Corona (10): Der Sirenengesang des Baumarkts und das Eintuppern von Wasser

Weltweit: 1.447.466 Infektionen (+158.086) 83.471 (+12.989) Todesfälle
Deutschland: 107.663 Infektionen (+7.477), 2.016 (+426) Todesfälle seit gestern

Baumärkte!

Alle deutschen Männer eines gewissen Alters werden von Baumärkten praktisch magisch angezogen. Vermutlich ist es in unseren Genen angelegt, wie bei Kaiserpinguinen der Marsch über das Eis. Baumärkte locken uns mit einem unhörbaren und unwiderstehlichen Sirenengesang. Mindestens ein Mal pro Monat, besser ein Mal pro Woche, müssen wir zu Obi, Globus, Praktiker, Hammer oder Trotz fahren und… äh, naja, so BESORGUNGEN machen, wie mein Vater es nennt. Die sind wichtig, die, äh, Besorgungen.

Wird uns der Baumarkt vorenthalten, kriegen wir Männer praktisch stante Pede Lagerkoller. Das weiß auch die Politik, weshalb in manchen Bundesländern die Baumärkte als „systemrelevant“ erklärt wurden und durchgängig geöffnet hatten. In Niedersachsen waren die jetzt 10 Tage geschlossen, aber da auch die Politiker alte, weiße Männer sind, die nicht gegen ihre Gene ankönnen, sind sie seit Samstag wieder geöffnet. Also, die Baumärkte, nicht die alten Männer.

Die Bilder waren erwartbar: Baumarkt macht um 08:00 Uhr auf, ab 07:00 Uhr war der Parkplatz mit 300 Autos voll und lange Schlangen standen vor dem Eingang, schreibt die Lokalzeitung.

Jetzt ist fast alles wieder gut. Baumärkte sind Balsam auf die geschundene Männerseele. Nur fast gut, weil jetzt die Waschanlagen geschlossen sind. Die Waschanlagen!

Waschanlagen!

Waschanlagen! Geschlossen! Da fällt dem deutschen SUV-Boomer glatt ein Ei aus der Hose. Die ersten Facebookgruppenmitglieder kündigen schon Akte der Rebellion an: Sie werden aus Protest ihren Stadtgeländewagen auf der offenen Straße waschen! Das ist die Vorstufe zur Anarchie! Weil, Pandemie hin oder her, aber Blütenstaub auf dem VW Touareg, das geht doch nicht, wo simma denn hier?

Wunderkind aus Österreich

Kanzlerkind Sebastian Kurz: „Wir machen die Geschäfte wieder auf!“ Und die BILD-Zeitung so: „Die Ösis machen uns vor wie es geht!!“ In der Frage wem man eher glauben möchte, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder politischen Populisten mit Angst vor sinkenden Umfragwerten, hat man sich im BILD-Homeoffice zwischen zwei Schlucken aus der Lackdose schon entschieden.

Die orangefarbene Gefahr

„Trifft eine unfähige Regierung auf eine weltweite Krise“ – so beginnen keine Witze, nicht mal schlechte. „Unfähigkeit“ ist dieser Tage orange und hört auf den Namen Trump. Sein Leugnen der Gefahr und das jetzige Missmanagement der Lage führen dazu, dass alle 90 Sekunden ein US-Bürger an CoVID19 stirbt, gestern alleine über 2.000.

Trump übernimmt nie für irgendwas Verantwortung, immer sind die anderen Schuld. Heute hat er verlautbaren lassen, dass an der Krise in den USA nur die Weltgesundheitsorganisation WHO schuld sei. Die USA sei der größte Beitragszahler (das ist gelogen) und die WHO würde nur China helfen (was auch gelogen ist) und den USA schlechte Ratschläge geben (selbstverständlich auch gelogen). Nur deshalb gäbe es jetzt so viele Tote, und deswegen müssen die USA aus der WHO austreten. Is klar.

