Momentaufnahme: Februar 2019

Herr Silencer im Februar 2019

#LastChanceToSee

Wetter: Der Monat startet mit moderaten Minusgraden und wird dann grau und warm, mit um die 5 Grad und Regen. Am dritten Wochenende bratzt plötzlich die Sonne aus allen Knopflöchern, tagsüber sind es plötzlich 14 bis 18 Grad hat, nachts jedoch noch -2. Das macht Migraine, ermöglicht aber den frühen Start der Motorradsaison.


Lesen:


Stephen Fry: Making Histroy [Kindle]

Was wäre wenn… Hitler nie geboren worden wäre? Diese Frage stellt sich Geschichtsstudent Marc. Da auf dem Campus der Universität von Cambridge zufällig ein Professor wohnt, der eine Zeitmaschine erfunden hat, bekommt er die Gelegenheit das auszuprobieren. Die Folgen sind aber anders als erwartet. Als Marc in die Gegenwart zurückkehrt, muss er feststellen, dass die NSDAP und das dritte Reich trotzdem passiert sind, aber von fähigeren Leuten als von Hitler geführt wurden. Das Resultat: England steht seit 50 Jahren unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Ich hatte das Buch schon mal gelesen, Ende der 90er, und war von dem Alternate History Ansatz sehr angetan. Ganz viel mehr wusste ich aber nicht mehr, außer, dass mich die Ideen darin sehr beeindruckt hatten.

Tatsächlich hat Stephen Frey mehr als eine gute Idee für seine, auch durchaus ordentlich recherchierte, Geschichte. Was aber leider gar nicht geht sind Hauptdarsteller und Pacing.

Der Protagonist ist nämlich eine weinerliche, egozentrische Arschgeige, der sich hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und es legitim findet, der Ex-Freundin das Auto zu verunstalten (aber nichtmal das richtig hinbekommt).

Satte 40 Prozent des Buches sind Exposition und Vorgeschichte. Nachdem die Story so viel Anlauf genommen hat, hat Frey aber anscheinend keinen Bock mehr sie auch ordentlich weiter zu erzählen. Der Mittelteil besteht aus Zeitsprüngen und teilweise nur aus Dialogen in Regieskripten. Ja, wirklich – Fry schreibt etliche Kapitel in einem Drehbuch („Tag, Außenaufnahme. Michael (aufgeregt): „…““). Und am Ende gibt es einen Deus-Ex-Machina-Moment, der einfach binnen Kürzestem alles auflöst.

Zusammengefasst: Tolle Story, die aber auf denkbar schlechte Art erzählt wird und einen unsympathischen Hauptdarsteller hat. Für Fans von alternativen Zeitlinien, in denen Nazis den Krieg gewonnen haben.


Hören:

Tina Turner: Simply the Best
Nach dem Musicalbesuch mal die Werke von Tina Turner durchgehört und erstaunt gewesen: Ich hatte die Musik viel rockiger und schneller in Erinnerung. Tatsächlich sind aber selbst die schnelleren Stücke („Simply the Best“, „Steamy Windows“) für heutige Ohren sehr langsam und poppig. Interessant, was das Gedächtnis aus sowas macht.


Sehen:

Gesehen in London: Theater und Musicalbesuche, Teil I
Gesehen in London: Theater und Musicalbesuche, Teil II

[Kino]

Alita Battle Angel
Das Jahr 2.600. Die Menschen leben nach einem großen Krieg in einem dystopischen Großstadtslum. Eines Tages findet Christopger Walz im Schrott einen Roboterkopf mit einem Teenagergehirn darin. Da er zufällig Cyborgdoktor ist, baut er einen Körper an den Kopf und nennt das Ganze Alita. Der Kopf hat zunächst keine Erinnerung woher er kommt und was er mal war. Deshalb entdeckt er die Welt und verliebt sich. Es gibt da nur ein Problem: Alita kann keinem Kampf aus dem Weg gehen.

OK, ich bin offiziell beeindruckt. Die Figur der Alita ist vollständig CGI, und die Performance von Rose Salazar, der Schauspielerin, die das Motion Capturing gamcht hat, ist umwerfend.

Der Film als solches hinterlässt mich aber zwiegespalten. Einerseits traut er sich Wärme, was cool ist. Der Slum wird von warmen Sonnenstrahlen erleuchtet und wirkt wie ein echter Heimatort, und die väterliche Beziehung von Christopher Walz zu Alita oder die Liebesbeziehung zwischen Alita und einem Teenager strahlt Wärme und Liebe an jeder Ecke aus.

