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Momentaufnahme: Dezember 2015

28 Dez

Herr Silencer im Dezember 2015
Mein Mitgefühl gilt tapferen Paketbotinnen und Paketboten dieser Republik.

Wetter:  Absurd warm, teilweise bis zu 15 Grad (und damit doppelt so warm wie manche Tage im Juni).
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Lesen:

Oliver Bowden: Underworld
Indien, 1860: Ethan Frye bildet eine jungen Adepten zum Assassinen aus. Sein Schüler ist der schnellste und geschickteste, den Frye jemals unterrichtet hat – doch beide scheitern auf spektakuläre Weise an ihrem Leben. Wenige Jahre später findet sich der Inder in London wieder. Namen- und Identitätslos hilft der „Geist“ beim Bau der ersten U-Bahn der Welt.

Ach ja, die übliche Bowden-Auftragsarbeit zu „Assassins Creed: Syndicate“. Fluffig geschrieben, geschickt eingewobene Details der Zeit, ergänzt das Spiel um interessante Backstories. Kann man lesen, man kann es auch lassen. Der Unterschied ist derselbe.

Judith Flanders: The Victorian City: Everyday Life in Dicken´s London
Der Alltag in London zur Zeit der industriellen Revolution: Armut, Slums, Kinderarbeit sind die Schattenseiten einer Welt, die mit Siebenmeilenstiefeln den Weg zur Moderne entlangeilt.

Flanders ist Fan von Charles Dickens, und das schon über die Grenze zur Verehrung hinaus. Die Lobhudelei auf den Schriftsteller ist schwer erträglich, der Rest des Buchs sperrig. Dennoch liefert es interessante Einblicke wie der Alltag in London vor 170 Jahren aussah.

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Hören:

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Sehen:

Airwolf [Bluray]
Ein amerikanischer Geheimdienst baut Anfang der 80er den ultimativen Hubschrauber: Überschallschnell, fürs Radar unsichtbar, schwer bewaffnet. Dummerweise wird Airwolf, so der Codename des Prototypen, von seinem Erbauer gestohlen und nach Libyen entführt. Airwolfs Testpilot, ein Vietnamveteran, holt die Kiste aus Ghaddafis Klauen, versteckt den Heli dann aber und verkündet, ihn erst wieder rauszurücken, wenn er erfährt was mit seinem vermissten Bruder im Vietnamkrieg wirklich passiert ist. So lange liefern sich Geheimdienst und Testpilot ein Katz- und Mausspiel.
„Das uneheliche Kind von „Knight Rider“ und „Das fliegende Auge““ sei Airwolf, steht auf der BluRay-Box, und das trifft es gut. Wichtigster Unterschied ist aber, dass im Gegensatz zu Knight Rider hier durchaus ernste Themen verhandelt werden, und das sowohl grimmig ernst als auch stilvoll. Die guten Drehbücher und die tollen Schauspieler, allen voran Alex Cord als Archangel, Ernest Borgnine als Hubschrauberverleiher Dominik Santini und Jan-Michael Vincent als Einzelgänger Stringfellow Hawke, sind es denn auch, die haarscharf verhindern können, dass die Serie auf ein Niveau wie der hingerotzte 80er-Trash „Streethawk“ hinabgleitet. Denn die Production Values sind nicht nur gering, sie sind schlicht nicht vorhanden: Gedreht wird stets in drei Kulissen und alle (!) Kampfaufnahmen in jeder(!) Folge stammen aus dem Pilotfilm.

Codename U.N.C.L.E [PSN]
Ein russischer und ein amerikanischer Agent müssen zusammenarbeiten um die Welt in den 60ern vor einer schlimmen Bedrohung zu schützen. Remake einer alten TV-Serie.
„Mad Men“ trifft Agentenfilm. Dem Film trieft der Style aus jeder Pore, und genau das ist sein Problem. Außer für Optik und Ausstattung interessiert er sich für kaum etwas, weder für die Story noch für seine Charaktere. Die Actionpieces sind OK, die Dialoge aber grauenhaft. Trotz aller betonten Unterschiede haben die Protagonisten eines gemeinsam: Sie sind nervige Arschgeigen, derem unsympathischen Getue man nicht wirklich zusehen will. Das fällt einem aber erst auf, wenn man zu drei Vierteln durch ist – der Film unterhält gut.

Ripper Street [Watchever]
London, 1889: Jack the Ripper treibt sein Unwesen in Whitechapel. Eine Gruppe Polizisten jagt ihm hinterher, muss sich aber immer wieder mit anderen Verbrechen beschäftigen. Zu deren Aufklärung gehen sie neue Wege und halten sich u.a. einen Polizeiarzt, der Leichen untersucht – damals revolutionär!
Interessante Serie mit guten Drehbüchern und schickem Setdesign. Das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist dreckig, laut, eng, Gewalt nur eine Straßenecke entfernt. Das kommt gut rüber. Weniger gut kommt der Cast. Zwar verkörpert Jerome Flynn (Bronn aus „Game of Thrones“) einen Kriegsveteranen und Sergeant absolut glaubhaft. Die Hauptperson der Serie wird aber von Matthew Macfadyen verkörpert, und das ohne jegliches Charisma. Zu oberflächlich spielt er seine Figur, der von den Drehbüchern Tiefe verlangt wird. Ähnliches gilt für Adam Rothenberg, der den Pinkerton-Arzt in keiner Sekunde glaubhaft rüberbringt. Schade, mit etwas mehr Sorgfalt beim Casting wäre „Ripper Street“ ein echter Knaller.

