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Momentaufnahme: September 2015

29 Sep

Herr Silencer im September 2015
Das kann doch noch nicht der Herbst sein. Das DARF noch nicht sein!

Wetter: Morgens schon kalt, mit 8-12 Grad. Tagsüber oft bedeckt, regnerisch, zwischendurch wenig Sonne. Ende des Monats ein Blutmond, in der Nacht noch drei Grad, tagsüber noch sonnig – aber der Herbst lässt sich nicht mehr leugnen.
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Lesen:

 

Vanessa Giese: Gewöhnze Dich dran!
Vanessa „Nessy“ Giese kommt aus dem Sauerland und zieht ins Ruhrgebiet. Da ist einiges Gewöhnungsbedürftig, vor allem die Menschen, vom Feinripp-tragenden Fensterrenter über die blondierte Fickmaus im Supermarkt bis hin zum nerdigen Arbeitskollegen. Auf den ersten Blick wandeln hier Klischees auf zwei Beinen, auf den zweiten Blick sind das interessante und vielschichtige Charaktere.

Ich bin schon lange ein Fan von „Frau Nessy“, unter diesem Pseudonym betreibt die Autorin das Blog „Draußen nur Kännchen“, aus dem das autobiogrphische Buch enstanden ist. Vanessa Giese verfügt nicht nur über einen ersten und zweiten, sondern auch über den dritten Blick. Sie sieht nicht nur genau hin, sondern auch unter die Oberfläche und kann das, was sie dort findet, mit wenigen und schönen Worten darstellen. Sie malt mit Buchstaben leicht verständliche und oft komische Bilder von Alltagssituationen. Nur Strichzeichnungen, die man beim Lesen mit den Details und den Farben der eigenen Erfahrungen auffüllt. Sehr feines, manchmal komisches und gelegntlich nachdenklich machendes Lesematerial.

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Hören:

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Sehen:

 

Mad Max: Fury Road [BluRay]
Die Zukunft: Die Welt ist eine verhehrte Einöde, die letzten Überlebenden kämpfen um Wasser und Benzin. Mit Letzterem füllen die Endzeitmenschen selbstgebastelte Schrottautos und heizen damit gröhlend durch die Wüste. Max Rokatansky gröhlt nicht, sondern sagt selten was. Das liegt daran, dass er ständig während der Fahrt auf dem Auto von Charlize Theron rumklettern muss. Die hat Sexsklavinnen aus der Burg eines bösen Königs entführt und will sie nach Sonstwo bringen. Sonstwo gibt es aber gar nicht, und deshalb fährt sie nach der Hälfte des Films zurück zur Burg, während der verrückte Klettermaxe immer noch auf ihrem Auto rumspringt.

Was für ein irrer Film. Sowas habe ich echt noch nicht gesehen. „Fury Road“ ist das ultimative Roadmovie. Hier ist alles in Bewegung, ständig. Es gibt keinen Set, es gibt nur 100 Autos, die durch die namibische Wüste rasen. Die erste Hälfte des Films ist eine Jagd, die zweite ein Rennen. Im Mittelpunkt: Eine großartige Charlize Theron. Als Nebenfigur in seinem eigenen Film: Mad Max, der mal an einen Kühlergrill gefesselt, mal von Frauen verprügelt wird. Der Film wirkt auch deswegen so grandios, weil die apokalyptischen Autos wirklich echt und die Stunts handgemacht sind. Weder Fahrzeuge noch Menschen sind gerendert, hier wird echtes Blech verbeult. Dabei wird viel CGI eingesetzt, aber „nur“ für Colorgrading und um Kameras und Sicherheitskabel raus zu retuschieren. Duch diese „Echtheit“ entwickelt der Film eine brutale Wucht, das Momentum reisst die Zuschauer geradezu mit.

Chappie [DVD]
Johannisburg, 20 Minuten in der Zukunft: Der Gewalt der Straßengangs können nur zweibeinige Roboterpolizisten Einhalt gebieten. Das klappt auch ganz gut, sehr zum Leidwesen von Hugh Jackman, der lieber seinen waffenstarrenden ED-209 einsetzen würde. Er wittert Morgenluft für sein Projekt, als ein Techniker eine neue AI in einen alten Polizeiroboter einbaut und der von einer Bande Krimineller geklaut und „großgezogen“ wird. Als Roboter-AI „Chappie“ erste Überfälle begeht, schmiedet Jackman einen Plan, der die Stadt prompt in Anarchie stürzt.

