Impressionen eines Wochenendes (17): Kunsthalle HGN „Mit offenen Augen – Die Welt der 50er“

Duderstadt ist mitten im Eichsfeld, einer strukturschwachen, radikal-katholischen Enklave zwischen dem protestantischen Südniedersachsen und Thüringen. Duderstadt ist ein hübsches Städtchen mit einem mittelalterlichen Kern. Vor allem ist es eine Stadt mit einem Mäzen: Hans-Georg Näder ist Inhaber und Leiter des Otto-Bock-Konzerns, Milliardär und Kunstliebhaber. Ihm liegt Duderstadt am Herzen, weshalb er regelmäßig mit Bevölkerung und Politik Zukunftspläne erarbeitet und die – sofern sie tragfähig und nachhaltig sind – finanziert.

Näder lässt die Region gerne an dem teilhaben, was er besitzt. Er hat eine eigene Kunsthalle gebaut, die über Duderstadt blickt und in der regelmäßig Ausstellungen aus seinen Sammlungen gezeigt werden. Der Eintritt ist kostenlos. Im Vorgarten steht ein Chevrolet Bel Air, ein Traum in Mintgrün, und stimmt schon mal auf die USA in den 50er Jahren ein.


Aktuell werden in der Kunsthalle Bilder gezeigt, die Hans-Georg Näders Vater Max in den 50ern in den USA aufgenommen hat. Zu sehen sind Aufnahmen aus dem Alltag – Menschen auf den Straßen in Atlanta und New York, Reiseaufnahmen aus einem Zug, Arbeiter auf den Feldern. Zeitgeschichtliche Zeugnisse, die einen lebendigen Eindruck vom Alltag der Menschen vermitteln. Ich habe eine thematisch ähnliche Ausstellung schon mal in der Tate Modern in London gesehen und muss sagen: Die Bilder von Näder sind besser.

Dazu gibt es eine Zeitung für alle Besucher, in der die Reiseberichte von Max Näders Frau Maria abgedruckt sind. Die lesen sich spannend – „einmal ist man überwältigt, dann wieder entsetzt. Es ist ein Land voller Gegensätze“, schreibt sie über die USA.

Die Nachbarn machen übrigens auch Kunst:

9 Gedanken zu “Impressionen eines Wochenendes (17): Kunsthalle HGN „Mit offenen Augen – Die Welt der 50er“

  1. Duderstadt, das Teil mit den gedrehten goldfarbenen Kirchtürmen, dem rosenquarzgepflasterten Marktplatz mit renovierten Häusern, an denen ausschließlich Kupferdachrinnen dran sind.
    Erstaunlich, wie sich das Städtchen mit Hilfe des Ostzuschlages schon kurz nach der Wende herausgeputzt hatte. Hatte mir gut gefallen.
    Warum ich das weis? Die Kur in Bd. Sooden sowie die Freizeitbeschäftigung des „Sehens“ war schuld daran. Kurze Zeit nach der „Wiedervereinigung“.

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  2. Das hat man hier, im früheren Zonenrandgebiet, viel. Die Innenstädte wurden all die DDR-Jahre seit dem Krieg nicht verändert, und nach der Wende aufwendig saniert. Heiligenstadt ist auch so ein Schmuckstück.

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  3. LaZimt

    Nur das die Städte auf der Westseite der alten Zonengrenze (so wie Duderstadt) meines Wissens keinen Pfennig von den Aufbau-Ost-Milliarden gesehen haben.

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  4. LaZimt: nichtsdestotrotz hat Dudeltown davon (und vom Boom nach der Wende) profitiert. Das es der Stadt letztlich aber wegen des Otto-Bock-Engagements so gut geht, wird glaube ich deutlich.

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