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Brotkäfer

30 Aug

Es begann im vergangenen Oktober. Plötzlich war mein Arbeitszimmer voller kleiner, brauner Punkte, die sich bewegten. Winzigkleine Käfer, vielleicht ein bis zwei Millimeter groß und fast kugelrund.

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Sie krabbelten über die Wände, auf dem Fußboden, und im Schein der Schreibtischlampe rotteten sie sich zu Klumpen zusammen. Es war widerlich, überall bewegte sich was.

Eine kurze Internetsuche identifizierte die Invasoren als Brotkäfer. Sind mancherorts recht verbreitet und eigentlich gar nicht so ungewöhnlich. Was mich aber irritierte: Das sind Fressschädlinge, die normalerweise dort vorkommen, wo Lebensmittel gelagert werden. In meinem Arbeitszimmer gibt es aber keine Lebensmittel, da gibt es nur große Regale voller Bücher und Filme. Wovon ernährten sich die Brotkäfer also? Und woher kamen sie?

Zunächst kontrollierte ich alle alten Bücher, die in Leinen und Leder gebunden sind oder eine alte Leimung haben. Nichts. Dann untersuchte ich die Pflanzen im Raum und stellte die Theorie auf, dass die auf dem Balkon mit Käfern infiziert worden waren und beim Einwintern des Grünzeugs die Viecher mit ins Haus gezogen waren. Also entsorgte ich die Pflanzen. Die Brotkäfer blieben.

Als letztes hatte ich den Apfelbaum vor dem Haus im verdacht. Der hatte reichlich getragen, Fallobstreste gammelten noch auf der Wiese rum. Vielleicht ernährten sich die Brotkäfer dort und kamen dann durch Spalten im Fensterrahmen ins Haus.

Dann fuhr ich zwei Wochen weg, und als ich zurückkam, lagen tausende von Brotkäfern tot auf dem Boden. Das große Krabbeln hatte ein Ende gefunden. Dachte ich.

Im Mai, fast genau 200 Tage später, ging es wieder los, was dem Brutzyklus der Käfer entspricht. Die erneute Invasion war nicht so schlimm wie die erste, nur ein paar hundert Käfer wuselten über die Wände. Trotzdem Bäh, und ihre Herkunft und Nahrungsquelle blieben ein Rätsel. Bis gestern.

Gestern wühlte ich auf der Suche nach was ganz anderem eine Archivkiste mit Urlaubserinnerungen durch. Zwischen Stapeln von Fotos, alten Quittungen und Landkarten steckte ein kleines Lebkuchenherz, dass das Wiesel mal aus München mitgebracht hatte. Als ich das Herzchen sah, war mir klar: DAS musste Brotkäfer-City gewesen sein!

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Der Lebkuchen war quasi von oben bis unten durchlöchert. Nach der Entsorgung juckten übrigens die Hände wie irre. Entweder die Freßüberreste oder der Kot der Käfer scheint sehr reizend zu sein.

Zusammen mit einigen anderen Infos ergibt das ganze nun einen Sinn: Die Käfer waren zu mir im Inneren eines Gast-Stofftieres gekommen. Das hatte eine Dinkelfüllung und verlor weißes Puder, was ich damals schon seltsam fand. Das muss Dinkelmehl gewesen sein, das die Brotkäfer im Inneren erzeugten. Das Gaststofftier lag kurz in der Archivbox, dort gründeten die Brotkäfer dann eine Kolonie im Lebkuchenherz und starteten ihre Invasionen.

Damit ist das Geheimnis der Brotkäfer gelöst, und ich hoffe sehr, dass ich von weiteren Attaken veschont bleibe. Faszinierend ist es aber schon, wie sich solche Viecher immer wieder neue Wege und Behausungen suchen.

 
12 Kommentare

Verfasst von - 30. August 2016 in Ganz Kurz

 

12 Antworten zu “Brotkäfer

  1. Albrecht Wagenhöfer

    30. August 2016 at 12:09

    Schon mal in einen Kornspeicher geschaut beim Bauern? Heute durch die industrielle Schnellverarbeitung nicht mehr so oft aber…….Kornkäfer en Masse, werden dann abgespritzt.
    Von wegen reines und feines Brotmehl……Vegetarier dürften das gar nicht live sehen.

