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Scheibenkleister: Powerbronze Adventure an V-Strom 650

16 Apr

Machen wir uns nichts vor, einen Schönheitspreis wird die erste Ausgabe der V-Strom 650 nie bekommen. Ist aber auch egal, die kleine Reisetourerin hat ganz andere, hervorragende Qualitäten. Oder anders rum: Sie hat funktional praktisch kaum eine Schwäche. Für mich sogar genau nur eine, und das ist die Scheibe. Im Auslieferungszustand ist die so mittelhoch und ziemlich problematisch, denn dahinter bilden sich Luftwirbel, die dem Fahrer genau auf den Helm ballern. Keine Ahnung wie sowas passieren kann, es wirkt, als hätten die Konstrukteure die Kiste nie in einem Windkanal getestet. ODER sie haben Testfahrer da drauf gehabt, die gerade mal einen Meter groß waren.

Wie auch immer, die Standardscheibe ist großer Mist und der Abstand Fahrzeugfront/Fahrer so seltsam, dass man die Luftwirbel nie ganz loswerden wird. Es gibt nun zwei Möglichkeiten das in den Griff zu bekommen:

1. Anderer Neigungswinkel der Scheibe.
2. Andere Scheibe montieren.

Um den Winkel zu verändern baut Ingenieur Mark Stadnyk verstellbare Halterungen. Die sind gut und bringen was. Bei mir ist es allerdings so, dass der Winkel der Standardscheibe so flach sein muss, dass es nicht mehr praktikabel ist.

Bei den Scheiben gibt es nun zwei Geschmacksrichtungen. Man kann den Anspruch verfolgen möglichst wind- und wettergeschützt zu sitzen, dann wird man eine hohe Scheibe mit einem Spoiler verwenden. Sowas wie das hier:

Die „Airflow“-Scheibe von Givi ist hier Maß der Dinge. Der Vorteil ist klar: Wetterschutz par Excellence. Die Nachteile: Das Mopped sieht aus wie eine rollende Schrankwand, man hat die Scheibenkante und das Spoilergedöns im Sichtfeld, und auch bei heißem Wetter bekommt man keinen Fahrtwind mehr ab. Damit funktioniert auch die Helmlüftung nicht mehr.

Ich komme eher aus der anderen Richtung. Die ZZR ist eine Sporttourerin, die kann gar keinen Wetterschutz bieten. Die Scheibe dient bei der dazu, die Luft über die Schultern des Fahrers zu lenken. Damit sind Brust und Arme vom Winddruck entlastet, und idealerweise liegt der Helm ohne Verwirbelungen im Windstrom und wird gut belüftet. Der Nachteil ist natürlich: Wetterschutz gibt´s nicht, Regen, Nebel und alles andere geht direkt auf den Helm.

Um so ein Sporttourverhalten bei der V-Strom hinzubekommen gibt es nicht viele Möglichkeiten. Ganz mutige setzen den Dremel an und kürzen ihre Originalscheibe, was natürlich verboten ist. Aber Not macht halt erfinderisch. Von Suzuki gab es nur mal für ganz kurze Zeit eine dunkle Sportscheibe her, die signifikant kürzer war, die aber schon lange nicht mehr verkauft wird.

Sportscheibe vs. Standardscheibe.

Die ist nicht schlecht, leider aber nicht kurz genug und dazu recht schmal: Bei Touren bekommen meine Schultern Windwirbel ab. Das nervt auf Dauer, weshalb ich die erste größere Tour im vergangenen Jahr doch mit der Standardscheibe gefahren bin.

Hellhörig wurde ich, als ein geneigter Leser mich auf die Adventurescheibe der englischen Firma Powerbronze hinwies. Die hat die Breite der Orginalscheibe, ist aber kürzer als die Sportscheibe.

Links die Standardscheibe, Mitte die Powerbronze Adventure, rechts die Suzuki Sportscheibe.

Montiert sieht das Ganze so aus:

Meine Scheibe ist dunkel getönt, es gibt sie aber in über 20 Farben von gelb bis eis blau.

Die Bestellung erfolgt über die Webseite des deutschen Importeurs, dann heißt es warten – die Scheibe wird extra gefertigt. Je nachdem ob die Auftragsübermittlung zeitnah geklappt hat und der Importeur die Ware auch gleich weiterschickt, kommt nach 4 Wochen (Zeit lt. Website) und 12 Wochen (in meinem Fall) eine Scheibe ins Haus. Der liegt ein Kantenschutz und ein Aufkleber mit einer KBA-Nummer bei, der angebracht werden muss. Das entsprechende TÜV-Gutachten dazu kann man sich auf der Website von Powerbronze runterladen und muss es ausgedruckt mitführen.

Die Passform der Scheibe ist so làlà – die Bohrungen sind leicht versetzt. Man bekommt sie fest, aber Hochpräzision sieht anders aus. Was auffällt: Die „Adventure“ ist wirklich der Minirock unter den Scheiben. Sie ist schon fast albern kurz, ein paar Zentimeter mehr hätte nicht geschadet. Weil sie so kurz ist, verträgt sie sich auch mit dem Madstad-Halter nicht hundertprozentig: Der guckt nämlich oben raus.

Nichtsdestotrotz ist das Fahren mit der Scheibe angenehm. Keine Verwirbelungen, die an den Schultern zuppeln, und kein Geballer am Helm. Allenfalls noch leichtes Rauschen und Flappern, aber damit kann ich leben. Vermutlich. Ein wenig Arbeit an den Einstellungsmöglichkeiten mit Höhe und Neigungswinkel wird noch zu tun sein, aber in der Summe ist die Adventure die Scheibe, die meinen Vorstellungen bislang am Nächsten kommt.

 
5 Kommentare

Verfasst von - 16. April 2018 in Motorrad

 

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5 Antworten zu “Scheibenkleister: Powerbronze Adventure an V-Strom 650

  1. zwerch

    16. April 2018 at 16:56

    Sie ist und bleibt eine Schrankwand! Mit der großen klaren Spoilerscheibe sieht sie halt aus wie eine Schrankwand mit Glastür 😉

    Zitat: „ODER sie haben Testfahrer da drauf gehabt, die gerade mal einen Meter groß waren.“

    Wusstest du gar nicht dass die mich damals als Testfahrer geholt haben? 😀 😀 😀

    Gefällt 2 Personen

     
  2. Albrecht Wagenhöfer

    16. April 2018 at 18:35

    Daß die Schrankwand wieselflink durch Kurven huscht ohne daß der Möbelpacker sich dabei sonderlich anstrengen muß, ist nur ein Vorzug des Möbelstückes.
    Heiei, du machst es dir auch nicht einfach mit der Scheibe.

    Gefällt 1 Person

     
  3. Silencer

    16. April 2018 at 19:08

    Zwerch: DU hast Schrankwände mit Glastüren probegefahren?! DAS erklärt einiges!

    Albrecht: Einfach ist für Anfänger 🙂 (oder normalgroße Menschen)

    Gefällt mir

     
  4. X_FISH

    17. April 2018 at 12:57

    Du fährst also eine der japanischen Schrankwände mit Glastüren…. Hm… Habe ich dann Fleckvieh mit Gleitsichtgläsern? 😀

    Gefällt 1 Person

     
  5. Silencer

    17. April 2018 at 16:09

    Jepp. 😀

    Gefällt 1 Person

     

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