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Momentaufnahme: Februar 2018

28 Feb

Herr Silencer im Februar 2018
„Nicht noch mehr Brillenmädchen!“

Wetter: Am Monatsanfang kühl, mit vereinzeltem, heftigen Schneefall. Um den 19. herum wird es eiskalt, mehr als eine Woche wird es tagsüber kaum wärmer als -2 Grad, nachts geht es bis -8 Grad. In der letzten Woche, zum meteorologischen Frühling hin, legt der Winter richtig los: -14 Grad nachts, tagsüber -6.

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Lesen:

Stadtpläne und Kunstführer, aber das zählt nicht.

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Hören:

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Sehen:

Bladerunner 2049 [PSN]
Das Jahr 2049: Sämtliche Ökosysteme der Erde sind zusammengebrochen, es gibt keine Tiere oder Pflanzen mehr. Die Menschheit sucht ihr Heil in der Kolonisierung fremder Planeten. Damit das gelingt, werden für schwierige Aufgaben und Kampfeinsätze künstliche Menschen, die Replikanten, eingesetzt. Die werden mittlerweile nicht mehr von der Tyrell Corporation gebaut, die vor 30 Jahren nach den Skandalen um geflohene Replikanten dicht gemacht wurde. Polizisten die Replikanten jagen, die sog. „Blade Runner“, gibt es aber immer noch. Einer von ihnen, selbst ein Replikant neuerer Bauart, entdeckt etwas, was eigentlich nicht sein kann: Die Überreste eines Kunstmenschen, der anscheinend schwanger war. Diese Entdeckung hat die Macht, die Gesellschaft umzuwälzen – denn die Fortpflanzung ist es, die Menschen und Replikanten bislang eindeutig voneinander unterscheidet.

Ich hatte im Vorfeld davon gelesen, dass der Film mit seinen 165 Minuten zu lang sei, zu langsam inszeniert, insgesamt langweilig. Hielt ich alles für glaubhaft, weil schon die Standbilder zeigen, dass „2049“ dem ersten Teil treu bleibt. Warum sollte das nicht auch auf´s Erzähltempo zutreffen? Zur Erinnerung: Der erste „Blade Runner“ ist von 1982 und er galt schon vor 35 Jahren, in einer Zeit als Filme generell langsamer waren, als lahmarschig.

Umso größer war meine Überraschung als ich merkte, dass in der 2018er Auflage nun nicht nur nicht der mediokre Roman „Blade Runner II“ von K.W. Jeter verfilmt wurde, sondern eine wesentlich bessere Geschichte, und dass 2. der zweite Teil seine Laufzeit wirklich jede Sekunde nutzt – wenn auch nicht für Dialoge. In entsetzlich schönen Bildern betreibt der Film World-Building, in jeder Szene. Er erzählt uns nicht, wie schlimm verwüstet die Erde ist und wie runter die Gesellschaft – er zeigt es uns. Und das in einer kohärenten Version, die -anders als das Original- in jeder Szene einen Sinn ergibt.

Wie überhaupt jetzt alles in ein einheitliches Bild passt. Angefangen bei den komischen Geräten bis hin zu den Blade Runnern an sich ist „2049“ ist sehr sorgfältig inszeniert. Dabei beschädigt er das Original nicht, sondern macht es durch seine visuellen Erläuterungen sogar noch besser. Das die eigentliche Handlung komplex und verwoben ist und durch seine Rückbezüge deutlich macht, WIE speziell die Beziehung des Blade Runners Deckard zur Replikantin Rachel war, macht „2049“ zu einem herausragenden Film, der nahtlos in die Visionen von Philip K. Dick passt. Aber er spinnt sie noch weiter: Die Frage nach Menschlichkeit wird von einer DNA aus vier Buchstaben auf eine mit zwei Ziffern erweitert – was in der kompliziertesten Sexszene mündet, die je für einen Film gemacht wurde und zeigt, wie erfinderisch künstliche Intelligenzen sein können. Ich ziehe meinen Hut und sage leise: Wow. Dieser Film ist ein Ereignis.

