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Momentaufnahme: November 2016

29 Nov

Herr Silencer im November 2016
„Achtung, noch drei Montage bis Weihnachten!“ (Kalesco am 29.11.)

Wetter: Regen, grau, zu Monatsbeginn Temperaturen zwischen 3 und 8 Grad. Dann ein kurzer Absturz in den leichten Minusbereich, in der dritten Woche aber wieder trocken und mit 12 Grad mild. Am Monatsende dann wieder Temperatursturz auf Minus 8 Grad.

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Lesen:

Marc Elsberg: Blackout
In Europa fällt der Strom aus. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag, sondern wesentlich länger. Ein italienischer Computerexperte findet heraus, dass es sich um einen Angriff von Außen handelt. Jemand hat anscheinend die Smartmeter in Italien und Schweden verwendet um das Stromnetz zu sabotieren. Während Behörden und Unternehmen alles versuchen, um die Kraftwerke wieder ans Netz zu bringen, versinken die Länder in Chaos und Anarchie.

„Blackout“ ist eines der spannendsten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Das liegt vor allem an dem stets spürbaren Zeitdruck. Die Kapitel sind mit „1. Tag, 2.Tag“, usw. üüberschrieben, und mit jedem weiteren Tag ohne Strom bricht die Gesellschaft weiter in sich zusammen. Was als Unannehmlichkeit beginnt, steigert sich schnell zur Existenzbedrohung. Ist an Tag 1 noch die schlimmste Konsequenz das Dinner bei Candlelight und ein wenig Ärger über nicht funktionierende Toiletten, Heizungen und Tankstellen, geht es ab Tag 3 zur Sache. Menschen kämpfen um Wasser und Benzin, in Krankenhäusern und Altenheimen wird Sterbehilfe geleistet, ohne funktionierende Melkmaschinen platzen Kühen die Euter. Ab Tag 5 werden Kernkraftwerke kritisch und Städte zu Seuchenherden. Autor Elsberg entwirft hier ein glaubwürdiges Katastrophenszenario, dass durch seine Details ebenso erschreckt wie fesselt – man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

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Hören:

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Sehen:


The Revenant
[Amazon Video]
1823. Leonardo di Caprio ist ein Trapper im Wilden Westen. Dort jagt er mit anderen Trappern Tiere, und die Indianer jagen die Trapper. Dann kommt auch noch ein Bär und reisst ihm die Gurgel raus. Der angekaute Trapper wird amtlich für tot erklärt und in der Wildnis zurückgelassen. Ist er aber nicht. Halbtot und mit offenem Hals robbt er sich während eines strengen Winters zurück in die Zivilisation.

„Revenant“ heißt auf Deutsch soviel wie „Wiedergänger“. Genau wie ein Untoter ist auch dieser Film dreckig und unhygienisch. Er stinkt geradezu durch die Leinwand, denn gefühlte drei Stunden lang gibt es hier nur Kälte, Schlamm, Scheiße und Blut. Die Entbehrungen bei den Dreharbeiten müssen enorm gewesen sein, da nur vor Ort und im Schnee gedreht wurde. Die Caprio bekam dafür endlich einen Oscar, aber ehrlich gesagt: Ihm dabei zuzusehen, wie er sich drei Stunden lang blutend durch Schnee und Dreck robbt, hat nur begrenzten Unterhaltungswert – wenn man nicht total voyeuristisch veranlagt ist.


Der Zauber von Malena
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Sizilien, in den 1930er Jahren. Malena ist die schönste Frau im Dorf. Alle Männer sind verrückt nach ihr, aber sie lebt zurückgezogen und wartet darauf, dass ih Mann aus dem Krieg zurückkehrt. Als die Nachricht kommt das er gefallen sei, beginnen die Männer des Dorfes ihr „Angebote“ zu machen, während die neidischen Frauen Mutmaßungen und Gerüchte über Malenas Lebenswandel streuen und sie damit isolieren. Malenas Schönheit macht sie in den Augen der anderen zur Hure. Letztlich wird die schüchterne Frau dadurch in ein Leben gedrängt, das sie selbst hasst und alle anderen ihr ohnehin unterstellen. Das führt zu einem Ende, gegen das der „Walk of Shame“ in Game of Thrones Kindergarten war.