Uhm, was ist DAS denn? Die Bilder sind toll, die computeranimierten Roboterpolizisten wirken total echt. Im Gegensatz zu den Menschen: Die klischeehaften Charaktere sind allesamt nervige Arschgeigen mit Frisuren, die körperliche Schmerzen verursachen. Die Geschichte hat interessante Ansätze, die aber immer wieder durch ärgerliche Szenen ausgehöhlt werden. Vom Ende wollen wir gar nicht erst sprechen – SPOILER: Die Hauptpersonen sterben, werden aber in Roboterkörper geladen und SIND SUPER HAPPY DAMIT EIN WANDELNDER BLECHHAUFEN ZU SEIN. Bah. Mies, echt. Und wenn in einem Film von Columbia Pictures, die zum Sony-Konzern gehören, in 120 Minuten gefühlt 200 Mal ein Sony Handy/-Notebook/- TV ins Bild gehalten und auf´s Logo gezoomt wird, ist das ärgerlich. Wenn Chappie dann aber mittels eines Technovoodoo-Helms und eines Clusters aus Playstation 4s das Geheimnis des Lebens erhackt, dann möchte man sich nur noch übergeben vor Fremdscham.

Ex Machina
Ahnungsloser Programmierer soll der menschliche Teil eines Turing-Tests sein. Allerdings von einem mit abgewandelten Regeln: Sein Gegenüber ist auf den ersten Blick erkennbar ein Roboterkörper mit einer künstlichen Intelligenz. Überwacht wird der Test vom Erbauer der KI, einem verschrobenen, alkoholsüchtigen Sonderlings, der mitten in Grönland in einem einsamen Hightech-Anwesen hockt und zufällig der Erfinder und Chef von Google ist – oder zumindest einer Firma, die Google darstellen soll. Was als wissenschaftliches Experiment beginnt, nimmt schnell beklemmende Züge an. Irgendwer spielt falsch – die Frage ist nur: Ist es der Sonderling oder die KI?

Der Film wirkt nach, definitiv. In ruhigen Bildern wird die Geschichte wie in einem Kammerspiel erzählt. Die Dynamik, die sich zwischen den Menschen und der Maschine entwickelt, steuert dabei auf eine unaufhaltsame Katastrophe zu – die aber ein ganz unerwartetes Ende mit sich bringt. Absolut sehenswert und definitiv der bessere „Chappie“.

 

Fast & Furious 487
Dom und diese Dings und The Rock sollen irgendwas gegen Statham machen und dann fliegt ein Auto von einem Wolkenkratzer zum anderen.

Ach Gott ja, was soll man dazu sagen? Die fahren halt schon seit 6 Filmteilen Auto, und wenn sie nicht gestorben sind… …oh, Sorry, Paul Walker.

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Spielen:

The Witcher 3: Wild Hunt [PS4]
Geralt von Riva ist ein Witcher, eine Art Ghostbuster-Söldner in einem Fantasy-Setting. Er jagt Monster und Geister gegen Geld. Nachdem er seine Ziehtochter Ciri gefunden hat, hilft er ihr bei der Flucht vor der Wild Hunt, einer Gruppe von furchteinflössenden Geistersoldaten in Skelettrüstungen. Als die beiden nicht mehr weiter flüchten können, beschließt Ciri, dass es an der Zeit ist, zurück zu schlagen.

Unfassbare 125 Stunden habe ich in den letzten Monaten in „Witcher III“ versenkt, bis der Abspann über die Leinwand lief – und dabei habe ich noch nicht mal alle „?“-Orte der Spielwelt erkundet. Ich habe mit den Charakteren gelitten, gelacht und getrauert, habe die Welt erkundet und skurrile Wesen getroffen. Die offene Welt von „Witcher III“ ist die erste, die tatsächlich gut funktioniert. Hier gibt es keine repetetiven Sammelaufgaben oder die immer gleichen Nebenmissionen. Jede Quest, egal ob Hauptstory oder nicht, ist fein ausgearbeitet, interessant, spannend – und sie erzählt eine Geschichte. „Witcher“ ist voll von Geschichten, guten wie schlimmen, aber immer sind sie gut erzählt. Als Spieler ist man Teil dieser Welt: Wie man sich verhält, was man tut, hat direkte Auswirkungen, die zu einem von 32 (!) Enden führen können. Was für ein fantastisches, erwachsenes, lebendiges Spiel voller Liebe.

