Reisetagebuch 2019 (5): Abschiedstour durch die Toskana

Auf Sommerreise mit der V-Strom. Heute mit einer Pause in der Toskana.

Pfingstmontag, 10. bis Montag, 18. Juni 2019

Ich schlafe bis Mittags, tappe ein wenig in der Wohnung auf „I Papaveri“ herum, falle wieder um und schlafe weiter. Die letzten Tage, ach was, die letzten Wochen und Monate waren anstrengend, das signalisiert mir mein Körper jetzt sehr deutlich. Wenn er Gelegenheit zum Abschalten hat, macht er das auch, und bei mir bricht die angeborene Faulheit durch.

Erst am späten Nachmittag schaffe ich es mich aufzuraffen und in den Sattel der Barocca zu klettern. Ich fahre die Küste runter bis nach Venturina. In dem acht Kilometer entfernten Ort ist ein Geschäft der Telekom Italia Mobile, der TIM. Es ist Pfingstmontag, aber in Italien ist das kein Feiertag.

Zur Telekom muss ich, weil ich eine neue SIM brauche. Die Datenkarte, die ich seit drei Jahren nutze, wurde immer von einem Serviceunternehmen in Meran betreut. Denen konnte ich sagen was ich möchte, dann habe ich denen Geld per Paypal überwiesen und die haben dann für mich mein TIM-Kundenkonto benutzt und das richtige gebucht. Das machen die aber jetzt nicht mehr, wegen „EU“ und „Datenschutz“. Das ist eine dumme Ausrede und sehr schade – ich fand es immer toll, gegen 99 Euro für das ganze Jahr 50 GB Daten zur Hand zu haben, zumal das 4G Netz in Italien irrsinnig gut ausgebaut und schnell ist.

Das TIM-Kundenkonto selbst zu nutzen ist keine Option. Das fängt schon damit an, dass man aus dem Ausland kein Geld einzahlen kann. Offiziell geht das, aber sowohl Kreditkarten- als auch Paypalbezahlung mit ausländischen Konten werfen Fehlermeldungen, seit Jahren schon.

Mit dem Webservice „Xoom“ hätte ich es schaffen können die Blockade der TIM gegen Ausländer zu umgehen, aber ganz ehrlich: Ein Blick in das Backend meines TIM-Kundenkontos hat mich verzweifeln lassen. Es gibt keinen einfachen Knopf um die SIM-Karte für ein Jahr mit dem vorhergehenden Tarif zu verlängern. Stattdessen gibt es dutzende von Checkboxen und Schaltflächen, die versuchen einem tausend Optionen aufzuquatschen, alles auf Behördenitalienisch.

Dazu kommt, dass die Hälfte der Schaltflächen kaputt ist oder was ganz anderes tun als sie sollen. Die Gefahr ist hoch, mit einem unvorsichtigen Klick versehentlich einen Festnetzanschluss oder ein Faxgerät zu bestellen.

Immerhin gibt es seit diesem Jahr gibt es nun das Angebot „TIM Tourist“. Als Besucher erhält man darüber 15 GB, für 30 Euro. Das ist nicht schlecht, aber auch nur ein Mal buchbar und nur 30 Tage gültig. Egal, dieses Jahr bin ich nur ein Mal in Italien.

Die TIM-Niederlassung in Venturina ist modern eingerichtet. Zwischen Designermöbeln und Ausstellungsflächen mit den neuesten Smartphones stehen Monitore, auf denen lachende Menschen über den Bildschirm tanzen. Vor den Monitoren stehen wütende und aufgebrachte Menschen. Das überrascht mich nicht, sondern entspricht dem, was ich bislang über die Telekom gelesen habe. Deren Service ist unterirdisch, Unfähigkeit an der Tagesordnung, und zuständig ist sowieso niemand. Das ist sytembedingt. Die Angestellten hier im Laden tun nichts weiter, als mit toten Augen und traurigen Mienen zuzuhören und ab und an bedauernd den Kopf zu schütteln. Sie sind Notfallseelsorger für den Unfall namens TIM, wirklich machen können sie auch nichts. Einem besonders aufgebrachten Kunden wird sogar ein Telefon gereicht, damit er seinen Kampf mit der Telekom-Hotline persönlich ausfechten kann.

Als ich dran bin, lege ich einen Zettel auf den Tresen und ernte von der Angestellten einen irritierten Blick. Das Blatt Papier ist ein Ausdruck eines Gutscheins für die Touristenkarte. Habe ich schon zuhause gebucht und bezahlt.

