Momentaufnahme: November 2018

Herr Silencer im November 2018

Drei Kreuze wenn der Monat endlich rum ist.

Wetter: Erste Monatswoche mit 6-20 Grad viel zu warm und sonnig. In der zweiten und dritten Woche wird es kühler, unter 10 Grad, aber die Sonne scheint immer noch aus allen Knopflöchern. Ab der vierten dann Novemberwetter: Dunkel, grau, feucht, kalt. So muss November!


Lesen:


Bob Woodward Fear [Kindle]

Das weiße Haus unter Trump. Einsichten und Hintergrundinfos zu den Geschehnissen der ersten 18 Monate.

Watergate-Urgestein Bob Woodward präsentiert Fakten von Augenzeugen, die Hintergründe zu Geschehnissen wie dem Rausschmiss von FBI-Chef Comey liefern. Mit seinem trockenen, nüchternen Stil wirkt Woodward wie aus der Zeit gefallen. Aufmerksame Leser erfahren wenig mehr, als sie aus den Medien nicht ohnehin schon wissen. Dabei liest sich das Buch weniger interessant als vergleichbare Werke („A higher Loyalty“, „Fire and Fury“), die allerdings auch deutlich auf reisserische Effekt abzielen. Woodward größte Leistung ist es, Trumps White House akkurat zu dokumentieren und seinen Herrschaftsstil auf ein Wort einzukochen, das es genau trifft: Angst. Ein Fest für zukünftige Generationen von Historikern, aktuell aber nicht herausragend.


Hören:


Sehen:

Fantastic Beasts: Grindelwalds Verbrechen [Kino]
Nude Sacaramanga, der introvertierte Magie-Zoologe, wird von Zauberlehrer Dummelbart nach Frankreich geschickt um einen faschistischen Albino-Johnny-Depp auzuhalten.

Ich mochte den ersten „Fantastic Beasts“ von 2016 sehr gerne. Das war eine erwachsene Geschichte in den 1920er Jahren, tolle Charaktere, und das alles in der „Harry Potter“-Zauberwelt von J.K. Rowlings. Leider hat nun „Grindelwalds Verbrechen“ mit dem ersten Film nicht mehr viel zu tun. Er ignoriert praktisch alles, was im Vorgänger geschehen ist, drückt bei einigen Charakteren den Reset-Knopf, belebt Tote wieder und verbiegt Figuren entgegen ihrer eingeführten Wesenszüge (Queenie in der unglaubwürdigsten Szene seit Anakin Skywalker).

Die Story von Fantastic Beasts 2 benötigt den ersten Film schlicht nicht, auch hier wird alles auf Null gesetzt – und kommt dann nicht mehr von der Stelle. Die Gesamthandlung von „Fantastic Beasts“ ist auf 5 Filme ausgelegt, und „Grindelwalds Verbrechen“ ist größtenteils Füllmaterial. Eigentlich geht es hier nur darum, dass alle was suchen, dann große Enthüllung am Ende.

Allerdings eine Enthüllung, die weniger schockierend ist, als vielmehr eine von der Sorte, bei der man sich an den Kopf fast und sagt „oh, bitte, nicht DAS auch noch!“.

Ab und zu schleicht Johnny Depp durch die Kulissen, bleibt aber dabei so blass wie die Hautfarbe seines Charakters. Toll sind dagegen die Ausstattung (Paris der 20er Jahre!), einige Tierwesen (ein Seepferdchen aus Algen!) und die Schauspielerische Leistung von Eddie Redmayne (Scamander), Allison Sudol (Queenie) und Zoe Kravitz (Letha Lestrange). Das gerade letztere am Ende völlig unmotiviert verheizt wird, wo sie vorher als der interessante Charakter aufgebaut wurde, versinnbildlicht das Problem: „Grindelwalds Verbrechen“ nimmt viel Anlauf, rennt dann aber mit voller Wucht gegen die Wand.
So kommt er nirgendwo hin.

Mary Poppins [Stage Theater an der Elbe]
Kindermädchen gibt Schützlingen halluzinogene Drogen und macht mit einem Obdachlosen rum.

Tolles Musical, das weniger durch große Emotionen oder mitreissende Musikstücke beeindruckt, als vielmehr durch die fantastische Inszenierung und Besetzung. Elisabeth Hübert IST Mary Poppins, und auch der Rest des Casts macht einen guten Job. Nicht mal die Kinder nerven, sondern spielen wirklich gut. Heimlicher Star der Show ist das Bühnenbild, das durch abgefahrene Tricks beeindruckt. Sei es ein ein Haus, das sich wie ein Pop-Up entfaltet, ein Park, der aus den Wolken herabfährt oder die Dächer von London, die sich langsam zusammensetzen – die Besucher staunen, und das ist es ja, was Mary Poppins letztlich schaffen will.

Der Gott des Gemetzels [Theater im OP]
Ein Junge hat einem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Eltern der Kinder setzen sich zusammen. Was als Austausch einer Entschuldigung und milder Worte beginnt, driftet schnell ab in Situationen, die den Kern der Personen und so einige Nerven freilegt. Das endet nicht in einem Gemetzel – aber ist dicht dran.

Die wechselnden Allianzen eines Nachmittags, der langsame Zusammenbruch von Lebenslügen, das wird schön gespielt und ist stellenweise wirklich sehr intensiv. Nur die Verwendung von echten Parfüm auf der Bühne, das hätte nicht sein müssen.


