New Gear 2018: Bäh, Handschuhe

„Zwei Paar Handschuhe und ein Paar Stiefel soll man als Moppedfahrer haben, das ist die goldene Regel“.

Gut, die Regel ist nicht golden. Sie ist nicht mal in Stein gemeißelt. Sie ist von mir selbst gemacht, also vermutlich eher aus Sperrholz oder so. Bislang fuhr ich immer gut mit der Regel, bis ich dieses Jahr gegen sie verstoßen habe. Was natürlich doof war, Regeln gibt es immerhin nicht aus Spaß an der Freud.

Die Strafe folgte auf dem Fuß: Ich war gezwungen Handschuhe zu kaufen. Ausgerechnet! Dabei war ich SO froh, dass nach dem unsäglichen Jackendrama und dem Albtraumhosenkauf das Thema Moppedbekleidung für dieses Jahr eigentlich durch sein sollte. Aber es kam, natürlich, anders. Handschuhe kaufen, BÄH!

Bislang hatte ich immer zwei Paar Handschuhe zum Motorradfahren: Ein Paar von Reusch, ungefüttert, aber mit starken Protektoren und Nietenbesatz, für Temperaturen über 20 Grad.

Das zweite Paar von der Eigenmarke „Vanucci“ von Louis. Membran, Thermofutter, aber nicht zu dick. Die Dinger deckten die unglaubliche Bandbreite zwischen 5 und 20 Grad ab und waren absolut wasserdicht. Die beiden Paare deckten bislang praktisch alle Eventualitäten ab. BTW: Die Ansage mancher Handschuhersteller, dass ein Handschuh für alle Jahreszeiten gleichermaßen tauge, ist Marketinggewäsch. Das funktioniert nicht. Aber zwei Paare, das taugt.

Den ersten Fehler beging ich, als ich dachte „Hm. Wenn nun Sommer ist, und es regnet – wäre doch nett leichte, ungefütterte und trotzdem wasserdichte Handschuhe zu haben, oder?“

Ich suchte und suchte und landete wieder mal bei Vanucci. Die „Summer Dry“ haben großzügige Mesheinsätze, eine wasserdichte Membran und kein Innenfutter.

Sowas gibt es nicht all zu oft, und das hat einen Grund, wie ich bald merkte: Diese Kombination funktioniert einfach nicht.

Das merkte ich aber erst, als ich auf Sommerreise war, und das Gefühl hatte, mich darin verrückt zu schwitzen. Ich konnte die echt nie lange tragen, die waren totes Gewicht im Reisegepäck. Tja, hätte ich mal meine eigene Regel befolgt. Zwei Paar Handschuhe reichen, das dritte ist Unfug.

Der Grund, warum die „Summer Dry“ unerträglich sind: Die Membran verhindert zuverlässig, dass die Lüftungslöcher ihren Job machen können. Im Handschuh bekommt man vom Fahrtwind nichts mit, die Mesheinsätze sind völlig sinnlos.

Membranen funktionieren zudem nur dann, wenn zwischen Innen und Außen, sprich Körper und Umwelt, ein ausreichend starkes Temperaturgefälle herrscht. Das tut es im Sommer aber nicht. Resultat: Die Membran wirkt wie eine Plastiktüte. Man schwitzt sich darin tot, nach 10 Minuten baden die Hände im eigenen Schweiß und bekommen nicht mal Fahrtwind ab.

Ich habe das mal als Lehrgeld verbucht. Sommerhandschuhe mit Mebran können physikalisch schon nicht funktionieren. Die Summer Dry von Vanucci taugen auch bei kühlerem Wetter nichts: Die Outdry-Membran so schlecht laminiert, das sie sich in den Fingern löst. Beim Ausziehen zieht man de Membran dann gleich mit raus.

Aber egal, ich hatte ja immer noch meine beiden bewährten Paare. Dachte ich. Bis X-Fish von durchgerödelten Handinnenflächen bei seien Sommerhandschuhen berichtete. Da inspizierte ich meine geliebten Reusch etwas näher, und was soll ich sagen… 10 lange Sommer, in denen ich das Leder in meinem Schweiß getränkt habe, haben ihren Tribut gefordert. Abnutzung und Hautschweiß haben das Leder ganz dünn und mürbe gemacht.

