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Reisetagebuch Sizilien (3): Stock & Stein

18 Feb

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Sonntag, 09. Oktober 2016

Ich gähne mein Spiegelbild an, das aus dem Badezimmerspiegel zurückgähnt und dann übernächtigt glotzt. Die Nacht war unruhig, die Feier im Gastraum unter dem Gästezimmer war so laut, dass es mir vorkam als ob die Liveband direkt und in voller Lautstärke vor meinem Bett spielte. Stundenlang ging das so, bis um Schlag 00.45 plötzlich die Musik aus war.
Und das Licht auch.
Ein Stromausfall.

Der währte nicht lange, aber danach fing die Band gnädigerweise nicht wieder an zu spielen. Dennoch war an Schlaf nicht mehr wirklich zu denken, zu aufgeputscht und wütend war ich.

Wütend auf die Gastwirte, die bei eine „Eventi“ im Haus nicht nur Zimmer an die Gäste der Feier vermieten, sondern auch an solche, die damit nichts zu tun haben und vielleicht schlafen wollen. Wenn die Feiern im Haus haben, dann sollten sie keine Zimmer an Fremde vermieten. Beschweren werde ich mich aber trotzdem nicht, denn um ehrlich zu sein: Ich habe vor so langer Zeit dieses Zimmer gebucht, da stand die Feier vermutlich noch gar nicht auf dem Programm. Dennoch ist die Kiste hier sowieso hellhörig wie sonstwas. Das Haus ist superschön, aber im Nebenzimmer höre ich jetzt schon eine Frau rumstöckeln, und im Erdgeschoss toben schon um kurz nach sieben Uhr Kinder herum.

Ausblick von meinem Zimmer. Der Twingo hat die Nacht in einem Unterstand verbracht.

Ausblick von meinem Zimmer. Der Twingo hat die Nacht in einem Unterstand verbracht.

Als ich ins Restaurant im Erdgeschoss komme ist niemand zu sehen außer einem älteren Ehepaar, die anscheinend zur feierenden Familie gehören, aber gleichzeitig auch Gäste sind. Dann taucht unvermittelt jemand auf, der ohne einen Anflug von Freundlichkeit einen Kuchenteller vor mir abstellt. „Pflaume mit Mandeln“, sagt er.

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Ich bestelle einen Caffé Doppio, der dann fast 10 Minuten auf sich warten lässt. Das es dazu keinen Zucker gibt, ignoriere ich, sondern haue das Ding vor den Augen des Gastwirts in einem Zug weg und sage schroff „Zahlen. Jetzt.“

Danach schultere ich den Rucksack und marschiere ohne ein Wort des Abschieds und ohne einen Blick zurück zur Vordertür raus. Die Gastgeber machen auch keine Anstalten was zu sagen. Die Gastwirtin guckt zwar lieb, zu einem Wort der Verabschiedung kann aber auch sie sich nicht durchringen. Komisches Volk hier. Das Haus und die Ausstattung ist zwar toll, die Preise niedrig, aber wenn jemand sich so gar nicht wie ein Gastgeber verhält und sich um seine Gäste praktisch nicht schert, wenn sie nicht zu Familie gehören, dann komme ich nicht wieder. Und auf die Karte der „Empfehlungen für wohlfeiles Nächtigen“ schaffen die es mal gleich gar nicht.

Kurze Zeit später brummt der Twingo über Bergstraßen nach Westen. Da es Sonntag und früh am Morgen ist, sind außer mir sind nur ein paar Radrennfahrer und einige Bauern unterwegs. Letztere tuckern entweder auf Treckern durch die Gegend oder stehen am Straßenrand und checken an den geöffneten Kofferräumen ihre Autos Langwaffen, legen Tarnkleidung an und hängen sich Patronengurte um. Sonntags wird im sizilianischen Hinterland auf die Jagd gegangen.

