5.908

So, ich wäre dann auch wieder da. Drei Wochen und 5.908 Kilometer war ich mit der V-Strom unterwegs, in Österreich und Italien. Es war die unentspannteste Reise, die ich bislang mit einem Motorrad gemacht habe. Bis zum Ende war nicht klar, ob ich die Kiste wieder heil nach Hause bekomme – oder es schlimmstenfalls zum Totalschaden kommen wird.

Grund dafür war die Antriebskette, die nach der Fahrt über die Alpen einfach komplett hin war – und das, obwohl sie vorher von gleich zwei Werkstätten geprüft worden war.

Das Fahren war damit komplett unspaßig. Das Motorrad ruckelte als hätte es Kängurubenzin getankt. Als die Kette dann noch anfing zu knacken und zu schlagen, war es mit dem Spaß ganz vorbei. Eine so fertige Kette kann im Extremfall reißen und dann Löcher in den Motorblock schlagen oder das Hinterrad zerlegen. Damit fuhr ständig die Angst mit: Tagesausflüge wurden gestrichen, Touren auf das Nötigste beschränkt, was auch die niedrige Gesamtkilometerzahl erklärt. Am Ende war ich deswegen so unentspannt, dass ich die Tour abkürzte und an einem Stück die 1.065 Kilometer von Venedig bis nach Göttingen gefahren bin, ganz piano, nur mit maximal Tempo 110.

Über tausend Kilometer und 13 Stunden Non-Stop, damit dürfte ich mir das „Iron Butt“ „Eisen Arsch“*-Abzeichen redlich verdient haben.

Zuhause angekommen!
Ich bin froh es überstanden zu haben, und die V-Strom ist bereits für eine Beauty- und Wellnesskur in der Werkstatt, wo sie ganz viel Liebe erfahren wird. Abseits von dem FuckUp mit der Kette hat sich die V-Strom glänzend geschlagen.

Ich habe mich in die Maschine in dem Moment verliebt, als ich im Verkaufsraum das erste mal darauf saß. Damals hatte ich gehofft, dass sie die Reisemaschine ist, die ich mittlerweile brauche. Die Suzuki hat mich nicht enttäuscht, im Gegenteil. Sie hat nicht nur alle Erwartungen in Punkto Komfort, Belastbarkeit und Geländegängigkeit erfüllt, sie hat sie in Sachen Handling und Sparsamkeit sogar weit übertroffen. Von daher bin ich mit ihr sehr, sehr glücklich – und die jetzige Tour nehmen wir einfach mal als erweiterte Probefahrt, als Test Drive vor dem richtigen Reiseabenteuer, das im kommenden Jahr startet.

Es war aber nicht alles schlecht. Ich habe tolle Orte besucht und interessante Leute kennengelernt. Wieso ich auf einer Forellenfarm im Gebirge übernachtet habe, wie tödlich Rom sein kann, wie man mitten im Land des guten Essens hungern kann, warum Bären den Verkehr gefährden, wer Nicoletta, Franca, Cecillia und Claudia sind, warum mich ein Irrer in seinem Anwesen eingesperrt hat, das alles und noch vieles mehr wird dann demnächst hier erzählt, im ausführlichen Reisetagebuch. Es gibt sogar ein Wiedersehen mit Fabio, dem Wundermechaniker.

Ach ja, und der Sturm, gestern? Ich steckte da mitten drin, 6 Stunden lang. Erst kurz hinter Würzburg hörte das auf:

6.605
5.479
7.187
6.853
4.557


* Nicht zu verwechseln mit dem echten Iron Butt-Abzeichen der Iron Butt Association mit ihrem absurden Regelwerk

22 Gedanken zu “5.908

  1. Ach so, die Verregelung geht weiter? Nö, in zwei Tagen mit Nachtfahrt.
    Wäre dann noch ne Regel zu beachten wie Ccm? Mit der Erschwernis von Vollgepäck haben die Buttler ja nix am Hut, da fährt es sich ja deutlichst leichter.

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  2. 1.000 Meilen in 24 Stunden. Aber hey, das sind Amis. Die fahren 1.000 Meilen stern geradeaus und sind gerade mal aus ihrem Heimatstaat raus. Keine Kunst. Die gleiche Strecke in Europa ist, egal wo, viel anspruchsvoller.

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  3. ralf0809

    Ja, Herr Silencer. Das war eine tolle Zeit. Wir sind immer so mit 6-8 Mopeten als Team gefahren. Vier mal bin ich damals von Dresden aus gefahren (war beruflich dort gelandet), A4-A7-Ruhrgebiet-Odenwald zum Beispiel. Freitags morgens los, im Ruhrgebiet dann auf die Kumpels aus Mainz getroffen und weiter nach Hammelbach. Dort dann so in der Nacht auf Samstag angekommen. Zelt im Wald aufgeschlagen, Samstags Vorderlader geschossen und bis Sonntags gefeiert.

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  4. ralf0809

    Ich hatte 2004 das Motorrad fahren gänzlich aufgegeben. Job, neue Beziehung, Kind, Haus und überhaupt war nach über 20 Jahren die Luft raus.
    Hier mal ein Abriss:
    1981 – 1982 die 80er Honda MB8
    1982 – 1985 die 80er zur 125er umgebaut gefahren
    1986 – 1988 Kawa Z 550B
    1988 – 1990 Ducati GTV 500 Desmo
    1991 – 1999 Kawa GPZ 900 R (neu gekauft, mit 120.000 km verkauft)
    2000 – 2004 Yamaha XJR 1300
    2016 wieder eingestiegen mit der E-Glide

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  5. Ok, DAS kann ich nachvollziehen. Väter junger Kinder sollten nicht fahren. Und manchmal braucht man eine Auszeit – ich hatte auch mal 10 Jahre oder so Pause. In deiner Chronologie hast du dich immer schön gesteigert 🙂

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  6. Zu viele Regeln für meinen Geschmack. Ich mache jetzt einfach eine neue Trophy auf: der Eiserne Arsch. Wird verliehen für Strecke über 1.000 km in 24h in Europa. Nachweis per GPX-File.

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  7. schnorpser

    Na da bin ich mal gespannt, was da noch kommen wird. Warum Kette defekt? Warum nicht gewechselt? Und die anderen Punkte, welche Du schon angesprochen hast.
    Deine Berichte lesen sich wirklich toll. Herzlichen Dank für diese kurzweilige Lektüre!

    Gefällt 1 Person

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