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Reisetagebuch London 2016 (3): Die seltsame Begegnung mit der Frau in der Nacht

17 Feb

Im Februar 2016 sind Silencer und das Wiesel in London unterwegs. Heute geht es in den Park, das Wiesel boxt mit einem Schwan und lernt eine Bombe zu lieben und eine Frau will kein Eis von mir.

Dienstag, 09.02.2016
Wenn man vom Norfolk Square, wo ich gerade wohne, rechts um die Ecke geht, kommt man zum Bahnhof Paddington. Geht man links rum, landet man im Hydepark. Der ist riesig, zusammen mit dem anschließenden Kensington Garden ist die Grünfläche größer als Monaco.

Hyde Park. Ja, der ist ganz schön groß.

Hier wandere ich durch den Morgennebel und bin an allen Ecken überrascht von der Vielfalt der Flora und Fauna. Eichhörnchen hüppeln durch Gebüsch, überall hocken verschlafen aussehende Wasservögel. Das erklärt die Möwenschreie, die ich manchmal nachts höre. Das ist voll die Wildnis hier!

Berühmt ist der Hyde Park ja wegen der Speakers Corner. In der darf übrigens jeder zu jeder Zeit über FAST alles öffentlich reden. Was man hier nämlich nicht macht: Reden über die königliche Familie schwingen, die ist tabu.

Wildhund.

Hm, ja, mit dem Namen hat man es auch nicht leicht, oder?

Mitten im „Serpentine See“ baden alten Männer, bei Lufttemperaturen knapp über Null Grad. Das Wiesel versucht mit einem Schwan zu spielen, aber der ist nicht zu Scherzeken aufgelegt. Als ich weiter gehe, höre ich hinter mir die typischen Geräusche eines No-Nonsense Schwans, der zum Angriff übergeht.


Überall im Park gibt es matschige Wege, ausgelegt mit weicher Erde. Die sind für Pferde, von denen es hier nicht wenige gibt. Private Reiter sind heute Morgen schon unterwegs, und unter großem Geklapper reiten Royal Guards in Rüstung und im Galopp durch den Park. Vermutlich üben die für den Ernstfall: Das die Preußen durch den Ärmelkanal geschwommen kommen.

England ist komisch. Hier ist fast alles anders als anderswo. Machmal überlege ich, was passieren würde, wenn die Regierung sagen würde: So, passt auf, Leute: Wir müssen mal zusehen, dass wir den Anschluss an den Rest der Welt halten. Ab morgen gilt: Rechtsfahrgebot, das metrische System, der Euro, für warmes und kaltes Wasser gibt es nur noch einen Hahn mit einer ordentlichen Mischbatterie, und, ach ja, diese komischen Stromstecker tauschen wir auch mal gegen was Vernünftiges aus. Ich vermute, mindestens die Hälfte der Briten würde sofort vor Empörung implodieren.

Was ich natürlich jetzt noch noch nicht weiß ist, wie richtig ich mit dieser Vermutung liege. Es ist sogar noch schlimmer: Allein der Gedanke daran, das es auf dem Festland vernünftige Stromstecker und sinnvolle Sanitärverlegung gibt, und dass das ansteckend sein könnte, bereitet den Briten so heftige Übelkeit, dass sie sich aus Europa rauswählen. Aber von der Brexitabstimmung weiß jetzt noch niemand was. Brexiteers begegnen mir zwar, aber nur in Form von alten Damen, die mit Glitzerzylindern in Union-Jack-Form an Straßenecken stehen und „Raus aus der EU“ singen. Sowas nimmt man nicht erst, NIEMALS würde Großbritannien die EU verlassen. Denke ich so, an diesem Februarmorgen im Jahr 2016.

Der Hydepark stösst an den St. James Park, durch den Prachtstraßen führen. Die Namen der ehemaligen Kolonien sind in Säulen gehauen. Hier lebt sie noch, die Erinnerung an das Empire, würden vielleicht Nostalgiker sagen. Zugleich ist es aber auch die Erinnerung, das selbst weltumspannende Imperien zerfallen werden, wenn sie opressiv und kleptomanisch agieren.

An einer Ecke des Parks liegt der Buckingham Palace, wo die Queen wohnt. Der Platz davor ist berühmt für sein „Changing of the Guards“, ein Ritual, bei dem ein Regiment der Beefeater, dieser Soldaten mit den unpraktischen Fellmützen, aus der nahegelegenen Kaserne marschiert kommt und unter viel Tamm-Tamm und Säbelrasseln die Wachsoldaten des Palastes ablöst.