Das steht in einem merkwürdigen Kontrast zu dem, was der Rest des Films uns zeigt: Eine dystopische Überwachungsgesellschaft in Slums und entmenschlichte Cyborgs mit Körpern aus Schrotteilen, die den allerschlimmsten Cenobiten-Alpträumen entsprungen sein könnten. Das wird aber nur en passant und als völlig normal abgehandelt. Ist es in dieser Welt auch, aber in meinem Kopf erzeugt das eine seltsame Dissonanz. Vielleicht hätte etwas mehr dark & gritty dem Ganzen gut getan.

Neben der Dissonanz habe ich aber noch zwei andere Probleme mit Alita. Im Mittelteil tritt die Story etwas arg lang auf der Stelle, Teenagerromanzen interessieren mich dann doch nur so mittel. Und: Das Ende ist krass unbefriedigend. Klar, Alita macht eine Coming of Age Geschichte durch und kommt am Ende einer Reise an, für den Zuschauer fühlt es sich aber an, als würde uns etwas Wichtiges vorenthalten. Das ist schade, denn abgesehen von von Storylängen und dem abrupten Ende ist Alita spektakulär gut und macht alles richtig: Tolle Schauspieler, riesiger Production Value, irre Actionszenen. Aber diese beiden Punkte sind es wohl, wegen denen Alita an den Kinokassen nicht gut lief, was wohl eine Fortsetzung unwahrscheinlich macht – und damit die Story auf ewig in der Luft hängen lässt.

Pastweka, Staffel 9 [Amazon Prime Video]
Pastewka ist abgebrannt. Nach dem Ende von „Frier“ und seiner Odyssee in der letzten Staffel wohnt er nun auf dem Biohof der Bruck und muss eine Arztserie für das ZDF drehen. Das ihm dabei ständig von Katja Woywood unterstellt wird, dass er ja Komiker und kein Charakterdarsteller ist, macht die Sache nicht einfacher.

Was für eine Staffel. Nachdem sowohl Serie als auch Charakter nach dem Weggang von Sat.1 im vergangenen Jahr eine überdrehte Midlifekrisis abfeierten, findet „Pastewka“ hier zu einem deutlich erwachseneren Ton und zu neuen Erzählweisen. Setzte die Serie früher fast ausschließlich auf Fremdschämmomente, werden nun andere Akzente gesetzt. Das ist auch gut so, denn andere Serien haben Fremdschäm-Humor schon so überdreht, dass die neuen Wege von Pastewka erfrischend sind.

Das tut auch den Figuren gut, die teils geerdeter (Pastewka, Anne) teils noch absurder (Bruck) daherkommen. Die Storys der kurzen Episoden spiegeln diese Erdung wieder. Es geht u.a. um Impfverweigerung und Stalking, zu denen die Serie eine Haltung hat. Sehr gelungen, sehr lustig, und das, ohne peinlich zu sein. Bitte mehr von sowas!

The Predator (2018) [Prime Video]
Bei einem Außeneinsatz findet ein Soldat Teile einer Predator-Rüstung. Die isst zum Teil auf, zum Teil schickt er sie nach Hause. Das gefällt dem Predator nur so mittel, und so kommt es zum Kampf Außerirdischer gegen Mensch. Bis beide merken, dass sie ein größeres Problem haben. 3,50 groß, um genau zu sein: Ein Predator Update.

Ah, Mensch. Das Predator-Franchise könnte so cool sein, schießt sich aber permanent selbst in den Fuß. Die 2018er Neuauflage gab Anlass zur Hoffnung, denn mit Shane Black sitzt wieder der Macher des 1987er Originals im Regiestuhl. Geholfen hat das aber nichts, der 2018er Predator hat zwar ein, zwei nette Einfälle, ist aber in der Summe ein erzählerisches Chaos und von Szene zu Szene unerträglich dumm. Wirklich, das Skript wirkt, als habe jemand besoffen den Ur-Predator gesehen und dann völlig bekifft die 2018er-Fassung zu Papier gebracht. Nun waren Predator-Filme noch nie eine intellektuelle Herausforderung, aber dieser hier ist mit seinen Rasta-Hunden, seinen Kinderdarstellern, den vergurkten Charakteren und schlimmen Onelinern so absurd dumm, dass meine Suspension of Disbelief bricht. Das ist der Moment, in dem man aus dem Film fällt und alles auf einer Metaebene wahrnimmt. Und da die sich nicht mal ironisch lesen lässt, ist dieses „Upgrade“ ein weiterer Schuß in den Fuß.