Black Panther [Kino]
Irgendwo in Afrika: Im kleinen Drittweltland Wakaluba gibt es nur Schafhirten und Korbflechter. Denkt zumindest der Rest der Welt. Tatsächlich ist das nur eine sorgfältig gepflegte Fassade, hinter der sich das fortschrittlichste und reichste Land der Erde verbirgt. Hier herrscht seit neuestem König Fallera, nach alter Tradition auch „Black Panther“ genannt. Als ihn eines Tages ein Fremder herausfordert, sieht Fallera erst alt aus und sich dann mit der Frage konfrontiert, was für ein Herrscher er eigentlich sein will.

Schon sehr cool, dieser Marvel-Film. In den USA wird er megamäßig dafür abgefeiert, dass der Cast fast ausschließlich farbig ist, und es thematisch um Afrika, seine Traditionen und die Ausbeutung des Kontingents geht. Das ist auch für europäische Augen und Ohren erfrischend, und dass der Main Cast zum überwiegenden Teil aus wunderschönen und starken Frauen besteht, stört dabei auch nicht.

Das ausgerechnet der Black Panther Pläne stoppt, die eine Befreiung schwarzer Minderheiten vorsehen, mag seltsam klingen, ist aber innerhalb der Geschichte gut hergeleitet. Die ist zwar stellenweise etwas langatmig, bringt aber so nebenbei einen der besten Antagonisten des Marvel-Universums mit: Killmongers Motive sind nachvollziehbar und in Teilen sogar ehrenwert, was ihn zu mehr macht als der üblichen Schablone des Evil Overlords. Da zudem die Austattung sorgfältig, Landschaftsaufnahmen toll und die Stunts auf einem irren Niveau sind, kann ich nur sagen: Ins Kino gehen, es lohnt sich.

Taschenspieler [ThoP]
Drei Personen treffen sich an einem Strand. Sie scheinen sich zu kennen, sind sich dessen aber nicht bewusst. Charakterlich sind sie grundverschieden. Während Ida sich vor dem Inhalt ihrere eigenen Handtasche fürchtet, kann man es der aggressiven Dia nie recht machen. Adi spielt derweil lieber Kegeln oder beobachtet ein Huhn.

Ein Stück, bei dem man am Ende immer noch nicht weiß, ob der Autor eine Vision und eine echte Deutung hat, oder ob das Ganze in einem Fiebertraum oder durch assoziatives Schreiben zustande gekommen ist. Spielt aber auch keine Rolle, ich mag sowas.

„Taschenspieler“ steht in der Tradition der besseren Stücke von René Polleschs. Bei denen ist auch der affektive Dialog der Weg und das Ziel, und der unterhält in diesem Stück sehr. Das liegt daran, dass die Gespräche gut geschrieben sind, vor allem aber an den sehr guten Schauspielerinnen: Anja Kütemeyer, Anja Kramer und Martin Liebetruth sind auf den Punkt besetzt und machen Ihre Sache ausgezeichnet.
Trailer https://vimeo.com/246705025

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Spielen:

Assassins Creed Syndicate [PS4]
London, 1860: Zwillingspaar mischt Unterwelt auf. Vor zwei Jahren zuletzt gespielt. Arbeitet man zuerst den ganzen Open-World-Kram weg und macht dann die Story am Stück, ist sie zwar immer noch meh, aber etwas dichter. Aber mei, was ist das viktorianische London schön. Ausführliche Besprechung hier.

