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Momentaufnahme: November 2015

30 Nov

Herr Silencer im November 2015
Danke, Rosa!

Wetter: Bis Mitte des Monats im Ausland gewesen, dort zwischen -2 und +23 Grad. In Deutschland wechselhaft: Anfang des Monats Sommerwetter, ab dem 22. Minusgrade und der erste Schnee des Jahres.
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Lesen:

Asa Akira: Insatiable – A porn love story
Asa Akira ist erst dreißig, hat aber bereits viel zu erzählen. Als einziges Kind japanischer Eltern in New York geboren und aufgewachsen, entdeckt sie als Studentin an der United Nations International School ihre Liebe zu Sex und Pornographie. Mit 19 arbeitet sie als Domina, mit 22 drehte sie Pornofilme und wird zu einem der größten Stars der Pornoindustrie.

Das Buch ist clever aufgebaut – es springt chonologisch in Akiras Leben vor und zurück, fokussiert mal auf bestimmte Themen wie Drogen oder den Aufbau der Pornooindustrie, mal kreisen Kapitel um Anekdoten aus der Arbeit einer Domina. Freimütig erzählt die Autorin dabei auch über ihre eigenen Neurosen und Abhängikeiten. Ein intelligentes und unterhaltsames Buch mit (wörtlich zu nehmenden) tiefen Einblicken.

Neil Gaiman: Sandman Ouverture
Dream ist Herrscher über die Träume von allem. Dummerweise träumt ein Stern den Wahnsinn, und der breitet sich im Universum aus und wird es zerstören. Dream macht sich auf eine schwierige Reise und rüstet sich für einen harten Kampf.

Die „Sandman“-Reihe ist eine der besten Comicreihen, die jemals geschaffen wurde. Sie lief von 1989 bis 1996 und erzählt auf über 2000 Seiten die Geschichte von Dream und seinen Geschwistern Death, Destiny, Despair, Delirium und Desire. Die Beziehungen der Familie und die Ereignisse, die später zum Tod von Dream führen werden, wurden damals nur angedeutet. Heute, 20 Jahre später, gibt es nun ein Prequel – und das hat es in sich. Die Geschichte ist fantastisch, Gaiman-at-his-best, und die Zeichnungen gleichen einem Fiebertraum. Dazu sprüht das Ganze vor Ideen, und wenn man mit dem Sandman-Lore vertraut ist, kann man nicht mehr aufhören zu lesen, wenn Dream seine Eltern besucht, Delight zu Delirium wird und Dinge passieren, die nicht in Destinys Buch stehen. Ganz. Große. Kunst. Bonus: Der nahtlose Übergang zur Serie und die Erklärung, warum Traum überhaupt gefangen werden konnte.

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Hören:

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Sehen:

Minions [PSN]
Minions sind kleine, gelbe Männchen. Sie sind auf der Suche nach dem ultimativen Bösen – um ihm zu dienen.

Als Sidekicks (oder eben Minions) funktionierten die Minions in den „Despicable me“-Filmen einfach hervorragend. Ihr eigener Film dagegen ist eher so Meh. Die erste Hälfte unterhält noch leidlich, danach verliert man sich aber in unkomischem Slapstick, den Aufzulösen am Ende nicht mal mehr die Drehbuchautoren Lust hatten.

Spectre [Kino]
James Bond versiebt einen Auftrag, wird freigestellt, versenkt Autos und rettet am Ende die Welt vor der Überwachung.

Der neue Bond ist ein seltsam Ding. Ich fühlte mich gut unterhalten, kann aber im Nachhinein nicht sagen warum: Die Schauspieler fahren, mit Ausnahme von Ralph Fiennes, mit angezogener Handbremse, das Drehbuch ist unspannend und der Regisseur hat erkennbar keinen Bock auf Actionsequenzen. Der ganze Film wirkt merkwürdig artifiziell, wenn er sich immer wieder in kammerspielartige Situationen zurückzieht und seinen Helden in jedem Frame als Anzugmodel inszeniert. Die grundlegende Prämisse, dass der MI6 gegen Überwachung kämpft, ist zudem vollkommen absurd, genau wie der Kniff, dass alles Ungemach der Welt auf einen Minderwertigkeitskomplex bei Bonds Halbbruder zurückzuführen ist. In der Mitte hängt der, ohnehin zu lange, Film so durch, dass sein Bauch auf dem Boden schleift. Bis auf die Anfangssequenz fehlt dem Ganzen zudem der Scope, die Größe früherer Filme. Natürlich waren Todeslaser aus dem All immer albern, aber in den Craig-Bonds kämpft ein krank aussehender Bond gegen… Buchhalter (Casino Royal), Immobilienmakler (Quantum) oder versteckt sich in einem Bauernhaus (Skyfall). Da fehlt eindeutig Größe. Immerhin: Mit Monica Belucci hat „Spectre“ die heisseste Bondwoman seit… ever.