The Incredibles 2 [PSN]
Superhelden sind verboten, aber das will ein Milliardär ändern. Seiner Meinung nach braucht man einfach eine bessere PR. Um die zu bekommen, wird Mrs. Incredible mit Kameras ausgestattet und dabei gezeigt, wie sie gutes tut. Die Lobbymaßnahme funktioniert, die öffentliche Meinung ändert sich langsam. Derweil passt Mr. Incredible auf die Kinder auf.

Der erste „Incredibles“ war eine berührende Hommage an Superheldenverehrende Kinder und nebenbei ein perfekter Bond-Film. Teil 2 schließt inhaltlich nahtlos an den 14 Jahre alten Vorgänger an und liefert eine wilde Actiongeschichte, die aber Tiefgang und Herz des Originals vermissen lässt. Die Animationstechnik lässt einen Staunen, aber mehr als ein Action-Blockbuster mit Slapstickeinlagen ist „Incredibles 2“ leider nicht.


Spielen:

Red Dead Redemption 2 [PS4]
Die USA im Jahr 1899. Der Westen ist nicht mehr wild, sondern wird Stück für Stück gezähmt. Die Zivilisation breitet sich aus und bringt die Eisenbahn, asphaltierte Straßen und Elektrizität. Pinkertons sorgen für Recht und Ordnung, die unkontrollierten Gebiete werden immer kleiner. Das ist doof für Arthur Morgan, denn er ist ein Outlaw, ein Gesetzloser, der sich mit seiner Bande vor den Gesetzeshütern versteckt. Arthur ist klar, dass die Zeit der Outlaws vorbei ist. Er möchte lieber heute als morgen mit Betrügereien und Überfällen aufhören und ein geregeltes Leben führen. Das Problem dabei: Damit die Gang aus Männern und Frauen endlich sesshaft werden kann, brauchen sie Geld.

Ach welch Tragödie sich hier entfaltet. Langsam und behäbig erzählt RDR2 eine Geschichte um den Abgesang einer alten Welt und was mit denen passiert, die sich nicht ändern können oder wollen. Nach einem storytechnisch spannenden Einstieg wird die Geschichte über lange Zeit recht gemütlich – hier ein Raubüberfall, dort eine Gaunerei, oh wie schön ist das Leben als Outlaw.
Die Handlung steht hier still oder dreht Schleifen, fast möchte man dem Spiel zurufen „nun mach hinne!“.

Das ändert sich im letzten Drittel aber dramatisch. Dort verschlägt es Arthur nicht nur in Gefilde außerhalb der USA, auch sein Charakter macht eine massive Entwicklung durch. Das ist bedrückend inszeniert und macht noch deutlicher, das RDR2 kein Spiel für die Freunde von Happy Ends ist. Das die eigenen Entscheidungen aber Auswirkungen auf das Ende der Geschichte von Arthur Morgan haben, ist ein schöner Nebeneffekt. Mit Arthurs Story endet aber nicht die von RDR2, das sich Mühe gibt Brücken zum storytechnischen Nachfolger Red Dead Redemption zu bauen – und das supergut macht.

Der eigentliche Star bei RDR2 ist die lebendige und wunderschöne Welt, sowas hat man auf der 8. Konsolengeneration noch nicht gesehen. Die Wildnis ist superdetailiert dargestellt, überall hoppeln und springen und summen perfekt animierte Tiere durch die Welt. Die Details sind völlig irre: An Wagenreifen bleibt Match kleben, Pferde äpfeln wo sie stehen und gehen, wenn Arthir längere Zeit nicht badet, wird das von anderen kommentiert.

Diese Welt ist auch nicht vollgemüllt mir Icons, die auf Aktivitäten Hinweisen. Icons gibt es nur für Storymissionen, ansonsten ist die Welt jederzeit und überall offen für Jagen, Reitrennen, Angeln, Kartenspielen, Blumenpflücken und Karten sammeln. Außerdem geistern skurrile Charaktere darin herum, denen man ab und an zufällig begegnen kann, und die alle ihre eigene Story mitbringen. All das kann man machen, muss es aber nicht. Ich habe mich nur auf die Hauptstory konzentriert und all das Nebengetue ignoriert, ohne dadurch Nachteile gehabt zu haben. Vorbildlich!

