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Review: Logan (2017)

13 Mrz

I hurt myself today
To see if I still feel
I focus on the pain
The only thing that’s real

Try to kill it all away
But I remember everything
What have I become
My sweetest friend
Everyone I know
Goes away in the end


And you could have it all
My empire of dirt
I will let you down
I will make you hurt

Logan übersteht den Tag nicht mehr ohne große Mengen an Schmerztabletten und Alkohol. Vom einstigen Wolverine, der wütenden, kraftstrotzenden Kampfmaschine, ist nur noch ein Wrack übrig. Sein Körper heilt nicht mehr richtig, er ist gezeichnet von alten Kampfspuren, einer chronischen Krankheit und Narben, die viel tiefer gehen als nur unter die Haut.

Krank und kaputt schlägt er sich als Uber-Fahrer durch. Nebenbei versorgt er noch Charles X. Xavier, den er in der mexikanischen Wüste versteckt. Xavier, einst der mächtigste Mutant und größte Geist der Welt, ist mittlerweile dement und dämmert als abgemagertes Skelett seinem Ende entgegen.

Logan gesteht es sich nicht ein, aber er und Xavier warten nur noch auf den Tod, und der wäre für die beide eine Gnade. Die Warterei wird aber je unterbrochen, als ein junges Mädchen auftaucht. Sie wurde aus Logans DNA gezüchtet, und das Unternehmen, das dafür verantwortlich ist, hätte gerne sein Eigentum zurück. Logan will aber nicht mehr kämpfen, deshalb bereitet er sich auf seine letzte Tat vor: Er rennt weg.

Superheldenfilme sind seit 10 Jahren DAS DING im Kino. Dominiert wird das Genre durch die Filme im Marvel Cinematic Universe, die beispiellos die Solofilme ihrer Superheldenfiguren zu größeren Geschichten verweben. Die Studios, die das zu Kopieren versuchen, scheiterten bislang scheppernd: Weder das DCU um Batman und ca. kommt aus dem Quark, noch hat King Kong-Universe einen guten Start. Auch das X-Men-Universe ist bislang er so meh.

Umso schöner, dass es jetzt einzelne Filme gibt, die nur für sich stehen wollen und dadurch die Freiheit haben andere Wege zu gehen. Die Möglichkeit dafür hat ausgerechnet der trashige „Deadpool“ freigekämpft, seit dessen Überrachungserfolg Non-Kanon-Superheldenfilme mit R-Rating überhaupt erst möglich sind.

Seit 17 Jahren spielt Hugh Jackmann Wolverine, den Mutanten mit den Krallenhänden. Neben Ensemblefilmen der „X-Men“ mit stark schwankender Qualität gab es auch schon zwei „Wolverine“-Einzelfilme auf. „Wolverine Origins“ war eine unfassbar dumme Origingeschichte ohne Origin, und der zweite Film wird nur in Erinnerung bleiben als „der mit der Atombombe und dem Robotersamurai, der Wolverine das Mojo klaut“. Mit der Geschichte von Logan werden neue Wege erkundet.

Die Story spielt in einer Situation und einer Zeit, in der die klassischen Superheldengeschichten auserwählt sind. Die Helden haben verloren, sie sind tot oder gebrochen, besiegt von der Banalität der menschlichen Angst vor dem anderen. Was mit den alten Helden passiert ist, wird in „Logan“ nicht ausführlich erklärt. Man erfährt es wenn man aufpasst, aber es gibt im Film nie einen Erklärbärmoment, in dem das Schicksal der X-Men oder die Geschichten von Xavier oder Logan explizit aufgerollt werden. Im nicht-erklären ist das Drehbuch so konsequent und brutal wie das Setting und die Story. In „Logan“ wird nichts behauptet oder erklärt, es wird gezeigt. Über weite Passagen verlässt sich der Film auf die Macht der Bilder, wenn er uns zitternde Hände, ausgezehrte Körper und heruntergekommene Wüstengegenden zeigt. Trotz der eigentlich ausgelutschten Story verfehlt das seine Wirkung nicht. Der Film atmet Hoffnungslosigkeit aus jeder Pore, und die legt sich wie ein Mantel auf die Stimmung der Zuschauer.

Wer einen kurzen Blick auf die Tonalität von Logan erhaschen möchte, kann sich dieses Kunstwerk von Trailer ansehen. Wie hier Johnny Cashs´ Intonation von „Hurt“ von den Nine Inch Nails druntergschnitten wurde, ist wirklich ganz, ganz groß. Als wäre der Song in dieser Version nur dafür gemacht.