Ein seltsam Ding, dieser Film. Beginnt recht locker und ist lustig anzusehen, wie ein ganzes Dorf dem Charme von Monica Bellucci verfällt. Ab der Mitte wird es dann erst tragisch, dann dramatisch und endet schlimmer und gewalttätiger als der „Shame!“-Walk in Game of Thrones. Unverständlicherweise wurden dann noch leicht versöhnliche Szenen hinten drangeflanscht, aber die machen es nicht besser. Das alles aus der Perspektive eines pubertierenden Jungen erzählt wird, der zu Phantasien von Malena onaniert und dessen Tagträume sich mit der Realität vermischen, macht den Film nicht zugänglicher. Was bleibt? Ein leeres und trauriges Gefühl und die Erinnerung an schöne Bilder.


Der Butler
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Die Südstaaten der USA, in den 1920er Jahren: Der farbige Cecil Gaines wächst auf einer Baumwollplantage auf. Hier muss er mit ansehen, wie seine Mutter vom Besitzer der Plantage vergewaltigt und sein Vater erschossen wird. Cecil überlebt und bekommt sogar ein wenig Bildung, was ihm die Arbeit im Herrenhaus ermöglicht. Später wird er Portier in einem Hotel in Washington DC. Dort wird ein Rekruter des Weißen Hauses auf ihn aufmerksam und stellt ihn als Butler ein. Gaines dient den Präsidenten Eisenhower, Kenendy, Nixon, Ford, Carter und Reagan und bekommt unmittelbar und unverfälscht ihre jeweilige (Rassen-)politik mit.

Als Zuschauer erlebt man eine acht Jahrzehnte umspannende und wahre(!) Geschichte mit. Die beginnt in einer Zeit, in der Afroamerikaner keine Rechte hatten, als Sklaven gehalten wurden und die ohne Strafverfolgung jederzeit getötet werden durften. Sie endet mit dem ersten farbigen Präsidenten der USA. Erzählt wird diese Geschichte von einem Farbigen, der sie im Weißen Haus und durch seine Kinder erlebt. Denen steht er entfremdet gegenüber, denn mit den Forderungen nach Gleichberechtigung und Black-Panther-Aktionen kann er nichts anfangen.

Auf dem Papier hört sich das nach einem spannenden Film an, das stimmt aber nur begrenzt. Die Geschichte zieht sich sehr die 160 Minuten Laufzeit. Das liegt zum einen am Pacing, denn viel zu oft wird in Nebendramen der Familiengeschichte der Gaines umgeschnitten, was den Film auf der Stelle treten lässt. Das liegt aber auch an den Schauspielern. Der Film ist vollgepackt mit Stars, und das ist ein Fehler. Forest Whitaker guckt, wie immer, mit seinem einen Gesichtsausdruck waidwund in die Kamera. Als Cecil Gaines ist er eine Fehlbesetzung, und er spielt so, als ob er das auch weiß. Seine Ehefrau wird von Oprah verkörpert, die ihre Rolle nicht im Griff hat und für die sie deutlich zu alt ist – die 72jährige kann nicht mehr glaubwürdig eine Dreißigjährige spielen. John Cusack als Nixon gibt sich redlich Mühe, wird aber immer als „hihi, guck mal, John Cusack mit Gumminase“ in Erinnerung bleiben. Lediglich Alan Rickmann channelt einen glaubwürdigen Ronald Regan. In der Summe ist das schade, eine Verfilmung mit unbekannten und besser gecasteten Schauspielern hätte deutlich mehr Wirkung erziehlt. Unverständlich, warum man eine so wichtige Geschichte als Starvehikel aufzuziehen versucht.

The Grand Tour [Amazon Video]
Anfang 2015 wurde Jeremy Clarkson wegen tätlichen Angriff auf einen Assistenten seiner Show „Top Gear“ von der BBC gefeuert. Aus Sympathie gingen die Co-Hosts James May und Richard Hammond gleich mit. Während die BBC Top Gear mit einem Pumuckl und Joey aus „Friends“ rebootete, wurde es still um die drei Ex-Stars. Dann war zu vernehmen: Sie entwickeln eine neue Autoshow, und das für Amazon!

