Runderneuert

Herr Silencer rüstet seinen PC ab und den Haushalt auf.

Vor zwei Wochen machte ein Windowsupdate die Treiber meiner noch gut funktionierenden Grafikkarte platt. Die Folge: Windows dachte, die Rechner hätte nur einen Ausgang und zeigte das selbe Bild auf beiden Monitoren an. Ist natürlich Schwachsinn, ließ sich aber nicht mehr ändern.

Ich wurde neulich auf Twitter als Apple Fanboy bezeichnet. Das war als Beschimpfung gemeint, aber jetzt mal ehrlich: Was Nachhaltigkeit angeht, ist Apple ungeschlagen. Die unterstützen Ihre Geräte mindestens 5 Jahre mit Updates, und danach kann man sie immer noch weiterverwenden – wenn auch ggf. nicht mit allen Funktionen.

In der Windowswelt werden dagegen Hardwarekomponenten per Software vorsätzlich abgeschossen. Meine Grafikkarte ist nur ein solches Beispiel, viele andere finden sich vor allem im Bereich Drucker – plötzlich tut der 3 Jahre alte Canon Pixma nicht mehr, weil Windows die alten Treiber wegwirft und keine neuen hat.

Ist scheiße und gehört ordentlich angeprangert, denn was die Hersteller hier machen ist nichts anderes als Marktankurberlung per Software. „Du, die Zahlen im dritten Quartal sind nicht so toll“ – „Dann lass mal an Microsoft melden das wir für die keine Win10-Unterstützung anbieten und die per Update alle 2014er Baureihen abschalten, dann müssen alle was neues kaufen, hihi“. Verachtenswert.

Nachdem der erste Ärger verraucht war, Begriff ich das Ganze als eine gute Gelegenheit mal grundsätzliche über die digitale Infrastuktur bei mir zu Hause nachzudenken.

Der PC ist sieben, fast acht Jahre alt. Habe ich damals selbst gebaut, aus ausgesuchten Komponenten. Deshalb performt die Kiste auch heute noch.

Vor sieben Jahren hatte man einen Rechner zum Arbeiten, spielen, Internet und als Datenlager. Dementsprechend brauchte es einen potenten PC mit möglichst viel Power und Speicher. Und weil ich ein Spielkind war und bin, wurde das ohnehin schon knallige PC-Gehäuse damals mit leuchtenden Lüftern und Füßen sowie coolen Retro-Schaltern und Anzeigen gemoddet. War ich unheimlich stolz drauf. Das auf dem Bild oben ist die Kiste. Würde ich so heute nicht mehr bauen, aber vor 10 Jahren (das Gehäuse beherbergte schon mehrere Innenleben) fand ich das cool. Früher leuchte sie noch mehr, aber das rundrumlaufende Leuchtband und die Leuchtfüße waren dann irgendwann doch too much.

Blau leuchtend war der letzte Schrei im Jahr 2009. Und dann noch Gehäuselüfter in Turbinenform!

Seitenlüfter mit „Biohazard“-Abdeckung.

Anzeige für Temperatur und Lautstärke. Warum oben links ein Hund ist weiß ich nicht, der wackelt im Betrieb mit dem Schwanz.

Eigenbau mit 3 Festplatten und einer SSD.

Heute mag ich es wesentlich reduzierter. Was sich auch nicht mehr wegdiskutieren lässt: Der digitale Alltag ist mittlerweile ein anderer. Vernetzung ist überall, heute dreht sich nicht mehr alles um einen zentralen PC. Heute nutze ich zum Spielen und für Medienkonsum Konsolen, für Internet ein Netbook, für viele andere Sachen das Smartphone. Also mehrere Geräte, die untereinander aber nicht gut vernetzt waren. Urlaubsbilder auf dem Beamer angucken? Ging nur, wenn der PC im Arbeitszimmer läuft und die Playstation auf ihn zugreifen kann.

Im Zuge des Windows-FuckUp entstand jetzt der Wunsch, vom Konzept des All-in-One-PCs Abschied zu nehmen, ihn durch was stromsparenderes zu ersetzen und stattdessen auf ordentliche Datenhaltung im Netzwerk umzustellen. Das stellte sich aber als nicht einfach heraus. Wenn man nämlich einmal irgendwo anfängt eine Komponente eines alten Systems zu ersetzen, dann zieht das schnell ausufernde Kreise. Wie der Faden, an dem man kurz mal rumzupft, und schon ist der halbe Pulli aufgeribbelt.

Im ersten Schritt wurde eine neue Grafikkarte angeschafft, eine GeForce GT 730 von NVIDIA. Ist mit 40 Euro billig, stromsparend, passiv gekühlt und dadurch lautlos. Das löste aber mein Monitorproblem nur begrenzt, denn es gibt keine Grafikkarten mehr mit zwei analogen Ausgängen. Also einen neuen digitalen Monitor gekauft, irgendwas billiges von LG.

Den alten Hauptmonitor hatte ich vom ersten Gehalt in der meiner jetzigen Firma gekauft, der muss 13 Jahre alt sein. Zwischen dem alten und dem neuen Monitor liegen krasse Welten, denn der neue ist mit 27 Zoll und Breitbild nicht nur viel größer, auch die Bildschärfe und Farbwiedergabe ist eine ganz andere Liga.

