Teuer und unsexy

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Das auf dem Bild da, das ist die teuerste und seltenste Unterwäsche, die ich je besessen habe. Und dabei ist die nicht mal sexy. Es handelt sich schlicht um lange Unterziehklamotten aus Merinowolle, einer Schafswolle, die bessere Eigenschaften hinsichtlich Wärmeleistung und Feuchtigkeitstransport hat als die besten Kunstfasern. Teuer ist die, weil ein Teil rund 60 Euro kostet. Selten ist die, weil es dummerweise gar nicht so viel Merinowolle am Markt gibt, und der Hersteller deshalb Lieferengpässe hat. Die beliebteste Größe, die zufällig auch meine ist, ist weitläufig ausverkauft und Online quasi nicht zu bekommen. Außer: In einem Laden in München. Restbestände? Egal, einfach mal schnell bestellt.

Nachdem ich eine Woche von denen nichts gehört hatte, überkamen mich erste Zweifel. Also fix Mail geschickt, ob die den Kram da haben, und ob er lieferbar ist oder nicht. Die Antwort kam schnell: Man habe nichts da, aber der Vertriebschef des Hersteller hätte persönlich garantiert liefern zu können. Aha.

Glaubte ich ja nicht so ganz. Ich vermutete, dass entweder nach X Wochen ein „Sorry, wir können doch nicht liefern“ käme oder man mir ganz dreist eine falsche Größe schicken würde.

Zwischenzeitlich hatte ich tatsächlich einen Restbestand in einem Geschäft 50 Kilometer von hier ausfindig gemacht – Warenwirtschaftssysteme mit Onlineanbindung sind was Tolles. Heute kam nun die Lieferung aus München. Geschickt hatte man mir: Die verkehrte Größe, tadaaa, Überraschung.

Ich also eine Mail geschrieben, Widerrufsrecht, falsche Größe, will ich zurückgeben. Dann: Zähneknirschend ins Auto gesprungen, 50 Kilometer gefahren, richtige Größe gekauft, 50 Kilometer zurück. Bei meiner Rückkehr Mail der Münchner: „Haben Sie mal die Verpackung geöffnet? Das Label darauf ist falsch, die Unterwäsche selbst ist in der bestellten Größe.“ Dem war auch tatsächlich so.

Jetzt habe ich also für 100 Kilometer umsonst Sprit verfahren und sitze hier mit zwei seltenen Wäschesets, die es so auf dem deutschen Markt nicht mehr gibt. Kann ich jetzt ja meistbietend versteigern.

Nachtrag: Ich mache doch vom Widerrufsrecht gebraucht. Zwar sehen beide Wäschesets gleich aus und fühlen sich gleich an, aber auf dem der Münchner fehlt der Herstellerschriftzug. Die Etiketten scheinen original, aber deren Nähte sind leicht unordentlich. Vermutlich nicht mal eine Produktfälschung, sondern irgendeine Nebenserienproduktion, aber dennoch macht das ein ungutes Gefühl.

6 Gedanken zu “Teuer und unsexy

  1. Du wirst feststellen, daß diese Unterwäsche nicht verschwitzt riecht selbst bei tagelangem tragen.
    Ich habe solche, für die Holzarbeit auf dem Trecker im Winter schon jahrelang. Zwar teuer, aber im Endeffekt und Nachhinein eine lohnenswerte Investition.
    Tip: Öfter auslüften statt waschen.

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  2. Habe aber auch Unterhemden….meine von Amöba osä., die halten auch ultralang.
    Daß sowas um die 90€ kostet, erschreckt erst mal. Der Vertreter kommt im Winter…..so’n Unterhemd und drüber n‘ leichtes Hemd bei dicksten Minusgraden.

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