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Schraubeneumel

20 Dez

Und dann war da noch der Prof für Betriebswirtschaftslehre. Ein ganz seltsamer Mensch, der durch ständiges Beleidigtsein, BMW-fahren und das Tragen von Hochwasserhosen auffiel. Die zu kurzen Hosen in Tateinheit mit bunten Socken und einem feuchten Sprachfehler gaben ihm ein ulkiges Auftreten. Das wurde aber dadurch relativiert, dass er oft und gerne gemein war. Einfach gemein.
Wenn er sich mal wieder von etwas beleidigt fühlte, was häufig vorkam, dann machte er bevorzugt kleine Studentinnen zur Schnecke, in seiner Vorlesung, vor ein paar hundert Leuten. Und zwar so richtig widerlich, bis die Studentinnen heulend rausliefen. Er gefiel sich in der Rolle eines arroganten Arschlochs und lebte das gerne aus.

Ein dunkelblauer BMW war sein ein und alles. Die Kiste war ein Sportcoupé, tiefergelegt und verspoilert und immer auf Hochglanz poliert. Das war an der Uni auch bekannt, und so war es nicht verwunderlich, als dem Prof jemand Schrauben in die Reifen drehte. An dem Tag war er mal wieder besonders widerlich zu einer Studentin gewesen, und abends hatte sein BMW vier Plattfüße. Darüber bewahrte er Stillschweigen. Vier Wochen später kanzelte er wieder eine Studentin ab und zweifelte öffentlich an ihrer persönlichen Befäigung eine Hochschule zu besuchen. Abends hatte der BMW wieder Schrauben in allen Reifen. Wieder blieb der Prof still. Bis sich das Spiel ungefähr einen Monat später nochmal wiederholte. Vormittags Wutausbruch in der Vorlesung, abends vier Platte.

Diesmal wollte der Prof das nicht auf sich sitzen lassen. In der nächsten Vorlesung trat er ganz ruhig ans Pult, drehte das Mikro auf 11 und spuckte hinein: „Ich weisch nischt, was Sssie mit diesem Mumpitsch bezwecken wollen, aber lassen sie sisch eines gesagt sein!“,
…dramatische Pause…
„ICH habe Geld für mehr neue Reifen als SIE sich Schrauben leisten können!“

Ja, der Mann war ein Arsch. Aber diese Aktion mussten wir Studis dann Respekt ob der Coolness zollen. Er schlug uns Arroganz um die Ohren, und das beeindruckte wider Willen.

Geholfen hat´s freilich nix, am Abend waren die Reifen des BMW platt.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 20. Dezember 2016 in Historische Anekdoten

 

3 Antworten zu “Schraubeneumel

  1. zimtapfel

    21. Dezember 2016 at 07:24

    Ich überlege angestrengt, ob zu dieser Beschreibung jemand vor meinem geistigen Auge auftaucht, aber hmmmm… 🤔

    Gefällt 1 Person

     
  2. kalesco

    21. Dezember 2016 at 07:57

    Auch eine Form von Wirtschaftsförderung. Den Reifenhändler wird’s gefreut haben 🙂

    Gefällt 1 Person

     
  3. Silencer

    21. Dezember 2016 at 08:34

    😀

    Gefällt mir

     

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