Es ist zwei Stunden vor dem Wachwechsel, und bereits jetzt sind die vermeidlich besten Plätze weg. Und das, obwohl jetzt Februar ist. Nungut, London hat NIE Nebensaison. Hier sind immer viele Touristen unterwegs. Wie das im Sommer ist, mag ich mir gar nicht ausmalen.

Das Wiesel ist auch wieder da und hat gute Laune. Anscheinend hat es die Prügelei mit dem SChwan gewonnen.

Es muss eine besondere Art von Umnachtung gewesen sein die mich befallen hat als ich das „Changing of the Guards“ für heute auf den Reiseplan gesetzt habe. Will ich wirklich einen ganzen Vormittag damit verbringen im Kalten zu stehen, inmitten von zig hundert Leuten, nur um am Ende einen besseren Spielmannszug mit komischen Mützen zu sehen?

Nein, will ich nicht. Das kann ich mir besser auf Youtube angucken. Dafür brauche ich nicht meine wertvolle zeit hier in London zu verschwenden. Also lasse ich die Royal Guards die Royal Guards sein und wandere woanders hin.

London wird übrigens flächendeckend überwacht. Überall im Innenstadtring.

Es gibt sogar Kameras zur Überwachung von Kameras.

Die Jubillee Line bringt mich nach Southwark. Hier liegt die HMS Belfast, ein leichter Zerstörer, der noch das Ende des zweiten Weltkriegs sah, das deutsche Schiff Scharnhorst versenkte und später im Koreakrieg dabei war. Heute ist es ein Museumsschiff, und ein beeindruckendes dazu.

Man kann durch das ganze Schiff wandern und sich jede Ecke angucken. In den Geschützständen riecht es nach Öl. Die Geschütze sind alphabetisch benannt, und damit die Crew schnell wusste in welchem sie sich befand, hat jedes Geschütz eine zugeordnete Comicfigur mit einem Namen. Geschützstand J zum Beispiel die Katze Jinx.

Das Wiesel beansprucht natürlich sofort den Captains Chair für sich.

Die „Belfast“ wirkt von Außen gar nicht so groß, heute gibt es wesentlich größere Schiffe. Und doch ist das hier eine schwimmende Stadt, mit Großküche, Krankenhaus, Tante-Emma-Laden und Whatnot.

Etwas gruselig sind die Puppen, mit denen hier typische Szenen dargestellt werden. Allerdings wird dadurch, und durch die Requisiten, das Schiff und das Leben an Bord noch ein wenig greifbarer.

Bäckerei mit Brotmaschinen.

Im Männerkühlschrank steht ein Schotte.

Tief im Bauch des Schiffes ist das Munitionslager. Die Granaten liegen auf Karussellen, und werden von dort ans Oberdeck zu den Geschützständen befördert.

Das Wiesel hört ab „Karussell“ nicht mehr zu und ist nicht mehr zu halten. Ich bekomme ein wenig Angst.

Der Maschinenraum ist ein beeindruckendes Gewirr aus Rohren, Ventilen und Maschinen.

Gut zwei Stunden wandere ich durch das Kriegsschiff, dann reicht es mir. Die „Belfast“ ist übrigens auch ein schöner Aussichtpunkt. Sie liegt vor der Towerbridge in der Themse, genau zwischen Tower und neuem Rathaus.

Dem Wiesel gefällt das.

In Southwark liegt auch das Designmuseum, und da wollte ich schon beim letzten Besuch hin. Die ganze Gegend ist übrigens total durchgentrifiziert, hier gibt es nur noch superteure Wohnungen.

Leider entpuppt es sich als Enttäuschung. Die Sonderausstellung zeigt zwei dutzend Fahrräder, warum auch immer, und die Dauerausstellung besteht aus „Contemporary Design of 2015“, sprich: Alltagsgegenstände, die die Kuratoren schön fanden, von der Zaunlatte bis zum Font. Und ein BMW Concept i8 steht hier auch rum, vermutlich gab es den billig. Weniger billig ist der Eintritt: fast 14 Pfund, die kann man sich echt sparen.

WER WÜRDE DIE AUCH KLAUEN WOLLEN???

Eben noch Captain, jetzt Nummer Eins.

Ich fahre nach Whitechapel, und bin überrascht wie modern das Viertel ist. Auf den ersten Blick ist von den kleinen Gassen, von denen man immer so viel liest, nichts übrig. Würde es nicht überall stehen, ich wüsste nicht, wo ich hier bin.

