Momentaufnahme: August 2018

Herr Silencer im August 2018

Von Hochsommer auf Herbst in zwei Tagen? Ist das überhaupt erlaubt?

Wetter: Der Monatsanfang ist heiß, selbst um Mitternacht sind es noch um die 30 Grad. In der zweiten Woche sinken die Temperaturen zumindest nachts auf ein erträgliches Maß, aber tagsüber brüllt die Sonne und die Dürre geht weiter. In der dritten Woche kommt leichter Regen, und die Temperaturen sinken tagsüber auf irnswat um die 20 Grad, bei bedecktem Himmel. Am letzten Augustwochenende hat der Sommer keine Lust mehr. Plötzlich fallen die Blätter von den Bäumen, und bei 15 Grad und bedecktem Himmel kommt eine Ahnung von Herbst auf.


Lesen:

Terry Pratchett: Thief of Time [Kindle]
Die kleinste, denkbare Zeiteinheit ist der Moment zwischen Zukunft und Vergangenheit, das „Jetzt“. Dieses Jetzt wird permanent zerstört und neu geschaffen. Würde nun jemand eine Uhr bauen, die diese kleinste Zeiteinheit erfassen kann, würde die Zeit selbst in dieser Uhr gefangen. Das wissen die Geschichtsmönche. Die heißen so, weil sie die Geschichte der Welt wieder zusammengeflickt haben, nachdem die Zeit durch eine solche Uhr schon einmal in tausend Stücke zersprungen ist. Nun baut irgendwo jemand eine neue Uhr, was sowohl die Mönche als auch Miss Susan, die Enkeltochter von Tod, verhindern wollen. Leider kommen sie alle zu spät, was die Reiter der Apokalypse dazu zwingt auszureiten. Alle 5. Inklusive dem, der zu früh ausgestiegen ist.

„Thief of Time“ ist 2002 erschienen. Das 26. Buch der Scheibenweltreihe gehört zu denen aus Pratchetts bester Schaffensphase. Hier findet sich kein Slapstik oder Billigwitze wie in den frühen Werken, aber auch noch keine mäandernde Unkonzentriertheit wie in den späteren Büchern. Nein, der „Zeitdieb“ ist eine faszinierende und spannende Geschichte, die auf jeder zweiten Seite mit einer fantastischen Idee oder einer menschlichen Erkenntnis aufwartet. Charakterisierungen gelingen hier mit wenigen Sätzen, die Motivationen nachvollziehbar und das Bild der Zeit als Frau, die durch eine endlose Abfolge von gläsernen Zimmern schreitet, die hinter ihr zersplittern, ein wunderschönes.


Hören:

Nix.


Sehen:

Rick & Morty [Netflix]
Man stelle sich vor, Doc Brown wäre ein misantrophischer Alkoholiker und würde in die Garage von Marty McFly einziehen und dort am laufenden Meter verrückte Dinge erfinden. Damit gehen die beiden dann auf Abenteuerreise. Das ist ungefähr die Ausgangslage von „Rick & Morty“: „Doc & Marty“ auf Drogen.

Völlig absurd, definitiv für erwachsene und ein Riesenspaß.

Mission Impossible: Fallout [Kino]
Tom Cruise macht sein Tom Cruise-Ding inkl. viel Rumrennerei.

Tom Cruise-Filme sind Tom-Cruise-Vehikel. Basta. Macht der Typ irgendwo mit, stellt er sich in den Mittelpunkt und kontrolliert jeden Aspekt der Produktion. Das funktioniert mal besser („Live. Die. Repeat.“) und mal gar nicht („The Mummy“). Bei den „Mission Impossible“-Filmen funktioniert es seit Teil 3 hervorragend. Das sind Actionfilme der alten Schule, die mit unglaublichen Actionpieces aufwarten, die Cruise auch noch fast alle selbst macht. Rumklettern am höchsten Gebäude der Welt, Halo-Sprünge – alles kein Problem für einen „Operierenden Titan der Stufe 7“, wie der Rang lautet, den Cruise bei Scientology bekleidet. „Fall Out“ ist nun der beste der bisherigen „Mission“-Filme. Spannenden und komplizierte Story, gute Charaktere, irre Action. Das Pacing ist gelungen, auch wenn der Film in der Summe 30 Minuten zu lang ist. Macht aber nix, kann man sich trotzdem angucken.

Ant-Man and the Wasp [Kino]
Scott Lang durfte vor drei Jahren für kurze Zeit den Anzug des „Ant-Man“ tragen, der es seinem Träger erlaubt sehr klein oder sehr groß zu sein. Dann stand er in „Civil War“ auf der Verliererseite und steht nun dafür unter Hausarrest. Aber in drei Tagen ist die Bewährungsstrafe rum, dann kann er wieder vor die Tür und mit seiner kleinen Tochter Eis essen. Klar, dass es in diesen drei Tagen zu Komplikationen kommt.

