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Momentaufnahme: Oktober 2016

28 Okt

Herr Silencer im Oktober 2016
„Life is incredibly good“

Wetter: Der Oktober beginnt sonnig, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Herbst wird. Noch in der ersten Woche stürzen die Temperaturen von 16 auf Nachts 3 Grad ab. Die Motorradsaison könnte man jetzt beenden, aber ich bin ausser Landes. Dann der Schock: Im Ausland sind es abends noch 35 Grad, als ich in Berlin wieder aus dem Flieger klettere gerade mal 5. Ab jetzt ist es so richtig schmuddelig, kalt und nass bei 3-6 Grad. Zum Monatsende wird es mit bis zu 10 Grad wieder etwas wärmer, aber ohne Sonne ist alles grau und trüb. Ein goldener Oktober sieht anders aus.

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Lesen:

Ach, man kommt ja zu nüscht.

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Hören:
Lange Fahrten im Mietwagen bedeuten: Podcast-Zeit!

Schöne Ecken“ wandelt gerade auf den Spuren vergangener Reisetagebücher, die „Lage der Nation“ wird von Richter Ulf Buermeyer und Journalist Phillip Banse wöchentlich erläutert, und die „Teenagersexbeichte“ behauptet ein Lifestylepodcast zu sein, ist in Wirklichkeit aber die lustigste Mogelpackung seit Langem. Jeder einzelne, ernst vorgetragene Satz ist total überdrehter Nonsense. Würde Martin Sonneborn einen Podcast machen, er hörte sich so an wie die „Teenagersexbeichte“.

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Sehen:


Colonia Dignidad
[Amazon Video]
Chile, 1973: Pinochet putscht sich an die Macht und beginnt sofort mit Säuberungsaktionen. Daniel Brühl ist Friedensaktivist und daher einer der ersten, der von den Milizen verschleppt wird. Sein letzter One-Night-Stand, Emma Watson, versucht seiner Spur zu folgen. Die führt in eine Kolonie von Deutschen, die streng von der Außenwelt abgeschirmt ist. Die Bewohner der „Colonia Dignidad“ folgen den Geboten ihres Anführers, der über Religion und Gewalt absoluten Gehorsam erzwingt. Das Leben in der Kolonie ist hart, aber letztlich nur Kulisse. Die Wahrheit ist: Sowohl die Deutsche als auch die chilenische Regierung nutzen die hermetisch abgeschlossene Colonia Dignidad für ihre Zwecke.

Mir blieb beim Ansehen mehrfach der Mund offen stehen. Die Geschichte um Brühl und Watson ist fiktiv, aber die Colonia Dignidad gab es wirklich. Unter dem Anstrich strenger Religiösität verging sich der Anführer tausendfach an Kindern, in Kellerräumen mordete und folterte das Pinochet-Regime, Waffen wurden geschmuggelt und hergestellt. Und das Schlimmste: Die Deutsche Regierung deckte das nicht nur, sie arbeitete in den 70ern aktiv mit der Kolonieführung zusammen. Franz Josef Strauß lobte den Sektenführer sogar als vorbildlichen Deutschen.
Un-fass-bar.

Der Film ist toll ausgestattet und überragend gespielt – die 70er sind präsent und lebendig, und Brühl und Watson sind zwei der besten Schauspieler ihrer Generation. Unbedingt empfehlenswert.


Doctor Strange
[Kino]
Sherlock Cumberblotch bricht sich die Hände. Auf der Suche nach Heilung wird er nebenbei zum Zauberer ausgebildet und muss die Welt gegen Le Chiffre, den Rasenmähermann und den Angriff von lila Kaugummi verteidigen.

Das ein Film mit so wenig Substanz so gut funktioniert – das muss Magie sein! „Dr. Strange“ verlässt sich nur auf seine Protagonisten und die visuellen Effekte – und das klappt. Herausgekommen ist ein Superheldenfilm im Marvel-Universum, der sich anders anfühlt als alles im „Avengers“ Umfeld. Das liegt auch an den F/X, die hier nicht echt aussehen müssen (weil: Magie!), und so greift man in die Vollen: Gebäude drehen und verkrümmen sich, die Welt wird zu einem Panoptikum von M.C. Escher. Mittendrin stehen Herr Tilda Swinton, Chiwetel Eiffjodottir und Benewatch Cucumberdick und spielen Schau, das es eine wahre Freude ist.

Die Tonalität ist dabei viel ernster als von Marvel gewohnt und vielleicht auch der Grund, weshalb man dem Film verzeiht, dass er voller Anschlussfehler ist (obwohl: Vielleicht auch Magie??) und Dinge nur behauptet, aber das Gegenteil zeigt. Das passiert sogar beim Protagonisten: Obwohl der als helfender, brillianter und moralisch integrer Arzt gezeigt wird, wird der Film nicht müde zu behaupten, dass er ein egoistisches Arschloch sei. Den Beweis für diese These bleibt man aber schuldig, und da die gesamte Charakterentwicklung daran hängt, ist das schon ein dicker Klopfer.

