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Test & Meinung: Nolan N104 Evo mit N-Com B5L ESS

23 Jul

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Bei Klapphelmen mit Tourenaustattung und integriertem Bluetoothsystem gibt es keine allzu große Auswahl. Ich habe mir den fast aktuellen N104 von Nolan und die zugehörige, brandneue Kommunkationslösung N-Com B5L mal genau angesehen – und sofort kaputt gemacht. Ich schreibe meine Erfahrungen hier mal auf, weil sich diese Informationen sonst nirgendwo im Internet finden.

„Ein Motorradhelm sollte nach fünf bis sieben Jahren ausgetauscht werden“, sagen „Experten“. Weil: „Die Weichmacher im Kunststoff verflüchtigen sich, dann wird die Helmschale spröde und verliert ihre Schutzwirkung.“ Bei Experten muss man immer genau hinsehen, von wem die bezahlt werden…

Ich persönlich glaube nicht, dass man pauschale Aussagen über die Haltbarkeit machen kann. Dazu spielen zu viele externe Faktoren eine Rolle. Meinen sehr geliebten Nolan N90 habe ich jetzt dennoch nach fünf Jahren und 45.000 Kilometern in den Vorruhestand geschickt. Er war nämlich nicht mehr dicht. Regen, insbesondere von der starken Sorte wie wir sie im Juni öfter hatten, schlug durch die Visierdichtungen. Hat man erstmal Tropfen auf der Innenseite des Visiers und auf der Brille, sieht man nur noch sehr wenig. Außerdem saß der Helm nach der diesjährigen Sommerfahrt nicht mehr wirklich fest auf dem Kopf. Das Innenfutter hatte sich im Laufe der Zeit geweitet. Beides ist sicherheitsrelevant, deshalb kam ich um einen Neukauf nicht rum.

Der neue sollte wieder ein Klapphelm sein und wieder Bluetooth fest eingebaut haben. Von der Sorte gibt es nicht viele. Die teureren Helme der Firma Schuberth gelten gemeinhin als Referenz in der Klasse. Will man von denen aber etwas Hochwertiges haben, muss man inkl. Bluetooth 800 Euro auf den Tisch packen. Günstiger, aber ebenfalls gut sind die Helme der italienischen Firma Nolan. Beim Helmkauf sollte der Preis natürlich nicht die erste Geige spielen. Das Wichtigste ist, dass der Helm perfekt passen muss. Ich habe einfach keinen Schuberth-Kopf, Nolan-Helme dagegen passen mir gut. Die bisherigen Erfahrungen mit dem N90 waren prima, darum fiel mein Auge nun auf die N104-Serie von Nolan. Das ist quasi der große Bruder des Nachfolgers von meinem N90.

Als 2012 der N104 rauskam versprach Nolan nicht weniger als den besten Helm, den sie je gebaut hatten. Eine Revolution, in allen Belangen besser als der Vorgänger N103. Fachpresse und die Motorradfahrer waren sich schnell einig: Das war maßlos übertrieben. Der erste 104 war ein netter Helm, hatte aber ein gravierendes Problem: Er war viel zu laut. Die Windgeräusche bei schneller Fahrt seien unerträglich, las man.

Gut, sowas sagte man über meinen alten N90 auch, aber dennoch besserte Hersteller Nolan nach und schob 2015 den N104 Evo in den Markt, der eine neue Lüftung mitbrachte und durch ein anderes Innenfutter ruhiger sein sollte. Der Evo wird jetzt gerade abgelöst durch den N104 Absolute, der nochmal leiser sein soll.

Im hiesigen Helmfachgeschäft standen jetzt beide Helme, Evo und Absolute, direkt nebeneinander, und ganz ehrlich: Bis auf genau eine geänderte Stelle an der Kinnriemenpolsterung und etwas andere Materialien im Innenfutter habe ich keinen Unterschied feststellen können. Was sich dagegen stark unterscheidet ist aktuell der Preis: Satte 130 Euro unter normalem Verkaufspreis sollte die Nobelvariante „Classic“ des Auslaufmodells N104 Evo kosten, und damit immer noch 100 Euro weniger als die Billigvariante „N104 Special Absolute“ des Nachfolgers. Sogar die Farbe gefiel mir.