Sie kennt das offensichtlich nicht, macht sich gleich aber erstmal im Backoffice schlau. Dort thront anscheinend eine Art graue Eminenz, die alles weiß und schon allein deshalb keinen Kontakt zu Kunden nötig hat. Ich höre schnelle Gespräche, dann kommt die Angestellte wieder, verlangt meinen Ausweis, kopiert ihn un und tippt dann in ihrem Computer rum. Dann tippt sie noch etwas länger im Computer rum.

Ein Kollege in TIM-Polohemd kommt mit besonders trauriger Miene vorbei und guckt, was sie da macht. Er besieht sich meinen Voucher, fährt die Logos darauf mit dem Finger ab und sagt. „Ach, guck. Ist ja toll, was wir alles so haben. 15 Gigabyte. 4G. Mit Whatsapp. Sogar mit SIM inklusive“.

Ja, das steht da. So hatte ich das im Internet auch verstanden: Alles inklusive, keine Extrakosten. Ich hatte allerdings in Foren auch gelesen, das insbesondere die TIM-Partneragenturen die SIM nicht ohne Extragebühr rausrücken, weil sie sonst nichts verdienen. Aber das hier ist ein Original TIM-Geschäft, die werden vom Staat bezahlt. Der traurige Typ geht wieder, die Frau tippt weiter im Computer rum. Dann noch länger. Dann sagt sie: „das macht 10 Euro für die SIM“.

„Ach“, sage ich. Ich drehe den Voucher zu mir und lese vor „Inclusiva data, whatsapp and SIM“. „Ach, sie haben da schon was für bezahlt?“, sagt die Frau. „Ja“, sage ich. „SIM kostet trotzdem extra“, sagt die Frau. „Nein, ist inklusive“, sage ich. „OK“, sagt die Frau und reicht mir eine SIM, die ich sofort untersuche.

Größe stimmt, 4G stimmt auch, PIN und PUK sind auch drauf. Sehr gut. „A posto“, sagt die Frau wieder, und „OK“. „Ok“ sage ich und will gehen. „Das macht 10 Euro“, sagt die Frau. Was soll denn das jetzt? Will die unbedingt Ärger oder was? „Aber im Internet stand, SIM Inclusive“, sage ich. Dann deute ich auf den Voucher, wo auch TIM SIM steht. Sie zuckt die Schultern und sagt „A Posto“. Das heißt so viel wie „in Ordnung“.

„A…. Posto…“, sage ich und drehe mich langsam Richtung Ausgang, wobei ich die Frau aus den Augenwinkeln im Blick behalte. „10 Euro“, sagt sie. Man, das GIBT ES doch nicht! Was denn nun? „In Ordnung“ oder 10 Euro? „Tutto insieme!“, sage ich. „A posto“, sagt die Frau. Ich wende mich zum Gehen. „10 Euro!“ ARGH!

In dem Moment dröhnt die graue Eminenz aus dem Back Office „ist inklusive!“ Die Angestellte zuckt mit den Schultern und geht weg. Ich rufe ihr und der grauen Eminenz im Back Office ein danke zu, dann stecke ich die SIM ein und flüchte. Meine Güte, bin ich froh italienisch zu sprechen, englisch kann hier nämlich vermutlich niemand und ich mag mir gar nicht ausmalen was für ein Drama dann diese seltsamen Verhandlungen gewesen wären.

Immerhin funktioniert die Karte auf Anhieb. Ich fummele die SIM in das kleine Gerät im Topcase, das Display leuchtet auf und „Connected“ erscheint. Internet! Yay! Ab jetzt ist die Barocca ein fahrender Accesspoint. Wir machen unser eigenes WLAN.

In den folgenden Tage dödele ich in der Toskana herum. Die Sonne scheint und es ist warm, meist um die 25 Grad, aber auch sehr windig. Am Strand von San Vincenzo zu liegen macht bei dem Wetter keinen Spaß, da wird man gesandstrahlt und der Sonnenschirm fliegt weg. Aber Nichtstun und Motorradfahren, das macht Spaß, und deshalb tue ich das sehr ausgiebig.


