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Definitionssache

11 Jan

Der Böhmermann bringt es mal wieder auf den Punkt:

 
5 Kommentare

Verfasst von - 11. Januar 2018 in Ganz Kurz

 

5 Antworten zu “Definitionssache

  1. DL650R

    12. Januar 2018 at 16:18

    Bei Böhmermann bin ich immer zwiegespalten, mal trifft er den Nagel unfassbar auf den Kopf – 2017 war der Rant, die Satire bzw. die Kritik an dem deutschen Musikbusiness mit „Menschen Leben Tanzen Welt“ großartig, ähnlich war es als er die Onlinejournalismusverblödung mit Bento durch „Printo“ rekapituliert hat – doch beim Thema rechts gibt es in seiner Sendung leider auch nur eine Schublade für alle und jeden.

    Was sagt er denn mit dieser satirischen Überhöhung aus? Differenzierung sinnlos und albern, alle in einen Topf. Das ist dann „Gesunder Menschenverstand“ heute, wo es früher „Gesundes Volksempfinden“ hieß.

    Da stimmen heutige Schüler vielleicht zu, ich bin aber froh, dass man es sich bei den Nürnberger Prozessen eben nicht so einfach gemacht hat. Genau darum waren diese Prozesse auch für die spätere Bonner Republik so prägend und werden eben nicht als Siegerjustiz wahrgenommen. Einfach mal diese gesamte, besiegte Führung an die Wand stellen – entweder ganz ohne Prozess oder mit Schauprozessen, wie in der DDR, wo vorher schon das Ergebnis fest stand – ist leicht, Verständnis oder Schuldgefühle in der Bevölkerung weckt das aber nicht. Wir hätten heute keine Erinnerungskultur, die Stolpersteine setzt, wenn die alliierten Siegermächte einfach mal jeden Politiker bis runter zum Bürgermeister und jeden Vorstand mittelständischer Unternehmen, die der Rüstungsindustrie irgendetwas geliefert hat, standrechtlich erschossen hätte.

    Nein, in den Nürnberger Prozessen wurde eben nicht so simpel gehandelt sondern es galt tatsächlich der Grundsatz „in dubio pro reo“ was dann auch eine substanzhaltige Anklage beinhalten musste. Am Ende bedeutete das tatsächlich Differenzierung, die darüber entschied, wer zum Tode verurteilt wurde, wer lebenslang in Haft blieb und wer eine befristete Haftstrafe abzusitzen hatte. Auch aus dieser engen Führungsriege aus Böhmermanns Liste oben.

    Man mag sie alle verabscheuen, aber dennoch wäre es falsch gewesen, das Urteil über die, die bis zum Ende im Führerbunker an den Endsieg glaubten und dann die Kinder mit dem Volkssturm in den Tod hetzten, pauschal einfach auf alle auszurollen. Wurde ja auch nicht gemacht. Ein Rudolf Heß, der aus- und in einer absurden Flugaktion nach England eigenmächtig und erfolglos zu Friedenverhandlungen aufbrach, wurde folgerichtig eben nicht hingerichtet.

    Aus meiner Sicht war das ein Vorbild an gewaltenteiliger Gerichtsbarkeit in einer Demokratie. Differenzierung hat für mich nichts Lächerliches, weil ich merke, dass wir in einer Zeit leben, in der Pauschalisierung wieder en vogue ist und Vorverurteilung zum guten Ton zu gehören scheint. Ich fürchte dann immer, dass jeder, der hier lacht, auch eine Pönalisierung beim ersten #metoo-Posting erwartet (und aus der Kachelmann-Affäre nichts gelernt hat) und zu denen gehört, die gerne für „Alkohol am Steuer“ die selbe Strafe verhängen würden, egal ob der Täter am Steuer eines Vierzigtonners oder am Lenker eines Klapprades gesessen hat.

    Fazit: Bin ich nun als Anhänger der differenzierte Betrachtung noch nur altmodisch oder ist auch das inzwischen schon „Nazi“?

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  2. Silencer

    12. Januar 2018 at 16:26

    Kirche -> Dorf, ja? Du machst hier ein ganz anderes Faß auf als es der Tweet eigentlich will.

    Was tut Satire im besten Fall? Sie eröffnet neue Blickwinkel. Böhmermann tut das hier durch das Ziehen einer Parallele, auf die man nicht so ohne weiteres kommt und ermöglicht durch die Anlogien eine Einordnung – wenn auch eine satirisch überspitzte – von Begriffen, die man ansonsten vielleicht nur schwierig verorten kann.

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  3. DL650R

    12. Januar 2018 at 17:17

    Ok, wenn man es so sieht, muss trotzdem bei Eichmann was anderes rein. Mindestens „opportunistischer Schreibtischtäter“.