Als Nächstes wurde ein NAS beschafft. Das ist ein Minirechner, der als Server fungiert und im Netzwerk Speicher zur Verfügung stellt. Nach einiger Suche und mit Hilfe von Rüdiger wurde es eine Diskstation von Synology, eine DS218+. Das Plus steht für einen Intelprozessor. Es gibt auch 218-Versionen mit anderen Prozessoren, aber davon wurde mir klar abgeraten. Die will man tatsächlich nicht, mer siehe unten.

Die DS218+ hat zwei Slots für Festplatten, die nun von Western Digital RED Serverplatten belegt sind. Jede hat 4 Terabyte, was gerade das beste Preis/Leistungsverhältnis darstellt. Die Platten werden im RAID1 betrieben. Geht eine kaputt, ist alles noch auf der anderen verfügbar.

Außer Platten steckt nur noch ein Lüfter im Gehäuse. Der arbeitet nicht unhörbar, aber doch so leise, dass sich das in meinem Wohnzimmer versendet. Das NAS steht unauffällig in einer Ecke in der Nähe des Routers, die LED an der Front sind per Software so runtergedimmt, dass sie nicht auffallen.

Die Synology kann mehr als nur Daten speichern. Sie ist auch Medienzentrale, die Bilder, Musik und Videos verwaltet und je nach Anforderung auch on the fly transkodiert. Sie bringt eigene Apps mit, die z.B. Bilder vom Smartphone automatisch wegsichern sobald ich die Wohnung betrete. Und man kann sie nach außen aufmachen, d.h. ich käme sogar von unterwegs und übers Internet an meine Daten, wenn ich das wollte. Oder ich könnte eine private Owncloud aufmachen, was aber aufgrund der schlechten Internetanbindung hier auf dem Dorf witzlos ist.

Aufbau und Konfiguration der Diskstation ist superschnell gemacht: An den WLAN-Router per Kabel angeschlossen, auf dem PC eine Website aufgerufen, Zack, richtet sich das Ding von selbst ein.

Problematisch war es nur die Daten da drauf zu bekommen. Über WLAN wäre das gar nicht gegangen, also habe ich den PC ins Wohnzimmer getragen und direkt per Kabel über die Fritzbox auf die Synology zugegriffen. Was ich nicht gedacht hätte: Auch das ging nur quälend langsam, denn in meiner alten FritzBox steckt nur ein 100 MBit-Switch.

Nachdem die Übertragung der ersten 100 Gigabyte schon 4 Stunden dauerte, hatte ich die Faxen dicke und habe die 2 Terabyte Daten über eine externe USB 3.0 Platte kopiert. Externe Platte an den PC, Daten kopiert, dann ans NAS, Daten rübergzogen. Für die Aktion musste ich übrigens im Synology Store für rund 4 Dollar das Paket „ExFat-Support“ kaufen, sonst nimmt das NAS die externe Platte nicht.

Kabelsalat.

Sind einmal alle Daten auf das NAS kopiert, fängt das an zu rechnen. Es indexiert Videos und Bilder und generiert Thumbnails. Das dauert lange, selbst mit dem verhältnismäßig potenten Intel-Dualcore der DS218+. An 130.000 Bildern und 3.000 Videos rechnete das NAS rund sechs volle Tage herum und brauchte dafür nochmal rund 5 Prozent Speicherplatz. Kein Flaschenhals waren übrigens die 2GB Hauptspeicher, es war wirklich immer die CPU, die auf 100 Prozent Anschlag stand. Wie lange so eine Aktion mit den schwachbrüstigen ARM-Prozessoren der kleineren Diskstation-Baureihen dauert, will ich gar nicht wissen.

Ist die Indexierung einmal durch, arbeitet das Ding aber super. Selbst On-The-Fly Transkodierung von Full-HD-Videos und Ausgabe als Stream geht völlig reibungslos. Einziges Problem: Die Videowiedergabe vom NAS auf der PS4 ruckelte. Zunächst hatte ich das Netzwerk im Verdacht.

Immerhin ist die Fritzbox 7170 schon sieben Jahre alt, die darin verbaute Technik stammt aus dem Jahr 2006 und kennt im WLAN nur Bandbreiten bis 54MBit. Brutto, wohlgemerkt, netto kommt da so bei 8 MBit raus. Bedeutet: HD-Filme ruckeln, wenn man sie direkt vom NAS streamt. Uncool, dann kann man es auch gleich sein lassen.

Dank Weihnachtsgeld habe ich mir stattdessen nun auch noch eine neue FritzBox hingestellt.

Die 7580 ist ein Riesenmopped, bringt aber auch ordentlich Leistung und ermöglicht in Kombination mit dem passenden AC 430 Mu-MiMo-Stick (hihihi) WLAN-Raten von brutto 433 MBit. Außerdem kann sie mehrere Nutzer gleichzeitig verarzten („Multi User Multiple Input Multiple Out“, oder eben MuMiMo, hihihi)

Links der neue, rechts der alte Stick.