Nur die Bricklane vermittelt noch ein wenig Charme. Die Straße wird dominiert von Backsteinbauten mit bunten Läden aus aller Welt, Street Art und dem riesenhaften Gebäude einer alten Brauerei, das nun ein Kultur- und Aktionszentrum ist.

Die größte Moschee Londons.

Aah, diese Street Art:

Weiter östlich ist schon alles mit Banken und Versicherungsbauten zugestellt und der Rest mit uniformen Coffeeshops zugebaut. Die Stadt wirkt hier blutleer und ohne Leben. Das ist sie auch, denn gelebt im eigentlichen Sinne wird hier nicht. Hier wohnt niemand. Hier wird nur gearbeitet.

Aus dem Quark sticht das „Barbican“ hervor, ein zu Beton geronnener Moloch, der in sich Hochschulen, Theater, Konferenzzentren und Wohngebäude vereint. Hier sitzt u.a. das Londoner Symphonieorchester, aber das ändert nichts daran, dass dieser Komplex geradezu boshaft in seiner Hässlichkeit ist.

Ich fahre zum Euston Square und esse bei Speedys einen frühes Dinner und nehme einen Cafe. Speedys schätze ich mittlerweile sehr. Vor zwei Jahre habe ich es aufgesucht, weil hier Sherlock gedreht wird: Das Haus ist in der Serie die Bakerstreet 221b. Heute mag ich das Café, weil es gutes Essen zu geradezu aberwitzig niedrigen Preisen bietet. Außer ehrfürchtigen Sherlockis und Einheimischen verirrt sich niemand hier her.

Besitzer Chris ist auf dem Boden geblieben, und das schlägt sich auch in Preisen und Gerichten auf Speedys Speisekarte nieder.

Nach der kurzen Pause mache ich mich auf zum Picadilly Circus, einem der zentralen Plätze von London. Hier blinkt und funkelt alles, denn unmittelbar an diese britische Version des Time Squares schliesst „Theatreland“ an. Ein Theater liegt hier neben dem anderen, eine ähnliche Dichte an Spielhäusern findet man auf der Welt nur selten. Heute Abend habe ich eine Karte für das Gielgud Theatre. Hier läuft „The Curious Incident with the dog at the night time“, ein Stück um einen authistischen Jungen. Ich kenne das Buch und bin gespannt auf die Umsetzung auf der Bühne, denn die Vorlage spielt sich fast komplett im Kopf des Protagonisten ab.

Mein Platz ist im „Dress Circle“, der ersten Empore, ganz vorne. Das ist gut – ich bin nicht so groß, und wenn ich an der Balustrade sitze, habe ich keinen Kopf im Bild. Dafür laufe ich manchmal Gefahr die Balustrade im oder ein Geländer direkt im Blick zu haben. Hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Hilfreich ist hier die Seite „Seatplan“, da kann man sich durch Londoner Theater klicken. Zu fast jedem Sitzplatz haben Leute was geschrieben und Bilder hochgeladen, dadurch kann man sich vorab ein Bild von der Lage und dem Blick auf die Bühne machen.

Mein Platz ist A23, und als ich den einnehmen will, bin ich irritiert: Anders als bei den umliegenden Sesseln liegt auf meinem eine graue Decke mit einer Tasche, in der ein Briefumschlag steckt.

Was soll das denn nun wieder? Kann ich nicht ein Mal ein Theater besuchen wie jeder andere auch? Muss immer MIR was besonderes passieren?!

Ich öffne den Umschlag und sehe: ich habe einen Platz mit einer Primzahl. Weil der Protagonist Primzahlen mag, habe ich die Chance etwas zu gewinnen. Ich muss lediglich meinen Namen in Zahlen umrechnen, addieren und bestimmen, ob das eine Primzahl ergibt. Falls ja, habe ich gewonnen.

Schnell beginne ich zu rechnen und komme auf 123 – das muss doch eine Primzahl sein, oder? Leider dann doch nicht, 123 ist durch drei teilbar. die Vorstellung beginnt, und sie ist beeindruckend.

Die Bühne ist ein Cubus, der zum Publikum hin offen ist. Die Wände sind grau und mit leuchtenden Linien überzogen. Das ganze sieht aus wie ein Holodeck aus Stra Trek, und die Ähnlichkeit ist beabsichtigt. Der graue Cubus ist der Projektionsraum, in dem die Gedanken Protagonisten Wirklichkeit werden. Dazu werden clevere Klappmechanismen, aber auch 3D-Projektionen genutzt. Die Bilder werden auf die Wände projeziert, aus denen Gegenstände und Personen hinaus- und hineingleiten. Abgefahren.

