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0177

26 Apr

„Sie können Ihre Handynummer AUSWENDIG?“, fragt die Dame am Empfangstresen mit hochgezogenenen Augenbrauen, als ich ohne Gedenkpause die Nummer aufsage.

Natürlich kann ich das. 20 Jahre sind wir jetzt schon zusammen, meine Rufnummer und ich. Heute spielt ja die Telefonnummer nur eine untergeordnete Rolle, Hauptsache, man ist per Messenger erreichbar. Aber 1997 gab es sowas noch nicht. Was es gab, waren die klassischen Mobiltelephone für Anrufe und SMS. Einige Jahre vorher waren die noch unbezahlbar gewesen, Handys galten als Statussymbole, die nur von Egomanen mit sich rumgetragen wurden und für Normalsterbliche unbezahlbar waren.

1997 schickte sich ePlus an, Mobiltelefone in die Breite zu bringen. Das Unternehmen, das sich betont jung gab (und damit seinen schlechten Netzausbau rechtfertigte), bot unter anderem einen Studententarif an. Für pauschal 25 D-Mark pro Monat bekam man 20 Telefonminuten und 15 SMS. Ein Spitzenangebot, denn normalerweise wurde erst eine Grundgebühr fällig und dann nach Minuten und Einzel-SMS abgerechnet. In der „Hauptzeit“ kostete ein Anruf ins Festnetz oder ein anderes Netz 1,99 DM pro Minute, günstiger waren mit 0,59 DM nur Anrufe innerhalb des ePlus-Netzes. In der Nebenzeit kosteten alle Anrufe 0,39 DM pro Minute.

In dieser Zeit war es, dass ich urplötzlich den Gedanken attraktiv fand, ein tragbares Telefon zu besitzen. Keine Ahnung warum, gebraucht hätte ich es nicht. Irgendwie war die Zeit reif. Nach langem Zaudern setzte ich dann einen Fuß in den ePlus-Laden in Göttingen und verließ in wenig später mit klopfendem Herzen und einem ePlus-Karton. Darin: Meine 0177-Rufnummer und ein brandneues Nokia 5110.

Nokias Mobiltelefone waren sehr verbreitet. Man spielte hautpsächlich Snake damit oder kaufte Wechselcover dafür, denn telefonieren war halt zu teuer. In den Speicher passten theoretisch 10 SMS, praktisch aber weniger, denn auf 3 bis 6 Speicherplätzen hob man die ganz besonderen SMS von der Liebsten auf, die man nie, NIE! löschen würde.

Wenn ich Anfangs meine Rufnummer aufsagen musste, fragten die Leute noch oft nach. Denn ePlus mit seiner 0177-Vorwahl war unbekannt, kennen tat man nur 0171 für das D1-Netz und 0172 für D2. Andere Netzvorwahlen gab es nicht. Das Handy durfte ich eigentlich auch niemandem zeigen, denn dann kamen gleich höhnische Sprüche. „Guck an, der Herr Student hält sich für wichtig, der muss jetzt ein Handy haben. Immer erreichbar, was, höhö.“

Das änderte sich im Lauf der Jahre. Was sich nicht änderte, war meine Rufnummer. Die wanderte vom Nokia 5110 zum Nokia 3310, dann auf ein No-Name-Aldi-Klapptelefon (das dauernd abstürzte, aber hey, KLAPPTELEFON!!) und dann ein Philips-Klapptelefon (das winzig war und an den Rändern blau leuchtete wenn ein Anruf kam).

2005 übernahm mein Arbeitgeber meine Telefonnummer. Als Firmenhandy gab es ein QTEK 9090, ein von ePlus als „PDA 3“ vermarktetes Smartphone von HTC mit ausziehbarer Tastatur und Windows drauf. Damit konnte man alles Mögliche machen, auch Snake spielen. Nur telefonieren konnte man damit nicht, weil die Software kaputt war und man für das Gegenüber klang, als würde man mit einem Blecheimer über dem Kopf sprechen. Der Hersteller hatte das Problem schnell gefixt, aber ePlus rollte den Patch nicht aus, weil sie nicht begriffen, dass für diese Art Geräte kontinuierliche Pflege auch nach dem Verkauf nötig ist. So hatte ich 2 Jahre ein Handy praktisch ohne Telefonfunktion.

