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Motorradreise 2016 (2): Nicht mein Tag

29 Okt

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Sommerreise mit dem Motorrad.

Dienstag, 07.06.2016, St. Firmin, Provinz Hautes-Alpes, Frankreich

„Et un Café pour toi!“, ruft die Wirtin des „Trinite“ und lacht und albert hinter dem Tresen rum. Eine echte Fohnatur, wie sie mir morgens vor dem ersten Kaffee normalerweise auf den Saque geht, aber hey, die Welt braucht mehr Menschen wie sie. Die Laune der Wirtin passt zum Wetter, die Sonne strahlt aus allen Knopflöchern. Das Bergmassiv Trinité, das gestern noch dunkel und drohend aufragte, wirkt heute fast freundlich und ist von weißen Flauschewölkchen umkrönt.

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Kurz nach dem Kaffee bin ich schon auf der Straße und auf dem Weg durch die Berge. Hinter Saint Firmin geht die Straße, die zuvor so reich an nervig-engen Minikurven war, in eine schöne Landstraße voller weit ausholender Schwünge über.

Das Fahren macht Spaß, und die Kulisse könnte besser nicht sein: Die großen Berge der Seealpen erheben sich in den blauen Himmel, leicht verschleiert von weißen Wölkchen, zu ihren Füßen grüne Getreidefelder mit jeder Menge Mohnblumen. „Dieses Bild“, denke ich, „ist zu schön um wahr zu sein!“ und komme mir vor wie in einem Gemälde.

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Hinter der Stadt Gap geht es aus den Bergen heraus und durch eine weite, dünn besiedelte Ebene. Bei dem strahlenden Sonnenschein könnte man meinen das hier sei Spanien, so trocken und staubig sieht alles aus. Die Renaissance spult Kilometer um Kilometer ab. Das hier ist keine spannende Fahrt, langweilig aber auch nicht. Dafür gibt es zu viel zu sehen. Berge, zum Beispiel. Ich mag Berge.

Sisteron ist eine Felsenstadt, die auf einem Berg gipfel thront. Hinter ihr geht es richtig IN die Berge, jetzt gucke ich ich sie nicht nur aus der Ferne an, sondern fahre wieder mitten hindurch. Auch Alpenausläufer, dementsprechend felsig und hoch.

Sisteron

Sisteron

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Mitten in dem Berggebiet liegt die Gorge du Verdon, die Verdonschlucht, dem Grand Canyon von Frankreich. Es ist der größte Canyon in Europa, 21 Kilometer lang und bis zu 700 Meter tief. In der Schlucht verläuft ein Fluß, der bei Aiguines in einen See mündet. Das Wasser leuchtet hellblau im strahlenden Sonnenschein, und Touris paddeln und strampeln in Booten und auf Surfbrettern durch die Schlucht und auf den See hinaus.

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Guck an, das Wiesel lässt sich auch mal blicken.

Guck an, das Wiesel lässt sich auch mal blicken.

Muskulös: Die Dame macht das nicht zum ersten Mal.

Muskulös: Die Dame macht das nicht zum ersten Mal.

Was hastn da? Ist das was zu fressen für mich??

Was hastn da? Ist das was zu fressen für mich??

Das ist ja ein dicker Hund! Das Haustier lässt sich durch die Gegend fahren, die Menschen dürfen schwitzen.

Das ist ja ein dicker Hund! Das Haustier lässt sich durch die Gegend fahren, die Menschen dürfen schwitzen.

...So wie der Hund machen es auch diese Herren. Hinten im Boot sitzen und Pornhub gucken, während die Ehefrauen strampeln müssen.

…So wie der Hund machen es auch diese Herren. Hinten im Boot sitzen und Pornhub gucken, während die Ehefrauen strampeln müssen.

