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Momentaufnahme: November 2017

30 Nov

Herr Silencer im November 2017
„…und gleich ist wieder Weihnachten!“

Wetter: Grau, Regen, kalt – der Monat startet mit nachts 4, tagsüber 6 Grad Celsius. Dann wird es kälter und dunkler, zur Monatsmitte nähern wir uns zum ersten Mal dem Gefrierpunkt. Unerwartet kommen um den 20. noch einmal Sonnenschein und 15 Grad um die Ecke, aber nicht lange – am Ende des Monats kommen wir bei 2 Grad und SChneefall an.

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Lesen:

Dan Brown: Origin
Ein unermesslich reicher, unglaublich cooler, so schöner, unfassbar intelligenter und gut riechender Mensch verkündet den Religionsführern der Welt, dass er in einem Monat irgendwas veröffentlichen wird, das sämtliche Glaubenssysteme auf der Welt zerstören kann. Folgerichtig ist er eine Woche später tot. Nur gut das Tom Hanks, der 1,80 große, Tweedsakko tragende Symbololologe mit dem fotografischen Gedächtnis, der Mentor des toten Typen war. Zusammen mit einer superschönen Spanierin und einer britischen KI macht sich Hanks daran rauszufinden, was denn jetzt eigentlich so wichtig war.

Ich gebe es zu: Ich war mal ein Riesen Fan von Dan-Brown-Romanen, mittlerweile ertrage ich die nur noch unter Schmerzen. Woran das liegt? Ganz einfach: Brown ist kein guter Autor. Seine Bücher sind immer nach dem gleichen Muster zusammengeklebt: Die gleichen, mit der Kettensäge aus Holz geschnitzten Figuren tauchen in jedem Werk auf: Das große Geheimnis. Ein Mord. Langdons unwahrscheinliche Verbindung dazu. Die Schnitzeljagd rund um die Welt. Grützedoofe Nebencharaktere. Der (religiös motivierte) Killer auf seiner Fährte. Die hübsche Doofe, die nur mit Langdon flüchtet, damit er ihr die ganze Zeit die Handlung mansplainen kann. Letztlich bleibt immer nur die – zugegebenermaßen stets gut geklaute – Grundidee, die auf den letzten Seiten als Storytwist daherkommt, aber in einem Haufen zusammenhangloser Episoden ohne Bezug zueinander untergeht. Seit dem Erfolg von „Sakrileg“ traut sich anscheinend auch kein Lektor mehr an sein Geschreibsel, anders sind die nachgerade albernen Charaktere und die adjektivüberladenen Beschreibungen nicht zu erklären. Ob der obligatorische Twist am Ende die Qual der Brown´schen Prosa wert ist, kann ich aktuell noch nicht sagen – ich komme mit dem Dinge einfach nicht zu Ende.

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Hören:

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Sehen:

Frau Müller muss weg [Theater im OP]
Helikopter-Eltern fordern eine Grundschullehrerin auf ihre Klasse abzugeben. Sie würde die Kinder überfordern, und dabei stehen doch die Zeugnisse für weiterführende Schulen bevor.

Selten so viel gelacht im Theater. Eltern, die allen anderen und nur nicht sich selbst Schuld an ihren missratenen Gören geben und sich im Verlauf eines Abends gegenseitig zerfleischen. Tolles Ausgangsmaterial, super gespielt.

Justice League [Kino]
Superman ist tot, die Welt hat alle Hoffnung verloren. Außerdem sind Aliens hinter drei Lootboxen her, die irgendwo auf der Erde rumgammeln. Irgendwie riecht Batman das und kommt auf die abwegige Idee ein Team zu gründen, um die Welt gegen einen CGI-Aushilfsteufel zu verteidigen. Doof nur, das ihm dafür nur so Ottos wie Wasserman, Blitzjunge, ein Zombie und ein depressiver Cyborg zur Seite stehen.