Der Miettwingo ist hoffnungslos untermotorisiert und liegt viel zu hoch, was Kurvenfahren… nun, interessant macht. Ich bin ja meistens mit dem Kleine Gelben AutoTM unterwegs, dass mit Turbomotor und Sportfahrwerk verwöhnt. Im Gegensatz dazu ist der feuerrote Twingo eine Kasperkiste. Auch das klavierlackbezogene Cockpit ist eine Spielerei. Aber immerhin ist er handlich und klein und hat einen superkleinen Wendekreis, und DAS zählt in Italien. Ist kein Zufall, dass die meisten Italiener auf dem Land kleine Fiats fahren. Damit kommt man überall durch, denn auch wenn die Kisten ansonsten unverschämte Fehlkonstruktionen sind: Das Fahrwerk hält einiges aus. Muss es auch, gerade hier auf Sizilien.

Die Straße, die ich gerade fahre, ist auch nicht die beste. Immer wieder ist sie regelrecht zerbrochen, hat riesige Absätze mitten in der Fahrbahn oder wird von Erdrutschen blockiert. Dann hört sie plötzlich einfach auf. Eben war da noch eine gut asphaltierte Strada Statale, plötzlich ist da nur noch ein unbefestigster Weg aus faustgroßen Steinen. Wasser hat in diesem Feldweg tiefe Gräben hinterlassen, und links und rechts des knapp des zwei Meter breiten Weges drohen wahlweise spitze Dornengewächse oder ein Abhang.

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Ich fluche lauthals – das erinnert mich alles an die schlimmste Fahrt, die ich bislang hatte – damals musste ich so einen Weg mit ordentlich Steigung dazu mit dem Sportmotorrad hoch, bis es nicht mehr weiterging. Damals war ich an einem Punkt, dass ich ich wirklich versucht hatte die Bergrettung zu kontaktieren, weil es einfach zu gefährlich war weiterzufahren. Wäre ich mit dem Motorrad hier, ich würde jetzt sofort umdrehen. Aber mit dem Auto… hinter der nächsten Kurve wird es bestimmt besser, rede ich mir ein. Wird es aber nicht. Im Gegenteil. Aber zurück kann ich nun nicht mehr, mehre hundert Meter über Stock und Stein rückwärts fahren, nee, das will ich nicht. Also weiter. Für den Twingo, der ein Stadtauto ist, ist das hier nichts. Für einen Geländewagen wäre das was. Oder eine Enduro. Aber nicht für einen Twingo.

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Vorsichtig und unter lautem Fluchen manövriere ich den Kleinwagen im Schrittempo durch die tiefen Gräben. Manchmal setzt er auf, manchmal zuckelt er so schief über Abrruchkanten, das ein Rad komplett in der Luft hängt. Manchmal rutschen die Räder quer zum Weg weg, aber immerhin komme ich immer weiter. Trotzdem fühle ich einen Anflug von Verzweifelung – wie lange soll das noch so weitergehen? Und es wird ja immer schlimmer, nur noch eine Frage der Zeit, bis der Weg in einem Abbruch endet, den der kleine Wagen nicht mehr schafft. Und dann? Kilometerweit rückwärt? Ich verbanne die Verzweifelung in einen kleinen Raum im hinteren Teil meines Bewusstseins, sperre die Tür ab und schmeiße den Schlüssel weg. Ich habe schon Schlimmeres überstanden. Unter härteren Bedingungen.

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Knirsch, Rumpel, Quietsch. In weniger als Schrittgeschwindigkeit steuere ich den Twingo über diesen Trial-Kurs und sehe in Gedanken schon eine enorme Werkstattrechnung auf mich zukommen. Alufelgen sind nicht für´s Gelände gemacht. Und wie schrieb mein Reseller so schön? „fahren Sie nicht auf unbefestigten Straßen, Sie sind nicht gegen Unterbodenschäden versichert“ -tja, das lässt sich auf Sizilien anscheinend nicht vermeiden.

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Als ich an einem Geräteschuppen und einem Stall vorbeikomme, hege ich kurz Hoffnung. Der Weg muss doch jetzt besser werden, weil doch Sicher ein Bauer ab und an hier hochkommen muss! Aber nichts ist, der Weg bleibt beschissen. In der Ferne ist ein grandioses Panorama zu sehen, Bergketten leuchten blau im Morgenlicht und mitten in einem Meer aus Feldern schimmert ein See, aber dafür habe ich keine Augen. Ich muss jeden Meter Weg sondieren und den Twingo irgendwie kreuz und quer über die Steine bekommen.

