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Review: Assassins Creed (2016)

29 Dez

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Eine der Besonderheiten des Assassins Creed-Franchises: Es ist multimedial. Gestartet 2007 als Videospielreihe, von der es mittlerweile allein acht Haupt- und unzählige Handheldtitel gibt, ist die Serie längst in andere Medien gesickert. Es gibt Bücher und Comics, und auch Filme sind keine Neuigkeit. Der zweite  Teil der Reihe brachte bereits 2009 einen 30 minütigen Kurzfilm mit, in dem mit echten Schauspielern die Vorgschichte des Spiels erzählt wurde. Es folgten Ausflüge in Animationsgefilde, in dem mal in Form von Gemälden („Brotherhood“) oder in 3D („Embers“) die Geschichten der Figuren weitererzählt. Neu ist nun die Größe der Produktion, denn Assassins Creed läuft jetzt im Kino.

Computerspielverfilmungen haben seit Ewigkeiten den Ruf billiger, unzuänglicher Müll zu sein. Daran trägt Uwe Boll eine Mitschuld, der in den 90ern und zweitausender Jahren Videospiellizenzen im Dutzend aufkaufte und als Abschreibungs- und Filmförderprojekte in Trashfilme verwandelte (Man denke an das unsägliche „Far Cry“ mit, man halte sich fest, Till Schweiger!).

Auch anderen Produktionen gelang es nie die Geschichten und das Feeling eines Spiels wirklich zu transportieren. Wie auch – ein Spiel dauert 25-120 Stunden, hat im besten Fall dutzende interessante Erzählstränge, bindet den Spieler ein und weckt ganz andere Emotionen. Das bloße Nacherzählen einer Spielgeschichte muss daher immer das inferiore Erlebnis sein. Genau das sollte bei Assassins Creed anders werden. Die Spielefirma Ubisoft wollte ihrer Marke gerecht werden und eine neue Geschichte im etablierten Universum erzählen, gleichzeitig aber die volle Kontrolle über das Projekt behalten, bis hin zum Ziehen des Stecker, wenn das Projekt drohte, der Marke nicht gerecht zu werden. Deswegen fand man keine Produktionsfirma, weder Sony noch Warner hatten den Mut, sich auf ein solches Wagnis einzulassen. Am Ende gründeten die Franzosen selbst ein Produktionsunternehmen, begeisterten Michael Fassbender für das Projekt und dokterten dann Ewigkeiten am Drehbuch herum, bis ihrer Meinung nach alles perfekt war. Hat sich der Aufwand ausgezahlt? Ja! Und nein.

Die Kinoadaption von Assassins Creed ist eine ambivalente Angelegenheit. Einerseits gibt es einen neuen Protagonisten und ein frisches Setting, das so in noch keinem Spiel vorkam. Andererseits gibt es keine echten Höhepunkte, und es wird wieder mal die, zumindest Kennern der Spiele, altbekannte Geschichte erzählt:

Es gibt die Tempelritter im Geheimen bis heute, und ihr Ziel ist es, die Welt nach ihren Vorstellungen zu ordnen und die Menschheit zu führen und zu leiten. Die einzigen, die den Templern im Weg stehen, sind die Assassinen.

Deren Bruderschaft existiert ebenfalls seit Ewigkeiten, und ihr Credo lautet: Der Geist der Menschen muss frei sein, Selbstbestimmung ist das höchste Gut. Zielgerichtet schalten die Assassinen über die Jahrhunderte immer wieder Personen in der Organisation der Templer aus, was diese schwächt. Im Jahr 2016 kommt der ewige Kampf nun an sein Ende, die Templer gewinnen die Oberhand, die Assassinen sind so gut wie am Ende. In dieser Situation kidnappen die Templer einen Mann namens Callum Lynch (Fassbender) und stecken ihn in eine Maschine, die die genetischen Erinnerungen seiner Vorfahren aus seiner DNA extrahiert und ihn Geschehnisse aus der Vergangenheit nacherleben lassen. Was Lynch nicht weiß: Er ist der letzte Nachfahre einer Linie von Assassinen, und einer seiner Vorfahren hat zur Zeit der spanischen Inquisition ein Artefakt versteckt, dessen letzten Ruheort die Templer nun gerne wüssten.

Wenn jemand noch nie mit dem AC-Universum zu tun hatte ist das schon eine ganze Menge Stoff auf einmal. Kenner der Spiele beschäftigen sich dagegen schon seit 9 Jahren mit dieser Story. Hier schafft der Film aber einen guten Spagat: Er beschmeisst die Neueinsteiger nicht mit überflüssigen Infos (woher kommt denn das Artefakt eigentlich?), sondern konzentriert sich ganz auf seine Charaktere. Gleichzeitig gibt es genug Neues (Der Animus als 4D-Holodeck! Architekturporn in Madrid!) und Eastereggs (Der Animus 2.0 in der Kammer!) um auch die Fanboys zu unterhalten. Das macht der Film gut, und auch über die Besetzung kann man sich nicht beklagen.

