Reisetagebuch Japan (4): Teamlab Borderless & Skytree

Reise nach Japan. Heute mit einer Straßenbahn die übers Wasser fährt, einer digitalen Welt und Dunkelheit, die durch eine Stadt schwappt.

Montag, 04. November 2019
Oak Hostel Fuji
Sumida, Tokyo

Nicht nur das Hostelzimmer müllt zu, auch meine Hosentaschen. Mit Kleingeld. Japan hat ein ähnliches Preisniveau wie die Schweiz, und alles unter 50 Yen (ca. 40 Cent) kann man eigentlich nicht wirklich nutzen. Warum es überhaupt noch 10, 5 und 1 Yen-Stücke (das sind 0,8 Eurocent!) gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. In Geschäften wird man den Kram nämlich nicht einfach so wieder los, und aufgrund der ganzen schiefen Preise sammeln sich die Minimünzen rasant an. Da ich die immer in den linken Hosentasche habe, gehe ich schon ganz schief – und lasse deshalb erstmal eine Handvoll davon zu Hause.

Überhaupt, Bezahlung! Japan, so dachte ich immer, ist ein supermodernes Land. Dem ist aber nicht so. Klar, Japaner sind technikbegeistert, und selbstverständlich gibt es überall Glasfaser und schnelles LTE, aber in Sachen Kartenzahlung ist man hier noch schlimmer als in Deutschland.

In der Großstadt Tokyo geht es noch halbwegs, hier kann man zumindest in Hotels, Restaurants und Conbinis mit Karte zahlen, nur an Automaten und in kleinen Geschäften wird die Zahlung per Kreditkarte abgelehnt. Auf dem Land ist das schlimmer, da heißt es in vielen Restaurants und Hotels: Nur Bares ist Wahres. Japan ist, genau wie Deutschland, eine Bargeldgesellschaft.

Um wenigstens ein wenig von den Münzen wegzukommen, gibt es lokale Debitkarten. Das sind Plastikkarten, auf die man per Kreditkarte oder Bargeld einen Betrag speichern kann. Die Debitkarten kann man dann zum Bezahlen in Verkehrsmitteln und an Automaten verwenden. Problem dabei: Es gibt haufenweise Kartensysteme, und die Karten werden meist nur jeweils in einer Regions anerkannt. In Tokyo sind die verbreitetsten Karten die von Suica oder Pasmo.

Zum Glück hat mir Huhu seine Suica-Karte geliehen.

Wer braucht schon eine Apple-Card, wenn er eine Pinguin-Karte haben kann?

Wer keinen eigenen Pinguin hat, der kann sich die Karte, vorgeladen mit 10 Euro, vor der Abreise nach Hause bestellen. Die Website Japan Experience bietet alle Arten von Services rund um Japan an, SIM-Karten, Rail Passes und eben auch Suica-Karten gehören dazu. Alternativ kann man die aber in Japan auch an Automaten kaufen, aber die können manchmal kein Englisch und sind in manchen Bahnhöfen auch stark umlagert. An diesen Automaten kann man in der Theorie auch Münzgeld einzahlen und auf die Karte buchen, aber da gibt es einen Mindesteinzahlungsbetrag. Niemand will die kleinen Yen-Münzen, nicht mal die Automaten.

Witzigerweise hat sich am ersten Tag in Japan mein iPhone gemeldet und gefragt, ob ich eine neue und rein digitale Suica-Karte im Telefon generieren möchte. Zu Hause in Deutschland ging das nicht, aber als das Gerät gemerkt hat, dass es in Japan ist, hat es das von selbst angeboten. Das ist nicht nur bequem, sondern auch praktisch. Kein Rumgefuddel mit einer Extra-Karte, und über die Kombination mit einer im Telefon hinterlegten Kreditkarte oder Apple Pay kann man die Suica in Sekunden wieder aufladen. Modnerd hat sich eine Suica in seiner Apple Watch angelegt und muss jetzt beim Betreten und Verlassen der U-ahn nur sein Handgelenk auf eine Scanfläche auflegen.

Um 8:00 Uhr gibt es Frühstück in der Homebase,´aus Rosinenbrioche, Waschmitteljoghurt und Instancafé für mich, Reisecken mit Fischfüllung und ein seltsam rosafarbenes Getränk für Modnerd. Dann brechen wir in Richtung Süden auf. Auf dem Weg zur U-Bahn gibt es Zoff.


Ach ja, die Affinität zu deutschen Worten. Skurril.

Heute kommt meine Pinguin-Karte das erste Mal zum Einsatz. Um Mitternacht ist das 72-Stunden-Ticket, das ich am Flughafen zusammen mit der Fahrkarte in die Stadt gekauft habe, abgelaufen. Tagestickets lohnen sich nicht, und Einzeltickets an einem Automaten zu ziehen ist völlig unmöglich, wenn man kein japanisch kann. Man muss nämlich auf einem U-Bahn-Plan seine Start- und Zielstation finden und daraus einen Preis ablesen, und den tippt man dann am Automaten ein und zahlt per Münzen. Leider sind alle Pläne auf japanisch, und bei weitem nicht jeder Automat lässt sich auf englisch umstellen.

