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Reisetagebuch (8): Athen!

14 Mai

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Im November 2015 begeben sich Modnerd und Silencer auf Reisen. Das Besondere: Modnerd hat keinen blassen Schimmer wohin es geht oder was ihn erwartet. Kontrollverlust und Überraschungen sind das Konzept dieser Reise. Dies sind die Tagebücher der beiden. Am achten Tag der Reise geht es vom Land in die große Stadt.

Samstag, 7. November 2015, Nafplion, Griechenland

Frühstück auf dem Balkon, dabei über den Golf von Nafplion schauen. Unter uns liegt die Stadt, direkt darüber die mächtige Palamidis-Festung. Was für eine Kulisse.

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Kurze Zeit später ist die Perspektive umgekehrt, jetzt sehen Modnerd und ich von der Festung auf das Motel hinab. Gute Gelegenheit, um mal den Zoom der winzigen TZ41 auszuprobieren:

ZOOM:

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Der mittlere Balkon im oberen Stockwerk war unserer.

Der mittlere Balkon im oberen Stockwerk war unserer.

Die Palamidis-Festung wurde 1711 von einem venezianischen General gebaut. Der riesige Bau ist in nur drei Jahren entstanden – und sofort, als alles fertig war, von den Türken besetzt worden. Viele Jahre war die Festung ein Gefängnis. Hier saß auch Kolokotronis ein, ein General, der mit seinem Heer Anfang des 19. Jahrhunderts im Unabhängigkeitskrieg gegen die Türken kämpfte und heute als Held verehrt wird.

Seine Zelle ist ein fensterloses Loch im Inneren einer Festungsmauer, nur zu betreten durch eine 1 Meter hohe Öffnung.

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Nach der Burg geht es raus aus Nafplion, wieder ins staubige Hinterland. Die Landstraße führt durch Orangenhaine, und immer wieder muss Modnerd Traktoren und LKWs überholen.

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Nach einer Stunde sind wir am ersten Tagesziel angekommen: Mykene, einem Ruinengebiet auf einem Berg. Einst war das die größte Stadt Griechenlands. Von hier aus wurde der Krieg gegen Troja gestartet. Hier war auch was wegen Pelos… kommt daher der Name Peloponnes? Und das ganze Gebiet sind die Argoliden – daher kommen wohl die Argonauten. Wir bewegen uns auf geschichtsbeladenem Boden!

Das Löwentor ist der Eingang zu den Ruinen von Mykene.

Das Löwentor ist der Eingang zu den Ruinen von Mykene.

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Über den Berg mit den Ruinen weht permanent ein starker Wind – kein Wunder, so hoch wie wir hier sind. Dafür ist die Aussicht super, und bis auf einige französische Schulklassen ist hier wenig los. Das Wiesel hat Spaß und lässt sich den Wind um die Nase wehen.

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Neben den Ruinen gibt es natürlich auch ein obligatorisches Museum mit teils beeindruckenden, teils skurrilen Fundstücken aus den Grabungen.

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Guck an, „Elf on a Shelf“ gab es schon in der Antike.

Auf dem Parkplatz vor den Ruinen steht diese Harley mit einer russischen Flagge. Für Motorradreisende hege ich ja tiefe Sympathien, und die Sammlung der Reiseflaggen auf dem Windschild der Maschine ist beeindruckend. Aber die Kiste erzählt noch mehr Geschichten als nur, wo sie schon überall war. Auf dem Tank ist ein Airbrush einer Frau und die Unterschrift „Resquiescat in Pace“ – Ruhe in Frieden. Die Frau des Fahrers? Waren sie jahrelang gemeinsam unterwegs, wurden dann vom Schicksal getrennt, und nun ist sie als Erinnerung auf der Maschine verewigt während er allein über die Landstraßen kreuzt?

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Dann geht es nach Nordwesten, wieder über den Kanal von Korinth, und Richtung Athen. Vor Athen gibt es eine Bucht mit dem Namen Elefsina, die Raffinerien und anderen Industrieanlagen beherbergt. Südlich davon schließen sich Friedhöfe an: Der Friedhof der alten Bojen…. und sogar ein Schiff liegt tot im Wasser.

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Friedhof der Bojen. Hunderte dümpeln hier im Wasser.

Friedhof der Bojen. Hunderte dümpeln hier im Wasser.

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Von Nafplion nach Athen.

Von Nafplion nach Athen.

Athen selbst ist die Hölle, der Verkehr ist dicht und zwischen den Autos rasen Motorräder und -roller in halsbrecherischer Geschwindigkeit herum.

Es ist voller Tauben!

Es ist voller Tauben!

Der TÜV Nord operiert in anderen Ländern? Das war mir neu! Hier der „TÜV Hellas“.

Modnerd lenkt den Toyota durch das Gewühl, geleitet vom Navigon im iPhone. Ein ums andere Mal entgehen wir nur knapp Kollisionen. Dennoch kommen wir schließlich wohlbehalten am Flughafen an, der rund 30 Kilometer westlich der Stadt liegt.

Der Hertz-Mitarbeiter prüft unseren Wagen. Den präsentieren wir ihm vollgekrümelt (Modnerds geheime Superkraft ist es, selbst mit unverdächtigen Lebensmitteln in Sekunden gigantische Schweinereien anrichten zu können) und mit einer neuen Beule (keine Ahnung woher die kommt). Bei der Beule können wir glaubhaft versichern, dass die schon vorher war und nur nicht notiert wurde, und schon sind wir entlassen. „Sie sind fertig hier, auf wiederrrrsehen“, schnarrt der Mitarbeiter auf Deutsch, dann räumen wir zwei Tüten Müll aus dem Fond (erstaunlich, was sich in 5 Tagen ansammelt), und zack, sind wir weg.

