Ich kann das einfach nicht: Osprey Sojourn vs. Cabin Max.

Eine der kommenden Reisen führt mich weit weg, und das für fast drei Wochen. Grund genug, mir mal neues Reisegepäck zuzulegen. So ein richtiges, mit Rollen. Dachte ich. Aber ich kann das einfach nicht.

DamalsTM, 2010, stand mein erster Flug ins Ausland an. Dafür legte ich mir ein kleines Rollköfferchen zu. Kaufargumente waren ein supergünstiger Preis und die Tatsache, dass das Köfferchen mit 55x40x20 Zentimetern Größe exakt die Maße des erlaubten Handgepäck bei Billigfliegern hatte. Was mir erst nach dem Kauf bewusst wurde: Natürlich nimmt die ganze Mechanik für den ausziehbaren Griff und die Rollen Platz weg, und zwar nicht wenig. Aber nun, wenn man auf Reisen geht, braucht man ein Rollköfferchen. Dachte ich zumindest.

Cabin Max

Bis mich Kalesco 2014 eines Besseren belehrte, und mich auf den Cabin Max aufmerksam machte. Das ist ein 600 Gramm leichter Rucksack aus dünnem Nylon, der ebenfalls Billigfliegermaße besitzt, durch seine Bauweise und das fehlen jeglicher Verstärkungen aber das maximale Transportvolumen komplett ausschöpft. Über 40 Liter passen in den Sack.

Ja, der ist personalisiert. Statt dem Cabin Max-Logo ist ein anderes aufgenäht. Ich finde es spannend zu beobachten, welcher der Mitreisenden den kleinen Nerd-Gag erkennt.

Der Cabin Max ist absolut spartanisch, und deswegen so leicht. Es gibt nahezu keine Aufteilung im Inneren, und auch die Gurte sind in Sachen Komfort weit von denen echter Wanderrucksäcke entfernt. Nachteil der Leichtbauweise ist natürlich, dass er sich labberig und nicht besonders fest anfühlt. Dabei ist das Material fest und gut verarbeitet, und auch nach sechs Jahren im Einsatz geht nicht mal eine Naht auf. Aber der Cabin Max ist als Handgepäck konzipiert. Als solches ist er spitze, aber Aufgeben möchte man so ein Gepäckstück nicht, dazu fühlt es sich zu labil an. Außerdem lassen sich die Tragegurte nicht abnehmen, was beim Ver- und Entladen am Flughafen bestimmt ein Problem ist.

Der Cabin Max hat mich lange Zeit sehr glücklich gemacht. Seitdem ich ihn habe, wurde das kleine Rollköfferchen von 2010 nie wieder benutzt. (Letztes Jahr wollte ich es mal wieder benutzen, aber mittlerweile waren die Weichmacher darin ausgehärtet. Es stank erbärmlich Chemie und die Innenwand zerbröselte bei Berührung wie Zartbitterschokolade. Gestern wurde es entsorgt.)

Was ich am meisten mag: Bislang habe ich den Cabin Max wirklich immer als Handgepäck genutzt, d.h. ich verlor nie Zeit mit dem Einchecken und Wiedereinsammeln von Gepäck, und verloren gehen konnte er so auch nicht. Ein Dutzend Flug- und Bahnreisen hat er ohne den kleinsten Schaden überstanden. Ich packe mittlerweile sehr leicht, und für eine Sommerreise passen in den Cabin Max problemlos Klamotten und Elektronikgeraffel für bis zu 10 Tage UND der kleine Daypackrucksack noch oben drauf.

Die im Herbst anstehende Reise geht aber satte drei Wochen und in ein Land, aus dem ich vielleicht auch das ein oder andere Souvenir mitbringen möchte. Eine willkommene Ausrede, um mir mal neues Reisegepäck zuzulegen.

Osprey Sojourn 60

Schon seit Ewigkeiten liebäugelte ich mit einem „Sojourn“. Das ist ein Gepäckstück von Osprey.

Das Format gleicht einem Duffelbag, mit rund 65 Zentimetern Höhe und 30-35 Zentimetern in Breite und Tiefe. Wie eine normale Tasche hat der Sojourn drei Griffe, einen oben, einen an der Seite und einen an der Unterseite. Die Griffe sind gut gepolstert.

Wie ein Rollkoffer hat das Ding aber auch einen Teleskopgriff und zwei großen Gummirädern.


Die Rollen sitzen auf einem stabilen und hohen Chassis, das man auch mal über Feldwege zerren kann. Darauf sitzt eine Tasche aus schwerem Cordura. Das Material ist wirklich, wirklich widerstandsfähig und gut verarbeitet.

Die Tasche wird nach den Seiten hin durch zwei gepolsterte Flügel geschützt, die mit Gurten zusammengehalten werden. „Straight Jacket“, Zwangsjacke, nennt Osprey das. Die Tasche fasst 60 Liter, packt man weniger rein, kann man sie durch die Gurte enger schnüren. Die Aufteilung im Inneren ist simpel, ein großer Stauraum mit Netzfächern, eine kleine Fronttasche, fertig.

Der richtig coole Trick des Soujourn ist aber die Rückseite. Die lässt öffnen, und darunter befindet sich ein komplettes Tragesystem, das dem eines echten Tourenrucksacks in nichts nachsteht. Damit kann man den Osprey sehr bequem wie einen Rucksack aufsetzen und tragen.

