Superalbtraum Passat

Man stelle sich vor, man fährt in Zeitlupe auf ein anderes Fahrzeug auf. Man sieht das Meter entfernt, tritt auf die Bremse und NICHTS passiert. Immer weiter und weiter fährt man auf das Auto vor einem zu, bis es rummst.

Sowas ist mir gerade passiert. IN EINER WASCHSTRASSE. Unglaublich, aber wahr.

Als ich um die Ecke kam, stand ein nagelneuer Passat irgendwie komisch auf dem Schleppband der Waschanlage. Anscheinend hatte der Fahrer es geschafft, sich vom Personal einweisen zu lassen und dann, als er auf dem Band stand, hat er entweder den Motor ausgemacht und vergessen den Gang einzulegen ODER er hat nicht dran gedacht, dass diese neuen Passats von selbst die Handbremse anziehen.

Jedenfalls hing der komisch auf dem Band, und ein Mitarbeiter musste ihn nochmal einweisen. Ich fuhr direkt hinter ihm rein, schon dichter, als mir lieb war. Weil mir das ganze komisch vorkam, stellte ich das Handy auf´s Armaturenbrett und ließ eine Videoaufzeichnung laufen.

Alles lief normal, bis der Wagen vor mir in den Trocknungsbereich kam. Da ging die Waschstraße plötzlich aus. Eine Bürste war wohl aus der Halterung gesprungen. Ein Angestellter kam und drückte die wieder rein.

Die Anlage lief wieder an, das Laufband ruckte weiter. Der Wagen vor mir aber nicht.

Der Fahrer hatte zwischenzeitlich den Motor an- und wieder aus gemacht, und nun bewegte sich seine Kiste keinen Millimeter. Ich konnte sehen, wie sich der Passat schüttelte, als das Laufband versuchte ihn gegen den Widerstand der Bremse weiter zu ziehen. Währenddessen bewegte sich mein Wagen immer weiter auf das stehende Hindernis zu.

Ich krallte mich ins Lenkrad. Irgendwann musste der doch merken, was da gerade passierte, oder??!? Nein, tat er nicht. Passatfahrer sind merkbefreit. Sollte ich eigentlich wissen (1,2).

Ich bin schon seit Jahren der Überzeugung, dass mich irgendwann ein Passat erwischen wird. Auf meinem Grabstein wird einst stehen „Der Passat war sein Schicksal“.

Ich latschte auf die Bremse und merkte, wie sich nun mein Wagen gegen die Bewegung der Schleppkette stemmte. Ich konnte hören, wie das Metall des Laufbands (und hoffentlich nicht meines Wagens) ächzte und stöhnte, aber trotzdem ging es unaufhaltsam weiter. Auffahrunfall in Zeitlupe, und ich konnte überhaupt nichts dagegen tun – eine Situation wie aus einem Albtraum.

Der Passatfahrer bekam das nicht mit. Mein Wagen wurde weiter geschoben. Ich stemmte den Fuß in die Bremse und murmelte nur „Neinneinnein“, weil ich nicht glauben konnte, dass das hier wirklich passiert. Dann hing ich ihm im Heck.

10, 20, 30 Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, dann starte der Passatfahrer vor mir seinen Motor und fuhr einfach durch die restlichen Stationen durch und aus der Anlage raus.

Ich löste die Bremse und wartete bis mein Wagen am Ausgang war.

Passiert ist nichts, außer einer kleinen Beule am Nummernschild und einem Kratzer am Spiegel, der aber nichts mit dem Passat zu tun hat. Ich werde darauf verzichten irgendwen anzuzeigen. Trotzdem: Traumatisches Erlebnis, so zur Tatenlosigkeit verdammt zu sein.

Und was lehrt uns die ganze Sache? Autowaschen ist gefährlich. Sollte man ganz sein lassen.

Kategorien: Ganz Kurz, Gnadenloses Leben | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Superalbtraum Passat

  1. Hast hupen probiert?

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  2. Nee. Ich dachte in dem Moment, dass das Laufband das Problem ist. Da hätte Hupen auch nichts genützt. Hätte ich aber machen sollen. Das der Trottel die Feststellbremse reingehauen hat, ist mir erst später klargeworden.

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  3. zwerch

    Autowaschen wird definitiv überbewertet!

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  4. Darum nutze ich solche Waschstraßen mit Schleppanlage erst gar nicht. 😉

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  5. Albrecht Wagenhöfer

    Gerade im „Vertreterauto“ der neuesten Gattung Passat sind mitunter soviel elektronische
    Assistenten onBoard, daß es m.E. schon vorkommen kann, daß Benutzer gar nicht mehr merken, wenn sich elektronische Helferlein einmischen, obwohl das jetzt zum Nachteil wird.
    Ich erinnere mich an die letzte Schneematschfahrt, wo dieser etliche Sensoren bedeckte, worauf im Display Fehler-überFehlermeldungen anzeigt.

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  6. Sowas wird´s gewesen sein, Albrecht.

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  7. Albrecht Wagenhöfer

    Und……da gäbe es noch den Passus des abnehmbaren oder einzufahrenden Zigeunerhakens.
    Wenn man auf sowas auffährt, trägt dieser die Teilschuld weil der Benutzer verpflichtet ist, das Ding im normalen Straßenbetrieb einzufahren.

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  8. Echt, ist er? Wieder was gelernt. In dem oben geschilderten Fall dürfte allerdings das klassische „Wer auffährt ist schuld“ ohnehin nicht gelten 😀

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