Ich will weiter und fahre die Südstrecke an der Gorge entlang. Die Straße schwingt sich bis auf 1.200 Meter in die Berge hinauf, und von dort kann man immer wieder von Aussichtspunkten in die Schlucht hinab sehen. Theoretisch. Praktisch sind die Aussichtspunkte auf der verkehrten Straßenseite, und noch dazu vollgestellt mit Wohnmobilen. Dort anzuhalten um mal kurz Fotos zu machen ist mir kaum möglich.

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Am Ende der Südstrecke liegt der Ponte de l`Artuby, eine große Betonbrücke, die sich in weitem Bogen über die Schlucht spannt. Hier kann ich kurz halten und Fotos machen. Am Kopf der Brücke ist ein kleines Café. Ein alter Mann sitzt mit geschlossenen Augen davor. Ich überlege kurz ihn zu wecken und einen Kaffee zu bestellen, verwerfe das dann aber schnell. Auf der Nordseite der Schlucht zieht sich ein Unwetter zusammen, das ECHT übel aussieht. Was bin ich froh, dass ich da nicht hin muss. Aber es könnte in meine Richtung ziehen, und deshalb will ich lieber weiter.

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Hier ein Eindruck des Tages im Bewegtbild, bis kurz hinter den Ponte l`Artuby:

Einige Kilometer weiter wird mir klar: Das Unwetter verschwindet nicht im Rückspiegel, es liegt doch genau auf meiner Route. Vermutlich. Vielleicht ist es auch schon durch. Vielleicht kreuzt es meinen Weg aber auch in Kürze. Ich setzte im Navi den schnellsten Kurs nach Nizza, dem heutigen Tagesziel, und gebe Gas. Der Tag war bis hierhin sehr entspannt, nun herrscht plötzlich Zeitdruck.

Die Renaissance tanzt und keilt durch die Kurven. Gas-Gas-Gas, Hauptsache weg vor der dunklen Gewitterfront. Die Straße windet sich mal hierhin und mal dorthin, aber in der Tendenz immer weiter auf etwas zu, das wie der Ereignishorizont eines Weltuntergangs aussieht.

An der Gorge du Verdon entlang.

An der Gorge du Verdon entlang.

Urplötzlich geht es los. Binnen Sekunden verdunkelt sich die Welt, und schwere Tropfen fallen so schnell und hart, dass die Straße Blasen zu werfen scheint. Ich drücke auf die Bremse, halte an und reisse die Verschlüsse der Gepäckrolle mit der Regenkombi auf. Die Kombi über den schon nassen Fahreranzug zu ziehen ist nicht einfach, aber irgendwann schließt das Halsstück der Regenjacke, und ab jetzt sitze ich im Trockenen.

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Die Fahrt geht weiter, aber sehr langsam. Der Starkregen bildet einen dunklen Vorhang aus Wasser, der Wind wird zu Sturmböen, und immer wieder zucken Blitze in unmittelbarer Nähe. Gewitter in den Bergen ist heftig, und gerade befinde ich mich noch auf über 1.100 Metern Höhe.

Mit Tempo 50, maximal 70 taste ich mich durch die Regenhölle voran. Die Straße ist schmal und glitschig, nicht nur vom Wasser in den tiefen Spurrinnen, auch von den Baumsamen und Blättern, die der Regen und der Sturm abschlagen. Der Regen trommelt auf dem Helm und Donner knallt. Es ist ein Inferno, ein ausgewachsenes Unwetter, mitten im Gebirge. Das Wasser spritzt links und rechts über meine Stiefel, und das Motorrad duscht gründlich. „Halt durch“, denke ich. „Wir haben schon Schlimmeres überstanden“.

Allerdings nicht viel Schlimmeres. Das hier ist schon ein besonderes Kaliber. Sturm, Regen, bröckelnder Asphalt, jetzt auch noch abgerissene Zweige und anderer Ungemach machen die Fahrt zu Herausforderung. Interessanterweise bin ich ganz ruhig. Angespannt und konzentriert, ja, aber nicht nervös oder ängstlich. Ich weiß mittlerweile, was ich kann und dass ich hier durchkomme, wenn ich keinen Fehler mache.