Gleichzeitig empfiehlt Trump seinen Landsleuten das Malariamittel Hydroxychloroquine zu schlucken. Das hat keine nachgewiesene Wirkung gegen COVID19, aber warum nicht. Vermutlich hat Trump Aktien an dem Unternehmen, das dieses Hydrodingsda herstellt. Ist seinen Anhängern aber auch egal, die Beschimpfen in den unsozialen Medien die Ärzte, die vor dem Mittel warnen, und feiern die Weisheit ihres Präsidenten. Der wiederum macht Hilfe für Bundesstaaten davon abhängig, wie wohl sie ihm gesonnen sind. Steckt man tief in seinem Hintern, bekommt man medizinische Hilfsgüter. Ist ein Staat von Demokraten regiert heißt es Sorry, hinten anstellen.

Unterdessen schenkt China der Stadt New York 1.000 Beatmungsgeräte und trägt damit maßgeblich zur Entspannung der Lage in den Krankenhäusern vor Ort bei.
China als gütiger Hegemon, die USA als Schurkenstaat. Willkommen, neue Weltordnung.


Und sonst so?

Vier Milliarden Menschen sind gerade gehalten zu Hause zu bleiben. Das sind vier Milliarden Menschen weniger, die auf der Erdkruste rumtrampeln und -fahren. Das können Seismologen messen, und ohne die von Menschen gemachten Störungen lässt sich viel präziser feststellen, was in unserem Planeten passiert.

Ich Ich Ich

Ich werde anscheinend zum Prepper. Plötzlich hielt ich es für eine voll gute Idee mal ein wenig Wasser einzutuppern, habe aber aus Versehen statt einem gleich drei 30-Liter Tanks bestellt. Verdammter Onlinehandel. Wäre ich doch nur in den Baumarkt gefahren.

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Kategorien: Corona-Tagebuch | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Corona (10): Der Sirenengesang des Baumarkts und das Eintuppern von Wasser

  1. rudi rüpel

    Hallo Gemeinde!

    Neulich im Supermarkt,
    der hat acht Kassen nebeneinander, vor den Kassen soll man sich mit Abstand anstellen. Gut! Zwei von den acht waren mit Kassierer besetzt. Welche? Na genau zwei die direkt nebeneinander waren. hahahahaha! Schlecht! Weil, ein Meter Abstand einzuhalten ist so schon irgendwie schwierig. Kann der Abstand nebeneinander evtl. reduziert werden, weil ungefährlicher als der mit zwei Meter hintereinander? Ich fordere eine deutsche Abstand Norm! hahahaha!
    Ortswechsel. Anderer Markt.
    Jeder Kunde kommt nur mit Einkaufswagen rein, weil man so einen Überblick darüber hat wie viele Kunden im Laden sind. Gut! Am Einlass steht ein Mann der das Ganze kontrolliert und jeden Kunden auffordert, mit einer vom Markt bereitgestellten Desinfektionsmittelsprühflasche, die Griffe von den Einkaufswagen zu desinfizieren. hahahahahaha! Die Pulle geht durch tausend Hände, ich hoffe es bedeutet nicht für manch einen das Ende. hahahaha!
    Sachen gibts!?

    LIEBEn Gruß vom rüpel

    Gefällt 1 Person

  2. zwerch

    Lieber Silencer, da muss ich dich jetzt wahrscheinlich herb enttäuschen – ich liebe Baumärkte!
    Und seit mehr als einer Woche bräuchte ich fast täglich einen, ich ziehe um und gerade am Anfang meiner Renovierungsorgie haut der Söder einen dicken Balken vor die Baumarkttür…

    Nicht schön das ganze wenn man säckeweise Putz online bestellen muss. Nicht zu reden von all dem anderen Kram den man braucht…

    Wenn man in Franken, dem besten! Stück Bayerns, wohnt und gerade umzieht hat man echt die A-Karte gezogen…

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  3. zwerch

    Eben zu schnell abgescickt,,,

    Was grenzt an Dummheit?

    Kanada und Mexiko!

    Gefällt 1 Person

  4. Moin Rudi! Na, das ist ja mal recht schlechte Planung vom Markt. Interessant wäre nun: Wenn der Markt es nicht möglich macht das Kontaktverbot einzuhalten und sich jemand in der Schlange cCorona einfängt, ist das dann Körperverletzung durch die Marktleitung? Hm. Das mit der Flasche ist bestimmt von einer Fsolchen erfunden worden 😀

    Zwerch: :)) Ich denke Du ziehst nur um und baust das Haus nicht neu?!!

    Liken

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