, ich glaube, Japanerinnen kennen da echt kein Pardon.

    Natira: Ja, wirklich, ein DS. Ich glaube, man kann dann noch zwischen Kinder- und Erwachsenenversion des Rundgangswählen. Bei der Kinderversion gibt´s dann kleine Spiele zu manchen Exponaten (meine ich zumindest beobachtet zu haben). Und danke für den Buchtip, auf solche Historyfiction stehe ich ja total!

    Zimt: Huch? Ich dachte, Du könntest Amélie nicht ab? Deinetwegen habe ich die Version des Trailers mit „Amélie“-Musik drunter nicht veröffentlicht, sondern eine zweite gebaut (die im Endeffekt auch besser ist)

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  5. Die Wunderbare Welt des Wissens

    16. Mai 2015 at 17:43

    Meken Sie sich für den WWT mal den Eppendorfer Grill vor. Ditsches Wohnzimmer wirkt beim ersten Besuch auch surreal.

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  6. zimtapfel

    16. Mai 2015 at 21:09

    Wie kommen Sie den auf die Idee? Ich liiiiiiiiebe Amelie! Da müssen Sie mich verwechseln…

    Der WWT wird ja programmatisch immer voller, Ms WdW. Wobei man so einen Imbiss natürlich innerhalb von 15 Minuten abhandeln kann.

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  7. Silencer

    17. Mai 2015 at 00:19

    WdW: Der ist in Eppendorf?! Ich hatte gedanklich Ditsche immer irgendwo im Ruhrgebiet verortet…

    Zimt: Oh. Dann hast Du Dich nur beklagt, dass JEDER Paris-Beitrag mit Amélie-Musik unterlegt wird, und daraus hatte ich geschlossen, dass Du den Film nicht magst. Nunja. Es gibt auf jeden Fall einen Reisetagebuch-Trailer mit Amélie unterlegt. Falls Du den mal sehen möchtest, sag Bescheid. Und ja, Du musst dann mal nach Paris und auf Montmartre eine Woche wohnen! Es ist wirklich zauberhaft!

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  8. zimtapfel

    17. Mai 2015 at 07:12

    Den Film mag ich sehr. Mir ist nur irgendwann einmal aufgefallen, das heutzutage nahezu jeder nicht nur Paris- sondern Frankreich-Beitrag wahlweise mit dieser oder mit der Musik aus Chocolat unterlegt wird und ich beklage allerhöchstens, das den Leuten nix anderes mehr einfällt.

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  9. natira

    19. Mai 2015 at 13:30

    @Silencer und Zimtapfel
    Ich wünschte, ich hätte eine konkretere Erinnerung an das Buch. Jedenfalls steht es noch immer in meinem Bücherregal und ist noch nicht beim unregelmäßigen Bestandsichten – wie viele historische Romane – von mir aussortiert worden. Auf Fleischhauer bin ich durch „Die Frau mit den Regenhänden“ aufmerksam geworden; das war mein erstes Buch von Fleischhauer und es hatte mir damals so gut gefallen, dass ich weitere von ihm gekauft habe. 😉 Vielleicht kann er Euch ja gut unterhalten.

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  10. Silencer

    19. Mai 2015 at 14:29

    @natira: Na, das lasse ich doch gerne mal auf einen Versuch ankommen, nochmal danke für den Tip!

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