Aber dann ist es plötzlich genauso schnell vorbei wie es begann. Plötzlich wird der Himmel wieder hell, und die Welt gewinnt Farben zurück. Es hört auf zu regnen, der Sturm legt sich, und es wird wärmer. Die Bergstraße klettert hinab ins Tal.

Als ich die ersten Vororte in den Hängen über Nizza erreiche, strahlt schon wieder die Sonne vom Himmel, als wäre nie was gewesen. Ich halte ich am Straßenrand und ziehe die Regenkombi wieder aus.

Chemin de l'Escours

Uff, nochmal gut gegangen. Kann ab jetzt nur noch besser werden, denke ich und drücke auf den Startknopf. Der Anlasser orgelt, aber das Motorrad springt nicht an.

Einigermaßen fassungslos starre ich den Startknopf an. Was zum Teufel?! Hat die Elektrik in dem schlechten Wetter einen mitbekommen? Die Kontrolleuchten im Cockpit brennen alle. Ich nehme das Navi, den einzigen Fremdverbraucher, vom Strom, warte eine Minute und versuche es erneut. Wieder orgelt der Starter, aber der Motor weigert sich anzuspringen.

Ich überlege. Die Elektrik scheint nicht komplett zu spinnen. Der Starter tut auch was er soll. Woran kann es liegen? Wasser in einem Zündkerzenstecker? Hm. Nur ein Weg das herauszufinden, der ist allerdings nicht unriskant.

Die Straße, an der ich angehalten habe, ist eng. Zwei kleine PKW nebeneinander, maximal. Kein Bürgersteig. Rechts und links dicht bebaut. Dichter Verkehr. Ich wage es trotzdem und schiebe die ZZR auf die Straße, in dem ich mich, auf dem Motorrad sitzend, links und rechts mit den Füßen abstoße.

In langsamster Schrittgeschwindigkeit rollere ich so die ebenso tote Maschine die Straße entlang. Nach wenigen hundert Metern bin ich total ausgepowered, denn das Teil wiegt mit Gepäck über 250 Kilo, aber es hat gereicht: Jetzt wird die Straße abschüssig, das Motorrad rollt von alleine und gewinnt an Fahrt. Ich ziehe die Beine an und kicke die Gangschaltung in den 3. Gang, dann lasse ich die Kupplung kommen. Der Motor springt mit einem Ruck an und röhrt auf, und ich kann der Schlange an Autos, die geduldig und ohne zu Hupen meiner Ruderei gefolgt sind, davon fahren.

Auf einer Schnellstraße bei Tempo 90 drücke dich den Killschalter, und der Motor geht aus. Ein Druck auf den Starter und – nichts. Ich kuppele wieder ein, und der Motor kommt wieder. Im Heck eines vorausfahrenden Autos sehe ich, das der Scheinwerfer der ZZR kaum noch funktioniert. Er gibt nur ein müdes Glimmen von sich.

Neben einer Ausfahrt halte ich an und muss gegen den Reflex ankämpfen den Motor abzustellen. Alles, nur das jetzt nicht! Ich ziehe das iPhone aus der Innentasche und google „Kawasaki Moto Nice“ und finde tatsächlich eine Werkstatt, nur 10 Km von meiner Position. Bei dem kurzen Stop fällt mir auf, dass der Motor unrund läuft. Immer wieder stockt und stottert etwas. Läuft da ein Zylinder nicht? Ich habe von Motoren keine Ahnung, aber es hört sich fast so an.

Der Verkehr in Nizza ist die Hölle, die Straßen verstopft und eng und steil, aber am Ende stehe ich im nagelneuen, glänzenden Verkaufsraum einer Kawasaki-Filiale.

Foto: Moto Duchamps, Nizza.

Foto: Moto Duchamps, Nizza.

Foto: Moto Duchamps, Nizza.

Foto: Moto Duchamps, Nizza.