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Eine ganze Stunde dauert das Märtyrium von Mensch und Maschine, dann haben wir endlich wieder Asphalt unter den Rädern. Ich halte an und checke das Wägelchen. Anscheinend hat der Twingo die Tortour ohne einen Kratzer überstanden, nur ein Zieraufkleber ist von einem Dornbusch verschrammt. Die kleine Kiste steigt nicht unerheblich in meiner Achtung.

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Geschafft! Endlich wieder Asphalt unter den Rädern!

Geschafft! Endlich wieder Asphalt unter den Rädern!

Agrigent ist eine städtebauliche Sünde, ein wucherndes Sodom, dass über eine Bergkuppe wuchert wie Krebs. Ich habe selten etwas scheußlicheres gesehen als diese Stadt, die einfach nur eine Ansammlung von Betonbauten ist, die jeglichen Anflug von Stadtplanung vermissen lassen.

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Zu Füßen der Widerlichkeit liegt das Tal der Tempel, ein langgezogener Graben, in dem sich griechische Tempel befinden. Am Rand des Tals haben sich wilde Bauten angesiedelt, und Agrigent wuchert langsam hinter ihnen her. So ist das auf Sizilien: Man baut einfach wild dort, wo man eine gute Aussicht hat, vorzugsweise auf Staatsgelände, am besten in einem Naturschutzgebiet. Mit dem Hausbau schafft hat man erstmal Fakten geschaffen, dann wartet man. Irgendwann beschwert sich die Stadt oder die Kommune, und nach vielen Beschwerdebriefen geht man in einen Rechtsstreit über. Die italienische Justiz ist legendär langsam und ineffizient, so dass es Jahre oder ein Jahrzehnt dauern kann, bis sich ein Gericht damit beschäftigt. Bis dann noch ein Räumungs- und Abrisserlass voeliegt, dauert es nochmal Jahre. In der Zwischenzeit sind meist neben dem ersten wilden Bau zahlreiche weitere entstanden, so dass es eine ganze Siedlung abzureissen gilt. Davor wird dann zurückgescheut und der wilde Bau lieber nachträglich legalisiert. Das entscheidet aber NICHT das Gericht, das entscheiden die Politiker. Die behaupten in regelmäßigen Abständen, dass es so viele wilde Bauten gäbe, dass die Justiz vollkommen gelähmt würde, würde sie alle verfolgen. Deshalb gibt es dann eine Absolution. Das passiert so ca. alle 10 Jahre, und damit wird alles legal. Zufällig wird damit auch der wilde Bau vom Sohn des Politikers legal, diese hübsche kleine Villa mit der Tollen Aussicht direkt am Hang des Tals der Tempel, oder das Ferienhaus an der Steilküste.

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Der Twingo hält auf einem staubigen Parkplatz. Ich bin einfach der Ausschilderung gefolgt, das Navi hat auf halben Weg durch Agrigent angefangen zu spinnen. Am Rande des Parkplatzes gibt es einen Taxistand. Gegen drei Euro, verspricht ein Schild, würde einen ein Taxi zum Eingang des Tempeltals bringen. Der müsste nach meiner Vermutung gleich um die Ecke liegen, aber da die Sonne brennt und ich nicht ewig wandern will, gönne ich mir den Spaß.

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Zusammen mit einem Pärchen aus Ferrara nehme in einem Citroen Platz, und der Fahrer fährt uns – nicht um die Ecke, sondern KILOMETERWEIT in die Butnik. WTF? Fast bin ich geneigt an Abzocke zu denken, aber dann setzt er uns vor einem großen Eingang mit Kassenhäusern ab und möchte wirklich nur 3 Euro dafür. Von hier kann man über einen steinernen Pfad das Tal entlangflanieren, vorbei an den Tempeln, und am Ende kommt man wieder am Parkplatz mit dem Auto an. Sehr praktisch.