Das ist er, mein neuer Nolan N104 Evo in Platinsilber.

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Obwohl er etwas größer ist als der N90, wiegt der N104 mit 1580 Gramm rund 120 Gramm weniger. Über dem silbernen Metalliclack ist eine Schicht Klarlack, was dem Helm ein wertiges und leuchtend-schimmerndes Finish gibt. Passenderweise genau in der Farbe meiner ZZR 600.

Visier und Blickfeld
Was sofort auffällt, vor allem im Vergleich mit dem alten Helm: Das Visier ist riesig.

Der neue N104 links, der alte N90 rechts.

Der neue N104 links, der alte N90 rechts.

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Theoretisch hat man damit einen riesigen Rundumblick. Leider geht der zusätzliche Raum des Visiers in die falsche Richtung, nämlich nach unten. Dadurch wird mein Blickfeld an einer Stelle größer, an der ich es nicht bräuchte. Dafür sieht man im neuen Helm von Außen nun fast mein ganzes Gesicht, was ich nicht gut finde, denn jetzt sehen Autofahrer, wenn ich ihnen die Zunge rausstrecke.

Das Visier bringt von Haus aus ein Pinlock mit, das ist eine zweite Visierscheibe, die das Beschlagen des Helmes verhindert. Sie tut das so zuverlässig, dass ich nie wieder einen Helm ohne Pinlock fahren werde.

Doppelte Scheibe. Durch die Luft zwischen dem Außenvisier und der Pinlock-Scheibe wird beschlagen zuverlässig verhindert.

Doppelte Scheibe. Durch die Luft zwischen dem Außenvisier und der Pinlock-Scheibe wird beschlagen zuverlässig verhindert.

Kinnteil
Der N104 ist ein Klapphelm. Nolan-typisch ist die Entriegelung mit einer Hand möglich: Zuerst zieht man die Taste am unteren Helmrand leicht vor, dadurch fährt darüber ein roter Hebel aus. Drückt man den runter, entriegelt sich der Helm und das Kinnteil kann hochgeklappt werden. Für den Fahrer ist das sehr einfach, für Ersthelfer ein Albtraum. Für Brillenträger ist der N104 ideal, denn die Brille braucht man nicht abzunehmen um den Helm ab- oder aufzusetzen.

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Der N104 hat eine Zulassung als Jethelm, d.h. man kann die Lade aufgeklappt mit einem Schalter fixieren und dann offen fahren. Raten würde ich das niemandem. Ich mache das selbst auch nicht, wenn ich aufgeklappt fahre, fühlt sich das genauso falsch und nackt an wie Autofahren ohne Gurt.

Arretierungsschalter für den Betrieb als Jethelm.

Arretierungsschalter für den Betrieb als Jethelm.

Be- bzw. Entlüftung
Auf der Vorderseite und oben finden sich Einlässe für die Belüftung, und die hat ihren Namen auch verdient. Mir ist sie sogar ein wenig zu heftig, denn eigentlich sollte man keinen Luftzug am Kopf spüren. Sinn und Zweck der Lüftung ist eigentlich, dass vorne angesaugte Luft durch die Venturikanäle an der Innenschale zum Luftauslass an der Helmrückkseite strömt und dabei warme Luft aus dem Inneren mitreißt. Das Helminnere soll also nicht be- sondern entlüftet werden. Beim N104 ist aber bei voll geöffneter Lüftung punktuell ein Luftzug auf der Kophaut spürbar. Ob das bei längeren Fahrten nervt, kann ich noch nicht sagen.

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Vordere Lüftung für das Visier. Beim 104 Classic, wie hier, in Helmfarbe, beim günstigeren „104 Special“ sind die mattschwarz.

Der Auslass der Venturikanäle auf der Helmrückseite. Beim N104 Evo sind die in Helmfarbe, beim günstigeren „Special“ sind die schwarz.