Mit seinem „Show, don´t tell“ macht „Logan“ es genau anders als die lauen Filme, die zuletzt im X-Men-Universum spielten. In „Apokalyse“ wurde beispielweise immer wieder behauptet, dass der namensgebende Mutant voll mächtig und böse sei, den Beweis dafür blieb der Film aber schuldig – wodurch er so beliebig wurde, dass man die Handlung scon beim Verlassen des Kinosaals vergssen hatte.

Nein, „Logan“ behauptet nichts, was er nicht beweisen kann. Der Hauptcharakter vegetiert dahin, und vom ersten Moment an ist klar, dass sein Traum – ganz Aussteigen und auf einem Boot leben – nur eine unrealistische Illusion ist. Dieser Logan hat alles verloren und wird nichts mehr gewinnen, die Frage ist nur, wer mit ihm untergeht. Eine so abgefuckte Geschichte zu erkunden ist mutig und deprimierend zugleich. Logan ist definitiv kein Feelgood-Movie, sondern das genaue Gegenteil. Wenn man mal zu gute Laune hat und gerne wieder runter möchte, ist das genau der richtige Film. Hier gibt keinen Hoffnungsschimmer, nirgends. Auch das Auftauchen von Logans 11jährigem und weiblichen Klon ist eher frustrierend als ein ein Lichtstrahl. Es kann nur schlimmer werden, und das wird es auch.

Ebenfalls dank „Deadpool“ dürfen Superheldenfilme jetzt brutal und blutig sein, und das nutzt „Logan“ voll aus. Während die früheren „Wolverine“-Filme absolut jugendfrei waren, was angesichts eines Charakters mit Metalldolchen als Händen nachgerade albern ist, geht es in Logan hart und schmutzig zur Sache. Die Actionsequenzen sind nicht häufig, aber wenn Logan nochmal die Krallen auspackt, geht es äußerst brutal zur Sache. Da werden Körperteile abgehackt, Köpfe durchbohrt und Adern aufgerissen, dass einem ganz anders werden kann. Und mittendrin dieses Kind, dass aber nicht nervt, sondern tatsächlich den Film mit trägt und einige der coolsten Bad-ass-Momente überhaupt hat.

Dass die Drehbuchautoren das hinbekommen haben, muss man ihnen hoch anrechnen. Dafür verzeiht man ihnen auch, dass die Story um den verbitterten, alten Einzelgänger, der aus seiner Lethargie gerissen wird, eigentlich total ausgelutscht ist und genauso auch in „Lego Batman“ erzählt wird. Nerven tut allenfalls die Laufzeit, denn mit 132 Minuten ist „Logan“ ungefähr 20 Minuten zu lang. Das die aufwendige Exposition notwendig ist sehe ich ein, aber die Sequenzen auf der Farm sind zu lasch genschnitten. Nicht wirklich gelungen ist, zumindest in der deutschen Synchro, Patrick Stewarts jammernder und dementer Professor X – aber auch das gibt am Ende einen Sinn.

Wie überhaupt alles zum Ende geführt wird, und zwar zum einzig möglichen. Wirklich, der ganz große Verdienst von „Logan“ ist es, schlechte Laune und deprimierende Geschichten in das Genre der Superheldenfilme injiziert zu haben. Von der ersten Minute an atmet der Film Schmerz und Hoffnungslosigkeit, und er geht diesen Weg konsequent zum einzig möglichen Ende. Für das Kinopublikum ist das eine mitnehmende, aber auch eine tief befriedigende Erfahrung. Die Geschichte von Logan lässt einen mit Tränen in den Augen im Kinosessel zurück, und schon deshalb wird man sie so schnell nicht vergessen.

P.S.: Großes Lob an das Publikum im Regensburger Kino. Ich habe selten erlebt, dass in einem Multiplex am Freitag Abend ein ganzer Saal so konzentriert einen so langen Film schaut. Ihr habt gezeigt, dass selbst in einem Cinemaxx das Publikum nicht aus quatschenden, telefonierenden Volldeppen bestehen muss.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 13. März 2017 in Film, review

 

3 Antworten zu “Review: Logan (2017)

  1. ruediger

    13. März 2017 at 20:09

    Alleine der Trailer ist es schon wert, das ich mir zum ersten Mal so einen Film (Mutantengedöns) überhaupt ansehen möchte. Merci für die Empfehlung.

    Gefällt 1 Person

     
  2. Silencer

    13. März 2017 at 20:25

    Lohnt sich wirklich. Der Film würde auch mit normalen Menschen funktionieren. Das die Protagonisten hier superkräfte haben (oder hatten) spielt keine echte Rolle.

    Gefällt mir

     
  3. kalesco

    15. März 2017 at 10:29

    Ja. War gut. Anders, brutal, hässlich, deprimierend, gut 🙂

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