Der Weg führt zur Metrostation, wo wir uns jeder ein drei-Tage-Touristenticket leisten, und dann fährt uns die Metro 3 in die Stadt.

Modnerd: Ich habe es die ganze Zeit gehofft und allmählich scheint sich mein Traum zu erfüllen: Wie fahren nach Athen! Mit großer Trauer musste ich auf der ersten Reise leider Athen (und überhaupt Südgriechenland) auslassen. Eigentlich wollte ich das damals auch noch machen, aber es erschien mir einfach zu viel. Ich wollte Athen sehen, aber hatte die Stadt als grauen, stinkenden Moloch erwartet, den man vielleicht gesehen haben sollte, der aber in jeden Fall anstrengend werden würde und ein paar Tage für sich brauchen würde. Und in den man danach dann vielleicht nicht mehr zurückkehren möchte…

Mit allen Annahmen lag ich falsch. In der ursprünglichen Erwartung, Griechenland wäre als Ziel der Überraschungsreise sicher nicht zu erwarten, und noch viel mehr in der Erwartung, Athen wäre anstrengend und ein „Thessaloniki auf Steroiden“ hatte ich eher die Verpflichtung als eine Lust verspürt, Athen ebenfalls zu besuchen. Weit gefehlt: Schon der Flughafen, an dem wir unser Auto abgeben, wie auch die Fahrt mit der Metro in die Innenstadt sind angenehm und wohlorganisiert.

Silencer: Genau vor dem Parlamentsgebäude verlassen wir die Metro. Der Syntagma-Platz war während der heißen Phase der Wirtschaftskrise wegen der teils heftigen Ausschreitungen jeden Tag in den Nachrichten. Und jetzt sind wir hier! Komisches Gefühl.

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Vom Syntagma hier ist es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem Hotel. Das „Carolina“ liegt zwischen Syntagmaplatz und dem Marktviertel Monastiraki an einer belebten Straße. Es hat vier reguläre Stockwerke, aber wir haben ein Zimmer im fünften. Auf dem Dach des Hotels gibt es noch vier weitere Räume, inmitten eines Dachgartens. Von hier aus lässt sich sogar die Akropolis erahnen.

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Modnerd: Das Hotel, das Herr S. ausgesucht hat, liegt mit unserem Zimmer über den Dächern Athens. Ich schließe am ersten Abend eine weitere Stadt in mein Herz ein, dorthin, wo Städte, Regionen oder andere Reiseerinnerungen länger liegen blieben und die ich gern wieder besuchen will. Diese besondere Ehre bekommen allerdings nur wenige Orte. Athen ist jedoch schon jetzt eine Stadt, die ich bestimmt noch einmal besuchen werde.

Silencer: Gepäck abwerfen und los geht es, eine Stadt will erkundet werden! Quasi direkt vor unserer Haustür liegt Monastiraki, das Marktviertel. Hier summt und brummt das Leben. Hunderte von schmalen Geschäften ducken sich in Häuser und Gassen. Verkauft wird ALLES, und alles hat ein eigenes Spezialgeschäft. Es gibt Buchlädne, die Bücher verkaufen, Bastelperlenläden bieten in gigantischer Auswahl Bastelperlen an, und im Kreissägeblätterladen gibt es, nunja, ausschließlich Sägeblätter für Kreissägen.

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Modnerd: Die Stadt ist sauber und – zumindest am ersten Abend – alles andere als erstickend. Im Gegenteil: Athen ist liebenswürdig und hat eine unendliche Fülle an tollen Geschäften, stilvollen Restaurants und extrem nett gestalteten Straßen zu bieten. Man könnte stundenlang durch die Gassen laufen und würde überall stehen bleiben, um noch ein nettes Geschäft oder Galerie zu bewundern oder in den endlosen Magen noch ein Essen einer lecker aussehenden Taverne zu schlingen, wenn es denn ginge.

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Silencer: Athen im Dunkeln ist faszinierend. Es wird schon um 17.00 Uhr Ortszeit dunkel, aber darauf ist alles eingestellt. Überall leuchten die Restaurants und die LED-Beleuchtungen kleiner Marktstände, die per Autobatterie betrieben werden. Die Stände im Marktviertel Monastiraki verkaufen selten billigen Kitsch, sondern meist echtes Kunsthandwerk. Und noch etwa fällt mir auf: Die Menschen hier sind freundlich. das war schon in den vergangenen Tagen so, aber da waren wir auf dem Land unterwegs. Jetzt sind wir in einer Millionenstadt, und dennoch sind hier alle umwerfend nett und zuvorkommend: Bedienungen, Fußgänger, Autofahrer – ich bin noch nie netteren und zuvorkommenderen Menschen begegnet.

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Modnerd: Manchmal erinnert mich die Stadt mit ihrem Flohmarkt rund um die Akropolis an Paris. Viele Straßen wirken sehr grün und generell ist grün und florale Gestaltung ein Merkmal, dass ich immer wieder entdecke, schon in Nafplio und auch hier.

 
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Verfasst von - 14. Mai 2016 in Reisen, Wiesel

 

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