Sonnenblende
Genauso zwiespältig wie die Lüftung ist die neue Mechanik für die Sonnenblende. Der Schiebeschalter sitzt nun ganz am unteren Helmrand. Dadurch ist er ein klein wenig besser mit Handschuhen zu fassen. Der Preis dafür: Es entfällt die Möglichkeit an dieser Stelle ein externes Kommunikationssystem wie z.B. das Scala Cardio Rider anzuklemmen. Das Sonnenvisier spannt beim runterschieben eine Feder, und ein Druck auf eine sehr exponierte Taste lässt es zurück in den Helm springen. Ein Sicherheitsfeature, weil man so im Bruchteil einer Sekunde das Sonnenvisier wegbekommt und nicht, z.B. bei Tunneleinfahrten, erst rumfummeln muss und dann ggf. plötzlich im Dustern steht. Allerdings ist der Federmechanismus noch ein Teil mehr, das potentiell kaputt gehen kann.

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Verschluss
Gesichert wird der Helm mit einem Mikrolock2-Verschluss. Das ist ein Steckverschluss mit einer Ratsche. Genauso sicher wie Doppel-D-Verschlüsse, aber ohne Fummelei bedienbar.

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In der Praxis
Sitz- und Fahrtechnisch macht sich der N104 sehr gut. Die Polster sitzen straff ohne zu drücken. Der Helm liegt ruhig im Fahrtwind. Gelegentlich liest man, dass sich Leute über selbstschließende, wackelnde oder flatternde Visiere beschweren. Das kann ich nicht bestätigen, das halboffene Visier bleibt bei mir auch bei schneller Fahrt halboffen und vibriert auch nicht, genau sowenig die Sonnenblende. Das ist alles solide und gut verarbeitet, da klappert und knarzt nichts, alles sitzt und ist wertig.

Der tiefer eingezogene Kragen schließt nun genau mit dem Windabweiser ab, was in der Theorie die Windgeräusche reduzieren soll. Klappt in der Praxis aber nur bedingt: Der N104 Evo ist nach wie vor kein leiser Helm. M.E. kommt das auch durch die Versuche, den Helm möglichst dicht zu bekommen. Mein alter Nexo Touring II etwa saß um die Ohren rum nicht so fest wie der N104, war nach unten total offen und kannte sowas wie Windabweiser gar nicht, und war vermutlich genau deswegen subjektiv leiser. Der N104 ist wesentlich leiser als das Vorgängermodell, der N103, im Vergleich zum N90 gibt es aber keine großen Unterschiede.

Beim N104 machen sich Windgeräusche ab Geschwindigkeiten von 100 km/h bemerkbar. Darüber beginnt das Rauschen unangenehm zu werden. Geschwindigkeiten von 160 und mehr sollte man auf keinen Fall länger als ein paar Minuten ohne Gehörschutz fahren. Mir persönlich ist das egal, wenn ich mehr als 20 km am Stück fahre, dann sowieso mit einem Gehörschutz von Alpine. Der filtert die Frequenz von Windgeräuschen aus, lässt aber alles andere durch.

Alles in Allem ist der Nolan N104 Evo ein solider und günstiger Tourenhelm mit leichten Schwächen. Die sind für mich aber nicht so ausschlaggebend, dass er sich dadurch disqualifizieren würde.

N-Com B5L mit ESS
Das Nolan den Einsatz von externen Kommunikationssystemen behindert ist durchaus in ihrem Interesse. Seit etlichen Jahren fertigen die Italiener eigene, interne Bluetoothlösungen. Meine Wahl fiel auf das B5L, für das der Helm bereits vorbereitet ist.

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Der Einbau ist denkbar einfach und in 10 Minuten erledigt. Helmkragen abnehmen, Kommunikationseinheit in das dafür vorgesehen Fach einsetzen, Bedienteil und Lautsprecher an die entsprechenden Stellen klipsen, fertig. Kein Vergleich zu der Fummelei beim N90, damals, mit dem Basiskit und Bluetoothsatz 1.3.

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Das B5L bringt ein interessantes Feature mit: Eine LED-Leuchte. Die sitzt hinten am Helm und wird über einen Beschleunigungssensor aktiviert. Sinn des Ganzen: Bei Vollbremsungen löst die superhelle Leuchte aus und fungiert damit als Notbremslicht.

Das ESS (Emergency Stop Signal) ist eine superhelle LED-Leuchte auf der Helmrückseite.

Das ESS (Emergency Stop Signal) ist eine superhelle LED-Leuchte auf der Helmrückseite.