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Spielen:

Assassins Creed: Unity [PS4]
Paris, 1785: In den Straßen fliesst das Blut, die französische Revolution frisst ihre Kinder und alles andere gleich mit. Vor diesem Hintergrund kämpft der junge Arno Dorian gegen seine Schuldgefühle und gegen einen Feind, der Assassinen und Templer gegeneinander ausspielt.

War ja nicht alles schlecht an Unity, als das vor einem Jahr erschien. Die Grafik ist viel schöner als im diesjährigen Nachfolger „Syndicate“, Paris ist viel detailreicher und belebter als London. Nach dessen enttäuschender Story musste ich „Unity“ nochmal vorkramen. Und siehe da: Wenn man die Kampagne halbwegs stringent durchspielt und sich nicht zwischendurch in einer den hunderten von Open-World- und Online-Koop-Aufgaben verliert, bietet „Unity“ eine okaye Story und macht sogar Spaß.

Assassins Creed Syndicate: Jack the Ripper [PS4]
London, 1888. Jack the Ripper mordet in Whitechapel, die Assassinen von London versuchen ihn zu stoppen. Das gelingt nicht, Jack dezimiert die Bruderschaft auf Null. Evie Frye reist aus Indien an um der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was mit ihrem Bruder geschehen ist.

DLC bei „Assassins Creed“ sind seit Teil 3 eine Spielwiese für neue Ideen. Das ist gut, denn auf diese Weise hat man als Kunde nicht das Gefühl, zuvor aus dem Hauptspiel entfernte Inhalte nachkaufen zu müssen. Auch „Jack the Ripper“ bietet viel neues. NPCs können sich jetzt in mehreren Stufen fürchten, was interessante Effekte hat. Will Evie irgendwo eindringen, kann sie Wachen so dermaßen verängstigen, dass diese sich verstecken und damit Wege freimachen. Großer Teil der Schnitzeljagd nach dem Ripper ist die Auswertung von Tatorten, was ähnlich wie im Hauptspiel funktioniert, aber erweitert wurde. Ein ums andere Mal kommt man sich als Spieler vor wie in einer guten Folge „Sherlock“. Sehr lohnender DLC, der eine bessere Geschichte besser erzählt als das Hauptspiel – und bei dem es tatsächlich auch emotional um etwas geht.

Rise of the Tomb Raider [XBOX360]
Niemand glaubt den Crofts. Lord Croft suchte nach einer „göttlichen Quelle“, wurde dafür von der Öffentlichkeit für verrückt erklärt und in den Selbstmord getrieben. Seiner Tochter Lara geht es nicht besser. Die hat nach den übernatürlichen Erlebnissen auf der Insel Blut geleckt und will beweisen, dass ihr Vater nicht verrückt war. Ihre Reise führt sie auf die Spuren alter Geheimorden, eines seltsamen Propheten und ins äußerste Sybirien.

Microsoft hat sich „Rise of the Tomb Raider“ als zeitexklusiven Titel eingekauft, um die Veröffentlichung auf der PS4 für ein Jahr aufzuhalten und so den lahmenden Absatz der XBOX One anzukurbeln. Tja, da hätten sie mal besser nicht Nixxes mit einem Port für die XBOX 360 beauftragen sollen. Was die Portierungsexperten aus Utrecht aus der 10 Jahre alten Konsole rausholen, ist amtlich beeindruckend. „Rise“ ist eines der hübschesten Spiele für die 360 und sieht auf der fast genauso aus wie auf der One.  Im Gegensatz zur XBOX One-Version wurden lediglich einige Grafikeffekte durch unaufwändigere ersetzt. So werden die Bewegungen von Laras Haaren auf der One physikalisch korrekt berechnet, auf der 360 aber nur durch eine Animation dargestellt – das kann man verschmerzen! Gameplaytechnisch unterscheidet sich das Spiel nicht von der CurrentGen-Version. Hier wie da wird erkundet, gejagt, gebastelt und in Feuergefechten Gegnerhorden erledigt. Das spielt sich nicht nur super, dabei wird auch eine sehr gut ausgearbeitete Geschichte erzählt, in deren Narration die Actionpieces geschickt eingewoben sind. Super Spiel, unbedingt empfehlenswert – aber den Kauf einer XBOX One kann man sich sparen.
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Machen:
Rumlungern
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Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
3 Kommentare

Verfasst von - 28. Dezember 2015 in Momentaufnahme

 

3 Antworten zu “Momentaufnahme: Dezember 2015

  1. dermuger

    28. Dezember 2015 at 15:17

    »bis zu 15 Grad (und damit doppelt so warm wie manche Tage im Juni«
    Aber das bloss in Grad Celsius, und wenn man gaaanz fest falsch rechnet! 😀

    liebe Grüsse vom Muger

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  2. Silencer

    28. Dezember 2015 at 16:04

    Nein, tatsächlich habe ich sogar abgerundet. Hier ein Bild aus dem nächsten Reisetagebuch: https://silencer137.files.wordpress.com/2016/01/img_6104.jpg?w=285&h=506

    Ende Juni, 7 Grad.

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  3. kalesco

    28. Dezember 2015 at 23:12

    Rumlungern finde ich gut, und Rise muss ich mir anschauen. Für die 360 find ich sonst nichts gescheites mehr (eig egal, steht ja im Keller, aber wenn es sich lohnt darf sie wieder umziehen).

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