Auf verschlungenen Bergwegen, durch das Geothermietal und über Volterra, geht es unter anderem nach Florenz. Dort parke ich am üblichen Ort unter dem Torre Niccolò, besuche Signora Evangelisti, kaufe aber dieses Mal keine ihrer wunderschönen Krawatten. Habe ich mittlerweile genug von. Aber Seidenschals nehme ich mit. Meine Mutter hat nämlich im Frühjahr den kleinen Laden besucht und sich in deren Seidenschalkollektion verliebt. So hatte ich doch einen Grund wieder zu kommen.

Florenz ist wie immer schön, aber wie immer völlig überlaufen.

Eine Apothekerin bringt mir das das italienische Wort für Blasenpflaster, Cerotto per le Vesciche, bei und lacht, als ich die Ausprache auch beim dritten Mal nicht hinbekomme. Egal, ich bin froh, dass es hier diese Pflaster gibt.

Meine Fersen sind noch nicht verheilt, die tiefen und offenen Stellen von den zu großen Stiefeln schmerzen und nässen so heftig, dass ein Blasenpflaster nur einen Tag hält bis es vollgesogen ist. Zum Rumlaufen trage ich jetzt zwei paar Socken übereinander in den Motorradstiefeln. Das scheuert nicht mehr ganz so stark, aber zwei paar dicke Socken in geschlossene Stiefeln im Hochsommer ist auch nur begrenzt schön.

Ich würde gerne die Sammlung „La Specola“ noch einmal besuchen, jenes fiese Gruselkabinett von Wachsmoulagen der Uni. Leider darf man da neuerdings nur noch mit Führung rein. Das ist ziemlicher Quatsch, und das sage ich den Museumsleuten auch. Helfen tut es freilich nichts, ich komme da nicht rein.

Auf dem Rückweg von Florenz nach San Vincenzo fahre ich kurz Autobahn. Auf der Gegenspur steht ein brennender LKW. Und was macht die Frau mit der Eulenaugenförmigen Sonnenbrille vor mir? Legt eine Vollbremsung hin, fummelt ihr Handy raus und macht in aller Ruhe Fotos. Ich gestikuliere wild. Meinen Schwall an Beschimpfungen und den Vogel, den ich ihr zeige, hat sich die Eulenfrau redlich verdient.

So geht das tagein, tagaus. Ich lungere herum und fahre mit dem Motorrad kreuz und quer durch die Toskana. Aufregend ist das nicht, ich kenne hier mittlerweile tatsächlich jeden Ort und jede Straße und finde mich sogar ohne Annas Hilfe hier zurecht. Aber es ist entspannend, denn ich muss nichts tun und kann einfach in den Tag hineinleben. Ich muss nur dafür sorgen, das es mir gut geht. Und das bekomme ich hin. Ausgiebig frühstücken, rumpruddeln, dann auf´s Motorrad und mal gucken wohin es mich trägt.

Nach fünf überaus entspannten Tagen in San Vincenzo packe ich meine Sachen und sattele die V-Strom.

Franca nimmt mich nochmal in den Arm. „Willst Du schon wieder los? Du bist noch gar nicht zum Mittagessen rüber gekommen“, sagt sie. Licio klopft ihr liebevoll auf die Schulter und sagt „Nun lass den Jungen doch. Italien besteht auf mehr als San Vincenzo, ist doch gut, wenn er sich das angucken will.“
Sie sieht mich an. „Sehen wir uns wirklich erst nächstes Jahr wieder?“

Ich schüttele den Kopf und sage dann „Wir sehen uns wieder, aber ich weiß noch nicht wann. Nicht nächstes Jahr.“ Franca legt die Stirn in Falten und macht eine gespielt böse Miene, dann sagt sie. „Du bist hier immer willkommen, aber denk dran, wir sind alte Leute und werden nicht jünger. Irgendwann sind wir nicht mehr da!“ Ihr Gesichtsausdruck zeigt, dass sie das Ernst meint. „Franca, ihr werdet ewig leben“, sage ich und lache. Sie lacht nicht mit, und ich frage mich, ob da was im Busche ist, was die beiden mir nicht verraten.

Letztlich bleibt mir aber keine Wahl. Ich verabschiede mich, steige auf´s Motorrad und fahre ich die breite Strada Statale 01 die Küste runter.

Bei Capalbio würde ich gerne den Giardino dei Tarocchi von Nikki de Saint Phalle noch einmal besuchen, aber als ich durch´s Tor trete, werde ich angeherrscht und an die Luft gesetzt. Heute Morgen hat den ganzen Park jemand für eine Privatfeier gemietet. Geschlossene Veranstaltung. Spacken.