Terminator: GeniSys [PSN]
Die Zukunft: Der Krieg gegen die Maschinen ist in der Endphase. Supercomputer Skynet schickt einen Terminator zurück durch die Zeit, um Sarah Connnor zu töten. Bei seiner Ankunft in 1984 wird der T800 sofort zerstört – von einem anderen Terminator, der dort schon auf in wartete.

Eine alternative Zeitlinie, ein ganz anderer Outcome. Hier wird Kyle Reese von Sarah Connor gerettet und John Connor ist der Böse. Als Kenner des Terminator-Universums windet man sich die ganze Zeit im Kinosessel und möchte rufen „Das ist so nie passiert! Das ist alles nicht richtig!“ Dabei macht „GeniSys“ aber ordentlich Spaß und hat viele gute Ideen, allein der gealterte T800 ist schon nett. Ein fader Beigeschmack bleibt, weil das Ende des Films runter geht bis auf Trashniveau, und der Cast zu 50 Prozent echt schlecht ist: Die Darsteller von John Connor und Kyle Reese sind derbe Fehlbesetzungen. Das sieht alles mehr nach einem Piloten für eine TV-Serie aus als nach großem Kino, und tatsächlich gab es wohl solche Pläne, die aber nach dem ausbleibenden Kinoerfolg ad Acta gelegt worden sind.

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Spielen:

Assassins Creed: Syndicate [PS4]
London, 1860: Zwillingsgeschwister beschließen, der herrschenden Klasse den Kampf anzusagen. Dazu ermorden sie wichtige Personen, treffen die Charleses Dickens und Darwin, Karl Marx Alexander Bell und Queen Victoria. Nebenbei bauen sie eine kriminelle Vereinigung, ein Syndikat, auf.

Was hatte Ubisoft im Vorfeld nicht rumgetönt: Man wolle sich auf die Ursprünge der Serie besinnen und deren Stärken wieder ans Licht bringen. Deswegen wurden Spielereien wie Multiplayer oder Companion-App, an denen der Vorgänger „Unity“ gebrach, ersatzlos gestrichen. Stattdessen gibt es neue Bewegungsmechaniken (Seilwerfer, Kutschen), erstmals die Wahl zwischen männlichem und weiblichem Charakter (überfällig!) und eine Missionstruktur, bei der jede einzelne der jetzt abwechselungsreichen Nebenquest sinnvoll etwas für die Kampagne tut. Soweit die Habenseite.

Der negative Bereich wiegt leider schwer: Syndicate geht bei allem dem Weg des geringsten Widerstands. Wo „Unity“ Mut zeigte und Dinge wagte (und damit auf den Bauch fiel), dreht Syndicate alles eine Stufe runter. Im direkten Vergelich sieht es optisch auf der PS4 schlechter aus als sein Vorgänger, die Charaktere künstlicher, die Straßen sind so sparsam bevölkert wie in Teil 1 von 2007. Vorbei sind die Massenszenen, die Unity zumindest optisch beeindruckend machte. Leider gibt es auch in Syndicate schon wieder keine Gegenwartsstory, schon wieder sind die Charaktere aus nasser Pappe.“Syndicate“ ist das am faulsten geschriebene AC bislang. Die Hauptfiguren kommen aus dem Nichts und beschliessen im Vorspann vollkommen unmotiviert „Ey, lass mal London befreien“ – „gute Idee, und ich gründe eine Gang“, und dann geht es auch schon gegen Templer. Die sind mittlerweile nicht mehr ambivalent gezeichnet, sondern als grimmig schauende Nazis in schwarzem Leder mit rotem Kreuz. Davon legt man einen nach dem anderen um, und irgendwann ist das Spiel halt vorbei.

Nein, storytechnisch hat man sich hier überhaupt keine Mühe gegeben, die Geschichte passt auf den Zettel in einem Glückskeks. Das teilweise die Missionen der Kampagne konfus erzählt und gelegentlich in der falschen Reihenfolge auftauchen verstärkt den Schludereindruck. Statt historischer Fiktion gibt es entweder Fantasiefiguren, wie den fiktiven Antagonisten Starrick, oder historische Persönlichkeiten, die einfach als Questgeber an irgendeiner Straßenecke stehen. So läuft einem Charles Darwin über den Weg, der Undercover gegen Kinderarbeit ermittelt, Charles Dickens braucht Inspiration für seine Geschichten, und Karl Marx hat Probleme mit sprengwütigen Genossen. Das ist so platt, dass es doof ist.

Dass „Syndicate“ doch Spaß macht, liegt an der Welt: Das viktorianische London ist umwerfend detailliert in Szene gesetzt, und sich darin zu verlieren macht einfach Spaß. Dennoch gilt, wie schon seit ACIII von 2012: Ubisoft hat keine Ahnung, wo sie mit der Serie hinwollen. Sie haben nicht zu erzählen, und das merkt man. „Syndicate“ stellt aktuell den neuen Tiefpunkt der Serie dar.

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Machen:
Reisen!
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Neues Spielzeug:
Die James Bond Collection auf BluRay.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
 

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