Der Verkäufer ist einen halben Kopf kleiner als ich und in Kawasaki-Farben gekleidet. Ich schildere meine Probleme: Kiste springt nicht an, Licht geht nicht und der Motor läuft unrund. Dazu fällt ihm erstmal nur ein, dicke Backen zu machen. Wenigstens kann er halbwegs englisch, mein Französisch ist nicht auf technische Terminologie ausgelegt. Er drückt probehalber auf den Starter, der nun nicht mal mehr orgelt, sondern nur noch klickt.

„Deine Batterie ist alle“, sagt er, „Das Geräusch ist eindeutig“. Ich stimme ihm zu, aber die Frage ist ja: Warum ist sie alle? Obwohl ich seit Tagen fahre und die Batterie erst drei Jahre alt ist? Und wieso jetzt, nach dem Unwetter? Das Kawamännlein macht dicke Backen.

Die ZZR wird über eine steile Rampe in eine Hi-End-Werkstatt bugsiert, die aussieht wie ein Operationssaal. Sie ist komplett weiß gekachelt, und alles hier glänzt neu und steril, was mich irritiert. In einer Werkstatt wird doch gearbeitet, da muss es dreckig und schmierig sein. Aber diese Werkstatt hier ist sauberer als mein Badezimmer.

Der Kawa-Mensch entfernt Sitzbank und Batterieabdeckung. Dann blickt er auf die Verkabelung der Renaissance, die etwas, nun, ungewöhnlich ist. „Sacrebleu! La batterie! Was da alles dran hängt!“, nöhlt er. Ich wehre ab. Was da alles dran hängt und energieintensiv ist, wie die Griffheizung, ist in den letzten Tagen nicht benutzt worden. Lediglich das Navi ist ein Extra-Stromverbraucher.

„Haben wir gleich“, sagt der Verkäufer und holt einen kleinen Koffer mit Kabeln dran, einen Defibrilllator für Motorräder. Den klemmt er in die Elektrik der ZZR und drückt den Starter. WRUMM macht es, als die Machine sofort zum Leben erwacht. Der Backenmacher blickt mich triumphierend an.

„Moment“, sage ich. „Diese alten ZZRs haben ein Problem mit dem Lichtmaschinenregler, dem, äh, Regulateur d´Alternateur. SEHR häufig. Kann es der sein?“ Der Verkäufer kratzt sich am Bart, und macht dicke Backen, dann ruft er einen Techniker herbei, der an einer alten Kawasaki auf einer Werkbank gearbeitet hat. Damien, so heißt er, klemmt ein Messgerät auf die Batterie und misst die Ladeströme aus der Lichtmaschine. Ich sehe auf das Display des Messgeräts. Sieht gut aus.

In der aseptisch sauberen Werkstatt.

In der aseptisch sauberen Werkstatt.

Damien öffnet vorsichtig eine Seitenverkleidung und zieht den Stecker vom Laderegler ab, dann führt er Prüfsonden ein und will das Motorrad erneut starten. Das springt aber schon wieder nicht mehr an und braucht noch eine Ladung aus dem Defibrillator.

Dann schüttelt er den Kopf. „Nein“, sagt er. „Der Laderegler ist OK, und die Lichtmaschine alt, aber auch OK. Es ist die Batterie, die ist kaputt.“ „Das glaube ich im Leben nicht“, denke ich, sage aber „Aha“.

„So ein japanisches Motorrad ist sehr diffizil. Verbraucher im Bordnetz, die da nicht hingehören, nicht die ganz richtige Batterie…“ Er zieht die Batterie der ZZR heraus und legt mißbilligend die Stirn in Falten. „Mon Dieu, une Varta…“, er macht dicke Backen“ „Pah! Varta ist was für Notebooks, aber doch nicht für Motorräder.“

„Jaja, rede Du man“, denke ich. Tatsächlich ist die Varta, die in der Maschine steckt, stärker und besser als das Originalteil, aber ich sage nur „ah ja?“. „Ja“, sagt Damien. „So ein japanisches Motorrad ist… wie eine Frau. Schenkt man der das verkehrte, verzeiht sie Dir das nicht. „Aha“, sage ich und verdrehedie Augen, denn offensichtlich ist man hier mit „Sacrebleu!“-Rufen und Frauengequatsche bemüht, alle Klischees über Franzosen zu erfüllen.