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Machen:
Eine Städetreise: Verona, Genua, Turin und Venedig an 9 Tagen. Dabei rund 150 Kilometer gelaufen.
Wieder Zuhause: Bei den kalten Temperaturen im Wohnzimmer übernachten, das schlecht isolierte Schlafzimmer lässt sich nicht mehr wirtschaftlich auf zweistellige Temperaturen bringen.
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Neues Spielzeug:
Eine elektrische Schall-Reisezahnbürste. Sehr cooles Teil. Ach ja, und zwei gebrauchte VIRB XEs.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

 
11 Kommentare

Verfasst von - 28. Februar 2018 in Momentaufnahme

 

11 Antworten zu “Momentaufnahme: Februar 2018

  1. Olpo Olponator

    28. Februar 2018 at 10:28

    Danke.
    Für den Kurztrip nach Italien am WE muß ich noch reisezahnbürstenmäßig rubbeln.
    Aber danach, in ca. 1 Woche, reisen meine Zähne ebenfalls elektrisch poliert.
    Um 9,90 im Sonderangebot auf pearl.at.
    Mit Zweitbürstenkopf für die Sozia.
    Ohja 😉 …

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  2. Silencer

    28. Februar 2018 at 10:33

    Lohnt sich! Gerade wenn man, wie ich, dazu neigt mit manuellen Zahnbürsten sein Zahnfleisch zu verschrubbeln. Die o.g. wiegt nur 45 Gramm, und eine Akkuladung hält 4 Wochen.

    Wo geht es denn hin im Süden?

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  3. Olpo Olponator

    28. Februar 2018 at 11:04

    Gegen verschrubbeln gibt es auch ’normale‘ Bürsten mit Batteriebetrieb und integrierten Druckknöpfen im Griff für Ein/Aus – aber die sind weniger kompakt und ich verwende doch keine Koffer auf dem Zweirad … da lohnt sich, streng gesehen, jeder Millimeter Länge 😉

    2 Expertisen stehen an: Zuerst nach Grado einen Segler bewerten, danach geht sich hoffentlich ein Trip zum Sprungbrett nach Punta Sabbioni aus: gegenüberliegendes, neuavisiertes Nicolottageschäft testen.

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  4. ruediger

    28. Februar 2018 at 19:31

    sehr unterschiedliche Sichten zu BladeRunner.

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  5. Silencer

    28. Februar 2018 at 19:41

    Olpo: Ui, schön, dann gute Reise. Was ist ein Nicolottageschäft?

    Rüdiger: WEnn es interpretierbar ist, ist es Kunst. Da kann jeder von halten was er möchte 🙂

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  6. Olpo Olponator

    1. März 2018 at 01:10

    Danke, es soll ab Freitag immerhin Plusgrade geben und am Meer ist es milder als im Inneren des Kontinentes …
    Nicolotta bekommt man zB in der Pastticceria an der Ponte del Lovo, dort, wo Teddy warten mußte, daß man sich seiner erinnerte; und natürlich in jener rechts neben der Ferrovie 😉 … Es ist links von Teddy zu sehen, die letzte Sorte im Bild -> https://silencer137.files.wordpress.com/2012/04/p1060117.jpg?w=600 … Eine venezianische Spezialität, das Original schmeckt nach Feigen, Datteln und anderen guten Ingredienzien – selbst wenn die Grundsubstanz Brot wäre, weigere ich mich, diese Süßspeise als ‚Brotretter‘ zu bezeichnen, wie man es in manchen Kochbüchern lesen kann … 😉

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  7. Olpo Olponator

    7. März 2018 at 11:17

    Nachtrag als Info: Nicolotta gibt es im Winter nicht – weder am Bahnhof, noch an der Ponte del Lovo und ich habe nicht ‚rausbekommen weshalb, bloß diese Auskunft man mir gab…
    Tip: Venedig stundenlang bei strömendem Regen im Winter zu durchwandern erspart die Seuchentouristen mit den Selfiestäben, vorzugsweise jene chinesischer Provenienz (ganze 6 Stück duckten sich an einem Nachmittag in eine Gondel, deren dachlose Konstruktion ihnen dennoch das Wasser in die Krägen laufen ließ ;)), ständig aus dem Weg schieben zu müssen – wir hatten die Eingeborenen und ihre todgeweihten Ruinen für uns beinahe alleine … Zumindest so lange, bis die Sonne die Regenwolken vertrieb und +11° am Thermometer anlagen. Da hatten wir uns aber schon in eine ‚uninteressante‘ Wohngegend gerettet und genossen Cafe und Tonic im Cafe in zur Verfügung gestellten Liegestühlen 😉 …