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Das Wiesel nutzt die Gelegenheit vor griechischen Tempeln zu posieren, etwas, das in Griechenland ja nicht erlaubt ist.

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Gegen Mittag fahre ich weiter. Wieder durch die Berge, aber jetzt über breite und gut ausgebaute Straßen – die zwar nagelneu sind, aber trotzdem tiefe Schlaglöcher und hohe Kanten aufweisen und deswegen meist auf 50 km/h oder weniger beschränkt sind. Mir egal, ich fahre langsam, höre Podcasts und freue mich über die tolle Landschaft. Die ist hier etwas weniger verbrannt als im Westen und präsentiert sich weit und offen.

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Ja, auch sowas gibt es. Aber nicht oft.

Ja, auch sowas gibt es. Aber nicht oft.

Fast bin ich geneigt weiter zu fahren, als ich nach 1,5 Stunden die Villa Casale Romana erreiche, einfach weil ich gerade so im Flow bin. Ich gebe dem Impuls nicht nach, und das ist gut: Das „römische Haus“ ist wirklich sehenswert, eine Villa, in der die Bodenmosaike erhalten sind. Die Besucher wandeln auf Stegen darüber hinweg und können sie von oben bestaunen.

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Manche Mauern stehen noch, der Rest ist mit Holzkonstruktionen stilvoll ergänzt. Leider ist fotografieren verboten, deshalb gibt es keine Bilder von…

…prächtigen Bodenmosaiken…

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…Schwimmbädern…

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…und auch keine von den berühmten „Bikini-Girls“, die in Wahrheit Athletinnen darstellen.

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Caltagirone liegt eine Stunde südöstlich der alten Römervilla. Der beschauliche Ort nennt sich selbst die „Stadt der Keramik“. Alles dreht sich hier um farbige Tonwaren.

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Mini-Tankstelle.

Mini-Tankstelle.

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Das bekannteste Wahrzeichen des Ortes ist DIE TREPPE, la Scala, deren Stufen mit Fliesen verkleidet sind.

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Die Treppe zu erklimmen ist kein leichtes, die Stufen passen nicht zu menschlichen Schrittgrößen, sie sind jeweils um die Hälfte zu hoch und zu lang, was den Weg hinauf doppelt anstregend macht. Aber es lohnt sich, am Ende der Treppe wartet der Palast der Keramik (den ich mir nicht ansehe) und eine tolle Aussicht. Es ist so hoch, dass hier ein kalter Wind weht.

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Bred and Breakfast "Drei Meter unter dem Himmel" - und das stimmt wirklich!

Bred and Breakfast „Drei Meter unter dem Himmel“ – und das stimmt wirklich!

Ich bin jetzt körperlich fertig. Bei über 30 Grad durch die Gegend wandern, Treppen bezwingen und konzentriert Auto fahren, das hat seinen Tribut gefordert. Ich freue mich nur noch auf eine Dusche und eine gute Mahlzeit, die erste des Tages. Gut, dass meine Unterkunft heute genau das bietet: Ein Hotel und ein Restaurant in einem alten Weingut, nur 10 Minuten vor der Keramikstadt. Denke ich.

Zehn Minuten später stehe ich im schönen Garten eines alten, mit Wein umrankten Landhauses. Der Wind weht, Grillen zirpen, irgendwo bellt ein Hund. Dann sehe ich ihn, denn eine kleine Schlappohrmischung kommt um die Ecke und begrüßt mich schanzwedelnd. Dann kommt ein zotteliger Spitz angelaufen, der vor kurzem Maulwürfe gejagt hat, wenn ich die Dreckklumpen im weißen Fell seiner Schnauze richtig deute. Und schließlich kommt auch noch ein Bullterrier um die Ecke, ein Wachhund, ganz Muskeln und glänzendes Fell, und reckt und streckt sich und schüttelt den Vorabendschlaf aus dem Fell.

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Leider ist außer mir und den drei Hundis niemand hier, was ein wenig doof ist. Das Restaurant ist verwaist, die Gebäude leer, und die Tür zur Empfangshalle ist zwar unverschlossen, aber alles ist dunkel und außer Betrieb. Das leere Hotel hat was von Shining.