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  2. zimtapfel

    30. August 2016 at 21:29

    Uäääh! Vor die Bilder vom Lebkuchenherz hätte mal ne Triggerwarnung gehört! Fieses Kribbeln hier… 😱

    Gefällt 1 Person

     
  3. Silencer

    30. August 2016 at 21:56

    Triggerwarnung? Wo sind wir denn hier? Im Savespace der Millenialmemmen?

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  4. Silencer

    30. August 2016 at 22:31

    Albrecht: nee, bin nicht so oft auf Bauernhöfen

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  5. Silencer

    30. August 2016 at 22:53

    Zimt: nur um Mißverständnisse auszuräumen: das sind keine Käfer auf dem Herz, sondern Löcher.

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  6. zimtapfel

    31. August 2016 at 07:47

    Das ist mir schon klar. Aber so Bilder von von Käfern gefressenen Löchern lassen ja auf der Stelle weitere Bilder von munter wimmelnden Käferchen entstehen und dann KRIBBELKRABBEL…

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  7. Albrecht Wagenhöfer

    31. August 2016 at 10:31

    Es kommen bestimmt noch Bilder von dem vergessenen Käsestück, das einfach von selbst weglaufen wollte. Lecker!

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  8. Katja

    11. September 2016 at 10:24

    Die, in dem Zusammenhang, wichtigste Frage wird gar nicht beantwortet: Was ist aus dem armen Gast-Stofftier geworden? Ich mag’s mir gar nicht vorstellen…

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  9. Albrecht Wagenhöfer

    11. September 2016 at 13:56

    Da gibt’s nur eine Lösung: Langsam erhitzen, bis auch der letzte Käfer erröstet. Dann den Staub wieder der natürlichen Umwelt zugeben.

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  10. Franzi

    13. April 2017 at 19:28

    Danke für den Tipp, same here. Auch Lebkuchenherz. Hätte ich niemals gedacht, aber macht ja Sinn. Das kommt jetzt leider auf den Müll…

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  11. Mia

    11. Mai 2017 at 23:42

    Also bei mir war auch die Ursache das LebkuchenHerz. Heute hatte ich endlich nach 2 Tagen Rätsel die Ursache entdeckt als mich meine kleine Schwester auf einen Artikel im Internet Ansprache, das sagte, dass sich diese Käfer namens ,, Brotkäfer“ sich auch mal in Lebkuchen einhausfen. Schnell dachte ich an meine gleich 3 Lebkuchenherzen, die zur Erinnerung an meiner Wand hingen… Sie waren ebenfalls durchlöchert und es waren ebenfalls noch ein paar Käfer dort drin zu sehen. Ich wäre niemals darauf gekommen um ehrlich zu sein. Ich hatte eher so im Sinn, dass sich Käfer in meiner Fußleiste eingenistet haben, weshalb ich immer nachschaute, aber leider nichts fand. Nun schmiss ich alle 3 weg. Nicht im Mülleimer der im Haus zu finden wat, nein. Ganz weit weg und draußen in der Mülltonne. Dann, da ich sehr viele Bilder an den Wänden hatte, machte ich jedes Bild ab und tötete die anderen restlichen Käfer indem ich diese die Toilette Runter spüle, damit sie ja nicht wiederkommen. Die Hauptquelle wurde nun entfernt, aber es kommt dennoch vor, dass ich mal einen wieder sehe und diesen sofort töte. Ich hoffe diese Viecher sind bald entgültig verschwunden. Gehen diese von alleine weg oder brauche ich ProfessionElle Hilfe ?

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  12. Silencer

    12. Mai 2017 at 08:46

    Hallo Mia und willkommen im Blog! Bei mir war es so, dass ich nach der Entsorgung der Hauptquelle, des Lebkuchenherzens, noch einige Tage lang hier und da Käfer gesehen habe, aber nach zwei Wochen war keiner mehr da. Wenn das bei Dir ähnlich ist, brauchst Du keine professionelle Hilfe. Du solltest allerdings vielleicht bei Gelegenheit nochmal Deine Küche checken, die Käfer gehen wohl auch gerne an Lebensmittel (besonders Brot)

    Spannend wird es dann nochmal nach 200 Tagen. So lange ist der Brutzyklus des Käfers. Sollten Deine jetzigen Käfer irgendwo Eier gelegt haben, werden die dann schlüpfen, und Du hast sie wieder im Haus. Dann kannst Du immer noch über Hilfe vom Profi nachdenken.

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