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V-Strom (4): Gepäck

25 Mai

In den letzten Wochen war ich damit beschäftigt eine Suzuki DL 650 V-Strom so herzurichten, dass ich damit auf Touren gehen kann. In lockerer Folge werden die Änderungen an der Maschine vorgestellt.

SW-Motech Evo QuicklLink Koffersystem
Die gebrauchte V-Strom hatte schon einen Kofferhalten montiert. Zuerst habe ich mich total gefreut, als ich gesehen habe, dass es sich dabeium ein SW-Motech-Teil handelt. Die deutsche Zubehörschmiede geniesst einen ausgezeichneten Ruf, und das „Evo“-System ist wirklich ein Meisterstück. Mit Adapterkits lässt es sich so umrüsten, dass sowohl meine Givi-Koffer als auch Hepco & Becker, Steed und andere Koffer an die Maschine passen. Super, das spart den Kauf eines Kofferträgers, und ich kann meine Koffer weiterverwenden.

Die Kehrseite: Das Evo ist ein Quicklink-System. Man dreht die Schraubverbindungen um 90 Grad und zack, hat man den Träger demontiert. Ist für Leute, die Kofferträger unästhetisch finden.

Ist ja auch eine nette Idee, wenn man den Träger nicht dauernd dranhaben möchte. Allerdings lässt er sich ohne spezielles Werkzeug lösen. Auch dann, wenn die Koffer dran sind. Für Diebe ist es daher sehr einfach, durch Lösen von vier Clickverschlüssen eben mal das Gepäck wegzutragen.

Suboptimal. Abhilfe schaffen spezielle Haltebolzen mit Schlössern drin, die ich nachträglich montiert habe.

Wesentlich fester ist da schon die Halteplatte von Givi. Die wird mit fummeligen Halterungen direkt auf die Gepäckbrückde der Suzuki geschraubt und ist ohne passendes Werkzeug und ausgerenkte Finger nicht mehr abzubekommen. Dummerweise ist sie recht dicht an der Sitzbank moniert, geht aber nicht anders.

Die V-Strom hat nur einen Auspuff, der an der rechten Seite weit hochgezogen ist. Dadurch ist die ohnehin breite Maschine asymetrisch, und der rechte Koffer steht 6 Zentimeter weiter nach Außen ab als der linke.

Ich hatte erst überlegt ein asymetrisches Kofferset zu montieren. Nachdem ich mir einige Sets genauer angesehen habe muss ich sagen: Diese Art von Koffer sind meist irre teuer und lenken erst recht den Blick auf die Asymetrie. Und noch schlimmer: Bei manchen muss man echt den Nutzwert anzweifeln, anscheinend zählt die Optik mehr als der praktische Nutzen.

So ein Fall sind die „Trekker“ von Givi. Mit denen hatte ich heftig geliebäugelt, als ich dann aber einen der 46 Liter-Modelle zu Hause hatte, war ich ziemlich negativ überrascht. So schön die neuen auch sind, mit ihren schwarzen Aluminiumplatten und dem geteilten Deckel: Sie sind am Ende des Tages halt auch nur Plastikkoffer, und dafür mit 6 Kilogramm Gewicht einfach zu schwer.

Der Motech-Träger kann 12,5 Kilo pro Seite tragen, wenn die Koffer schon 6 davon mit Eigengewicht belegen, bleibt nicht mehr viel für den eigentlichen Inhalt übrig. Nach reiflicher Überlegung bin ich tatsächlich zu dem Schluss gekommen: Meine alten E45-Givis sind tatsächlich das Beste, was es in dem Bereich gibt. Sie machen vielleicht optisch nicht so viel her, aber sie sind stabil, leicht ( wiegen 3 Kg) und dicht.

Ein weiterer Punkt für die Weiterverwendung der alten E45 ist das selbstgebaute Passivlichtsystem, das für die Sichtbarkeit unschlagbar ist. Das umlaufende Diamond Grade Markierungsband, das ich in mühsamer Handarbeit nachgerüstet habe, macht, dass die Maschine selbst in finsterster Nacht bei geringstem Streulicht leuchtet wie ein Weihnachtsbaum.

Ganz zu schweigen vom Topcase, das im doppelten Boden nicht nur eine Warnweste mitbringt, sondern in sich nochmal ein Gepäcksystem mit Wasserflaschen und Kleinteiletaschen hat.