Den Rest des Tages ist eine Art Best of-Tour durch die Toskana, ich fahre noch einmal die tollsten Sehenswürdigkeiten ab. Zu denen gehören definitiv die heißen Quellen von Saturnia, wo die Leute in Sinterbecken in warmem Wasser baden und sich mit Schlamm einreiben. Gerne würde ich da jetzt auch reinspringen, aber erstens ist mir das da ein wenig zu voll und zweitens ist da riecht man nach einem Bad in dem Schwefelwasser nach faulen Eiern, und ich möchte nicht, dass meine Motorradklamotten – die ich noch ein paar Wochen tragen muss – so duften.

So blicke ich nur sehnsüchtig von einer nahegelegenen Anhöhe auf das Badevergnügen der anderen.

Pitigliano tront auf ihrem Felsen, und endlich komme ich dazu die Stadt von ihrer besten Seite zu fotografieren.

Am späten Nachmittag taucht hinter einer Hügelkuppe Siena auf. Der Anblick lässt mich lächeln. Die Stadt sieht einfach wunderschön aus, wie sie da inmitten der toskanischen Hügel liegt.

Die „Villa Allegria“ ist ein ganz normales Haus auf einem Dorf. Es gehört Cecilia und Francesco. Die beiden Akademiker haben Haus und Grundstück vor drei Jahren gekauft und vermieten die Einliegerwohnung im Keller. Hier ist es ruhig, wenn Francesco nicht gerade auf seiner Baustelle beschäftigt ist. Er hat einen riesigen Krater im Garten gegraben. Keine Ahnung, ob das ein mal Pool oder ein Teich wird.

In der Villa Allegria habe ich eine ganze Wohnung für mich allein. Hier kann ich sogar kochen, in einer wirklich schönen Küche.

Und auch hier duftet alles nach Jasmin. Ich liebe diesen Duft.

Cecilia und Francesco beiden freuen sich, dass ich wieder da bin, und laden mich zu einem Grillfest ein, das sie mit Familie und Freunden heute Abend im Garten feiern. Das ist toll – wann bekommt man schon mal Gelegenheit, an einer echten italienischen Familienfeier teilzunehmen?

Der Abend wird überaus schön. Es gibt mehr als reichlich zu essen, Francesco und die anderen Männer schleppen Fleischpakete heran und kurze Zeit schmurgeln auf einem großen Grill so viele Salsicce (grobe Würste), Fleischstücke und Rippchen, dass es für eine Armee reichen würde. Die eintreffenden Frauen decken einen großen Tisch unter den Bäumen im Garten und fahren Brot, Salate und Wurstplatten auf.

Ich amüsiere mich köstlich beim Gartenfest, auch wenn ich nur wenig verstehe. Aller Sprachhürden zum Trotz unterhalte ich mich blendend mit Antonella, einer Freundin der Familie und Lehrerin von Cecilias Tochter. Sie sieht aus wie Claudia Bertani aus den 1998er Spots und hat einen trockenen Humor, der mich sofort umhaut. Hatte ich schon erwähnt, das ich total auf intelligente Frauen abfahre?

In Siena bleibe ich den Rest des Wochenendes und den Montag. Nur zweieinhalb Tage, aber immerhin genug Zeit um meine Lieblingsplätze in der Region abzuklappern.

Auf dem Marktplatz von Siena findet gerade die Abschiedsfeier der Universität statt. Der ganze schiefe Campo ist vollgestellt mit Stühlen, auf denen bestimmt 150 junge Menschen sitzen und den Reden der Universitätsoberen lauschen. Sie tragen alle diese eckigen Hüte mit Quaste, die es früher nur für graduierte, also Doktoren, gab. Heute werden die anscheinend auch aufgesetzt, wenn man nur einen Bachelor gemacht hat. Um die Sitzenden herum wuseln Eltern und Großeltern mit Videokameras und Handys. Sie stolpern fast übereinander, als sie versuchen den großen Moment festzuhalten.

Natürlich darf auch das obligatorische Eis nicht fehlen oder der Besuch bei Christinas „Casale“.

Übrigens sieht man auch hier überall die Spuren des Sandes, der mit dem Scirocco aus Afrika herübergeht kam. Die Barocca hat mindestens noch zwei dieser Staubigen Regenfälle abbekommen und ist ebenfalls mit einer dicken Schicht abgeregnetem Staub bedeckt, genau wie dieser kleine Fiat.