Unmittelbar vor der Sommerreise mussten daher schnell neue Sommerhandschuhe her, am besten wieder gute mit Protektoren. Problem dabei: Ich habe lange, schlanke Finger, aber breite Handteller. Für sowas schneidern die Markenhersteller nicht. Alpine Stars sowieso nicht, die verkaufen nur Kindergrößen (im ernst, unter „XXL“ muss man bei denen gar nicht erst anfangen zu gucken). Ich war Willens es mit Held zu probieren, aber eine Probefahrt später merkte ich, dass die zu eng saßen und eine Naht vorne so auf die Fingerkuppen drückte, dass die Hände einschliefen.

Offensichtlich habe ich Vanucci-Hände, denn hier passten die Sommerhandschuhe am besten. Zähneknirschend kaufte ich die. Zähneknirschend deshalb, weil ich Vanucci in Punkto Abriebfestigkeit und Haltbarkeit der Nähte bei einem Unfall kein Stück traue. Mit ihren Lederdoppelungen und dem keramischen Superfabric sind die hoffentlich besser als der ganz billige Chinamist, aber mit Sicherheit sind die qualitativ weit von Alpine Stars oder Dainese. Aber was soll ich machen, wenn die nicht passen?

Vom Tragekomfort her sind die „Vanucci Summer Touring III“ auf jeden Fall prima. Sie sind leicht, und durch die Mesheinsätze auch gut belüftet. Sie haben keine Hartschalenprotektoren auf den Knöcheln, nur Superfabric. Am Anfang fusseln sie etwas und machen die Hände schwarz, das ist aber nach der zweiten, dritten Fahrt vorbei.

Den Sommer über habe ich die Dinger echt zu schätzen gelernt. Also alles gut, wieder zwei Paare vernünftige Handschuhe am Start, die Qual des Einkaufs überstanden? Nee, natürlich nicht.

Auf der Rückfahrt aus dem Sommer kam ich in Starkregen, und guess what? Genau, meine absolut wasserdichten, dickeren Handschuhe waren plötzlich undicht. Nach fast 10 Jahren hat sich hier die Membran verabschiedet. Dummerweise gibt es die Vanucci V-Tech nicht mehr. Glücklicherweise gibt es einen Nachfolger, den VC1. Und den gab es jetzt gerade im Angebot.

Die Protektoren sind immer noch genauso weich wir früher, aber sowas verbauen jetzt alle Hersteller. Die Zeiten der martialischen Carbonschalen auf Tourenhandschuhen sind bei den meisten vorbei.

Auf den Innenseiten ist, wie bei den Sommerhandschuhen auch, Superfabric eingelassen.

Das Futter ist nicht superdick, aber warm, und die Outdry-Membran ist ordentlich verarbeitet und absolut wasserdicht.

Damit habe ich sie wieder, die beiden Handschuhpaare, die jeder Moppedfahrer braucht.

Kategorien: Motorrad | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „New Gear 2018: Bäh, Handschuhe

  1. Die Held Sambia waren nichts als Sommerhandschuhe? Hat Louis eigentlich auch immer herumhängen. Oder gar nicht anprobiert?

    Nun darf ich mich auf die Suche nach neuen wasserdichten Handschuhen machen. Ich schaue mir mal die Vanucci VC1 an. Im März werde ich sie wohl brauchen… 😉

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  2. Die Sambia habe ich sogar gekauft, die passten im Geschäft ganz OK. Leider hat sich dann rausgestellt, dass die direkt vorne an der Fingerkuppe des linken Ringfingers eine fette Naht auf der Innenseite hatten. Da stieß der Finger an und schlief beim Fahren ein. Auch am Handrücken saßen die ganz leicht zu eng. Deshalb gingen die leider zurück, auch wenn ich das Material super fand.

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