Mal wieder ein „kleiner“ Marvel Film, der sich nicht um die Rettung des Universums oder Magie dreht, sondern um die Probleme einiger weniger Menschen. Scott möchte seine Strafe absitzen, Sidekick Louis möchte eine Sicherheitsfirma gründen, Kirk Douglas möchte seine Frau retten, Laurence Fishburn möchte helfen. Das alles ist nachvollziehbar, gut erzählt und dabei witzig gemacht. In der Summe ein guter Marvel-Film, ABER: Im Kino muss man den nicht gucken. Warum? WEIL JEDE, wirklich ausnahmslos JEDE COOLE ODER WITZIGE ACTIONSZENE IN DEN TRAILERN VORKAM. Echt, wer zwei Trailer von Ant-Man gesehen hat, der hat alle WTF-Staun-Momente gesehen. Der Rest ist immer noch witzig, aber das Kinoticket nicht mehr wert.

Anchorman 1 & 2 [Netflix]
San Diego in den 70ern – Ron Burgundy ist Chauvi, Polyesteranzugträger und Anchorman eines TV-Senders. In Teil 1 wird er damit konfrontiert, dass auch Frauen in Fernsehen kommen, in Teil 2 mit schwarzen Frauen.

Ich musste das jetzt mal gucken, allein schon, weil die beiden Filme popkulturell so oft referenziert werden (man denke an das „That escalated quickly“-Meme). Tatsächlich sind die Filme haarsträubender Nonsense, fast in Monty Python-Tradition. Wenn verfeindete Newsteam mit Keulen und Äxten aufeinander losgehen, Burgundy einen Aussetzer bekommt, weil sein neuer Chef eine farbige Frau ist oder eine ganze Sequenz in völliger Schwerelosigkeite´abläuft, weil ein Wohnmobil sich überschlägt – dann ist das so überzogender Schwachsinn, dass man den kaum noch vergessen kann. Dazu noch Christina „Dumpfbacke“ Applegate und eine umwerfende Linda Jackson, die Machos zeigt, wo die Glocken hängen – macht in Summe sehr viel Spaß.

Alibi [Theater im OP]
Mordgeschichte nach Agatha Christie. Auf einem Landsitz kommt ein Lord ums Leben. Gut, das ins Nachbarhaus gerade Hercule Poirot eingezogen ist! Der rüstige Rentner wollte eigentlich nicht mehr ermitteln und sich der Kürbiszucht widmen, kann es dann aber doch nicht lassen, den gewachsten Schnurrbart in den Kriminalfall zu stecken.

Schön gespielt und stellenweise überraschend. Am meisten überrascht hat mich, wie düster der Stoff ist. Ausnahmslos jeder hat hier Dreck am Stecken, und der Ich-Erzähler der Geschichte entpuppt sich am Ende als Lügner, der über seine Erzählung an das Publikum ein Alibi bauen wollte. Clever!


Spielen:

Gears of War [XBOX One]
In der Zukunft. Insekten wollen den Planeten von Innen heraus erobern, schwer bewaffnete Hightech-Soldaten, die „Gears“, haben was dagegen.

Deckungsshooter mit knackigem Gameplay und guten Mechaniken. Anspruchsvoll, aber ohne taktische Tiefe.

GTA IV [XBOX One]
Niko Bellic hat im Serbienkrieg unvorstellbare Dinge gesehen und getan. Nun kommt er nach New York, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Leider ist in den USA alles genauso wie daheim: Leute mit Geld haben das sagen, alle anderen müssen springen. Langsam arbeitet sich Niko durch die Hierarchie verschiedener, osteuropäischer Gangstersyndikate.

Fast 10 Jahre ist es her, das ich zuletzt in New York, pardon, „Liberty City“ unterwegs war. Eigentlich hatte ich versucht „Red Dead Redemption“ nochmal zu spielen, aber das war mir nach kurzer Zeit zu langweilig. GTA IV hingegen ist das beste, weil am dichtesten geschriebene, Spiel das Rockstar je gemacht hat. Nikos Story ist dicht erzählt, alles passt zusammen, und dazu diese Stadt: Ein glaubhaft simuliertes New York im Herbst, so schön, das man auch einfach so gerne mal spazieren geht. Die XBOX-One-Version löst lediglich höher auf, was die Texturen leider vermatscht. Und: Jetzt, nach 10 Jahren, laufen Lizenzen für die Musikstücke der Radiosender im Spiel aus. Rockstar patcht die darum Stück für Stück raus. Wer also das Game bei sich installiert hat: KEIN Update machen, dadurch wird Content entfernt!


Machen:

Vorbereitung: Tagung, Projekte, Werkstatt, Urlaub.


Neues Spielzeug:
Ein Nolan N100-5 Classic in Platinsilber mit einem N-Com 901 RL. Nolans neuer Flagship-Helm. Leider alles nicht toll, ausführliches Review dazu demnächst.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

3 Gedanken zu “Momentaufnahme: August 2018

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