Die Bar900 in Siena ist geschlossen. Ob dauerhaft, weil Bruno seine Drohung wahr gemacht hat und in Rente gegangen ist, oder ob Töchterlein den Laden übernommen hat und erst mal durchrenoviert, das werde ich vielleicht mal später erfahren, oder vielleicht auch nicht.

Ich fahre noch ein wenig in der Crete Senese herum, dem Hügelland hinter Siena. Hier sind genau die Motive zu finden, die man auf Postkarten aus der Toskana sieht: Sanfte Hügel auf denen Natursteinhäuser stehen, zu denen ein zypressengsäumter Weg führt. Diese Anblicke sind aber die Ausnahme, der Großteil der Crete besteht aus Pläte – karge Felder und verbrannte Wiesen, gesäumt von dornigem Gebüsch. Hübsch anzuschauen ist das natürlich trotzdem.

Es ist heiß, an die 30 Grad, und mehr als rumfahren und in Bewegung bleiben geht kaum. Ich habe auch keine Muße irgendwo anzuhalten oder etwas zu besichtigen. Ich mag die Crete Senese sehr, aber ich kenne hier alles Sehenswerte und wirklich jede Straße.

Dann ist die Zeit vorbei. Das waren jetzt insgesamt sieben sehr entspannte Tage in San Vincenzo und Siena. Sieben Tage Auszeit. An diesen Orten unterwegs zu sein ist keine Abenteuer, keine echte Reise. Alles hier ist mir vertraut und hält wenig Neues bereit.

Das ist einerseits sehr cool, weil es bedeutet: Ich habe mein Ziel erreicht. Vor neun Jahren war ich das allererste Mal ganz kurz in der Toskana und beschloss damals: Hier will ich mich auskennen. Ich will diesen Landstrich zu einem Teil von mit machen. Ich will hier hin Bande knüpfen, lernen, am Liebsten hier Bekannte haben.

Nach neun Jahren kann ich sagen: Das hat sich erfüllt. Ich kenne hier jeden Ort, ich habe tatsächlich Anlaufstellen bei Leuten, die sich freuen wenn ich vorbeikomme und mich in ihre Familien aufnehmen. Die letzten Jahre war ich hauptsächlich wegen dieser Menschen hier, um die Beziehungen zu ihnen zu pflegen. Florenz oder Siena oder Pisa oder Genua oder, weiter weg, Rom oder Venedig sind für die meisten Menschen Sehnsuchtsorte, die sie vielleicht ein Mal im Leben besuchen. Ich hatte das Glück viel öfter in jeder dieser Städte zu sein. Für mich sind das mittlerweile Orte, die ich sehr gut kenne und in denen ich mich ohne Stadtplan zurecht finde. Ich bin zu Fuß durch die Straßen dieser Städte gelaufen, Kilometer um Kilometer und der Lohn dafür ist, dass ich an jedem Ort mein Lieblingscafé, „meine“ Gastgeber/in, mein Lieblingsrestaurant habe. Ich weiß, wo die freien Parkplätze sind und wo es das gute Eis gibt. Das ist toll, ich fühle mich da praktisch nirgends fremd.

Aber jetzt, das spüre ich deutlich, möchte ich etwas Neues kennen lernen. Heute ist die Abschiedsrunde durch die Toskana zu Ende gegangen. Jetzt drehe ich noch eine Abschiedsrunde durch Italien und dann ist es Zeit, was anderes zu entdecken. Weiterzuziehen, nachdem ich über Jahre jede Landstraße hier kennengelernt habe. Ich möchte mal wieder den Nervenkitzel etwas gänzlich Unbekannten, und deswegen ist das hier die letzte Motorradtour nach Italien auf absehbare Zeit.

Die Abschiedstour durch die Toskana ist heute Abend zu Ende, aber bevor ich dem ganzen Land den Rücken kehre, geht es morgen erst einmal in den Süden. Weiter, als ich je zuvor mit einem Motorrad weg war.

Tage des Nichtstuns.
Bild: Google Maps 2019.

