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Intensivstation

04 Apr

Am Sonntag war die NDR-„Intensivstation“, der „satirische Monatsrückblick“ im PS-Speicher in Einbeck zu Gast. Da ich war noch nie bei der Aufzeichnung einer Fernsehsendung dabei, bin ich da mal hingefahren. War schon interessant, die ganze Orga zu sehen und die Technik und wie man eine Sendung so aufzeichnet, dass man sie am Ende für Radio und Fernsehen verwursten kann.

Das Programm ist inhaltlich nicht zur Gänze schlecht, das Publikum ist gewogen und auch in meine Gesichtszüge schleicht sich ab und zu ein Schmunzeln. Die meisten Gags sind aber eher slow-clap würdig, vorausgesetzt, die „Satiriker“ kommen überhaupt bis zur Pointe und verstammeln die nicht vorher, was des öfteren passiert.

Gut, Livesituationen sind nicht einfach, aber generell muss man doch mal die Frage stellen, was wirklich der Anspruch an aktuelle und lustige Satire ist. Satire im Öffentlich-Rechtlichen, das sind auch im Jahr 2017 noch stotternde Pullunderträger, die durch ein Zeitloch direkt aus Heinz-Erhardt-Zeiten gefallen sind, Moderatoren in glänzenden Jacken und Komiker, die aussehen als wären sie technische Zeichner und hätten nur sich auf die Bühne verlaufen – was direkt auf den Humor durchschlägt. Über Berliner Eigenarten zu referieren hat halt außerhalb des selbstreferenziellen Berlins nur begrenzten Unterhaltungswert, und das als Ausrede für das Absingen eines, mindestens 3 Strophen zu langen, Lobeslieds auf Bad Harzburg herzunehmen, tut den Ohren schon arg weh. Gerechterweise muss man sagen, dass das in der Pre-Show war und im Fernsehen nicht zu sehen sein wird.

Der amerikanische Gast hatte einen guten Einstieg, liess dann aber stark nach und verstolperte seine Pointen. Er sollte zukünftig als Mitch McConnell-Lookalike gehen, damit wäre er der Hit. Lichtblick war Antonia von Romatowski, die nicht nur ihre Paraderolle, die Frau Merkel, gab, sondern auch gleich noch als Hannelore Kraft, Flintenuschi, die Pretzel-Petry und die Wagenknecht auftrat. Äußerlich zum verwechseln ähnlich zurechtgeschminkt, inhaltlich leider auch sehr platt – eine Politikerin macht mehr aus als nur ein nerviger Nöhlton. Wäre Romatowski keine Frau, man würde ihr Frauenfeindlichkeit vorwerfen.

Öffentlich-rechtlicher Humor verlangt leider auch immer zwingend eine Jazzband, die zwischen den Akts röddelt und knötert und „lustige“ Jingles spielt. „Warum???“, möchte man da rufen, „Wer hat das erfunden? Warum findet das jemand gut?“. In der „Knoff Hoff Show“ in den 80ern war das schon irritiertend, 30 Jahre später versteht man es gar nicht mehr.

Ich verstehe es nicht, die Redakteure der Sendung sind alle so Mitte 40, machen aber Satire, die eine Patina aus den 50er Jahren trägt. Woher kommt das? Wird man im Rundfunk so sozialisiert? Oder richtet sich das Progamm nach der Zielgruppe? Das würde einiges erklären, ich war nämlich tatsächlich einer der jüngsten an dem Abend. Der Rest des Publikums war im Schnitt weit schon über die Pensionierung hinaus. So wie dieser Ü-Wagen:

Die Sendung „NDR Intensivstation“ mit der Aufzeichnung aus Einbeck läuft am Donnerstag, den 06.04. um 23.30 Uhr im NDR.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 4. April 2017 in Event

 

2 Antworten zu “Intensivstation

  1. hirnwirr

    4. April 2017 at 10:53

    das nenne ich doch mal ein gutes Statement!
    und wenn ich am Donnerstagabend noch lebe, dann werde ich es schauen!

    Gefällt 1 Person

     
  2. hirnwirr

    7. April 2017 at 00:20

    Konnte man dich eigentlich sehen?

    Es war insgesamt etwas „quäkig“. 🙂

    Gefällt mir

     

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