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Die Diskussion um die Diskrimierung von… Nazis?

16 Okt

„Wolfenstein“ ist eine Videospielreihe. Inhalt: In einer alternativen Zeitlinie haben die Nazis den Krieg gewonnen und beherrschen die Welt, nur der Spielercharakter leistet noch Widerstand und kämpft gegen das Regime. Wolfenstein ist ein klassischer First-Person-Shooter, dementsprechend kommen beim Widerstandskampf Schrotflinten, Kettensägen und Plasmagewehre aus der Ich-Perspektive zum Einsatz. Das ist nicht unblutig und in Deutschland eh´ aufgrund der verfassungswidrigen Symbole geschnitten. Der besondere Reiz des Spiels liegt in der Kombination aus adrenalinpumpender Action und wohligem Grusel, den alternative Nazizeitlinien auslösen.

Das ist alles nicht neu, die erste Version von Wolfenstein datiert auf das Jahr 1981. Mittlerweile gibt es mindestens 7 Nachfolger, der neueste wird in zwei Wochen veröffentlicht. Teil der Werbekampagne ist ein TV-Spot, der zeigt, wie Nazitruppen durch die Straßen einer amerikanischen Stadt marschieren. Dazu gibt ein Overlay mit dem Text „Not my America“. Der Spot wurde auf Twitter mit dem Text „Make America Nazi-Free again“ und dem Hashatg #NoMoreNazis gepostet.

Klar sind das Anspielungen auf die Trump-Kampagne. Das ist nicht bemerkenswert. Bemerkenswert war der Ausbruch an Reaktionen der amerikanischen Nazis, der sog. Alt-Right-Bewegung. Die meinten nämlich im Juni kund tun zu müssen, dass es ja voll unfair sei, dass jetzt sogar schon Computerspiele gegen Nazis hetzen, weil, nun, da sei doch auch nicht alles schlecht gewesen.

Und überhaupt, warum können sich Computerspiele nicht aus Politik raushalten?

Andere fanden die Bilder von marschierenden Nazis so motivierend, dass sie Nachahmungseffekte befürchten:

In der Folge gab es einen lautstarken Shitstorm. Die Herstellerfirma von Wolfenstein wurde als Unterstützer der Antifa (und damit als Terrorhelfer) und als „SJW“, (Social Justice Warrior, das amerikanische Pendant zu „Gutmschenschen“) beschimpft, und es wurde eine „differenzierte und tolerante Haltung“ gegenüber Rechtsextremen gefordert.

Das ist also der Einfluß der neuen Rechten, der Alt-Right, und soweit ist er schon gekommen: Es wird ernsthaft und offen darüber geklagt, dass Nazis in Videospielen die Bösen sind. Das Nazis nicht die guten sein können war bislang gesellschaftlicher Konsens und stand NIE zur Disposition. Bis jetzt. Im Jahr 2017 wird das als politisches Statement wahrgenommen, und zwar als eines, das Rechte diskriminiert.

Produzent Pete Hines sah sich schließlich zu einem Statement veranlasst:

„Wolfenstein has been a decidedly anti-Nazi series since the first release more than 20 years ago. We aren’t going to shy away from what the game is about. We don’t feel it’s a reach for us to say Nazis are bad and un-American, and we’re not worried about being on the right side of history here.“
– Pete Hines, Bethesda

Die Reaktion von Bethesda ist natürlich fraglos richtig. Das hier gar nicht erst der Versuch gemacht wird, auf die Toleranzschiene zu gehen und sich in eine Diskussion verwickeln zu lassen, muss man ihnen hoch anrechnen. Denn Rechte haben das Recht auf Toleranz und Meinungsfreiheit verwirkt, und wer es ihnen zubilligt ist dumm. Das sage ich, und das sagten selbst die Nazis.

Hier ein Ausschnitt aus einer Rede von Goebbels, der gerade auf Twitter rumgereicht wird. Er hielt sie 1935 unter lautem Gelächter und Beifall seiner Parteigenosseen, und was er sagt ist bemerkenswert.

„Wenn unsere Gegner sagen: Ja, wir haben EUCH doch früher die Meinung – die Freiheit der Meinung – zugebilligt, ja IHR uns, das ist ja kein Beweis, dass wir das EUCH auch tuen sollen! Eure Dummheit braucht doch nicht auf uns ansteckend zu wirken! Daß Ihr das uns gegeben habt, das ist ja ein Beweis dafür, WIE DUMM Ihr seid!“

In diesem Sinn: Keine Toleranz gegenüber „Neue Rechten“, „Identitären“, „besorgten Bürgern“ oder wie sich Neo-Nazis sonst nennen, weder auf der Buchmesse noch in Talkshows oder bei so trivialen scheinenden Themen wie Computerspielen.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 16. Oktober 2017 in Betrachtung

 

Eine Antwort zu “Die Diskussion um die Diskrimierung von… Nazis?

  1. Wolfgang

    16. Oktober 2017 at 15:22

    Uneingeschränkte Zustimmung.

    Gefällt mir

     

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