Damien bekommt mein Augenrollen nicht mit und sagt „Lass es uns ausprobieren“, dann holt er eine Batterie der Marke Yuasa aus dem Lager, befüllt sie mit Säure und baut sie ein. Beim ersten Startversuch brüllt sofort der Motor auf. „Du darfst aber auf die ersten hundert Kilometer auf keinen Fall zusätzliche Verbraucher…“, „Jajaja“, sage ich. Schon klar. „Wenn es nur die Batterie war, bin ich froh“, sage ich. „Aber wenn sie es nicht war, sondern doch der Regler, komme ich nächstes Jahr wieder und beschwere mich!“ Damien lacht. Bezahlen muss ich am Ende nur die Batterie. Die eine Stunde Fehlersuche geht auf´s Haus, das ist mehr als fair. Dass die Aktion was gebracht hat, glaube ich trotzdem nicht.

Nizza ist ein Moloch, ein Beton gewordener Koloss, dessen Arterien von einer endlosen Anzahl Autos verstopft ist. Die Stadt ist schon vor langer Zeit einem Verkehrsinfarkt erlegen. Nicht geht hier voran, alles 50 Meter stehen Ampeln mit unfassbar langen Umlaufzeiten, von grüner Welle hat noch nie jemand was gehört.

Mir läuft der Schweiß im Inneren meiner Fahrerkombi in Strömen herab. Dank der Merinounterwäsche bleibe ich trocken, bin aber genervt. Der Tag war schon lang und übel, ich will nur noch hier weg. Meine Sightseeing-Ziele habe ich mir ohnehin abgeschminkt, ich will nur noch in die Unterkunft.

Die liegt in Aspremont, einem Bergdorf hinter Nizza. Als ich fast dort bin, fällt mir ein, dass ich kaum noch Benzin im Tank habe. Das Navi sagt, dass die nächste Tanke 5 km enfernt ist. Was es nicht verrät: das ist Luftlinie! Brutto ist die Tankstelle 20 Km Straße enfernt und 500 Höhenmeter tiefer. Also alle Berge, die ich kurz zuvor noch erklommen habe, wieder runter. Meine Laune ist im Keller.

Weg durch Nizza.

Weg durch Nizza.

Kurz vor der Tanke sehe ich den Schweinwerfer des Motorrads in einem spiegelndem Heck eines Autos. Er glimmt nur noch! Oh nein, ich hatte also doch recht – und die neue, teuer bezahlte Batterie ist auch schon wieder leer gelutscht, weil der Laderegler nicht lädt oder sogar die Lichtmaschine kaputt ist. Scheiße! Ich hasse es, wenn ich recht habe.

Ich überlege. Ich MUSS tanken. Aber den Tankdeckel bekomme ich nur mir dem Zündschlüssel auf. Dafür muss ich den Motor ausstellen. Das kommt aber nicht in Frage, falls die Kiste dann nicht wieder anspringt, habe ich ein echtes Problem. Hier gibt es kein Gefälle, wo ich die Maschine anlaufen lassen könnte. Und Werkstätten haben mittlerweile auch alle zu, es ist schon nach 19 Uhr.

Kurz vor der Supermarkt-Tankstelle halte ich an, stelle die ZZR mit laufendem Motor auf den Seitenständer und ziehe dann den linken Stiefel aus. In dem klebt ein Reserveschlüssel, und mit dem öffne ich den Tankdeckel und betanke die ZZR bei laufendem Motor.

