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Top 3 Roaming-Fallen in Europa

20 Jul

Wenn mal wieder jemand fragt, was die EU für uns getan hat, dann weise man diese Person bitte (als eines von VIELEN Beispielen) auf die Regelungen zum Roaming hin.

Bis vor wenigen Jahren konnte man sich in heftige Schulden katapultieren, wenn man sein Telefon zum Telefonieren oder für die Datennutzung im Ausland verwendete. War man damit zu sorglos, standen bei der Rückkehr schlimmstenfalls hunderte oder gar tausende Euro auf der Telefonrechnung. Die EU führte dann erst den „Kostenairbag“ ein, eine Obergrenze von ca. 60 Euro, bei deren Erreichen man deutlich informiert wurde. So wusste man wenigstens, dass man für das Abrufen von Mails und einmal Wetter-App öffnen gerade den Gegenwert eines luxuriösen Abendessens verbrannt hatte.

Seit Juni 2017 gibt es Obergrenzen für einzelne Leistungen und es gilt das RLAH-Prinzip, Roam-like-at-Home. Das besagt im Wesentlichen: Was man zu Hause an Vertragsleistungen inklusive hat, soll (mit wenigen Ausnahmen) auch im EU-Ausland gelten. Das heißt, man kann eigentlich in den Einstellungen von Smartphone und Tablet den „Roaming“-Knopf immer auf „an“ lassen, oder?

Leider nicht, denn es gibt immer noch Fallen. Bei einer Fahrt durch Europa kommt man durchaus in Ecken, die nicht Europa sind. Denkt man aber meist nicht dran, weil man sich ja so an eine Welt ohne Grenzen gewöhnt hatte. Ich persönlich kenne drei fiese Fallen, in die ich selbst, Freunde oder Bekannt getappt sind. Hier sind sie, geordnet nach Grad der Perfidität:

Platz 3: Die Schweiz
Die Schweiz ist nicht Europa. Ist eigentlich klar, denkt man vielleicht sogar noch dran. Aber: Schon im Dreiländereck bei Basel versagt die deutsche Telekom, und mein Telefon switchte auf Schweizer Mobilfunkbetreiber um. Vorher aber auf Französische. Mehrfach. Über jeden Switch gab es Info-SMS. Bei EU-Betreibern steht dann nur drin: Alles gut, kostet jetzt nicht so viel. Und zwischen all den „Alles gut“-SMS steckt dann eine von einem Schweizer Unternehmen. Übersieht man die, wird es Übel: 50 KB Daten kosten in der Schweiz 0,49 Euro. Das bedeutet: Ein Mal Spiegel Online aufrufen kostet 12 Euro. Halleluja! Hey Schweiz, die 90er haben angerufen, die wollen ihre Preise wiederhaben. Odr.

Platz 2: Fähren
Fährste auf ner Fähre von einem EU-Land ins andere, hast die ganze Zeit tollen Mobilfunkempfang eines Mobilfunkbetreibers aus der EU, kann gar nichts passieren, oder?
Denkste. Sobald sich das Schiff außerhalb der Sieben-Meilen-Zone bewegt, ist es in internationalen Gewässern und nicht mehr in der EU. Der gute Handyempfang kommt daher, dass das Schiff selbst einen GSM-/LTE-Mast mit sich rumfährt. Der hängt aber an einer Satellitenverbindung, und kann die Sache teuer machen. Ein Mal Wetterkarte geguckt, zack, 40 Euro weg. Man sieht das nicht mal, denn der Mobilfunkbetreiber des Mastens am Schiffs ist der gleiche wie auf dem Festland. Wer also auf einem Schiff ohne kostenloses WLAN auf dem Meer unterwegs ist, der sollte am Besten den Flugmodus von Telefon und Tablet nutzen.

Platz 1: Monaco
Ehrlich gesagt habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet, dass die Stadtstaaten in Südeuropa eben nicht zu Europa gehören. Warum auch? San Marino, Seborga, der Vatikan und Monaco sind zu klein um relevant zu sein. Dementsprechend haben sie auch keine eigene Währung und keine eigene Infrastruktur. Sie nutzen die Infrastruktur der sie umgebenden Länder, dazu gehört auch der Mobilfunk. Im Fall von Monaco muss man allerdings die Vergangenheitsform verwenden, denn das pissige Mini-Herzogtum hat sein eigenes Mobilfunknetz hochgezogen. Schon 2016, was an mir völlig vorbeigegangen ist. Früher konnte man in dem zähflüssigen Verkehr aus Nobelkarossen, der den Felsen der Reichen und Adligen umschwappt wie Teer, einfach an Monaco vorbeieiern. Heute empfiehlt sich ein kurzer Stopp weit vor dem Felsen, um das Roaming abzuschalten. Ansonsten wird es schnell teuer: 1 MB GPRS-Verbindung kosten 10 Euro, und da jeder von uns in seinem Bekanntenkreis Spezialisten hat, die per Mail oder Whatsapp unkomprimierte, 5 Megabytegroße Bilder ihres Mittagessens oder HD-Videos ihrer brabbelnden Kinder versenden, wird eine Vorbeifahrt am Fürstentum recht schnell sehr teuer. Das Perfide: Man merkt den Landeswechsel ja nicht mal, denn Grenzen, die gibt es zumindest zu Monaco nicht mehr.