Spielen:

Assassins Creed: Odyssey [PS4]
Kassandra ist eine Mithios, eine Söldnerin im Griechenland des Jahres 430 v.Chr. Sie lebt ohne Familie und von Job zu Job. Das war nicht immer so: Sie kann sich noch an eine behütete Kindheit in Sparta erinnern. Bis zu dem Zeitpunkt, da ihr Vater, ein hochdekorierter Soldat, ihren Babybruder vom Berg Tygetos warf – und sie gleich hinterher.

Das Mädchen überlebte den Sturz und wurde zu einer muskulösen Kämpferin, die nun gegen Geld säumige Zahler auf der Insel Kefalonia zusammenschlägt oder für die Meistbietenden in deren Schlachten zieht. Das ändert sich, als sich ihr die Chance bietet, Kefalonia zu verlassen. Kassandra reist fortan durch Griechenland und begegnet Zeitgenossen wie dem Geschichtsschreiber Herodot oder dem Philosophen Sokrates. Allerdings ist die Reise nicht immer friedlich: Zwischen Athen und Sparta tobt der peloponnesische Krieg. In dessen Wirren findet Kassandra Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte und Hinweise auf einen geheimnisvollen Kult, der im Hintergrund die Fäden zieht.

Eigentlich sollte hier eine längliche Rezension stehen, aber die muss nochmal verschoben werden. AC:O ist groß. ZU groß. Es gibt von allem zu viel: Zu viel zu erkunden, zu viel Quests, zu viele Charaktere. Ich spiele das jetzt seit Oktober und habe allen anderen Medienkonsum auf Null zurückgefahren, und dennoch bin ich vom Ende noch weit entfernt. Das bei Spielstunde 80 ein gamebreaking Bug auftauchte, wegen dem ich 20 Stunden zurückgeworfen wurde, macht die Sache natürlich auch nicht besser.

Es gibt es viele Gründe, das Spiel nicht zu mögen: Mal wieder zu wenig Handlung. Mitlevelnde Gegner (Todsünde! Dadurch wird jegliches Progessionsgefühl negiert!). Neue Systeme, die völlig unnütz sind (Schlachten, Söldner). Echtgeld XP-Booster, die das Durchspielen beschleunigen. (Das muss man sich mal reinziehen: Man kauft ein Spiel um unterhalten zu werden, und muss DANN noch Geld ausgeben, damit es kürzer wird!).

Aber: Griechenland inkl. der wichtigsten Inseln ist wunderschön modelliert, die Charaktermodelle sind eine Augenweide, und irgendwie macht es dann doch großen Spaß. Schade, dass aufgrund der zu langen Spielzeit nur wenige Menschen das Ende dieser Odyssee sehen werden. Kann man im Sale auf jeden Fall kaufen, mehr dazu dann in Kürze.


Machen:
Mal wieder das MKG besuchen.


Neues Spielzeug:

Ein neuer Kindle Paperwhite. Meinen alten habe ich 2012 gekauft, der hat also schon satte 6 Jahre auf dem Buckel. Und er war immer noch gut: Der Akku hält immerhin noch zwei Wochen (Hälfte von dem, als er neu war), das Display hat keine Kratzer, und obwohl ich ihn überall mit hinschleppe und sogar am Strand benutze, hat er keinerlei Verschleisserscheinungen.

Trotzdem nun der neue, der mich durch saftige Preisreduktion in der Cyberwoche verführt hat. Der neue ist nun wasserfest, bringt Bluetooth für Hörbücher mit und ist (spürbare) 30 Gramm leichter. Damit hat der Paperwhite jetzt alles, wegen dem ich mit dem Kindle „Voyage“, den es nun nicht mehr gibt, geliebäugelt hatte.

Der eInk-Bildschirm ist in der 4. Generation wesentlich besser ausgeleuchtet als bei meinem alten Modell, zum direkten Vorgängermodell von 2016 sieht man aber keine Änderung. Enttäuschend: Das Display hat immer noch keinen Nachtmodus mit wärmeren Farben. Das Gerät strahlt so weiß-blau, wie der interne Modellname („Moonshine“) es vermuten lässt.

Unschön: Der Kontrast ist nicht mehr so hoch – statt gestochen scharf und schwarz wirkt die Schrift bei niedriger Beleuchtungseinstellung und Standardschriftart nun grau und etwas verwaschen, und das trotz einer Retinaauflösung von 300 Bildpunkten. Das sei normal so, sagt der Amazon-Kundendienst. Ebefalls unschön: Das Display schließt jetzt plan mit der Vorderseite ab. Das sieht hübsch aus, bedeutet aber auch: Legt man das Gerät mit dem Display nach unten ab (damit es nicht einstaubt), gibt es Kratzer. Schön ist dagegen die Geschwindigkeit – der neue Paperwhite lässt sich flüssig bedienen, mein alter brauchte bei jedem Tipp außerhalb eines Buches 5 bis 10 Sekunden, bis er die Aktion ausführte.

Insgesamt ist die 4. Generation ein nettes Update, das aber zu kurz gesprungen ist und mich etwas enttäuscht zurücklässt. Besitzer des direkten Vorgängers bleiben besser bei ihrem Gerät, wenn sie nicht dauernd in der Badewanne lesen oder Hörbücher hören wollen. Ansonsten wartet man besser auf die nächste Generation, die dann sicher einen Warmlicht-Modus für Nachts mitbringt.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

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