Einen Monat ohne (6): Post aus Gütersloh

Wie ist das eigentlich, wenn die individuelle Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann aber plötzlich wegfällt? Dank eines Fahrverbots habe ich einen Monat lang die Gelegenheit das auszuprobieren.

Post aus Gütersloh? Heute? Was wollen die denn jetzt noch?

Ah, Frau Webermann schreibt, dass mein Führerschein eingetroffen ist und jetzt bei ihr in der Schreibtischschublade liegt. Bis zum 02. Februar. „Er wird Ihnen rechtzeitig übersandt“, schreibt sie und gibt mir mit auf den Weg: „Vor Ablauf dieser Frist dürfen Sie kein Kraftfahrzeug führen, folglich auch kein Mofa.“ Aha. Auf diese seltsame Idee, die hier auch schon mehrfach in den Kommentaren genannt wurde, kommen wohl viele. Ein Verstoß gegen diese Anordnung sei eine Straftat, nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, werde ich noch belehrt. Na dann.

Der Brief ist hoffentlich der vorletzte, den Frau Webermann in der Sache versenden muss. Sie hat nämlich schon ganz viele geschrieben. Als es mich erwischt hat, war ich ja in einem Mietwagen auf Dienstreise.

Der Ablauf war dann, nun, etwas komplexer:

  1. Frau Webermann schickt einen Anhörungsbogen an den Halter des Fahrzeugs, in dem Fall das Mietwagenunternehmen. Das erklärt, das eine Firma den Wagen gemietet hatte, weiß aber nicht, wer gefahren ist.

  2. Frau Webermann schickt einen Anhörungsbogen an meine Firma. Die erklärt, dass sie wohl den Wagen gemietet habe, aber wer da gefahren sei… da müsse man erstmal in den Akten nachgucken. Zeit vergeht. Dann stellt sich raus, dass tatsächlich ein Mitarbeiter gefahren ist, ein gewisser Herr Silencer.

  3. Frau Webermann schickt einen Anhörungsbogen an mich. Ich erkläre, das ich gefahren bin und nur zu schnell war, weil ich geträumt habe, und ob das nicht reiche um 1 km/h weniger und damit vielleicht kein Fahrverbot…?

  4. Frau Webermann amüsiert sich, bedankt sich für die „ausführlichen Angaben zur Sache“ und fragt, ob ich ein Härtefall sei. Ich verneine.

  5. Frau Webermann verhängt ein Bußgeld und ein Fahrverbot und schickt mir das per Brief. Ich schicke ihr Geld und meinen Führerschein. Sie gibt mir zwei Punkte in Flensburg. Geben und Nehmen.

  6. Frau Webermann bescheinigt mir den Eingang des Führerscheins und sagt ich darf kein Moffa fahren. Dabei würde ich selbst mit Führerschein kein Moffa fahren wollen.

Ach ja, und zwischendurch habe ich noch zwei Mal mit ihr telefoniert. Frau Webermann ist wirklich nett. Und fleißig muss sie sein. Wenn jeder rasende Trottel im Westfalenland nur halb so viel Aufwand verursacht wie ich, hat sie gut zu tun.

Kategorien: Ganz Kurz | 15 Kommentare

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15 Gedanken zu „Einen Monat ohne (6): Post aus Gütersloh

  1. Ich toll mich gerade ab!

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  2. Es sollte ROLL heissen!

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  3. rudi rüpel

    Frau Webermann ist nicht nur fleißig, Frau Webermann ist wahrscheinlich auch noch weltgewandt und bodenständig, schätze ich.
    LIEBEn Gruß

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  4. @hirnwirr: ich finde die selbstwissenden WegWischHendis welche uns stets informieren, was frau schreiben soll, auch sehr hilfreich – die ersparen eine Menge Arbeit und/oder Mißverständnisse … 😉

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  5. Lupo

    Moin Silencer,

    danke für die Auflistung der Abfolge. Ich bin gerade bei Eingang des Anhörungsbogens. Mal sehen, wie es weitergeht.

    Gruss

    Lupo

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  6. Hirnwirr: Pöh. Das ist nicht witzig.

    Lupo: DAS ist witzig 😀

    Olpo: Wer „Hendi“ oder „Schmatzphone“ sagt muss zur Strafe Dschungelcamp gucken!