Dann geht es wieder nach Aspremont. Direkt vor dem Hotel ist ein grpßer Platz, vermutlich die Gästeterasse. Hier ist es leicht abschüssig, und ich parke ich das Motorrad mit der Nase zum Gefälle. Ich stelle mir vor, das gleich so ein typisch französischer Wirt angelaufen kommt, so ein untersetzer, schwitzender Kerl mit dickem Schnurrbart und ausufernden Gestik und sich über meinen Parkplatz beschwert.

Eingeparkt mit Nase nach unten.

Eingeparkt mit Nase nach unten.

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Zu meinem Erstaunen begrüsst mich kein grantiger Wirt, sondern eine hochgewachsene Dame mit blonden Haaren. Sie lächelt freundlich und fragt „Sie sprechen Deutsch, oder?“ „JA!“ stoße ich hervor und bin perplex. „Sind sie gut durch das Unwetter gekommen?“, fragt sie. „Leider nein“, sage ich und habe jemanden gefunden, dem ich mein Leid klagen kann.

Sabine gehört das Hotel. Sie stammt aus Leipzig. Nach der Wende hat sie viel als Reiseleiterin gearbeitet und immer von einem Hotel an der Cote d´Azur geträumt. Und tatstächlich ist ihr „Hotel de Nice“ ein Juwel, das von April bis Oktober ausgebucht ist. Nur heute nicht, heute ist Bettenwechsel und ich bin der einzige Gast. Sehr schön!

Mein Zimmer ist klein, aber sehr geschmackvoll eingerichtet. Binnen Sekunden verwandele ich es in ein Schlachtfeld, an jeden Vorsprung werden Sachen zum Trocknen aufgehängt.

Klein, aber sehr geschmackvoll und mit einm Minibalkon!

Klein, aber sehr geschmackvoll und mit einm Minibalkon!

Zwei Minuten später: Chaos im Zimmer. Über alle hängen und liegen Sachen zum Trocknen.

Zwei Minuten später: Chaos im Zimmer. Über alle hängen und liegen Sachen zum Trocknen.

Der kleine Balkon bietet einen tollen Ausblick über die Berge und auf die See.
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Der Abend endet in einer Pizzeria bei „Pizza Bel Isle“ und Kronenbourg. Ob das Motorrad morgen anspringen wird? Ich bezweifele es und habe das dumpfe Gefühl, dass meine Probleme gerade erst anfangen. Aber erstmal entspanne ich mich bei Pizza und ein Bier. Das habe ich mir verdient, dennn immerhin habe ich den Tag überstanden.

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Tour des Tages: Von Saint Firmin die Gorge du Verdon entlang und nach Nizza, von dort nach Aspremont. Inklusive Verfahren in Nizza rund 360 Kilometer, aufgrund der gewundenen Strecke hat die Fahrt rund 7 Stunden gedauert.

Tour des Tages: Von Saint Firmin die Gorge du Verdon entlang und nach Nizza, von dort nach Aspremont. Inklusive Verfahren in Nizza rund 360 Kilometer, aufgrund der gewundenen Strecke hat die Fahrt rund 7 Stunden gedauert.

Im nächsten Teil: Schmutzige Hände

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3 Kommentare

Verfasst von - 29. Oktober 2016 in Motorrad, Reisen

 

3 Antworten zu “Motorradreise 2016 (2): Nicht mein Tag

  1. modnerd1138

    29. Oktober 2016 at 10:23

    Immer wieder beeindruckt vom Zoom der kleinen Kamera. Ebenso beeindruckt, wie spannend das Tagebuch gerade ist, obwohl ich Teile der Geschichte ja schon kenne.

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  2. Wolfgang

    29. Oktober 2016 at 16:21

    Tanken bei laufendem Motor wird aber auch nicht überall gerne gesehen…

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  3. Silencer

    29. Oktober 2016 at 21:22

    @Modnerd: Ja, der Zoom und die Stablisierung sind irre!

    @Wolfgang: War mir selbst auch unangenehm, ging aber nicht anders. War eine Automatentankstelle an einem Supermarkt, da ist das nicht mal aufgefallen.

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