Nun sind Clarkson, Hammond und May sind zurück. Und wie! Die große Tour ein Mal um die Welt, jede Woche in ein anderes Land. Das Konzept ist großartig, die Einspieler schön gefilmt und die Moderation zum Umwerfen komisch. Die drei Moderatoren sind Freunde, die sich ständig vor der Kamera aufziehen, das ist der Reiz der Show. Dass das Budget sehr viel höher liegt als bei der BBC ist in jeder Szene zu merken. Das Team zieht um die Welt, jede Woche ist das Studio in einem anderen Land. Und die Aktionen der drei werden immer absurder. Zuletzt spielten sie auf einem Truppenübungsplatz einen Antiterroreinsatz nach, den sie immer wieder von vorne beginnen mussten, sobald einer von ihnen starb. „Wie in diesem Tom Cruise-Film…“ „Cocktail? Rain Man?“


Fantastische Viecher und wo sie zu finden sind
[Kino]
Ausführliche Besprechung hier.


Ostinato Destino – Hartnäckiges Schicksal
[DVD]
Signora Rambaldi ist tot – und mit ihren drei Kindern sehr unzufrieden, wie sie ihnen per Videobotschaft ausrichten lässt. Das millionenschwere Erbe soll nur antreten, wer innerhalb eines Jahres ein Kind zeugt. Das finden der ältere Sohn (homosexuell) und die Tochter (sterilisiert) zu Recht unfair und greifen ihrerseits zu unfairen Mitteln: Sie engagieren die schöne und vollkommen gefühlskalte Killerin Monica Belluci, die den jüngsten Sohn heiraten, mit ihm ein Kind zeugen und ihn dann töten soll. Als wäre dieser Plan nicht schon bescheuert genug, muss noch ein Embryo in einer Glaskugel großgezogen werde und die Zwillingsschwester der Killerin Plätzchen backen.

„What. The. Fuck.“, denkt man unweigerlich beim Sichten dieses absurden Films. Dieser üble Italo-Klamauk war tatsächlich nur in den 80er Jahren möglich, heute würde man schon aus Gründen des guten Geschmacks darauf verzichten einen solchen Unfug zu verfilmen. Einziger Lichtblick ist Monica Belluci in einer Doppelrolle als Todesengel mit Dominaappeal und ihrer herzensguten Zwillingsschwester, dank der es sogar ein Happy End gibt. Unbedingt meiden, diesen SChwachfug.

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Spielen:

Mafia III
1968: Lincoln Clay kommt aus dem Vietnamkrieg zurück und wird von seiner Familie freudig begrüßt. Seine Familie, dass ist eine Gang von Afroamerikanern, die für einen italienischen Mafiaboss ein Stadtviertel von New Orleans kontrollieren. Eines Tages hintergeht der Pate die schwarzen Kleingangster und bringt alle um. Lincoln überlebt das Massaker schwer verletzt und schwört Rache. Stück für Stück beginnt er die Mafia zu demontieren. Dabei ist er keinesfalls ein Engel, im Gegenteil: Er nutzt seine Verbindungen zum FBI um seine Gegner auszuforschen, schaltet sie aus und übernimmt dann selbst Glücksspiel, Drogen und Prostitution. So arbeitet er sich von den Unterbossen über die Capos bis zum Paten vor.

Was für ein faszinierendes Spiel: New Orleans mit seinen unterschiedlichen Stadtvierteln und dem Bayou ist eine faszinierende und detaillierte Kulisse, Lincoln Clay als farbiger Kriegsveteran eine interessante Figur und die Idee, die Mafia auszuschalten und damit ein eigenes, kriminelles Imperium aufzuziehen ist originell. Genauso wie der Blickwinkel, denn die Gschichte von Clay ist eine Rückblende, die in den 80ern von einem Staatsanwalt und einem Priester erzählt wird. Diese Erzählung funktioniert hervorragend. Was nicht funktioniert, ist der Open World-Ansatz, der gerade so angesagt ist. Sicher, New Orleans ist atemberaubend detailliert, aber die Tätigkeiten und Aufgaben darin sind repetitiv und öde. Das wirkt sich auf´s Gameplay aus: Viel zu viele Missionen erfordern immer wieder Fleissaufgaben, so dass sich das Spiel eher nach Pflichtarbeit anfühlt als nach Abenteuer. Die fehlende Schnellreisefunktion und die Notwendigkeit, rund 300(!) Einzelteile zur Aufdeckung der Karte zu finden, macht es da nicht besser. Ich behaupte mal: Wäre Mafia III nicht Open World, es wäre ein besseres Spiel. Schlecht ist es deshalb aber nicht. Die Storymissionen sind großartig, die Kulisse 1a, aus den Radios dröhnen Originalsongs von Jimi Hendrix, den Stones und anderen, Animation und Aussehen von Gesichtern in den Zwischensequenzen gehören zum Besten, was es gerade gibt. Genau das richtige für lange Winterabende. Sehr. Lange. Winterabende.