Im Trailer der Tony-Awards kann man ein paar Tricks der Bühne sehen:

Und hier gibt es eine kleine Featurette:

Die Umsetzung ist super gelungen und bringt genau die Stimmung des Buchs rüber.

Nach einer Stunde geht das Licht an und eine Pause beginnt.

Hinter mir sitzt ein junges Paar. ER hat offensichtlich keine Ahnung wo er hier gelandet ist, aber SIE hat anscheinend das Buch gelesen und kann ihm deshalb die Lücken erklären, die das Theaterstück lässt. Dafür hat sie meinen vollen Respekt, die Handlung ist nicht einfach. Außerdem hat sie eine angenehme Stimme und ein kehliges, sehr sympathisches Lachen. Als ER sich zum Austreten und Drink holen verabschiedet, beschließe ich, mir das kehlige Lachen mal anzusehen.

Ich drehe mich um und tue so, als ob ich das Rund des Theaters mustere. SIE sitzt genau im Sessel hinter mir, hat lange, schwarze Haare und schaut gerade auf ein Smartphone. Sie ist nicht groß, scheint aber zu mindestens 50 Prozent aus Beinen zu bestehen. Der Eindruck wird durch die hochhackigen Stiefel und die schwarze Lederleggings noch betont. Sie kann sich Leggings tatsächlich leisten, sie ist durchtrainiert und fit, das sieht man sogar durch das weite, ebenfalls schwarze Jacket, das sie trägt.

Jetzt hebt sie kurz den Kopf. Innerlich fällt mir fast die Kinnlade runter. Das kann doch nicht sein? Oder doch??

Vor 6 Wochen habe ich den Film „Kingsman“ geschaut. Das ist quasi ein moderner Bondfilm, hätte man nicht zwischendurch Bond in ein weinerliches Weichei rebootet. Eine der beeindruckendsten Figuren ist Gazelle, die Bodyguard des Bösewichts. Eine beinamputierte Frau, die statt auf Unterschenkeln auf Klingen läuft und Gegner mit eleganten Tritten um die Ecke bringt.

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Bildrechte: Twentieth Century FoxGespielt wird Gazelle von Sofia Boutella, einer armenisch-französischen Tänzerin. Sie ist keine klassische Schönheit, sondern sieht ein wenig seltsam aus und ein bißchen exotisch. Und: Sie ist keine klassische Schauspielerin, sondern eine Sportlerin und Selfmade-Frau. Hat sich aus den verschwitzten Tanzhallen von Paris hochgearbeitet. Ihre harte Arbeit wurde irgendwann von Nike entdeckt. Der Sportartikelriese drehte einen Spot mir ihr, der sie 2007 schlagartig berühmt machte.

Boutella wurde Backgroundtänzerin von Stars wie Madonna und Rihanna, und nun ist sie beim Film gelandet. Vor „Kingsman“ hat Sofia Boutella nur einen Film gedreht, und der ist noch schlechter als sein Cover es vermuten lässt.


Bildrechte: Sony EntertainmentDer einzige Lichtblick in dem kruden Machwerk ist Boutella, ansonsten darf man echt keinem erzählen das Ding geguckt zu haben. Ich bin also gerade in einer Phase akuten Boutella-Interesses, und die Frau, die hier im Theater hinter mir sitzt, sieht der Tänzerin ein wenig ähnlich…

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Bildrechte beim Rechteinhaber, Urheber unbekannt.Ich gucke nochmal hin. Nee, das ist sie nicht. Die Frau hier sieht ganz anders aus. Oder liegt das jetzt an dem Schummerlicht und den wirren Haaren? Ich gucke wieder weg. Das KANN sie nicht sein, immerhin lebt Sofia Boutella in Kalifornien. Soll ich sie ansprechen? Habe ich eigentlich keine Lust drauf, aber wenn ich es nicht tue, dann werde ich ewig rätseln.

Ich stehe auf und beuge mich über den roten Plüschsessel zu der Frau in Schwarz hinüber. „Entschuldigen Sie, sie sind nicht zufällig Sofia Boutella? Ah, dachte ich mir. Sorry, dass ich gefragt habe, sie sehen nur so ähnlich…“ Und dann macht das Hirn eine erneute Auswertung von dem, was die Ohren gerade aufgenommen haben, und kommt zu dem Schluss, dass die leise Antwort der Frau auch ein „I am“ hätte sein können. „Wait… you ARE?“ Sie nickt.