Ach, es ist wie meistens bei DC-Comicverfilmungen. „Justice League“ ist der übliche, schlechte Zak Snyder-Unfug, der sich damit nahtlos in den Lattendoofen und nicht mal unterhaltsamen Quatsch wie „Man of Steel“ und „Batman v. Superman“ einreiht. Anders als bei Konkurrent Marvel gibt es bei DC keine Vision, keinen Plan, keine Aussage, keine Charaktere, kein Gefühl. Eben ein typischer Zac Snyder-Film. Allerdings stieg der Nazieulenfilmmann kurz vor Ende aus, und Joss „Avengers“ Whedon sollte es richten.

Das hat nicht so richtig geklappt. Snyder-typisch ist der ganze Film ist eine einzige, zusammenhanglose Aneinanderreihung von dummen Szenen. Die sind stellenweise nett gefilmt, manchmal aber auch einfach schlecht getrickst, Sinn ergibt das Ganze aber nicht.

An manchen Stellen merkt man, dass Whedon versucht hat durch Nachdrehs sinnvolle Dialoge unterzubringen – aber das ändert nichts am Resultat. DC schafft es nicht, die Figuren aus den 1940er Jahren spannend und sinnvoll in die Gegenwart zu bringen. „Supermann“ mag vor 80 Jahren gerockt haben, heute ist die Figur so charakterlos und langweilig, dass man sie hätte im Grab lassen sollen. „Batman“ in der Snyderversion ist nachgerade albern, kein Vergleich zu Nolans düsteren „Dark Knight“. Die einzig coole und funktionierende Figur ist ausgerechnet Gal Gadots „Wonderwoman“, die Szenen voller Wucht hat und ausnahmslos immr rockt, wenn sie auf der Leinwand ist. Aber der Charakter wurde auch von Patti Jenkins transponiert – einer Regisseurin mit einer Vision, die über Nazieulen hinausgeht.

Transformers – The Last Knight [PSN]
Warum kommen die Transformers immer wieder? Anthony Hopkins weiß es: Weil irgendso ein Dings auf der Erde versteckt ist, das voll wichtig ist. Die Jagd auf das Dings ist diesmal schwerer, weil eine Metalische Optimus Prime umgepolt hat.

Ich würde ja sagen: Die Transformers kommen immer wieder, weil das Krachbumm-Spektakel an den Kinokassen so viel Kohle macht. „The Last knight“ ist inhaltlich und wirtschaftlich zwar der schwächste Film der Reihe, war aber in China so beliebt, dass eine weitere Fortsetzung bestimmt kommt. Und warum auch nicht? Riesenroboter, schöne Menschen, hektische Krawallaction und dazu Michael Bays pompöse Bildkreationen funktionieren fast immer. Worum es am Ende ging? Egal. Das einzige was hängenbleiben wird, sind Transformers, die im zweiten Weltkrieg Nazis umbringen.

Despicable Me 3 [PSN]
Der ehemalige Superschurke Gru arbeitet mittlerweile als Geheimagent für die guten und kann damit sein Bösewicht-Reihenhaus halten und seine drei Adoptivtöchter versorgen. Das ändert sich, als er nach einem verpatzten Auftrag gefeuert wird. Es fügt sich, das kriminelle Verwandschaft auftaucht und auch die Minions endlich wieder richtig böse sein wollen. Gru gerät in Versuchung.

Ah, herrlich. Wirklich, ganz, ganz große Kunst. Dieser Film dreht erzählerisch und grafisch alle Regler auf 11. Allein die Animationen sind so fein beobachtet und umgesetzt, dass selbst kleinste Nuancen der Charaktere in Körpersprache rüberkommen. Auch storytechnisch bleibt einem ständig der Mund offen stehen. Besonders als Kind der 80er wird man immer wieder rufen: „Ja! Genau so war das damals!“

Thor: Ragnarok [Kino]
Hela, die Göttin des Todes, wird aus ihrem Gefängnis befreit. Ihr Ziel: Alles unterjochen. Und das sie mächtiger ist als Thor und Hulk zusammen, kann sie auch keiner aufhalten.

Wow. Ein Marvelfilm mit Humor und cooler Geschichte. Cate Blanchett als superböser Catsuit-Göttin könnte ich stundenlang zusehen, und Jeff Goldblums Schauspiel ist die beste Performance, die ich je von ihm gesehen habe. Genervt hat mich nur das quietschige Weltdesign auf dem Schrottplaneten, ein kleiner Hänger im Mittelteil und das echt schlechte CGI in manchen Szenen, insbesondere den von New York nach Norwegen exportierten. Dennoch großer Spaß und definitiv der beste Marvel Film in diesem Jahr.