Geiles Teil, dass mir nach dem Kauf erstmal viel Freude bereitet hat. Für die Fernreise werde ich es trotzdem nicht nutzen, aus mehreren Gründen.

1. Gewicht. Stabile Rollen, Alurahmen, gutes Tragesystem – das alles wiegt seinen Teil. 3,9 Kilogramm wiegt der Sojourn 60 leer. Das ist viel, aber nicht unbedingt ausschlaggebend, wenn man das Ding eh rollt.

2. Höhe.. Auch, wenn man die Größe bzw. den Umfang über die Riemen total gut variieren kann, was immer bleibt ist eine Höhe von 65 Zentimetern. Das ist ein Problem, denn wenn man das Gepäck nicht die ganze Zeit dabeihaben möchte, muss man es einschließen. Die meisten Schließfächer an Bahnhöfen haben aber nur eine Tiefe von 55 Zentimetern. Klar, es gibt auch XL-Schließfächer, aber die sind rar gesät.

3. Ich. Das ist der entscheidende Faktor. Ich bin einfach kein Rollkoffer-Typ, wie ich mir jetzt eingestehen musste. Ich kann das einfach nicht, ständig so ein Ding hinter mir herziehen, nie die Hände frei haben, an jeder Treppe erstmal rummfummeln und ständig ein Auge haben darauf haben zu müssen. Auch kann ich mir nicht vorstellen, so viel einzupacken, dass ich den Sojourn wirklich ausreize.

So lange ich noch Rucksäcke tragen kann, bin ich mit denen schneller unterwegs und ich habe die Hände frei – ein unschätzbarer Vorteil, der mir jetzt erst aufgefallen ist. Der Soujourn ist nett, und ich werde ihn behalten und für manche Trips sicher auch nutzen, aber nicht für die jetzige Fernreise.

Und nun?

Stand ich wieder am Anfang, kannte aber meine Vorlieben viel besser. Ich wollte nichts zum Rollen, ich wollte einen leichten Rucksack, der aber stabil genug ist, dass ich ihn zur Not am Flughafen auch aufgeben kann.

Stellt sich raus, dass Cabin Max ihr Programm in den letzten Jahren mächtig erweitert haben. Es gibt von denen jetzt auch Rucksäcke in allen möglichen Variationen, sogar welche mit Rollen oder Getränkehaltern.

Cabin Max Metz XL

Ein recht simples Modell ist der Cabin Max Metz XL. Der ist geschnitten wie der klassische Cabin Max, mit Handgepäckmaßen, einem großen Hauptfach und einem Organizerfach auf der Front.

Damit hören die Gemeinsamkeiten aber schon auf. Anders als der spartanische Ur-Cabin Max öffnet der Metz wie in Koffer und hat Sicherungsgurte im Inneren.

An der Außenseite zwei gepolsterte Handgriffe und Ösen, in die man einen Schultergurt einklippen kann. Damit trägt er sich wie eine Reisetasche. Ebenfalls klippbar sind die Tragegurte, die sich unten aushaken und komplett in einem Reißverschlussfach verstauen lassen.

Der eigentliche Clou des Metz XL ist aber eine Dehnfalte hinter einem Reißverschluß. Öffnet man den, weitet sich der Rucksack um fünf Zentimeter und fasst dann 55 Liter. Fast soviel wie der „Soujourn“, aber das bei einem Eigengewicht von nur knapp 1.200 Gramm (krass, im Vergleich zu den 3,9 kg des Sojourn).

Damit steht die Entscheidung fest. Ich werde für die lange Reise wieder leicht packen, gemäß der These: Ob man 10 Tage oder 10 Monate unterwegs ist, die Menge an Gepäck kann gleich bleiben. Vielleicht kann der Cabin Max sogar als Handgepäck mit in die Kabine, aber wenn ich ihn wegen des Gewichts aufgeben muss, kann ich die Gurte wegstecken und eine reißfeste Rucksackhülle drüber ziehen.

Mit dem Wissen, wieder leicht unterwegs zu sein, habe ich ein besseres Gefühl als mit dem großen Sojourn. Der ist zwar kein Riesentrumm (im Vergleich zu dem, was andere Reisende so an Koffern bewegen), aber schon beim Gedanken an den Ziehkoffer fühle ich mich eingeengt. Ich bin für Rollkoffer halt nicht gemacht.

Vor Ort werde ich dann wendiger und schneller unterwegs sein als mit einem Rolli. Schließfächer sollten kein Problem sein. Und sollte ich dann wirklich in einen Kaufrausch verfallen, habe ich die Option, im Notfall 11 Liter mehr zurückschleppen kann als ich mitgenommen habe.

Na dann. Ich freu mich drauf, dauert aber noch ein wenig.

Kategorien: review | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Ich kann das einfach nicht: Osprey Sojourn vs. Cabin Max.

  1. Dann bin ich ja jetzt schon gespannt, wohin dich die Reise führt!
    … und freue mich schon auf tolle Bilder und den Bericht.

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  2. Guck ma ma 🙂

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  3. zwerch

    Da krieg ich jetzt aber große Augen… ich hatte mit einer weiteren Motorradreise gerechnet.
    Dass es anscheinend nicht so ist erhöht die Spannung.
    Gute Reise 🙂

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  4. Zwerch: jetzt Motorrad, Fernreise im November 😄

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  5. Cooles Teil!

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