Das Topcase fahre ich übrigens meistens genauso leer durch die Gegend. Dann passt nämlich der Helm rein. Ich erlaube mir den Luxus, denn Helm durch die Gegend schleppen ist doof.

Vermutlich brauche ich die 90 Liter Stauraum der beiden E45 Givis gar nicht mehr. Bei den Reisen mit der ZZR war der rechte Koffer zum Großteil mit Werkzeug und Ersatzteilkram beladen. Das brauchte wenig Volumen, brachte aber viel Gewicht auf die Waage. Bei der V-Strom kann ich mir das Mitführen von Ersatzteilen hoffentlich sparen. Anders als die ZZR ist die Suzuki dafür gemacht auch mal Umfaller wegzustecken. Bei einem Sturz brechen nicht sofort die Fußrastenhalter, sondern verbiegen sich und lassen sich vom Dorfschmied wieder in Form dengeln. Und das Werkzeug lässt sich anders unterbringen:

Tooltube

Auf der rechten Seite der V-Strom verläuft zwischen Hinterrad und Kofferträger der Auspuff, aber links war da – nichts. Bis jetzt. Ein Dokumentenzylinder aus einem John-Deere-Traktor wurde zu einer Tooltube, einer Werkzeugröhre.

Halterungen bringt das Plastikding schon mit, und nach einigem Experimentieren und mit Alberts Hilfe (Geht´s nicht M8 und V2A?“) hatte ich dann auch irgendwann die passenden Schrauben zur Verbindung mit dem Gepäckrahmen gefunden, der praktischerweise noch unbenutzte Löcher hatte.

In der Röhre befinden sich nun Ersatzhebel, Werkzeug, ein Warndreieck und eine starke Taschenlampe. Abschließen kann man sie nicht, aber ich würde mich stark wundern, wenn da wer dran geht.

Rechts Auspuff, links Tooltube.

Fällt kaum auf, das Ding:

Sitzbank
Die beste Investition in die ZZR 600 die ich JEMALS getätigt habe war die Sitzbank, die eine kleine Sattlerei in Hameln für mich gefertigt hat. Durch die Form und die Geleinlage kann ich 8 Stunden am Stück fahren ohne das mir der Hintern abfällt. Die V-Strom hat eine 4Seat Sitzbank von Baehr mitgebracht.

Das Teil kostet mit 500 Steinen mehr als drei Mal so viel wie das Unikat aus der Sattlerei. Ob das Ding die viele Kohle, die ich persönlich nicht ausgegeben hätte, wirklich wert ist, muss sie erst noch beweisen. Sehr vertrauenserweckend ist der erste Eindruck nicht: Einer der Haltehaken zum Chassis ist schon gebrochen. Der Vorbesitzer hat sich wohl draufgesetzt, als das Kunststoff-Ding nicht richig eingerastet war. Das dürfte aber keine Rolle spielen, solche wichtigen Teile müssen aus Metall sein und dürfen nicht brechen, nie! Schon gar nicht an einem 500 Euro-Sitz.

Unter der Sitzbank bringt die V-Strom auch noch erstaunlich viel Stauraum mit. Da lagern bei mir jetzt Papiere (Eintragungen, Zulassungen, Unfallbericht, grüne Karte), ein Verbandskasten sowie das, was man als Moppedfahrer immer für Reperaturen braucht: Klebeband und Kabelbinder.

Mit Tooltube und Sitzbankstauraum kann ich mir jetzt tatsächlich die Werkzeugtasche im Koffer sparen.

 
11 Kommentare

Verfasst von - 25. Mai 2017 in Motorrad

 

11 Antworten zu “V-Strom (4): Gepäck

  1. Albrecht Wagenhöfer

    25. Mai 2017 at 19:24

    Du hast viel Energie, Zeit und Geld für Perfektionismus aufgeboten.
    Fehlt nur noch Radio&TV. (Scherz)
    An der neuen 1000er Strom gibt es ein flexibel Stück, um den Auspuff nach runter zu bekommen, dann sitzen Koffer obendrüber und symetrisch.
    Ich habe die doppelschaligen Kunststoffkoffer Junior, die selbst das Gewicht des Möpps aushalten.

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  2. Silencer

    25. Mai 2017 at 21:19

    Perfektionismus sieht anders aus – ich bin nur bequem und weiß mittlerweile, was ich an einem Mopped will, und die V-Strom bietet viel Raum sich auszutoben.