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Spielen:

Wolfenstein: The new Colossus
Das Jahr 1960: Die Nazis haben den Krieg gewonnen. In den USA hat sich der weiße Mittelstand mit der Ideologie der Besatz schnell arrangieren können, nennenswerten Widerstand gibt es nicht. Den versucht nun BJ Blaskowicz zu organisieren. Problem dabei: Nach der finalen Konfrontation mit General Strasse ist Blaskowiczs Körper hinüber, er kann nicht mehr laufen, die Organe versagen. Lediglich ein Da´at Ychud-Anzug hält ihn noch am Leben. In der wenigen Zeit die ihm bleibt, versucht er die Welt zu verbessern und findet verbündete in jenen, die vom Naziregime gejagt und unterdrückt werden: Farbige, Behinderte, Frauen. Am meisten macht ihm dabei zu schaffen, dass er die Geburt seiner Kinder nicht mehr erleben wird.

Woah, viel Stoff für einen Shooter. Und tatsächlich ist „Wolfenstein II“ viel mehr als ein Ballergame. Das liegt an der überbordenden Story, die kohärent und in zusammengenommen sicher zwei Stunden langen Zwischensequenzen toll verfilmt und mit Over-the-Top-Charakteren erzählt wird, inkl. Beziehungsdramen und Tarantino-haften Einschüben. Das liegt an dem gruseligen Szenario, in dem Nazisoldaten in den Straßen amerikanischer Kleinstädte die Geschichtskenntnisse von Klu-Klux-Klan-Anhängern abfragen. Das liegt auch am gnadenlosen Antifaschismus des Spiels: Nazis werde hier nie glorifiziert, und das Statement des Spiels ist beunruhigend: So lange es die weiße Mittelschicht nicht selber trifft, arrangiert sie sich mit allem.

Wolfenstein entfaltet seine Wucht auch über die Schauplätze: Planet Venus! Fliegende Flugzeugträger! Ein verstrahltes New York! Roswell!. Was leider nur so mittel funktioniert ist das Gameplay. Wolfenstein II ist schon auf der mittleren Stufe viel zu schwer, selbst beim vorsichtigen Schleichen wird man ständig entdeckt und stirbt tausend Tode. Auf der einfachsten Stufe ist es dann aber gleich zu leicht und bietet gar keine Herausforderung mehr. Irgendwas stimmt da mit der Balance nicht. Ist aber egal, weil: Sehr gutes Spiel, viel Spaß dran gehabt.

Assassins Creed: Origins
Ägypten, 49 vor Christus: Bayek ist ein Medjay, eine Art Sheriff. Als solcher soll er eigentlich auf seinem Kamel von Oase zu Oase reiten und Leuten helfen, aber Bayek hat anderes im Sinn. Seitdem maskierte Nobelmänner seinen Sohn getötet haben, spürt er einer Verschwörung hinterher, in der auch der Kindpharaoh Ptolemäus verstrickt zu sein scheint. Zum Glück unterstützt Ptolemäus´ Schwester und Gemahlin (!) Kleopatra den Medjay bei seinem Feldzug. Das Bayeks Frau Aya für Kleopatra Geheimaufträge im Ausland erledigt, passt sich das ganz gut.

Uh. Was. Ist. Das. Denn.
Einerseits ist AC:O ein wunderschönes Spiel: Das komplette Ägypten ist simuliert, mit Wüsten, Pyramiden, Oasen und dem fruchtbaren Nilufer. Große Städte wie Memphis und Alexandria sind nachgebaut, es gibt einen Tag-/Nachtwechsel, Wasser-, Tier- und Pflanzenwelt ist wundervoll und wirklich fotoralistisch gestaltet. Wüsten, Berge, Oasen…. darin kann man sich verlieren, das ist ausnahmslos toll. Kein Wunder, das Spiel ist von den gleichen Leuten, die auch schon das hübsche „Black Flag“ gemacht haben. Hier ist die Schönheit gut zu sehen:

In dieser schönen und lebendigen Welt stehen NPC rum die allesamt aussehen als hätten sie schlimme Autounfälle gehabt. Pottehässliche und leblose Gesichter, Animationen aus dem Holzbaukasten. Apropos Baukasten: Aus dem sind auch die Nebenmissionen, die man jetzt absolvieren MUSS, denn AC:O nutzt ein RPG-System. Das ist nett und fühlt sich in den besten Momenten sehr nach „Witcher III“ an, erreicht aber nie die Tiefe des Vorbilds.