Kennt ihr weitere Roamingfallen? Ich bin gespannt auf Kommentare!

 
7 Kommentare

Verfasst von - 20. Juli 2018 in Reisen, Service

 

7 Antworten zu “Top 3 Roaming-Fallen in Europa

  1. Modnerd

    20. Juli 2018 at 11:04

    Super Artikel, guter Service! 🙂 Vielen Dank!
    Eine kleine Falle, die ich aber nicht im Detail recherchiert habe, sei auch noch erwähnt: In den EU-Roaming-Ländern kann man auch nach beliebigen vor Ort und nach Hause telefonieren (Achtung, Seitenfalle: Anrufe AUS Deutschland in diese Ländern sind natürlich teuer ..). Dabei spielt es keine Rolle, ob auf Handy oder Festnetz angerufen wird, eine Unterscheidung auf Festnetz oder Handy wird meines Wissens gar nicht mehr gemacht.
    Aber: Auch im Ausland gibt es Telefonnummern, die Geld kosten. Wenn man also beim Mietwagenanbieter vor Ort anruft, können da durchaus auch noch mal Kosten anfallen. Das dürften in vielen Fällen auch die üblichen 180x-Nummern sein, aber ob man sich da durchweg drauf verlassen kann, dass nur diese Vorwahl Geld kosten könnte, ist mir nicht bekannt.

    Besonders spaßig wird natürlich, wenn man eine solche Nummer trotz abgeschalteten Roaming von einer Fähre aus anruft …

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  2. Silencer

    20. Juli 2018 at 11:08

    Du meinst, man sollte sich vorher informieren, ob Nummern die man anrufen möchte Sonderrufnummern sind?

    Gefällt mir

     
  3. modnerd1138

    20. Juli 2018 at 11:49

    Ja, bzw. mal nachsehen, was im jeweiligen Land als Sonderrufnummer gilt (ich gehe mal davon aus, dass es immer spezielle Vorwahlen sind) und was die kosten. Ich gehe auch davon aus, dass die Preise angesagt werden müssen, aber das bekommt man vielleicht nicht immer mit.

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  4. Max

    20. Juli 2018 at 12:02

    Das mit den Fähren trifft nicht überall zu.
    Von Tallinn nach Helsinki (mit Tallink hat man eh kostenloses WLAN) gibts estnisches und finnisches Netz. Dort hat die Fähre zumindest keine eigene Basisstation für Mobilfunk und damit kein Seenetz.

    Schweiz:
    Je nach Anbieter kann man aber auch schon für kleines Geld die Schweiz inklusive bekommen. Das nutze ich aber auch nicht. Obwohl ich zwar regelmäßg dort bin, aber der monatliche Aufpreis am Ende höher ist, als meine Swisscom-Karte mit deutlich mehr Inklusiv-Volumen für weniger Geld.
    Für Menschen in der Grenzregion lohnt sich das sicher.

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  5. Silencer

    20. Juli 2018 at 13:17

    @max: Ah, gut zu wissen. Aber im Norden ist man ja immer weiter mit dem Mobilfunk als im Süden. Das Fährendrama gab es zwischen Italien und Griechenland.

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  6. Stephan

    9. August 2018 at 11:20

    Eine weitere „Falle“ besteht auch darin, dass man sich bei manchen Anbietern (speziell O2…bei denen habe ich zumindest die Erfahrung gemacht) erst für die „neue Roaming-Option“ (entsprechend der aktuellen EU-Regelung) entscheiden muss.
    Andernfalls nutzt O2 einfach den „alten“ Auslandstarif weiter…man hat den Kunden ja schließlich darüber informiert (mittels SMS a la „Wechseln Sie jetzt und profitieren Sie…“) und der alte Tarif könnte ja trotzdem noch günstiger sein…wenn man gerade aus Hinterturkmenistan die Tante der Lebensgefährtin eines Freundes, den man schon seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hat, im westlichen Teil der Süd-Ost-Sahara anrufen möchte…und nur dann. Oder so

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  7. modnerd1138

    9. August 2018 at 11:57

    O2 hat aber anderseits auch derzeit noch den Vorteil, dass sie mit den alten Tarifen noch die Schweiz mit abdecken um man tatsächlich tagesaktuell wechseln kann (schon gemacht). Also alter Tarif mit Schweiz (aber weniger Daten) vs. EU-Regulierung ohne Schweiz mit heimischen Konditionen. So gewesen haben sie sogar recht, dass man mit dem Wechsel auch Nachteile bekommen könnte – betrifft aber wohl wirklich nur die Schweiz.
    Diese Möglichkeit scheint dann aber mit aktuellen Verträge rauszufallen, wenn man da umstellt.

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