Schwachpunkte des Spiels sind die unintuitive Steuerung und ein Bewegungsmodell, dass einen durch ständige Restriktionen in den Wahnsinn treibt. Arthur bewegt sich in Schneckengeschwindigkeit, weil er sich mal in einem Camp, mal in einer besonderen Straße befindet. Mal kann er Waffen tragen und ziehen, mal nicht. In Missionen sind auch die Laufwege festgelegt, was zu einer seltsamen Situation führt: In der freiesten und offensten Spielewelt, die man bislang erleben durfte, spielen sich die Missionen wie auf Schienen.

Außerdem zieht sich das Ganze wie sau. Da eine ordentliche Schnellreisefunktion fehlt, ist man ständig damit beschäftigt von A nach B zu reiten, und das dauert. Um von einer Seite der Karte zur anderen zu kommen braucht es rund 20 Minuten. Die Intention ist klar: Man soll die lebendige Welt erleben! Macht man aber nicht. Man kann nämlich das eigene Pferd auf Autopilot stellen und sich in der Küche ein Brot schmieren, wenn der Gauk durch die Gegend galoppiert. Gefühlt ist man fast die Hälfte der 70 Stunden mit Brot schmieren beschäftigt, und wenn man die Hälfte eines Spiels in der Küche verbringt, ist das nicht OK.

Red Dead Redemption 2 ist ein episches Werk, das viel richtig macht, und in dem unfassbar viel Mühe steckt. Perfekt ist es aber nicht, das verhindert die Steuerung und die (viel) zu lang gestreckte Spielzeit.


Machen:
Eine Reise nach London.


Neues Spielzeug:

Bild: Marks & Spencer

  1. Ein Morgenmantel. So ein richtig klassischer, karierter Arthur-Dent-Morgenmantel aus Flanell, gekauft bei Marks&Spencer am Marble Arch.

  2. Ein Sojourn 60 von Osprey. Bei diesem Rucksack kann man die Tragegurte komplett einfalten und ihn wie ein Duffelback oder einen Trolley benutzen.

Ich verachte ja Trolleys und bin ein großer Fan meines Cabin Max 44 Rucksacks, der als Handgepäck durchgeht und in den ich für Reisen bis zu 2 Wochen alles reinbekomme. Aber die nächste Reise wird länger und größer, da sind 15 Liter mehr Stauraum und die Möglichkeit zum Rollen schon wertvoll.

Mit dem Sojourn habe ich geliebäugelt, seitdem ich ihn vor 8 Jahren mal bei einer Bahnreisenden gesehen habe – nun hatte ich die passende Ausrede um ihn mir zuzulegen.

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Gnadenloses Leben, Momentaufnahme | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Momentaufnahme: Februar 2019

  1. Fortsetzungen kommen häufig nicht mehr an das Original heran. Das zweite Mal den Einkaufswagen im Supermarkt nicht mehr wiederfinden, das zweite Mal den kleinen Zeh an der Türzarge einhaken, das zweite Mal in einer Woche statt »snooze« auf »off« kommen und dann plötzlich hektisch werden wenn man zur Arbeit losfährt… Wobei ich den zweiten Incredibles schon unterhaltsam fand – im englischen Original.

    Bin auf den zweiten Teil vom Wreck-it-Ralph auch gepannt. Versuche bislang gekonnt ihn mir nicht zu spoilern. Mal abgesehen von »the bunny get’s the pancake…«.

    Ach ja: Noch einmal schlafen. Dann wacht die BMW wieder auf. 😉

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  2. DL650R

    Na was für ein Glück, dass die Bahnreisende den Sojourn damals nicht de-branded hatte. 🙂

    Der Morgenmantel geht ja auch fast als Smoking Jacket durch. Kannste mit Blue Jeans im Prinzip den ganzen Tag tragen.

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  3. X-Fish 😀 Auf Ralph 2 warte ich auch, den ersten fand ich auch rührend. Sag der BMW guten Morgen von mir!

    DL650R: Ja, glück gehabt, dass ich die Marke sehen konnte. Und ja, der Morgenmantel trägt sich sehr bequem im Büro, gerade ist ja casual Friday.

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  4. Freitags sind bei mir häufig Besprechungen… Den Casual Friday würde ich sonst gerne anders begehen…

    »Ich erwähn‘ das weil es manchmal auch einen Mann gibt…ich würd‘ nicht sagen ein Held, denn was ist schon ein Held? Aber manchmal da gibt’s ein Mann, ich rede hier von dem Dude, also manchmal da gibt’s ’nen Mann, das ist der richtige Mann am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. Der passt genau da hin. Und so einer war der Dude.«

    😉

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