Dieses ESS (Emergency-Stop-System) ist auf dem Papier eine tolle Idee und ein Sicherheitszugewinn, in der jetzigen Ausführung aber kaum zu gebrauchen. Der Beschleunigungssensor löst die Leuchte auch schon bei schnellen Kopfbewegungen aus. Verbindet man den Helm mit einem Computer, kann man zwar die Empfindlichkeit des Sensors runterregeln, aber schon auf der nur zweitempfindlichsten Stufe löst der dann gar nicht mehr aus.

Ebenfalls problematisch ist die Auslöseverzögerung. Ich gebe gerne zu das meine Testmethode etwas lökerig war: Ich habe den Helm in den Armen gehalten, schnell bewegt und dann abrupt abgebremst. Aber immerhin hat dieses „händische“ notbremsen gereicht um die ESS-Funktion auszulösen. Nur leider viel zu spät. Die Auslöseverzögerung war mit über 0,5 Sekunden (!) viel zu lang. Die Leuchte sprang erst an, als der Helm schon lange auf Null abgebremst war. Bei Notbremsungen kommt es auf Sekundenbruchteile an, und eine Bremsleuchte, die erst eine Ewigkeit nach Einleiten der Bremsung anspringt, ist schlicht unnütz.

Leider kennt das B5L auch keinen anderen Modus als Notbremsung. Das ESS kann man auch separat kaufen, die Stand-alone Version beherrscht dann aber auch Modi wie Warnblinken, Nebelschlussleuchte und Dauerlicht. Warum es das in der 200 Euro teureren Paketlösung mit der Bluetooth-Kommunikation nicht mehr gibt, verstehe ich nicht.

Ebenfalls ein richtig hartes Problem ist die Verarbeitung. Die ESS-Leuchte wird außen auf den Helm geklebt und ist mit der Steuereinheit über ein dünnes Folienkabel verbunden. Unter der aufgeklebten Leuchte befindet sich die Schraube der Helmverkleidung. Um die zu öffnen, z.B. um das Innenfutter zum Waschen rauszunehmen,  muss man die ESS-Leuchte vorsichtig mitsamt Klebepad wieder ablösen.

Ich war vorsichtig, und trotzdem hatte ich gleich beim ersten Mal das Folienkabel in der Hand. Die Dinger kann man nicht reparieren, ich hatte damit also innerhalb des ersten Tages das 280 Euro teure System geschrottet!

[Nachtrag 16.09.16:] Nolan hat sich superfreundlich gezeigt und das System einfach so repariert. Ich hatte ein supernettes Gespräch mit einem Techniker, habe das Gerät eingeschickt und es repariert zurückbekommen. Weder für Arbeitszeit noch für Ersatzteil wollten sie Geld haben – obwohl ich die Reparatur bezahlen wollte, immerhin war ich selbst Schuld, dass das Kabel abgerissen ist.

Immerhin funktioniert der Kommunikationsteil auch ohne die LED-Leuchte. Da ich jetzt eh schon beim kaputtmachen war, hatte ich auch weniger Hemmungen zum Seitenschneider zu greifen und das zweite Ärgernis des B5L zu entfernen: Das Mikrofon. Das sitzt bombenfest im Helm, an einem flexiblen wie starken Metallflexarm. Das ist eigentlich erstmal gut, genauso will man das eigentlich. Qualitativ ist hier nichts auszusetzen. Ich habe nur ein Problem mit der Schwanenhalskonstruktion an sich.

Bei Vollintegralhelmen ist ein Schwanhals ideal, man stopft ihn ein Mal in den Kinnteil des Helmes und gut ist. Bei Klapphelmen funktioniert das aber nicht, man muss man bei jedem Aufsetzen des Helmes den Mikrofonarm umständlich wieder unter dem Windabweiser durch in das Kinnteil biegen. Beim N104 ist das  so beengt, dass mir das Mikro dauernd im Bart oder in der Nase oder im Auge steckte. Leider kann man es nicht, wie beim alten 2er-System, einfach vom System abstecken und so demontieren. Man muss es allen Ernstes abschneiden, wenn man es nicht braucht.

Mit Gewalt entfernt: Superstabiles Mikro.

Mit Gewalt entfernt: Superstabiles Mikro.