Damit hatte es ePlus vergurkt, meine Firma wechselte zur Telekom, und meine Rufnummer auch. Auf ein Motorola RAZR V3. Ein äußerst stabiles Klapphandy, dessen farbiger Plasmabildschirm leise zischte. Was doof ist, wenn man den zum Telefonieren ans Ohr halten muss.

2009 kam dann ein iPhone 3G, und die Rufnummer wechselte auch darauf mit. Es folgten iPhone 4s, 5s und 6s. Die Geräte änderten sich, was blieb, war stets die Rufnummer.

20 Jahre.
Eine lange Zeit für eine kleine Rufnummer.

 
8 Kommentare

Verfasst von - 26. April 2017 in Historische Anekdoten

 

8 Antworten zu “0177

  1. zimtapfel

    26. April 2017 at 11:23

    Meine 0176er Nummer habe ich jetzt auch schon seit immerhin, hm, schätzungsweise 12 oder 13 Jahren und von Debitel – Klapphandy!!!!!einself – über Vodafone zur Telekom mitgenommen. Seit sechs Jahren weiß ich sie nun auch auswendig. (Im Gegensatz zu meiner Festnetznummer.)

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  2. Max

    26. April 2017 at 15:38

    Ich hab meine Nummer genauso lange, damals angefangen bei VIAG Interkom (mit Regional- und Homezone) über O2 zu Telefonica. Der Name änderte sich, der Laden blieb ja der gleiche.
    Hin und wieder, z.B. bei der Autovermietung, wo man mal alle Jubeljahre hingeht, ist man erstaunt, dass sich die Nummer nicht ändert, weil man da andere Kunden kennt, die alle 2 Wochen ne neue Nummer haben.

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  3. Olpo Olponator

    27. April 2017 at 08:12

    NA WAS ISN JETZT MIT DER VERDAMMTEN RUFNUMMER !! WENN DU SIE SCHON SO ARG HOFIERST, ZEIG‘ SIE UNS ENDLICH !!!!
    😉

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  4. Silencer

    27. April 2017 at 08:48

    @Zimt: Stimmt, 0176 kam dann auch irgendwann…

    @Max: Ohja, die HOMEZONE! Die hatte ich bis vor Kurzem vergessen! Was haben wir die Leute damals darum beneidet… Vor einigen Wochen hat ein Arbeitskollegen von mir einen heutigen Provider in tiefe Verwirrung gestürzt mit der Frage, ob und wie denn seine Homezone-Nummer mit umziehen könnte 😀

    @Olpo: Bittesehr: Vorwahl steht ja oben, dann 84 90 36 8 (die richtige Reihenfolge der Zahlen bitte selbst rausfinden) 😀

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  5. Olpo Olponator

    27. April 2017 at 10:22

    Vorsicht mit Deiner Freizügigkeit – ich fahre aktuell ein noch zu seligeren Nokia-Zeiten in Finnland produziertes 6280er Modell – das läuft auf einer Linux-Distribution und da wären Cain&Abel gute Freunde für die richtige Reihenfolge … 😉

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  6. Silencer

    27. April 2017 at 11:30

    Das kannte ich gar nicht! Wie cool – wenn Du meine Nummer rausbekommst, darfst Du mir auf die Mailbox sprechen 🙂

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  7. Olpo Olponator

    27. April 2017 at 12:18

    Abgemacht – falls Du versprichst, sofort zurückzurufen. Ich bin nicht mehr der Jüngste und bei 27 Millionen Möglichkeiten könnte es schon eine Weile dauern, bis ich mich melde.
    Das Hendi ist super – es kann nur Telefon und Kamera, Inet brauche ich nicht, Notfälle löst das Tablet. Ich habe es hervorgekramt, als das neue Samsung bereits nach bloß 2 Jahren Lebensdauer an Batteriezusammenbruch litt. Die Originalbatterie des Nokia ist auch im 14. Jahr nach ihrer Produktion alltagstauglich, sie ist mir eine wahre Freude 😉

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  8. Silencer

    27. April 2017 at 12:23

    Eines meiner Lieblingsgeräte ist ein alter GPS-Tracker. Die Dinger laufen in der Größe normalerweise nur 2 Stunden. Das Dinge schafft 24, weil es auf einem Nokia-Akku läuft. Großartig, die Teile.

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