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Girocard oder VPay oder Maestro?!?

25 Aug

Und dann stand ich da wie Max-inne-Möhren, glotzte auf das PIN-Pad an der Kasse und versuchte zu enträtseln, was es von mir wollte. Als ich es verstanden hatte, kam ich aus dem Fazialpalmation nicht mehr raus, denn ich hätte NIE gedacht, dass die EU diesen Quatsch durchsetzt.

Ich bin ja glühender Europafan, aber manchmal geht mir die EU auf den Saque. Nämlich immer dann, wenn die Kommission Dinge auf den Weg bringt, von denen von vornherein klar ist, dass sie nicht nur Rohrkrepierer sind, sondern ein fetter Blattschuss ins eigene Knie.

Die Cookieregelung auf Webseiten ist so ein Beispiel. Die nervigen „Wir verwenden Cookies“-Meldungen waren zum Schutz und der Sensibilisierung der Besucher gedacht, haben aber exakt das Gegenteil erreicht: Man hat sich einfach dran gewöhnt, beim erstbesten Popup auf einer Webseite stumpf „OK“ zu klicken ohne es zu lesen. Da könnte auch „wollen sie wirklich ihre Festplatte löschen“, ich würde es nicht sehen und gleich bestätigen.

Das gleiche Kaliber falsch verstandener Transparenz sorgt jetzt für maximale Verwirrung bei Kartenzahlungen. Moderne Karten tragen nämlich etliche Zahlungsmöglichkeiten mit sich rum. Welche an der Kasse verwendet wird, entschied bis vor Kurzem der Händler. Seit Juni gibt es eine Vorschrift, dass der Kunde die Zahlungsmethode auswählen soll, denn „Der Kunde soll Entscheidungsfreiheit haben“. Das ist einigermaßen sinnfrei, denn die meisten Kunden wissen nich mal, das ihre Karte mehr als ein Zahlungssystem hat, geschweige denn was die Unterschiede sind.

Für die meisten Deutschen ist ihre Zahlungskarte „Die Eurocheque-Karte“. Punkt.

Was grandioser Quatsch ist, denn die Eurocheque-Karte gibt es seit 2001 nicht mehr. Ab diesem Zeitpunkt stand EC für Electronic Cash, wobei das seit 2007 Girocard heißt*. Ausgegeben und betrieben wird das Girocard Netz von der Deutschen Kreditwirtschaft, es handelt sich also um eine nationale Debitkarte.

Die ist den international agierenden Finanzkonzernen ein Dorn im Auge, weshalb Mastercard und VISA eigene Debitsysteme geschaffen haben. Die heißen „Maestro“ (Mastercard) und „V Pay“ (VISA). Da diese beiden Konzerne die größten Ausgeber von Karten sind, ist ihre eigene Funktion meist zusätzlich zu Giropay enthalten.

Je nachdem mit welchem Unternehmen die eigene Bank kooperiert, hat die eigene Bankkarte also mindestens zwei Zahlungsfunktionen: Giropay oder Maestro/V Pay. Bei den Zahlungsarten Giropay/Maestro/V Pay entschied bis vor Kurzem der Händler was genutzt wurd. Nun soll man als Kunde selbst entscheiden, welches Zahlungsverfahren man verwenden möchte. Was einigermaßen sinnfrei ist, denn für den Kunden entstehen keine Zusatzkosten, egal für welches Verfahren er sich entscheidet.

Für die Händler gibt es aber sehr wohl einen Unterschied, denn je nach Verfahren sind die Gebühren für ihn bis zu doppelt so hoch. Bei Giropay bezahlt der Händler 0,2 Prozent des Umsatzes an die Bank, bei VPAY/Maestro sind es 0,3 bis 0,4 Prozent. Will man seinem Einzelhändler was Gutes tun, sollte man also die Giropay-Funktion verwenden. Will man ihn ärgern, V Pay/Maestro.

Bis sich rumgesprochen hat, dass dieser ganze Auwahlquatsch völlig Mumpe ist, dürfte das zu Verwirrung, Erkläraufwand und damit längeren Wartezeiten an den Kassen führen. Danke, EU! (Ich habe Dich aber trotzdem lieb)

In Teil II: Alle Verfahren, die eine Karte so können kann.

*(Die Deutsche Kreditwirtschaft hatte nämlich schlicht vergessen sich den Markenterm „EC“ zu sichern und musste die Karten deshalb umbenennen.)

 
6 Kommentare

Verfasst von - 25. August 2016 in Ganz Kurz, Service

 

6 Antworten zu “Girocard oder VPay oder Maestro?!?

  1. modnerd1138

    25. August 2016 at 19:07

    Die andere, einfache Wahl, die der Kunde hat: Einfach grundsätzlich den weltweiten Standard „Kreditkarte“ verwenden und keine nationalen Quatschkarten oder Extralösungen, die die Quatschkarten einfangen sollen, verwenden. Ja, ich weiß dass der Händler da zuweilen noch höhere Gebühren zahlen muss, aber eigentlich hat genau diese Gebühren die EU nun gerade gedeckelt (0,2 bzw 0,3 Prozent), das sollte also kein Problem sein bzw. nur noch eine Frage der Zeit.

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  2. Silencer

    25. August 2016 at 20:13

    Ja das nun sowieso. Nationale Debitkarten gehören geächtet, die diskriminieren Ausländer und machen, das ich in Südeuropa nachmittags nicht tanken kann.

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  3. jotbee24

    25. August 2016 at 22:06

    Wieder mal danke für den interessanten Artikel. Wahrscheinlich hängt die Wahl der Zahlungsart auch an den durch den Händler akzeptierten Zahlungsarten (also seinem Vertrag mit dem Terminal-Dienstleister) und/oder den Zahlungsarten, die die Karte hergibt… Mir ist die Auswahl bisher noch nicht aufgefallen.

    Man kann bei den ganzen Diensten aber auch durcheinander kommen:

    Girocard ist die altbekannte „EC-Karte“
    Giropay ist ein Online-Bezahlverfahren, das mit dem Online-Banking des Zahlers verknüpft ist
    Girogo ist die Möglichkeit mit seiner Karte Kleinbeträge bis 20 EUR „kontaktlos“ (NFC) zu bezahlen

    Alles nicht so einfach, wenn mans doppelt nimmt…

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  4. Silencer

    25. August 2016 at 23:00

    Ja, alles nicht so einfach. Ich habe das Thema aufgeteilt, zu NFC kommt morgen was.

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  5. Thorin

    28. August 2016 at 11:58

    Hatte das letztes auch das erste Mal und stand da wie der Ochs vorm Berg. Daher danke für die Aufklärung!

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