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Machen:
Besuch in Hamburg! Abendessen mit der Wunderbaren Welt des Wissens und der nicht weniger wunderbaren @FrauZimt. Achja, und Miniatur Wunderland, natürlich.

Außerdem: Ausrüstung saubermachen und einmotten.

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Neues Spielzeug:
Ein Skandika X-1000. Ich komme gerade nicht ins Fitnessstudio, und so kann ich wenigstens zwischendurch mal was wegradeln. Da Skandika ist sehr preiswert, ohne billig zu sein: die faltbare Konstruktion ist überraschend stabil und absolut lautlos.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
6 Kommentare

Verfasst von - 29. November 2016 in Gnadenloses Leben, Momentaufnahme

 

6 Antworten zu “Momentaufnahme: November 2016

  1. natira

    30. November 2016 at 09:22

    „Black Out“ habe ich auch vor einiger Zeit gelesen; gutes Tempo und da der Plot so nah an der Realität ist (Smart House App von Samsung z.B.) sehr beunruhigend.

    „Phantastische Tierwesen …“ habe ich am Montag gesehen, gefiel mir sehr.

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  2. Silencer

    30. November 2016 at 16:36

    Uh, unheimlich. Mir bleibt dieser Smart Home Kram vorläufig aus dem Haus, mir ist das unheimlich wenn Glühbirnen Mikros haben, Türen auf Handys hören oder die Heizung am Internet hängt.

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  3. natira

    30. November 2016 at 20:10

    Ich muss mich damit auch (noch?*) nicht auseinander setzen, aber die Technologie ist da und die Vernetzung schreitet voran. Und dann fallen halt ggf. nicht nur Router aus. 😉

    *Ich bin Mieterin; wer weiß, auf welche Ideen ein Vermieter kommt, wenn er im gleichen Haus wohnt, sich mit den Mietern z.B. die Heizanlage teilt und hier viell. auf Dauer technisch aufrüsten will…

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  4. kalesco

    1. Dezember 2016 at 05:38

    Yes yes yes zu blackout! Eines der besten Bücher die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Weil es so nah dran ist, vor allem auch wenn man mit IT zu tun hat (und Cyber Security auch bei uns ein Buzzword ist).

    Man beginnt nachzudenken was wäre wenn, was würde bei einem selbst alles nicht mehr funktionieren… Mit einem Bach am Haus, Holz und Kaminofen käme ich schon ein Stück weiter als viele (Städter), solange es keine chemischen/biologischen Angriffe gibt.

    Zum Thema Smart Home inklusive Vernetzung dann noch Snowden (den Film) ansehen…

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  5. kalesco

    1. Dezember 2016 at 05:41

    Ach ja, was ich auch noch so faszinierend gefunden habe beim Buch: was wirklich alles dran hängt, eben Kühe die nicht gemolken werden, Tankstellen mit vollen Tanks die ohne Pumpen nutzlos sind, Wasserversorgung allgemein und in höheren Stockwerken im speziellen.

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  6. Silencer

    1. Dezember 2016 at 08:46

    Natira: Stimmt, als Mieter kann man sich kaum dagegen wehren. Gruselig.

    Kalesco: Ganz genau! Die Darstellung der Folgen ist das faszinierende und extrem gut durchdacht. Ich habe auch überlegt „was wäre wenn“. Ergebnis: Wenn es zum kompletten Blackout kommt, nutze ich die letzte Tankfüllung um zu Dir zu fahren. Ich kenne niemanden der autarker wohnt 🙂

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