He, unfassbar – da finde ich nach langer Zeit mal wieder eine Schauspielerin, die ich ECHT interessant finde, und dann treffe ich die auch noch im echten Leben! Wie wahrscheinlich ist DAS denn?

Boutella sieht mich an. Sie guckt fast ein wenig erschrocken und wartet, was ich als nächstes tue. Sie ist privat und mit ihrem Freund hier, und ich finde, dass auch Promis ein Recht auf Privatsphäre haben. Aber ich würde schon gerne los werden, dass ich ihre Arbeit schätze.

„I REALLY love your work“, sage ich leise. „Wissen Sie, ich würde mir normalerweise keinen Tanzfilm angucken, aber NUR WEGEN IHNEN habe ich sogar „Street Dance“ angeguckt. Ich wünsche Ihnen noch weiterhin ganz viel Erfolg und tolle Rollen!“

Boutella guckt immer noch unbewegt, dann macht sich plötzlich ein herzliches Lächeln in ihrem Gesicht breit. „Thank you“, sagt sie, und fügt hinzu: „Woher kommst du? Deutschland? Cool, ich muss morgen für drei Tage nach Berlin.“ „Dann wünsche ich viel Spaß“, sage ich. „Die Stadt ist ganz nett. Und für ihre weitere Karriere wünsche ich alles Gute – ich hoffe, ich sehe sie noch in vielen Filmen!“.
Sie beugt sich nach vorne, greift blitzschnell meine Hand und schüttelt sie unversehens. Sie hat einen kräftigen und warmen Händedruck. Ich bin ganz perplex, so eine spontane Geste habe ich nicht erwartet.

Ein Hägen-Dazs-Verkäufer drängelt sich eine Reihe weiter oben durch die Sitze. „Darf ich Sie vielleicht auf ein Eis einladen?“, frage ich. Sie lacht und schüttelt den Kopf, und in dem Moment kommt ihr Freund mit den Drinks zurück.

Und das war es. Ich finde, Promis haben ein Recht darauf, auch in Ruhe ein Theaterstück zu genießen, ohne das sie Autogramme abzeichnen oder Selfies machen müssen. Den Sinn von Autogrammen habe ich eh nie verstanden, und Bilder von Promis sind fast immer besser wen ich nicht darauf zu sehen bin. Aber wenn ich einen Promi treffe, der mein Leben ein wenig bereichert hat, und es ergibt sich die Gelegenheit ihm oder ihr da unaufdringlich für zu danken, dann mache ich das.

Ich nehme wieder Platz und grinse in mich hinein. Ich habe gerade Sofia Boutella auf ein Eis eingeladen. Das glaubt mir doch wieder keiner.*

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Die Vorstellung geht beeindruckend weiter, die Trickbühne kann noch viel mehr als man als Zuschauer erahnt. Am Ende des Abends gehe ich sehr zufrieden und glücklich nach Hause. Das ich die Frau hier treffe, in deren Performance ich mich gerade erst verliebt habe – wer hätte DAS gedacht.

Mit Boutella ging es seit dieser Begegnung steil bergauf. Sie spielte Hauptrollen in einem Star Trek-Kinofilm, die Mumie in „Die Mumie“ und zuletzt neben Charlize Theron in „Atomic Blonde“. Läuft bei ihr.


* Falls jemandem die Geschichte bekannt vorkommt: Die habe ich hier schon mal erzählt, weil ich dachte, es würde zu London 2016 kein Reisetagebuch geben.

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2 Kommentare

Verfasst von - 17. Februar 2018 in Reisen, Wiesel

 

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2 Antworten zu “Reisetagebuch London 2016 (3): Die seltsame Begegnung mit der Frau in der Nacht

  1. Gerhard Wappelshammer

    17. Februar 2018 at 16:46

    Die Geschichten werden immer professioneller auf/ausgearbeitet – sehr fein … 😉

    Nebenbei: die HMS Belfast ist kein leichter Zerstörer, sondern ein leichter Kreuzer – `leicht` nur als Klasse aufgrund seiner kleingehaltenenen Kaliber der Geschütztürme, damit er als solcher aufgrund von vertraglich festgesetzten Beschränkungen der seefahrenden Nationen in der Zwischenkriegszeit hinsichtlich der Anzahl in Dienst gestellter Kriegsschiffe gelten konnte. Seine tatsächliche Feuerkraft sowie Länge/Größe bzw Tonnage entsprach jedoch eher jener von Schweren Kreuzern seiner Zeit.

    Gefällt 1 Person

     
  2. Silencer

    17. Februar 2018 at 20:05

    Danke, wieder was gelernt!

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