Fassbender und Marion Cotillard sind Charakterdarsteller, die zuletzt unter der Regie von Justin Kurzel „MacBeth“ verfilmten. Auch in AC spielen sie in Hochform und hauchen ihren, eigenlich dünn geschriebenen, Charakteren echtes Leben ein. Den Nebendarstellern gelingt das leider nicht. Der Typ, der Torquemada spielt, ist ein Totalausfall, und auch Jeremy Irons telefoniert seine Rolle nur durch.

Was ebenfalls nicht gut funktioniert ist das Pacing. Durch einen überdramatischen Musikteppich, bedeutungsschwangere Bilder und das intensive Spiel der Darsteller scheint jede Szene Gewicht zu haben, was die wenigen, echten Ausschläge in der Spannungskurve aber weniger herausragend macht. Stattdessen scheint der Film dahinzuplätschern, immer in der Erwartung, dass in der nächsten Szene etwas noch überragenderes passiert, und dadurch die aktuelle schlechter darstehen lässt als sie ist. Die Folge ist eine Art Brei, bei dem man mittendrin nicht mehr weiß, ob die Handlung jetzt spannend ist oder nur so tut.

Zum ambivalenten Eindruck tragen auch die stark schwankenden Schauwerte bei. Wenn die Assassinen 1492 über die Dächer von Madrid springen, dann sind das echte Stuntleute, die Parcours über die Dächer von Malta laufen, und dementsprechend gut sieht das Ganze aus. Die Kletter- und Kampfszenen sind toll choreographiert und rasant umgesetzt.

Was dagegen sogar schlechter aussieht als in den Spielen sind die weiten Aufnahmen von Landschaften und Städten, deren schlechtes CGI mit Unmengen an Rauch und Nebel dürftig kaschiert wird. Ganz großer Trash ist der Adler, der gefühlt auf dem Level eines Pokemons daherkommt und durch jede zweite Szene fliegt. Das ist billig und doof und ergibt auch storytechnisch im Rahmen des größeren Kanons keinen Sinn, denn Juno ist schon seit 2012 nicht mehr in der Gestalt eines Adlers unterwegs.

Seltsam ist auch der Schnitt, der manche der Schauwerte mutwillig kaputt macht. Was nutzt es, einen Stuntman tatsächlich aus 40 Metern Höhe einen „Leap of Faith“ machen zu lassen, wenn der Schnitt diesen spektakulären Fall so zerschnibbelt, dass es nach einem Sturz von einer CGI-Bettkante aussieht?

Schlimm ist vor allem das Ende des Films. Das findet sich vermutlich in Kürze im Lexikon, als praktisches Beispiel für den Begriff „Antiklimax“. Zwar wird die Handlung nach Hause gefahren, der letzte Akt lässt einen aber tief unbefriedigt zurück. Man geht aus dem Kino mit dem Gefühl, dass sich da ein hohler Held aber auch so gar nicht anstrengen musste, um irgendwann nichts zu erreichen. Zu diesem Eindruck trägt bei, dass das Ende halb offen ist. Eine Fortsetzung ließe sich nun perfekt andocken, denn zum Schluss sind alle Fraktionen eingeführt und die Templer haben unbeabsichtigt die Assassinen in die Jetztzeit zurückgeholt. Leider wird es dazu wohl nicht kommen, denn fianziell dürfte AC im Kino ein Flop werden. Von daher ist es ein Glück, dass er auch in sich geschlossen funktioniert.

In der Summe bleibt ein Film, der unter den gegebenen Umständen – Neueinsteiger mitnehmen, gleichzeitig die Last von 9 Jahren Lore beachten – einen ganz guten Job macht. Er erweitert das AC-Universum, und ich freue mich darauf, wenn Marion Cotillard demnächst in den Spielen auftaucht. Wir sind hier also weit von einem Uwe-Boll´schen Totalausfall entfernt.

Das vom Kinoerlebnis aber letztlich nur hängen bleibt, dass dies der Film ist, in dem Michael Fassbender an einem Roboterarm durch die Gegend geschleudert wird und Marion Cotillard traurig guckt, zeigt das inhaltliche Problem: Alles ist ist irgendwie egal und versumpft in höhepunktloser Bedeutungslosigkeit.

Das passt zum Credo der Assassinen: „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt“, das klingt auch beliebig. Von daher bleibt die Kinoadaption zwar dem „Assassins Creed“ treu, aber das macht sie nicht zu einem guten Film.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 29. Dezember 2016 in Film, review

 

3 Antworten zu “Review: Assassins Creed (2016)

  1. Bernaldo

    3. Januar 2017 at 22:38

    Folgende Anmerkungen:
    – Bei den Rechtschreibfehlern tun einem die Augen weh.
    – Es heißt: „Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.“
    – Klang und Bedeutung sind zwei verschiedene Dinge.

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  2. Silencer

    3. Januar 2017 at 22:58

    Danke für den Hinweis, creed ist korrigiert.

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  3. Silencer

    3. Januar 2017 at 23:00

    …und keine Bange. Ich bin Fanboy und weiß Klang und Bedeutung zu unterscheiden. Gerade deswegen schmerzt das Scheitern des Films.

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