Die Tour bis hier her:

Kategorien: Reisen, Motorrad | 9 Kommentare

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9 Gedanken zu „Reisetagebuch 2019 (5): Abschiedstour durch die Toskana

  1. zwerch

    Danke für das Eis 😉 wird wohl so schnell keines mehr geben…

    Gefällt 2 Personen

  2. Mal sehen wo ich noch ein Eis auf Dich essen kann 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Ahahh… Jetzt wird diese kryptische Andeutung im Topdinge-Thread schon klarer … sag mir in welchem/r Ort/Gegend Du ein Eis auf Zwerch essen willst und ich sage Dir, wo es gut ist … 😉 Außerdem: es gibt Gegenden, da gibt es, wenn überhaupt, nur Packeis von Eskimo – das hat bei euch einen seltsamen Namen wie auch der Hofer komisch anders heißt – ich hab’s schon: Langnese 😉

    Das Ding mit den intelligenten Weibern hast Du schon erwähnt, ja … indirekt 😉
    (ich werde vor Dir in Aspremont sein)

    Saturna hast Du ausgelassen, echt ? Das war ein Fehler, bestimmt – du könntest Jahre älter werden mit Hilfe dieses Jungbrunnens … die Klamotten riechen danach nicht tagelang nach Schwefel – man durchlüftet sie ja ständig und übrigens: rechterhand des Standortes von dem aus Du die Bilder der Terrassen aufnahmst, im Ablauf der Quelle nachdem sie sich mit dem flachen Bächlein vereinigt hat, scheint es Fische zu geben; dort stolzieren fallweise Reiher herum, die eine Fluchtdistanz von unter 5 Metern haben… klar, bei dem Trubel, wo sie jedoch kaum jemand beachtet. Ich kenne es nicht ganz so voll (Vorsaison, Mai) und beinahe menschenleer sind die Becken in der Nacht natürlich – das Wasser ist aber genauso um die 35 Grad warm, hab da drin schonmal eine halbe Nacht gepennt – war wie damals im Mutterleib 😉 … das sind jene Insidertips, die nur Wildcampierer weitergeben können … *kicher* …

    Die Mafiosi haben Dich nicht zu ihrer Familienfeier im Park reingelassen ? Böse böse böse !!!

    Eines der Fotos der Quadrathüte ist pulitzerpreisverdächtig – die Quadrathaubenbehaupteten hören allesamt gespannt in eine Richtung, der/die Einzige, welche/r die Graduierung nicht schaffte, trägt ein schwarzes Trauerflorstirnband und blickt handgestützt unerfreut zu Boden oder ins Narrenkastl 😉

    Eine ganze Woche hast Du gefaulenzend durchgehalten ? Deutschland steht nimmer lang, huch !!
    Trotzdem: Gratuliere ! Auch wenn Du glaubst, es ist das Alter, HaHa ! (melmakbetonter DoppelLacher)

    Nun bin ich gespannt, wie weit der Süden entfernt ist !!

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  4. @zwerch: Was weißt Du ? Rede !
    😉

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  5. Jetzt hab ich eben in der automatischen Selbstwerbevorschau darauf hingewiesen gesehen: Reisetagebuch 2019 (5): Harry Potter vs. The Avengers.
    Da besteht Kollisionsgefahr zwischen London und Rom im Titel.

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  6. Olpo: Na, da kennt sich ja einer aus 🙂 Ich habe da tatsächlich auch schonmal gebadet, unter der Woche im September ist weniger los als am Wochenende im Juni.

    Das mit dem Clash Rom/London stimmt, aber als die Motorradtour hier mit „Reisetagebuch 2019 Teil 6“ startete, da waren alle zutiefst irritiert. Wie man´s macht…

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  7. Einer der Reihen wirst Du wohl ein Präfix voran- oder sonstwohin beistellen müssen, um Verwirrung zu vermeiden; obwohl: im Untertitel erkennt man sofort, daß sich die Geschichten um verschiedene Handlungsstränge gruppieren… ist halt der deutsche Ordnungssinn, zu dem ich mich grundsätzlich auch bekenne, der ‚Unerlaubter Vorgang‘ ruft … 😉

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  8. zwerch

    @Olpo: ich weiß nichts!?! Grundsätzlich! *lächeltverschmitzt

    @ Silencer: wenn du wieder einen so schönen Marktplatz finden solltest wie in Sienna, geht das Eis gerne auf mich. Aber natürlich nur wenn ich ein Bild davon kriege 😉

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  9. Sehr wohl sehe ich die gekreuzten Finger hinter Deinem Rücken, Du zwerch…
    Ich werd’s irgendwie rausfinden und mir danach überlegen, ob ich mit den besten Eisdielen, die ich auf Silencers Weg kenne, zum Auf-Einen-Kryptoniker-Essen verrate !

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