Das sind netto im 5 GHz-Spektrum zwischen 100 und 200, also genug für HD-Streaming.

Die Einrichtung der Fritzbox hat übrigens 5 Minuten gedauert: Einstellungen der alten Fritzbox per Weboberfläche auf den PC sichern, in die neue hochladen, fertig. Zum Einrichten des Sticks muss der nur einmal in die Fritzbox gesteckt werden. Die richtet den dann selbst mit allen Einstellungen und Zugangsdaten ein, danach steckt man ihn nur noch in den PC und alles läuft von selbst. Prüfen sollte man anschließend nur nochmal die Einstellungen, die es in der alten Fritzbox nicht gab. So kann die 7580 z.B. WPA2-Verschlüsselung mit CCMP, was wesentlich höhere Geschwindigkeiten erlaubt. Die alte WPA und WPA2-Verschlüsselung ist auf 54 MBit limitiert.

Die Geschwindigkeitssteigerung im internen Netz ist spürbar. Datentransfers flutschen wesentlich schneller, und das Beste: Ich kann mit jedem Gerät, sei es Smartphone, PC, Netbook oder einer Spielkonsole, auf meine Musik-, Foto- und Videosammlung zugreifen. Damit kann der alte PC nochmal entschlankt werden: Es ist jetzt nicht mehr nötig, dass er drei fette Festplatten mit sich rumschleppt.

Die Wiedergabe von originärem Full-HD-Material in einem MP4-Container ruckelte auf der PS4 aber trotzdem, selbst per LAN-Kabel. Hier vermute ich Codec-Fuckups in der Medienplayer-Implementierung der PS4. Geholfen hat letztlich ein Eintrag im Medienserver des NAS, hier ist einfach zur Liste der zu transkodierenden Videos „MP4“ hinzuzufügen und schon klappt alles.

Lange Rede, kurzer Sinn: War viel teurer als geplant, aber nun habe ich hier eine neue Infrastruktur, die mich gerade sehr glücklich macht und hoffentlich ein paar Jahre hält.

4 Gedanken zu “Runderneuert

  1. Also Windows hier pauschal als Schuldigen hinzustellen ist natürlich falsch. Die Hersteller müssen Treiber liefern. Windows selbst schaut nur in den Microsoft-Katalog mit den zur Verfügung stehenden Daten. Wenn die Hersteller da nichts nachliefern und das alles außerhalb von Standards läuft, ist das eben nicht möglich, dass das Betriebssystem weiter unterstützen kann.

    Grundsätzlich darf man aber nicht vergessen, dass Consumergeräte günstig sein sollen, das geht eben zu Lasten der Software-Unterstützung. An der Stelle sind Hersteller und Konsumenten gleichermaßen Schuld.

    Mein Laserdrucker ist mittlerweile 14 Jahre alt und läuft an einem 10 Jahre alten LPT-LAN-Adapter. Selbst wenn Brother keine spezifischen Treiber mehr bereitstellen würde, dank PCL6 läuft der auch in Zukunft noch. Von dem LPT-Adapter gar keine Rede, ich glaube der Treiber war ursprünglich für Windows XP, lässt sich aber klaglos auch unter Windows 10 installieren.

    Ansonsten, NAS ist immer ne feine Sache, der eine bemerkts früher, der andere eben später. Auch wenns RAID kann, Backup wäre zusätzlich auch eine gute Idee, denn im ungünstigsten Fall funktioniert die Reinitialisierung einer neugesteckten Platte nicht und man kommt an die Daten nicht ran.

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  2. Da hast Du grundsätzlich recht, eigentlich sind die Hersteller in der Pflicht. In diesem speziellen Fall nervt es mich aber, dass die – eigentlich funktionierenden!- Windows 8.1 Treiber radikal gekickt wurden und sich auch nicht manuell wieder auswählen ließen. Ich verstehe auch bis heute nicht, dass kein Hersteller wirklich langen Softwaresupport als Verkaufsargument entdeckt hat. Stattdessen findet sich Vernachlässigung auch in den Hochpreissegmenten, wie zuletzt die Abkündigung des Harmony-Hubs bei Logitech. Hätten die das durchgezogen wie geplant, wäre die 300 Euro Fernbedienung damit wertlos. Solche Fälle lassen böses für die IoT-Welt ahnen.

    Zusätzliches Backup ist eingerichtet, geht alles alle paar Monate auf eine externe Platte, die außerhäusig liegt.

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  3. Hallo Silencer, hab nur mal wieder vorbei-geguckt. Das Reisetagebuch hab ich noch nicht intus, weil ich weiß, da brauche ich ein bissel Zeit (ich freu mich aber drauf… ). Dachte ich so, guckste hier, kann ja nicht soooo lang sein 😀 Na haste gedacht und ziemlich schnell war ich auch technisch „raus“ 😉 da lassen mich meine Männer gar nicht so ran…und das ist (inzwischen) auch gut so. Wünsche dir weiter viel „Glücklich“ 😉 mit deinem Aufrüst-Umbau und lasse dir ein paar Grüße da… bis dann Miki

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