Die Nebenmissionen sind allesamt uninteressant und werden von den jammerlappigen, hässlichen NPCs overacted vorgetragen – das war das erste Mal, dass ich Dialoge beständig einfach abgebrochen habe, weil sie nervig und dumm waren, und mir einfach nur auf der Karte das Missionsziel anzeigen ließ. Was folgt, ist immer das gleiche: Geh dahin, untersuch den Tatort, verhaue Römer oder Krokodile. Letztlich bleibt nur ein Gefühl von repetitiven Grind – der sich „dank“ Mikrotransaktionen abkürzen lässt: Durch das Einwerfen von Echtgeld lässt sich Spielfortschritt erkaufen, und auch eine dieser verdammenswerten Lootboxmechaniken ist vorhanden. Die stört zwar im Spiel nicht, aber trotzdem: Das ist Glücksspiel und damit verdammenswert und bäh.

Das Design der Hauptmissionen ist besser, aber sie sind zu selten um eine zusammenhängende Narration zu ergeben. Da die Charaktere, inklusive Bayek, flach gezeichnet sind und sich inkonsistent verhalten, ist die Geschichte bis zum letzten Drittel der Laufzeit egal. Dann dreht die Story etwas auf, ist unlogisch und dann ratzfatz vorbei. Das Finale spielt man nicht mal mit der Figur, die man so mühsam hochgelevelt hat – WTF?! Immerhin wird die Gründung der Assasinen befriedigend und mit einem netten Twist erklärt. Das lässt einen durchaus zufrieden aus dem Spiel gehen, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass „Origins“ das gleiche Problem hat wie „Black Flag“.

Das war auch toll anzusehen, aber weil alles andere letztlich egal war, war es es kein besonders Gutes Spiel – und ein echt schlechtes Assassins Creed. Was ebenfalls gelitten hat sind die Gamemechaniken. Assassins Creed setzte immer auf schleichen, klettern und kämpfen, wobei schleichen nie gut funktionierte. In „Origins“ funktioniert schleichen sehr gut, dafür sind Parcours und Kampf kaputt. Statt auf ein „Arkham“-Kampfsystem setzt man auf das von Dark Souls, minus dessen Agilität. Die Folge: In Kämpfen lässt sich die Figur nicht kontrolliert und direkt steuern, ständig macht sie was sie will. Damit verkommen Kämpfe zu dummem Buttonmashing. Und weil es allen Ernstes Bossgegner gibt, geht der Spielspaß in den Keller.

„Origins“ ist die Kardashian unter den Assassins Creeds: Hübsch anzusehen, aber unter der Oberfläche rotzdumm.

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Machen:
Konferenzen! König der Löwen! Wischmeyer!

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Neues Spielzeug:
Ein NAS, ein Synology DS 218+

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 30. November 2017 in Momentaufnahme

 

Eine Antwort zu “Momentaufnahme: November 2017

  1. ruediger

    30. November 2017 at 11:20

    Mir geht es mit Dan Brown schon seit seinem ersten Buch so. Nur kann ich es nicht so schön und treffsicher formulieren wie Du oben. *kudos

    Was Wolfenstein angeht, auf Steam hatte ich der Versuchung dann doch erfolgreich widerstanden, ich kann diese NaziScheisse (egal wie futuristisch sie gestaltet ist) nicht mehr sehen. Das heisst nicht das ich es gutheiße oder ignorieren, ich mag mich mit dem ganzen Themenumkreis in meiner Freizeit außerhalb der Nachrichten nicht mehr beschäftigen.

    Gefällt 1 Person

     

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