    Ah, Du hast die Hepco und Becker? Ich hatte von denen damals die „Klassik“ mit Faltenbalg, da kamen die Junior gerade erst raus. Das Panzernashorn hält also ordentlich was aus.

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  3. Torsten

    26. Mai 2017 at 07:11

    Zum Stichwort Symmetrie bei den Koffern:

    Die Original-Kofferträger für die Suzuki sind symmetrisch. Dies erkaufen sie sich, indem sie auf der einen Seite etwa „zwei Daumen breit“ über den Auspuff überstehen, auf der anderen Seite richtig viel Luft dazwischen ist. Insofern ist eigentlich jede Lösung besser als die werkseitige. Und falls es dir mal angeboten wird: lass die Pfoten von den Suzuki-Koffern. Zu unpraktisch (klein, lackiert, breit bauend)

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  4. Max

    26. Mai 2017 at 07:30

    Das mit der Tool-Tube ist ja gut gelöst.
    Für meine AT hatte ich auch ein neues Koffersystem geholt und als H&B Fan nicht die vorhandenen Junior (weil symmetrisch) genutzt, sondern mich für das spezielle Xplorer Cutout-Set entschieden. Alu passt eh besser zur Enduro. H&B bietet dazu passend auch eine Röhre für die linke Seite, sieht im Grunde genauso aus wie Deine und ich überlege, diese auch noch zu besorgen. Aber erstmal muss die anstehende Reise ohne gehen.

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  5. Silencer

    26. Mai 2017 at 08:32

    Torsten: Danke für den Hnweis! Wer hat bei Suzuki bloss das Zubehör designt? Ein unwirksamer Sturzbügel, ein Koffersystem mit LKW-Maßen… das ist ja echt grausam.

    Max: Genau! Alu passt besser, und wenn man da mal umkippt, verbeulen die nur und splittern nicht.

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  6. Max

    26. Mai 2017 at 08:37

    Silencer: die Junior von H&B, sind u.a. wie schon hier erwähnt doppelwandig und nicht aus sprödem Kunststoff, die neigen auch eher zu Beulen als Splittern. Aber für unsymmetrisch gehen gleich 10l flöten. Bei den Alu-Xplorer fehlen nur 3l.

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  7. Silencer

    26. Mai 2017 at 08:43

    Max: Ah, OK. Wobei das schöne an Alu ist: Das kann man wieder ausbeulen 🙂

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  8. Martin

    28. Mai 2017 at 00:36

    »Dokumentenzylinder aus einem John-Deere-Traktor« ⇠ finde ich klasse. So etwas hätte ich auch gerne, gibt’s da eine Bezugsmöglichkeit? 😉

    Habe schon diverse (eigentlich nicht dafür vorgesehene) Lösungen angeschaut. Gasmaskenbehälter? Zu groß und aus Metall. Abflussrohre? Werden gesteckt und nicht geschraubt, daher nur bedingt sicher das da nicht mal was abvibriert.

    Ich finde die Tool-Tube an deiner DL klasse.

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  9. Silencer

    28. Mai 2017 at 14:20

    Hi Martin,
    die Dokumentenzylinder werden tatsächlich schon als Tooltube auf Ebay vermarktet, zu Preisen zwischen 6 und 18 Euro: http://www.ebay.de/itm/TOOL-TUBE-Werkzeugbox-schwarz-TRIUMPH-Quad-BMW-HONDA-SUZUKI-/182577767776?hash=item2a827ba560:g:4fAAAOSwnbZYH10J

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  10. Martin

    28. Mai 2017 at 14:36

    Und ich such mir den Wolf mit »Dokumentenzylinder« und lande in Schweiz und Belgien. Am Ende sogar in China (Mindestabnahmemenge 500 Stück – so viel Platz habe ich gar nicht an der GS!).

    Dabei ist’s so einfach. 😀

    Merci für den Link und den alternativen Suchbegriff.

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  11. Albrecht Wagenhöfer

    28. Mai 2017 at 19:52

    Hi, selbst wenn du den „hohen“ Preis von ~20 € bei 123 löhnen solltest…..ich habe mir mal die Mühe gemacht und im Baumarkt 125er HT-Rohr zusammengesucht für ne Tube.
    Der Preis für das Geraffel ist ähnlich hoch in roh und ohne Bauzeit und da wäre noch nicht mal der Kleber dabei, von der vertan’nen Zeit plus Sprit zum Baumarkt rechne ich da nicht dazu.

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