Erzählerisch macht sich der Film die Gnade einer Origin-Story zunutze und kommt schon dadurch mit seiner, eigentlich lahmen, Geschichte davon. Ein zweites Mal wird dieser Trick aber nicht gelingen. Für den, im Abspann versprochenen, zweiten Teil braucht es dann aber definitiv mehr Geschichte und mehr Substanz – nochmal wird Magie „Dr. Strange“ nicht retten. Insgesamt aber ein unterhaltsamer und sehr guter Popcornfilm mit Szenen, die man so noch nicht gesehen hat.


Fargo
[Netflix]
Ein verschneiter Ort, irgendwo in Minnesota. Die Dorfpolizei hat eigentlich keinen Bock auf irgendwas, nur eine Polizistin hat genügend Ehrgeiz und Scharfsinn, in einem vermeintlichen Raubüberfall mit Todesfolge eine Mord zu sehen. Der Mörder ist der brave und linkische Ehemann. Und der hat noch ein anderes Problem: Er hat sich mit einem Profikiller angelegt.

Die Serie gibt es schon lange, nun bin ich auch dazu gekommen zumindest die erste Staffel zu schauen. Schöne Landschaftsaufnahmen im Schnee, skurrile Charaktere und großartige Schauspieler (u.a. Billy Bob Thornton und Martin Freeman!) und eine spannende Geschichte – da gucke ich sogar gerne eine Krimiserie.


Heroes Reborn
[Amazon Video]
Wir erinnern uns: Am Ende von 5 Staffeln „Heroes“ offenbarte Claire der Welt die Existenz von Menschen, die aufgrund von Evolutionssprüngen besondere Fähigkeiten haben. Damit endete der geheime Krieg, aber nicht die Probleme. „Heroes Reborn“ setzt einige Jahre nach dem Ende von Heroes an. Die Mutanten werden nun „Evos“ genannt, und von normalen Menschen gefürchtet und diskriminiert. Noah, der Mann mit der Brille, entdeckt eines Tages, dass sein Gedächtnis manipuliert wurde. Er versucht dem auf den Grund zu gehen, und deckt kurz darauf eine riesige Verschwörung auf.

„Reborn“ bietet eine Menge guter Ideen. Noah, eigentlich der Böse in der alten Serie, war schon immer einer der interessantesten Figuren. Hier ist er umgeben mit Charakteren, die zum Teil schon von Anfang an interessant sind, in jedem Fall aber potential haben. Die Geschichte ist komplex, verzichtet aber auf den verquasten Überbau an Esoterik und das Klammern an eine Zuspitzung auf Gut/Böse-Konflikte auf eine Person. Genau das war es nämlich was dafür sorgte, dass der Originalserie nach 2 Staffeln die Luft ausging und der Rest Grütze war.

Trotz interessanter Ansätze vergurkt es „Reborn“ leider in der ersten Hälfte. Die Geschichte beginnt nach kurzer Zeit zu mäandern und kommt nicht auf den Punkt, die Charaktere verlieren sich in uninteressanten Seitenästen der Story. Viel schwerer wiegt aber, dass das Ensemble deutlich verjüngt ist, weswegen „Reborn“ zeitweise nach Teenieserie aussieht. Richtig schlimm: Die Effekte sind anscheinend in Powerpoint und MS Paint gemacht wurden. „Heroes“ kam ja mit sehr wenig F/X aus, deutete Dinge an, ging dann off-screen und überliess es der Fantasie des Zuschauers die Lücken zu füllen. „Reborn“ begibt sich auf das dünne Eis, sehr viel zeigen zu wollen – und scheitert selbst an einfachen Dingen wie vernünftiger Beleuchtung bei Green Screen-Aufnahmen. In der Summe interessant, aber schwer erträglich – das ist das Fazit bis Folge 6 von 13.

Dann gibt es einen grandiosen Storytwist, und ab dem Moment ist „Reborn“ fast so gut wie die legendäre erste Staffel der Originalserie.
Wer „Heroes“ mochte muss „Reborn“ auch schauen, auch wenn die ersten 6 Folgen ein Krampf sind.

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Spielen:

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Machen:
Eine Reise, Juchee!

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Neues Spielzeug:

Die Lust, etwas in der Wohnung zu machen, ist wieder da. Also wird das Badezimmer nach schlappen eineinhalb Jahren endlich zuende gebaut, statt aus der Wand hängender Kabel und rasieren im Dunkeln gibt es nun einen Spiegelschrank.

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Außerdem angeschafft: Eine dicke „Canada Dreams“-Daunendecke und Microfleece-Bettwäsche. Endlich nicht mehr frieren im unbeheizbaren Schlafzimmer, jetzt kann der Winter kommen!

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Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 28. Oktober 2016 in Momentaufnahme

 

Eine Antwort zu “Momentaufnahme: Oktober 2016

  1. Katja

    28. Oktober 2016 at 17:12

    *notiert „Colonia Dignidad“*

    Gefällt mir

     

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