Ich sehe vollkommen ein, dass aus Sicht der Ingenieure ein Kommunikationssystem ohne Mikro quasi sinnlos ist, und dass es effektiv scheint, das Mikro gleich in ein in die Halterung der Lautsprecher einzugießen. Ich habe da aber durchaus meine Anwendungsfälle für so ein kastriertes System. Ich will nämlich während der Fahrt gar nicht telefonieren, und ich habe auch keine Sozia oder Mitreisende, mit denen ich sprechen möchte. Ich will nur die Ansagen des Navis und vielleicht mal Musik hören, aber nicht reden. Für mich ist ein abnehmbares Mikro eigentlich unverzichtbar! So musste ich das System zerstören, um ständiger Fummelei zu entkommen. Nun werde ich nie wieder darüber kommunizieren  können, rückgängig machen lässt sich das Abschneiden des Mikros nicht.

Die gute Nachricht: Auch nach dem Abknipsen des Mikros (was harte Arbeit war, der Schwanenhals ist echt hochwertig gearbeitet) ist das B5L voll funktionstüchtig. Die Bluetooth-Verbindung zum iPhone 6s und Garmin Zumo 590 ist sogar parallel stabil, der Ton ist gut und rauscht selbst bei hohen Lautstärken nur leicht. Das Tastenfeld ist mit Handschuhen besser bedienbar als sein Vorgänger, man kann jederzeit ertasten wo man ist.

Das neue Bedienfeld: Schick designt, vier leichtgängige Tasten und Sprachansagen in den Menus.

Das neue Bedienfeld: Schick designt, vier leichtgängige Tasten und Sprachansagen in den Menus.

Etwas fummeliger: Das alte Bedienfeld am N90.

Etwas fummeliger: Das alte Bedienfeld am N90.

Beim Navigieren durch Menüs oder dem Einschalten von Funktionen spricht der Helm nun auch, was die Orientierung erleichtert. Das er beim Ausschalten allerdings „Good Bye“ sagt, erinnert an das Batmobil in „Dark Knight“, kurz bevor es explodiert. Aber das sind nur meine Assoziationen, und wenn man die Sprache auf deutsch umstellt, sagt das B5L in leicht knödeligem Tonfall „Auf Wiedersehen“. Wobei man es eigentlich nicht mehr zwingend ausschalten muss. Das B5L geht automatisch nach 30 Sekunden aus, wenn der Helm nicht bewegt wird, und springt sofort wieder an, wenn es eine Bewegung registriert. Sehr gut!

Das die Tasten auch bei leichtem Druck funktionieren und das System rasend schnell startet ist eine echte Verbesserung gegenüber den schwergängigen Fummeldingern des eher trägen Vorgängersystems, das bis zu 10 Sekunden Startzeit benötigte.

Ein nettes Gimmick ist das UKW-Radio, mit dem sich bis zu 6 Sender programmieren lassen. Es verfügt über RDS, ist leider aber nicht besondes empfangsstark – es rauscht stark und verliert dauernd die Sender, und das, obwohl eine verhältnismäßig große Antenne entlang des hinteren Helmkragens verläuft. Die wird auch für die Kommunikation mit anderen Systemen benutzt, was Reichweiten bis zu 600 Metern zwischen bis zu sechs Motorrädern erlauben soll. Ausprobiert habe ich das nicht. Am hinteren Helmrand befindet sich auch der USB-Port, über den der Akku geladen wird und man den Helm auch an einen PC hängen kann. Dadurch kann man die Firmware aktualisieren, Radiosender speichern u.ä. Solche Einstellungen lassen sich auch über die App vornehmen, die es für Android und iOS gibt.

Da das ganze System intern verbaut und lediglich das kleine Bedienfeld außen am Helm ist, gibt es keine zusätzlichen Windgeräusche. Im Gegenteil: Der N104 mit verbautem Kommunikationssystem sogar leiser, denn an den Ohren des Fahrers sind nun statt sehr leichten Schaumpads nun die Lautsprecher in der Helmwand, die Fahrtgeräusche dämpfen.

