Impressionen eines Wochenendes (25): Wismar

Was fällt einem zu Wismar ein? Fischbrötchen, vielleicht. Das Folgende aber bestimmt nicht.

Arbeitswochenende in Wismar. Wismar ist eine Hansestadt an der Ostsee, auf halbem Weg zwischen Hamburg und Rostock. Aus irgendwelchen Gründen hält der Zug zwischen Hamburg und Wismar in Bad Kleinen. Das Bad Kleinen mit der RAF-Hinrichtung, wissen schon. Der Zug steht da mindestens eine halbe Stunde rum, manchmal auch eine Stunde. Als Reisender hat man Angst, da nie wieder weg zu kommen.

Wismar selbst ist hübsch und schmuck. Breite Straßen, typisch norddeutsche Backsteinbauten. Zumindest im Stadtzentrum. In der Periphie steht auf der einen Straßenseite Backsteinhäuschen und auf der anderen Plattenbauten. Eine Mischung, die mein Kopf nicht überein bekommt.

Aber wie gesagt, die Innenstadt ist sehr putzig.


Hier lebt man von Tagestouristen, und das merkt man am recht hohen Preisniveau in den zahlreichen Fischrestaurants und Konditoreien. Am Hafen kloppen sich Touristen und Möwen um Fischbrötchen.

Es gibt eine Fernsehserie, „SOKO Wismar“. In der hat die Polizei ein Backsteinhauptquartier. In Wahrheit ist das aber der alte Kirchhof.

In Wismar wurde auch 1921 „Nosferatu“ gedreht, die Geschichte um den schrecklichen Grafen Orlok. Eigentlich ist Orlok Drakula. Aber die Witwe von Bram Stoker wollte die Rechte für Dracula nicht an den Deutschen Fritz Murnau verkaufen, so kurz nach Ende des ersten Weltkriegs. Also dreht Murnau die Geschichte von Drakula und benannte nur die Hauptfigur um.

An Nosferatus Drehorte erinnern beleuchtete Kacheln im Boden.

Durch dieses Tor, zum Beispiel, schleppte Graf Orlok seinen Sarg bei der Ankunft in Wisborg, wie Wismar im Film heißt. Mal ehrlich, was ist das für ein armseliger Graf, der seinen Sarg selber schleppen muss?

In Wismar gibt es die Tittentastergasse.

Die heißt so, weil sie früher so eng war, das zwei Personen, die sich aneinander vorbei wollten, sich zwangsweise nahe kamen. Heute ist das Schild nur noch aufgemalt, weil es dauernd geklaut wurde. Die Gasse selbst gibt es nicht mehr, der Eingang zwischen zwei Häusern endet nach wenigen Metern an einer Gärtnerei und dem Eingang zu einer Arztpraxis.

Wismar sollte mal umbenannt werden in „Karstadtstadt“, weil hier der Herr Karstadt 1881 sein erstes Kaufhaus eröffnet hat. Machte man dann aber doch nicht, hört sich ja auch doof an. Den Karstadt gibt es aber heute noch, er ist nach heutigen Maßstäben sehr klein und verwinkelt hat noch ein Treppenhaus, das entfernt an Schmiedeeisen erinnert.

An der Bademutterstraße gibt es einen Springbrunnen mit einer Platte in der Mitte. Wenn man auf der steht, blickt man auf die Löwenapotheke. Über der hängt ein goldener Löwe, ungefähr 20 Meter entfernt. Wenn man nun auf der Platte steht und zu dem Löwen spricht, dann hört man seine eigenen Worte, aber 1,5 Mal so laut wie man selbst redet.

In Wismar steht die zweitgrößte Backsteinkirche der Welt. Die Georgenkirche wurde 1945, in den letzten Kriegstagen, von Luftminen schwer beschädigt. In der DDR machte man sich nicht die Mühe, die noch stehenden Reste wegzuräumen. Man ließ die einfach stehen und weiter verfallen. 1990 viel dann der Rest der Kirche auf zwei Einfamilienhäuser, 5 Erwachsene und zwei Kinder starben dabei. Seitdem wurde die Kirche wieder aufgebaut, was 47 Millionen Euro kostete. Die Hälfte davon kamen aus Spenden.

Ob das Gebäude heute wirklich noch eine Kirche ist, darüber streiten die Gelehrten. Sie wurde nämlich nach dem Neubau nicht geweiht. Andererseits war es ja nur ein Wiederaufbau eines geweihten Gebäudes. Ach, wurscht. Due Georgenkirche ist auf jeden Fall eines: GROß.

Man kann mit einem Fahrstuhl auf den Turm fahren und aus 60 Metern Höhe auf Wismar runtergucken. Das ist nett.

Wismar hat noch mehr Backstein und noch mehr Kirchruinen.

Und auch sonst ist es sehr nett in Wismar. Selbst wenn man keinen Fisch mag, kann man da mal vorbeifahren und auf den Spuren des schrecklichen Grafen Orlok wandeln.

Kategorien: Impressionen, Reisen | Hinterlasse einen Kommentar

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