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Impressionen eines Wochenendes (17-2): Dudeltown City

07 Nov

Duderstadt ist Eichsfeld, eine radikal-katholische Enklave mitten im protestantischen Südniedersachsen. Dank des Otto-Bock-Konzerns geht es der Stadt gut, und das sieht man: Die Innenstadt ist hübsch und gepflegt, und neue, von Hans-Georh Näder gesponsorte, Museumsbauten verbinden Mittelalter und Moderne. Wie das Schützenmuseum, das von einem mittelalterlichen Fachwerkhaus in ein goldblitzendes Metallobjekt übergeht, in dem man eher ein Guggenheim erwarten würde.

Der Turm der Stadtmauer ist verdreht. Das ist keine Absicht gewesen, sondern ein Baufehler. Fehlende Stützen und falsch berechnete Statik haben das Turmdach in sich selbst gedreht bis es zu kollabieren drohte. Jetzt ist es stabilisiert.

Besonders beeindruckend ist eine Tour durch das alte Rathaus. Auf 5 Stockwerken erfährt man Interessantes aus 800 Jahren Geschichte der Stadt. So war Duderstadt im Mittelalter wichtig und reich, weil es an der Kreuzung von Handelsrouten von Nürnberg nach Kiel und von Leipzig nach Köln lag. 200 Jahre später rang der Weg durchs Leinetal der alten Route den Rang ab, und mit Duderstadt ging es bergab.

Multimedinstallation: Der Lichtpunkt fungiert als „Richtmikro“. Wo man es im Bild hinrichtet, erklingen aufwendig produzierte Dialoge und Soundschnipsel.

Schützenkette von 1902. Jeder König fügte ein Symbol hinzu. Auf die Idee einen Korkenzieher einzubauen ist aber niemand gekommen, dabei wäre das so praktisch!

Auch einen Folterkeller gibt es. Folter war normal und galt als Reinigungsprozess. Beliebt war auch das Göttliche Urteil: Der Delinquent musste ein heißes Eisen anfassen. Entzündete sich die Brandwunde, war er schuldig.

Im 19. Jahrhundert wurde es dann richtig schlimm, das Eichsfeld galt als das Armenhaus Preussens. Viele Menschen wanderten damals von hier in die USA aus, ihre Siedlungen waren u.a. ein Nukleus für den Bible Belt. Diejenigen, die in Duderstadt blieben, versuchten ihr Glück im Tabakanbau. Das lief auch ganz gut, überall standen Tabaktrockenhäuder herum. Bis dann um 1960 herum ein Schädling einfiel, und innerhalb von 10 Jahren gab es keine Tabakindustrie mehr.

Der Hijab des Eichsfelds: Traditionelle Trauerkleidung.

Der Tagesablauf eines Schulkindes: Aufstehen um 04:30 Uhr, in den Schulpausen Gartenarbeit.

Kirchen hat Duderstadt auch, wobei die Basilika St. Cyriakus eher ein Dom ist. Hier finden auch schon mal Fernsehmessen des ZDF statt.

Die St. Servatius Kirche ist dagegen fast bescheiden.

Dudeltown ist einen Besuch wert, und sei es nur, um entspannt einen Kaffee zu trinken. Auch und gerade für Moppedfahrer, wie eine dunkelblaue ZZR 600 bewies, die ich aus dem Forum zu kennen glaube.

Achja, das Wochenende klang mit Grünkohl und Bregenwurst aus!

 
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Verfasst von - 7. November 2017 in Reisen

 

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