In der Summe also auch hier eine solide Lösung mit Schwächen im Detail. Das B5L funktioniert in seiner Kernkompetenz, der Kommunikation, spitze. Alles ist hier verbessert und auf den neuesten Stand gebracht worden, Einbau und Bedienung könnten einfacher nicht sein und und das Radio ist ein nettes Gimmick. Das nicht abnehmbare Mikro ist aber ein dicker Minuspunkt. Eine echte Frechheit ist die flimmsige Rückleuchte, die schlecht funktioniert und konstruktionsbedingt sofort bei der ersten Helmöffnung nach Installation kaputtgehen MUSS. Ich bin ein großer Fan solcher Gimmicks, aber hier muss Nolan sich echt was besseres einfallen lassen – zumal dieses Spielding den Preis der ohnehin nicht günstigen B5-Lösung um über 100 Euro hochtreibt. Für einen Listenpreis, der fast auf dem Niveau der Kosten für einen Helm liegen, ist das ungenügend.

Und zusammengefasst?
Als Fazit kann man festhalten: Das Gespann aus dem N104 Helm und dem B5L-Bluetooth-Kit ist gut, aber weit entfernt von perfekt. Zwar ist bis auf die ESS-Leuchte alles solide und wertig verarbeitet, aber Schwächen gibt es in Details, und natürlich dürfte der Helm insgesamt leiser sein. Für mich ist das OK, denn ich kann mit den Schwächen leben und meine Bedarfe werden abgedeckt.

Beim Preis-/Leistungsverhältnis ist Nolan aktuell ungeschlagen, besonders beim Auslaufmodell N104 Evo. Da der Unterschied zwischen dem 2015er Evo und dem 2016er Absolute nur in anderen Polstern bestehen, kann man beim Evo bedenkenlos zuschlagen. In der Preisklasse von 250,- Euro gibt es aktuell schlicht keine anderen Helme mit vergleichbarer Ausstattung in dieser Qualität.

Das N-Com B5L ist dagegen in der jetzigen Form sein Geld nicht wert. Wer ein aktuelles N-Com möchte, sollte zum günstigeren B5 greifen. Das ist baugleich zum B5L, lediglich die labile ESS-Leuchte fehlt. Alternativ bietet sich das Vorgängersystem B4 an, das auch in den N104 passt und seinen Zweck erfüllt – lediglich auf Apps und solchen Spielkram muss man dann allerdings verzichten.

 
12 Kommentare

Verfasst von - 23. Juli 2016 in Motorrad, review

 

12 Antworten zu “Test & Meinung: Nolan N104 Evo mit N-Com B5L ESS

  1. Sandman

    19. April 2017 at 16:02

    Zum Mikro am B5L:
    Das hast Du leider völlig unnötigerweise abgeknipst… Ich weiß ja nicht, wie Du den Helm aufsetzt, aber unter dem Windabweiser habe ich das Mikro noch nie durchfummeln müssen: Helm aufklappen, Mikro etwas nach vorne biegen, aufsetzen. Mikro zurück bis fast an die Oberlippe biegen, Helm zuklappen. Visier auf, Mikro nach vorne ans Kinnteil biegen, fertig… Bei mir sitzt es direkt an der Kante zum Visier, es schaut quasi zur Hälfte aus dem Fenster. Da stört es nicht und ist nur minimal im Blick.
    Schade drum, das funktioniert nämlich echt gut.

    Viele Grüße
    Sandman

    p.S.: Wenn man die ESS-Leuchte etwas höher anklebt, bleibt die Schraube zugänglich – die Zuleitung ist dafür lang genug.

    Gefällt 1 Person

     
  2. Silencer

    19. April 2017 at 16:22

    Sandman: Klar, irgendwie mag das wohl gehen. Aber ich brauche das Mikro nicht, also weg damit. Bzgl. Folienkabel hast Du recht. Mein repariertes Gerät hatte auch ein längeres Kabel, aber beim originalen hat es gerade so gepasst. Da haben die wohl die Produktion angepasst. Ändert aber nichts daran, dass die Konstruktion flimsig ist. Da hätte ich mir echt was weniger labiles gewünscht.