    Lupo: Was noch wichtig ist: Du kannst Dir als Ersttäter innerhalb eines Viermonatsfensters nach Inkraftreten des Bußbescheids aussuchen, wann Du den Lappen abgeben möchtest. Im Wiederholungsfall ist der sofort weg, aber beim ersten Mal hast Du die Wahl. Bei mir was das Vergehen im August, bis endlich alles ausermittelt und der Bescheid in Kraft war Mitte Oktober, abgegeben habe ich den Führerschein jetzt erst.

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  7. Lupo

    Ah, danke Silencer. Ich habe einen Anwalt eingeschaltet und der sieht es ganz entspannt, weil bei mir noch eine Sachlage hinzukommt, die ich hier nicht öffentlich darlegen kann. Er meinte, dass er das Fahrverbot aufgrund dieser Umstände wahrscheinlich gegen ein höheres Bussgeld wegbekommt.

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  8. @Lupo: wenn der Lappen doch weg muß, gleich im Februar machen (spätestens am 28ten), denn Du weißt: in der Kürze liegt die Würze – um 3 Tage weniger als im März und Monat ist Monat…
    @Silencer: wieso hast‘ ihn nicht im Februar hinterlegt, das hätte sich mit Japan ja nicht überschnitten. Aber Du hast sicher auch dafür eine logische Begründung … 😉
    Dschungelcamp ? Gibt es das auch auf Utub ? Ich hab nämlich kein Tiwi … 😉 Übrigens: Schmatzphone find ich blöd – wer kann so einen Spiegel dermaßen lieb haben, daß er ihn küßt ?

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  9. rudi rüpel

    Silencer, und was muß derjenige schauen der WegWerfHendi sacht?

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  10. Olpo: Du weißt aber schon, dass es ein juristischer Monat kein kalendarischer ist? 🙂 Mal ganz abgesehen davon, dass 2020 ein Schaltjahr ist

    Rudi: Derjenge wird mit DSDS nicht unter zwei Folgen bestraft und muss sich den Mund mit Seife auswaschen.

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  11. Silencer: ein juristischer Monat ist ein kalendarischer, egal, wie lang der ist – so steht’s in der Anleitung: wer kann, sollte sich den Februar zum Hinterlegen aussuchen. Das meint der ADAC. Schaltjahr habe ich befürchtet, aber nicht nachgesehen; somit reduziert sich Dein vermeidbarer Verlust an Lappenlostagen auf 2. Bist Du halt auch einmal um 8 Uhr früh in der Bib gewesen … 😉

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  12. Ach, guck an, tatsächlich. Ich dachte immer der juristische Monat (Den Begriff hatte ich gerade am Freitag noch von einem Beamten gehört) sei was eigenes. Nunja.

    Nee, Januar ist schon gut. Wenige Außentermine, und vor allem: Garantiert kein Mopedwetter. Letztes Jahr bin ich im Februar mit der V-Strom schon wieder unterwegs gewesen.

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  13. Na bitte: hinter dem Jänner steckte eine Überlegung, wußte ich’s doch.
    Wir im tiefen Süden hier sind privilegierter, was Moppetfahren angeht. Gestern war ich großteils in der Stadt unterwegs um Besorgungen zu machen, heute stand eine Genußrunde im kurvigen Großraum Wien auf dem Programm, da kaum Straßenblockaden unterwegs sind zu dieser Jahreszeit. Die neuen Michelin kleben auch bei Niedrigtemperaturen trotz ansehnlicher Stoppeln bis zur Kante, das ist beinahe unglaublich. Und alles bei eitel Sonnenschein und Plusgraden … 😉

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  14. Rudi: Jetzt, wo ich so drüber nachdenke: Warum überhaupt Wegwerfhandy? Wirfst Du die dauernd runter oder wie ist das gemeint?

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  15. Doof das mit dem Fahrverbot. Aber der Text ist so schön wertschätzend geschrieben, dass sich Frau Webermann glücklich schätzen darf, dir den Führerschein zu entziehen.

    Ich hoffe der Lappen kommt bald wieder zu dir zurück.

    Herzliche Grüsse
    Thomas

    http://www.derhalbhartemann.com

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