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Machen:
Gaaanz viel Arbeiten. Wieder auf die Beine kommen. Das ägyptische Museum in Hildesheim besuchen. Über den Herbstmarkt schlendern. Das Musical „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ ansehen. Mit der Hauptdarstellerin essen gehen. 

 

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Neues Spielzeug:

Ein iPhone 6s, löst das (immer noch makellose) 5s ab. Erster Eindruck: Ja, das Ding kann was. Sobald man Touch-ID nur anguckt, ist es entsperrt. Das Display ist ordentlich, und der Druck mit unterschiedlicher Stärke praktisch.

 

 

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
7 Kommentare

Verfasst von - 29. September 2015 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

7 Antworten zu “Momentaufnahme: September 2015

  1. ruediger

    30. September 2015 at 12:34

    EX_Machina hat mir sehr gut gefallen, gerade weil er so ruhig und unproblematisch daher kommt und doch so spannend ist.

    Noch ein aktueller Film aus der Kategorien ist Maggie. Ich war schwer beeindruckt.

    Gefällt 1 Person

     
  2. ckater

    30. September 2015 at 18:26

    Zwei Anmerkungen zu den Filmen:

    – MadMax ohne relevante CGI ist leider ein Hoax oder PR: http://www.theverge.com/2015/5/31/8694099/mad-max-cgi-before-and-after-shots

    – ExMachina ist in Norwegen gedreht. Der Ort ist ein Hotel, dass man besuchen kann: http://m.juvet.com

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  3. Silencer

    30. September 2015 at 19:52

    ACHTUNG SPOILER

    @Rüdiger: Was denkst Du, kommt der Entwickler am Ende aus seinem Zimmer raus? Die Türen sind ja so programmiert, dass sie bei einem Stromasufall öffnen – und das ist doch ein Stromausfall, was da passiert, als er die Karte einsteckt, oder?

    Modnerd: Genau das schrieb ich: Mad Max ist vollgepackt mit CGI, aber die Stunts sind echt – da gehen Sachen kaputt!

    Norwegen? Auch cool!

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  4. ruediger

    1. Oktober 2015 at 06:47

    SPOILER

    Er hat die Anlage doch flugs umprogrammiert, als der Chef seinen Vollrausch ausschlief. Da Ava die Stromausfälle nicht initiieren kann, denke ich er übernimmt die Stelle von Ava und bleibt dort. Der Mensch erschafft sein Abbild, macht es gleichwertig nur damit es die Kontrolle übernimmt und autonom über den Menschen entscheidet. Die Konsequenz perfekter Technik. Nicht mehr beherrschbar.

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  5. Silencer

    1. Oktober 2015 at 08:52

    Situation vorher: Ava kann Stromasufälle hervorrufen, durch Manipulation ihrer Ladestation. Die Türen schließen bei Stromausfall automatisch.
    Nachher: Programmierer hat die Türen so eingestellt, dass sie bei Stromausfall alle Öffnen.

    Das Ende: Er sitzt am Rechner, schiebt die Karte rein, das Licht geht aus.
    ——
    Deine Deutung des Endes ist die einzige, die aufgrund der Analogie zur Gesamtstimmung des Films passt. Dazu passt auch, dass er sich nicht freut, als am Ende der Strom ausfällt, sondern er verzweifelt zuasmmenbricht. Etwas verwirrt hat mich die letzte Szene dennoch.

    Gefällt 1 Person

     
  6. kalesco

    2. Oktober 2015 at 11:04

    Nicht unerwartet sind wir uns einig 😉 : ex machina – guter Film, interessante Ideen, verwirrend (ich empfehle das forum auf IMDB)
    Fast und so: Unterhaltung, hübsche Menschen (da ist dich für jeden Geschmack was dabei oder?), schöne Autos, Stunts die sich selbst immer überholen müssen – 6: runway und fliegender Dom, 7: fliegendes Luxusauto… Man sitzt dein und denkt sich „WTF?“ und „Aber Spaß macht’s schon“.

    🙂

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  7. Silencer

    2. Oktober 2015 at 20:25

    Ja, F&F ist eines meiner Unguiltypleasures. Ich liebe solch Kram um den Kopf frei zu halten.

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