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Mittelstandserlebnisse

04 Aug

Ich hatte mich ja neulich schon ein wenig über den metallverarbeitenden Mittelstand amüsiert, dem irgendwie schon klar ist, dass man irnzwat mit Internet machen muss, aber noch nicht richtig dort angekommen ist.

Durch die Reparaturmaßnahmen am Motorrad hatte ich es jetzt in rascher Folge mit drei solchen Betrieben zu tun, und irgendwie hat es jeder geschafft irgendwas zu versieben.

Betrieb Nummer 1 liefert zwei Ersatzteile, eines davon ist aber krumm und schief zusammengeschweißt.

Krumm und schief...

Krumm und schief…

Darauf angesprochen, dass das so unmöglich passen kann, kommt freundlich, aber lapidar die Kernaussage: Ist halt so, nehmen Sie es so oder lassen´ses. Ich wollte es dann lieber lassen únd eine Gutschrift für das eine Teil. Dann war erstmal zwei Wochen Funkstille, dann eine Meldung: Man hätte meine Bankdaten nicht mehr, die möge ich bitte mal einreichen. Gesagt, getan – und prompt mehr Geld gutgeschrieben bekommen als erwartet, nämlich nicht nur den Preis des schiefen Teils, sondern der kompletten Lieferung. Weil ich ehrlich bin, also wieder hinter denen hergelaufen und eine teilweise Rücküberweisung einer Gutschrift für eine Überweisung angestoßen.

Betrieb Nummer 2 hat Ersatzteile geliefert, die leider nicht gepasst haben. Das war meine Schuld, die Renaissance ist so oft modifiziert worden, da hätte mir klar sein müssen, dass das nicht passt. Aber gut, übers Netz bestellt, hat man halt Widerufsrecht. Um das auszuüben muss man nur das Widerrufsformluar aus der Bestellmail ausdrucken, ausfüllen und denen faxen. Zwar kann man auch über die Fancy Website mit den großen Fotos eine Rückgabe beantragen, was mit diesem Antrag aber passiert weiß niemand. Das verprochene Retourenetikett gibt es jedenfalls nicht, die Rücksendung zahlt der Kunde selber. Was vollkommen OK ist, aber dann sollte bitte drauf verzichtet werden kostenlose Retouren zu versprechen. Die Bestätigung einer Gutschrift kommt dann per Post, das Geld lässt sich aber wochenlang nicht wieder blicken. Weil per Paypal Geld erstatten, uh, unheimlich.

Betrieb Nummer 3 hat nette Mitarbeiter, die gerne Dinge reparieren. Die Mitarbeiter sind aber nicht per Mail erreichbar, die ganze Firma hat nur eine Mailadresse. Man erwischt die nur per Telefon, aber die Durchwahlen geben sie nicht raus. Dann soll man ihnen die zu reparierenden Dinge zuschicken. Aber bitte nicht im August, denn da mache man Inventur und nehme schon deswegen keine Pakete an, erst im September sei man wieder für die Kunden da.

Was ich geradezu bezaubernd fand: Alle drei Unternehmen bewegen sich auf dem ungewohnten Dienstleistungsparkett wie tapsige Bärenjungen auf Glatteis. Ihre Strukturen sind nicht auf Kundenkontakt ausgelegt, aber sie wagen es trotzdem. Dabei gehen Sachen schief, aber alle drei Betriebe haben es hinbekommen, durch schnelle Reaktionen und echte Freundlichkeit einen guten Eindruck zu hinterlassen. Man hat es halt bei denen mit Menschen zu tun, nicht mit Konzernen. Menschen machen nunmal Fehler, aber wenn sie sich dann nicht gebärden wie Arschlöcher, sieht man ihnen das doch gerne nach.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 4. August 2016 in Ganz Kurz, Motorrad

 

3 Antworten zu “Mittelstandserlebnisse

  1. Albrecht Wagenhöfer

    4. August 2016 at 20:12

    Huch, da hatte ich ja irrsinniges Glück bisher. Es hat, bis auf Ausnahmen…bisher alles gepaßt.
    Ganz toll sind Erlebnisse, wenn Versandmitarbeiter gedanklich VOR der Mühle stehen und dann in Gut-Treu&Glaub eine rechte Fußrastenhalterung verschicken, weil die halt visuell jetzt rechts wäre.
    Oh Mann, nicht nur in den Bereichen eine echte Kundenverarsche, sondern auch die eventuelle Kundenbindung. Komme öfter privat z.B. in Straßburg rum und erlebe immer wieder, was „Kunde“ ausmacht. Ist wie eine andere Welt.
    Wenn der Service voll in Ordnung ist, bin ich auch dafür bereit, mehr zu zahlen als beim Billigheimer.

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  2. Silencer

    4. August 2016 at 20:46

    🙂

    Ja, so sehe ich das auch. Für Service und gute Arbeit gebe ich gerne was aus (Die Kwasakiwerkstatt kann das bestätigen)

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  3. Albrecht Wagenhöfer

    5. August 2016 at 11:17

    Wäre dir zu gönnen, daß die Mühle wieder fahrbereit wäre bevor Schnee fällt.

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