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  3. Michael

    18. Juli 2017 at 08:40

    Hallo! Ich habe auch den gleichen Helm und kann bestätigen, dass ab 90/100 Km/h die Windgeräusche sehr störend sind (bei mir seltsamerweise vor allem am linken Ohr). Ich habe mit – damit ich mit einem Beifahrer mit einem anderen Helm kommunizieren kann – ein Sena Kommunikationssystem installieren lassen…der Einbau wurde im großen L Geschäft ganz problemlos durchgeführt, dabei wir einfach ein Stück des Plastiks unter der Helmseite weggeschnitten, damit die Sendeeinheit angesteckt werden kann. Es kann sein, dass dadurch die Windgeräusche links verstärkt wurden, aber so arg ist es dann auch wieder nicht. Vom Sitz her finde ich den Helm perfekt, besonders das große Visier gefällt mir gut, ich habe das Gefühl, eine viel bessere Rundumsicht zu haben als mit einem normal großen Visier. Als nächsten Helm möchte ich dann vielleicht doch mal diese Schubert-Wunderdinger probieren, wenn sie tatsächlich viel leiser sind würde sich ev. das Geld auszahlen…

    Gute Fahrt allseits!
    Michael

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  4. Klaus

    31. Juli 2017 at 13:02

    Hallo zamme Danke für die Ausführungen. Entspricht genau meinen Erwartungen. Mir scheint dass da, jemand nur Musik hören und kein Navi möchte. Oder habe ich das falsch verstanden dann Sorry vielmals. Denn dafür wäre es mir zu teuer.
    Mein Problem besteht mit N90, B3 und Garmin 345LM System alles 1 Woche alt
    Hab mir alles bei Tante Louis geholt und eingebaut.
    Da kam schon die erste Ernüchterung. Nur ein unverständliches Kratzen statt klare Ansagen. Der freundliche Support bei N-Com bat mich dann die Firmware zu erneuern und das gleiche beim Garmin.
    Leider war das kratzen immer noch da. Weitere 5 Std. mit N-Com und Garmin verbracht. nette Gespräche bis da ein Mitarbeiter von Garmin (der 5te) dann erklärte das die Systeme nicht zusammen arbeiten und nicht auf seine Liste stehen..(super)
    Bin dann trotzdem zur Tante wieder 60 km um mal ein anderes B3 auszuprobieren.
    und nun der vorzeige Effekt es geht. ;-)) aber nur 5 min dann wieder alles gleich.
    Tja was soll ich sagen und bin wieder auf der Suche. Hat jemand Erfahrungen mit dem 104 ob evo oder absolute in Verbindung mit Garmin. Wenn das geht würde ich alles zurückgeben.
    Wie mein Vorredner schon bemerkte bei Klapphelmen mit integrierter Kommunikation wird die Luft eng. Und Schuberth hat ja die allerbesten Kritiken nicht nur Teuer sondern auch mit Wasser von innen als Taucherbrille bei Regen. ;-)))
    Besten Dank Klaus

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  5. Silencer

    31. Juli 2017 at 13:33

    Hi Klaus,
    also ICH will auf jeden Fall nur Navi. Musik und Radio brauche ich nicht, telefonieren und mich mit anderen unterhalten will ich nicht.

    Ich habe mit dem N90, dem B1.3 und dem Garmin 540 keine Probleme, alle Sprachansagen sind glasklar. Wo ich Probleme hatte: Wenn das Smartphone sich auch noch verbinden will. In der Standardeinstellung schnappt sich das Telefon für Medienstreamin dann nämlich die hochwertige Audio-Bluetooth-Verbindung, während die Sprachansage vom Navi in den Helm mit der lökerigen Bluetooth-Datenverbindung lief. Das hört sich richtig mies an!

    Kann es das bei Dir auch sein?

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  6. Klaus

    31. Juli 2017 at 14:56

    Hallo Silencer hab’s ja auch nur ironisch gemeint,-))
    Wir hams mit allen möglichen Verbindungen aus probiert. Mitn iPhone alleine super klang ist aber net das was i suche. (letzte Möglichkeit) hat alles keinen zweck.
    Der nette Support er von N-com schickt jetzt mal zum Testen ein B5.
    Mal schauen Obs dann geht
    Ich mag auch kein Handy beim Fahren 1 lenkt ab 2 brauch kein Gequatsche dabei hab extra den Sozius abgebaut wegen dem!
    Endlich mal 5 min ruhe ;;–))))))
    Gruß Klaus

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  7. Silencer

    31. Juli 2017 at 15:05

    Ok, dann habt ihr Navi alleine auch schon probiert? Smartphone ganz außer reichweite, am Besten ausgeschaltet? Dann mal in die Bluetootheinstellungen geguckt, einmal oben links ins Menü auf „Eingang“ ob da alles korrekt ist und dann beim Navi die Icons „Headset“ und „Musik“ auf den Helm eingestellt? Das hat es bei mir nämlich gebracht, ab da hatte ich das Navi in voller Audioqualität im Helm.