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  8. Silencer

    7. März 2018 at 19:08

    Ich halte das nächste Mal im Sommer die Augen nach Nicolotta offen : -)

    Ja, schlechtes Wetter ist gut für freie Fahrt. Habt ihr genau richtig gemacht 🙂

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  9. Olpo Olponator

    7. März 2018 at 20:22

    Nicolotta ist sehr nahrhaft, daher ist es optimal für Selbstversorger an Motorradreisetagen, wo Kilometer gemacht werden sollen 😉 …

    Wir waren übrigens auch bei Sara und Francesco – doch es war zu früh zum Essen und Zimmer hatten wir keines vorbestellt. Und am Abend, nach dem Trockenlegen, wollten wir die 40 km nicht mehr fahren…

    Dem Baby geht es gut, es ist ein Junge, der Mutter auch, alles ok …
    Ich sagte, ich würde Grüße an unseren Informanten ausrichten, der mit einem Moppet diesen Herbst zu Gast war und das nicht das erste Mal; den Namen, für den sie sein sollten, konnte ich nicht nennen, bloß den eines Phantoms – aber die Sache funktioniert auch so dank Internet, wie man lesen kann … 😉

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  10. Silencer

    7. März 2018 at 21:12

    Ihr seid WIRKLICH vorbeigefahren? Unglaublich, wie cool ist das denn? Was habt ihr da gemacht, wenn ihr nichts gegessen habt? Einen Kaffee getrunken oder nur die beiden verwirrt, indem ihr Sightseeing gemacht habt?

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  11. Olpo Olponator

    7. März 2018 at 22:37

    Klar – wir sind … 😉
    Und ohne Navi, nur nach Optik. Meine selbstfahrende Sozia auf dem Beifahrersitz hat das Gebäude zuerst entdeckt, es ist unverwechselbar, ich habe es ihr vor der Abreise im Netz gezeigt – ich selbst war ständig damit beschäftigt, die Straße unmittelbar neben jener Straße zu finden auf der wir fuhren, die ich aus dem Bild im Blog deutlich im Kopf hatte; ich habe sie letztendlich auch gefunden – es ist der Radweg, der vor dem Grundstück vorbeiführt; und der hat eine Mittellinie … 😉
    Keine Angst, Du kannst jederzeit wieder dort hin, es gab keine Sekunde von Peinlichkeit, Unsicherheit… Es wird etwa kurz nach Mittag gewesen sein, Sara war nicht zu sehen, Francesco mit Vorbereitungen in der Küche beschäftigt; doch er hat überaus freundlich reagiert – ich habe kurz erklärt, wie wir an diesen Ort gekommen sind, was wir vorhaben und daß wir am Abend gerne wiederkommen würden, um zu essen. Francesco hat uns auf Zimmersuche in eine Richtung geschickt, in der wir jedoch keine Vermieter in unmittelbarer Nähe fanden – welcher Art, war uns egal. So machten wir uns eine zeitlang die Schuhe zum Spaß in den Auen der unregulierten Piave auf Fischersteigen dreckig und fuhren dann direkt nach Sabbioni, wo wir knapp davor ein Zimmer in einem Hotel aperto tutto anno bezogen.
    Die Überfahrt mit der Linie 14 nach San Marco war diesmal gespenstisch, denn in der Lagune zog dichter Nebel auf, sodaß man die Poller der Wasserstraße oft erahnen mußte, bevor man sie sehen konnte. Die Festung und das Arsenal waren dann schon wieder deutlicher zu sehen und bald begann es zu regnen, wie beschrieben.
    Die Accademia wird übrigens (schon wieder ?) renoviert, sie ist untenrum in einen Vorhang aus weißen Netzen gehüllt, während sie oben frei begehbar blieb. Sonst: keine auffälligen Neuerungen, die sofort ins Auge stechen – sieht man davon ab, daß keine PensiouristenVerschaukler das Stadtbild störten.

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