    Mir gefällt das nicht, wenn echte (!) Nazis mit Worten so verharmlost werden, um dann heute Konservative leichter mit ihnen auf eine Stufe zu stellen. Bei mir schwingt da so eine Ahnung mit, der Böhmermann will sich nur selbst eine Flanke schiessen. Vielleicht dauert es nur wenige Posts, bis er dann Macron als „höchsten Verwaltungsangestellten Frankreichs“ bezeichnet. Oder ungarns Orban. Oder Kickl aus Österreich.

    Nazi oder nicht ist in der Beurteilung der Presse ohnehin für mich immer nur schwer zu ertragen. Mir drehte sich da der Magen um, als sich Ende letzten Jahres in den Nachrufen zu seinem Tod Albert Speer junior darüber ausweinen durfte, dass er in Deutschland nie öffentliche Gebäude oder Plätze gestalten durfte. Mannomann, was für eine Anspruchshaltung vor dem familieren Hintergrund!

    So hart es klingt, aber ich begrüße da auch den erweiterten Selbstmord von Joseph Goebbels. Man stelle sich mal vor, die sechs Kinder hätte es im Nachkriegsdeutschland ebenfalls an zentrale Stellen der Macht gespült und die hätten das als ein ihnen zustehendes Privileg gesehen. Für mich eine noch viel gruseligere Vorstellung als ihr Tod, die Deutschland zum Glück erspart blieb.

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  4. Silencer

    12. Januar 2018 at 23:12

    In dem Text geht es exakt GAR NICHT um oder gegen Konservative. Böhmermann selbst geriert sich gerne selbst als einer. Woher genau kommen diese Befindlichkeiten?

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  5. DL650R

    13. Januar 2018 at 10:46

    Och, ich bin ja notorischer Neo-Magazin-Royal-Seher (aus der Mediathek). Ist für mich noch am ehesten das Format, das in die Fußstapfen der Harald-Schmidt-Show tritt bzw. in die Zeit der Harald-Schmidt-Show mit den überraschenden, anarchistischen Elementen.

    Ich würde da auch nicht sagen, dass sich Böhmermann als Konservativer generiert. Das Auftreten im Anzug ist halt eine Remineszenz an eben Schmidt bzw. ein visuelles Zitat. Ich würde mich ja nicht manchmal echauffieren, wenn die Satire nicht grundsätzlich gut wäre. Allerdings fehlt mir zuweilen der Serdar-Somuncu-Ansatz, der da lautet „Hier wird nicht diskriminiert, hier wird flächendeckend beleidigt“.

    Das merkt man auch nicht immer. Mehrheitlich sogar gar nicht. Aber manchmal schimmert eine unkritische Akzeptanz zur gewaltbereite Antifa durch. Da habe ich dann auch grundsätzlich das Gefühl, mensch, das muss doch jetzt nicht sein.

    Dazu ist natürlich mein Verständnis von satirisch aufgegriffenen Themen auch nicht einen schnellen Lacher zu erhaschen. Ich erwarte von satirischer Überhöhung ja, dass das Thema in die Diskussion kommt und schlussändlich geändert/überarbeitet wird. Wenn ich mich so aber über Diffenrenzierung lustig mache, scheine ich ja zu wollen, das diese entfällt. Aber nur rechts. Wehe dem der dann G20-Chaoten mit der Roten Flora in einen Topf steckt. DAS geht dann natürlich gar nicht. Doch solche Doppelstandards mag ich nicht.

    Nichtsdestotrotz, ich schaue und höre Satire und Kommentare grundsätzlich nicht mit Vorauswahl der politischen Richtung. Meine Vorauswahl besteht darin, ob der Satiriker (oder auch Comedian) die deutsche Sprache wie eine feine Klinge führen kann. Wer plumper artikuliert als ich es tun würde, ist des Zuhörens nicht wert (und hat in meiner Vorstellungswelt damit auch gleich sein ganzes Anliegen diskreditiert). So trauere ich Roger Willemsen nach, schaue Böhmermanns Magazin, schalte aber auch bei Dieter Nuhr ein, wo sich „ideologisch gefestigte“ Linke mit Grausen abwenden würden.

    PS: Mir ist aufgefallen, dass die Dinger, die mir bei Böhmermann aufstoßen, eigentlich immer über vorproduzierte Einspieler reinkommen – meist noch nicht ml durch ihn selber gespielt – und nicht durch eins siner Standups. Das mag Zufall sein, aber ein Magazin – gerade im öffentlich rechtlichen Rundfunk – ist auch immer Gremiumgesteuert. Ob die gleiche Redaktion auch sein Blog betreibt?

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