    Gefällt 1 Person

     
  8. Klaus

    31. Juli 2017 at 16:01

    Alles ausgeschalten und aus dem menue gelöscht beim helm factory resthat alles nix gebracht.
    Hab gerade mit meiner tante louis gesprochen die sehr kulant und reservieren ein B5 und nen Nolan104 clasic den wir dann mal am mittwoch testen.
    Navi im auto wuderbar über radio schnittstelle wunderbar klar und nicht verzerrt.
    nur in verbindung mitn B3 Headset
    gruss klaus

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  9. Silencer

    31. Juli 2017 at 21:27

    Hey, hör mir doch mal zu! Es kann sein, dass Dein Bletooth-Profil im Navi falsch eingestellt ist, da bringt das ganz Resetten und auf Kulanz austauschen dann gar nichts.

    Also: 1. Mach Dein Smartphone aus.
    2. Starte die Bluetooth-Verbindung zwischen Helm und Navi
    3. Gehe in Einstellungen -> Bluetoothverbindung.
    4. Klicke auf den Helm und mach dort bei „Telefon, Navigation“ und bei „Medien“ ein Häckchen.
    5. Geh aus dem Menü wieder raus. Hinter der Helmbezeichnung sollte jetzt das Headsetsymbol und die Musiknote leuchten.

    Das sollte es gewesen sein, ab jetzt solltest Du gute Sprachansagequalität haben – wenn es am Bluetoothprofil lag. Bei mir lag es daran.

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  10. Klaus

    1. August 2017 at 13:02

    Sorry, aber so haben wir es als erstes gemacht, damit alle Einstellungen und Profile weg sind.
    Danach SW-und Firmware update. usw. Hab das vielleicht nicht ausführlich genug geschrieben.
    Hab auch gestern mal meine Kollegen bei der ETH-Zürich gefragt und bin heute zum Testen dort. (heute CH Nationalfeiertag und Semesterferien daher alles ruhig)
    Wir hängen mal ‘nen Logik Analyser dran um zu sehen was genau da drin ist.
    Bei Garmin haben sie bestätigt dass mit dem B3 Probleme auftreten können, da die Grenzwerte der Bauteile variieren, deshalb soll wohl keine Freigabe für das B3 und dem 345LM besteht.
    Will heißen wenn du glück hast und beide aussehlab der Toleranzen liegen kann es funktionieren.
    Das B3 Headset wäre eigentlich ein gutes gerät das alle Funktionen hat, die es für den normalen Einsatz braucht. Es ist halt, ein schon älteres gerät, was nicht heißen soll das es schlecht ist. Aber für den speziellen Einsatz mit 345LM halt nicht. Das sollte aber auch in den Verkaufsstellen so kommuniziert werden. . Pries Leistung ist ok

    Bin Jetzt auf B5 und Nolan 104 classic umgestiegen mit Bravour.
    Mit allen vor und Nachteilen die ich noch herausfinden muss, aber für mich ist es ok
    Gruß Klaus

    Gefällt 1 Person

     
  11. Klaus

    1. August 2017 at 13:09

    Ach so da war doch noch.
    Deinen beitrag zum B5L fand ich super und hab mich daher für das B5 ohne L entschieden
    ebenso für den 104
    besten dank

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  12. Silencer

    1. August 2017 at 13:46

    🙂
    Alles klar, dann viel Spaß mit den neuen Gerätschaften!

    Wundert mich, dass es mit dem B3 nicht geht. Ich habe gestern nochmal nachgeguckt, ich habe tatsächlich das B2.1 in Revision 4 im N90, funktioniert mit dem Zumo 590 problemlos o_0

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