Verwaiste Rezeption.

Verwaiste Rezeption.

Was nun ganz doof ist: Hier draußen gibt es keinen Empfang. Ich kann nicht mal jemanden anrufen. Etwas unentschlossen warte ich noch ein paar Minuten und wandere laut rufend durch das Gebäude und über das Gelände, dann werfe ich den Rucksack wieder in den Twingo und fahre zurück Richtung Caltagirone. Unterwegs checke ich immer wieder den Empfang. Als der wieder da ist, halte ich an und rufe die Nummer des Hotels an. Niemand hebt ab. Wahlwiederholung. Niemand geht ran. Wahlwiederholung. Ich will schon über Booking nach einer neuen Unterkunft suchen, da geht eine alte Frau ans Telefon und bellt „Pronto!“.

Ich werde dieses italienische Ritual, sich nicht mit Namen zu melden, nie verstehen. Man meldet sich IMMER mit „Pronto!“ und dann muss um die Namen verhandelt werden: Der Anrufer muss seinen Namen nennen, dann erfragen wer dran ist, dann meldet sich der Angerufene mit Namen, dann kann man erst ins Gespräch einsteigen. Umständlicher geht es kaum.

„Casale San Basilio?“, frage ich. „Wer fragt das?“, will die alte Frau wissen. Ich seufze und nenne meinen Namen, dafür gibt sie dan auch sie zu, dass Hotel zu sein. Ich versuche zu erklären das ich ein Gast bin, und sofort unterbricht sie mich. „Sie finden das Haus, wenn sie in ihr GPS die folgende Adresse eingeben…“, sagt sie. „Nee“, sage ich, „das Haus habe ich schon gefunden, aber da ist niemand. „Das kann nicht sein“, sagt sie. „Doch“, sage ich. „Nur die drei Hunde“. Sie stöhnt und sagt „OK, mein Sohn hat verpennt, ich schicke ihn gleich los.“

Salvo sieht nicht verpennt aus, als er wenige Minuten nach meiner erneuten Ankunft am Haus eintrifft. Wie seine Mama spricht auch er nur italienisch, aber dennoch bekommen wir alle Formalitäten schnell geregelt. Er erzählt, dass das Restaurant Betriebsferien hat und ansonsten wenige Gäste kommen. Hautpsächlich finanziert man sich über Hochzeiten, Geburtstage oder Diskos an Wochenenden. „aber nicht heute!?“, rufe ich erschrocken und Salvo lacht. „Nee, aber gestern und am Freitag hatten wir hier Rummel. Heute ist alles ruhig, Du bist der einzige Gast.“ Ich war zwischendurch zwar etwas ungehalten, aber letztlich war es die richtige Entscheidung hier zu bleiben und für heute Nacht keine andere Herberge zu suchen. Ich habe nämlich für heute Nacht nicht nur ein riesiges Zimmer mit 4(!) Betten für mich allein, sondern das ganze Weingut. In absoluter Stille.

Abendessen gibt es hier zwar keins, aber das ist mir egal. Ich bin so müde, dass es der Notfallapfel und ein Müsliriegel aus dem Reisevorrat tun müssen. Da Wiesel und bietet unverhofft an, seine Sternchenkekse mit mir zu teilen. Wo auch immer es die gefunden hat. Aber da frage ich gar nicht mehr nach, das Wiesel würde selbst in der Sahara Sternchenkekse auftreiben.

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Während ich das karge Nachtmahl vertilge, spielt das Wiesel mit einer Ritterrüstung im Flur.

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Über der wilden Landschaft steht ein Halbmond, die Grillen zirpen und ich schlafe nach einem abenteuerlichen Tag schnell ein.

Tour des Tages: Von Chiusa Sclafani über Agrigent und die Villa Casale Romana in die Nähe von Caltagirone, rund 250 Kilometer.

Tour des Tages: Von Chiusa Sclafani über Agrigent und die Villa Casale Romana in die Nähe von Caltagirone, rund 250 Kilometer.

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Verfasst von - 18. Februar 2017 in Reisen, Wiesel

 

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