Da ist die Suica-Karte der Trumpf im Ärmel, bzw. am Handgelenk: Beim betreten und verlassen der U-Bahn einfach auf ein Scanfeld halten, und immer wird der korrekte Betrag von der Karte abgebucht. Einfach, oder?

Sollte man meinen. Probleme gibt es trotzdem. Meine Plastikkarte erkennt die Schleuse zur U-Bahn quasi sofort und öffnet sich. Modnerd versucht es mit einer Uhr ebenso schnell zu machen und rennt hinter mir her durch die noch offene Schranke, aber anscheinend wird dabei sein „Touch in“ nicht registriert.

Beim Verlassen der U-Bahn bleibt er nämlich in der Kontrolle hängen, weil für die Suica in seiner Uhr kein Startbahnhof registriert ist. Wieder mal zu hektisch gewesen. Technik und Hektik verträgt sich nur bedingt, was Modnerd spätestens seit einer Nacht vor verschlossener Tür in Barcelona eigentlich wissen müsste. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt muss er erst einmal mit einem uniformierten Bahnbeamten diskutieren und dann ein Fahrticket nachlösen.

Nach einem Umstieg bin ich wieder beeindruckt davon, wie diszipliniert und ruhig alle Menschen in den öffentlichen Transportmitteln sind. Keiner telefoniert, niemand quatscht laut. Außer den Geräuschen der U-Bahn hört man nichts. Als wäre es das gesellschaftliche Ziel, niemanden anders auf die Nerven zu gehen. Das gefällt mir.

Die Straßenbahn steuert auf´s offene Meer hinaus und fährt erst eine weite Schleife und über verschiedene Inseln in der Bucht von Tokyo.

Bild: Google Earth 2020

Bild: Google Earth 2020

Auf der Odaiba steigen wir aus. Odaiba ist eine künstliche Insel und voller Unterhaltungs- und Einkaufszentren. Der Himmel ist wolkenlos, und es ist mit über 20 Grad frühlingshaft warm. Der November ist eine gute Zeit, um nach Japan zu reisen. Die Hauptinsel liegt auf der Höhe von Marokko, und die Sommer hier sind sehr heiß und schwül, aber der November ist trocken und warm.

Auf der Karte sieht Odaiba klein aus, aber die Insel ist dicht bebaut, und wir verlaufen uns prompt erst einmal in einem labyrinthischen Gebäudekomplex, der sich als eine Vorstation der Tokio Motor Show herausstellt, die ein Stückchen weiter stattfindet.

In diesem Vorgebäude werden futuristische Gefährte ausgestellt, die aber wirklich funktionierten – wie diese Quadkopter, die Menschen transportieren können. Entweder als Renngefährt oder als ein-Personen-Rettungstransporter, der von einem Rettungswagen aus startet und Menschen aus schwer zugänglichen Situationen retten soll.

Wir sind froh, als wir aus dem labyrinthartigen Gebäude voller Motorzukunft wieder raus sind und vor unserem eigentlichen Ziel stehen. Direkt unter diesem Riesenrad ist das meistbesuchte Museum für moderne Kunst der Welt: Die Digitalshow von Teamlab Borderless.

Weil hier immer so viel los ist, haben wir die Karten vor der Anreise gekauft und sind an einem Wochentag und noch vor Öffnung des Gebäudes dort, aber schon jetzt ist der Andrang groß. Teamlab ist ein Künstlerkollektiv, und „Borderless“ ihr größtes Werk. Deshalb ist es auch eine der gefragtesten Attraktionen in Tokyo.

Als das Gebäude seine Pforten öffnet, betreten wir eine dunkle und magische Welt. Wände und Decken sind schwarz und das einzige Licht kommt von den Projektionen von dutzenden von Lichtstarken Beamern, die sich bewegende Blumenmuster auf Böden und Wände projizieren.

Ich kenne das schon aus Frankreich, wo in Les Baux ein alter Bauxitabbau zu einer Kathedrale der Bilder geworden ist. Nichtsdestotrotz ist die Wirkung faszinierend und wird noch dadurch verstärkt, dass die Blumen ein Labyrinth sind. Immer wieder stoßen wir auf scheinbar endlose Gänge, die nur mit Spiegeln vorgetäuscht sind, oder auf Abzweigungen und Nebenräume, in denen eigene, digitale Kunstwerke projiziert werden. In einem Nebenraum erscheinen zum Beispiel immer wieder Schriften an der Wand.

Es gibt keinen festen Rundgang, und man muss sich schon Mühe geben, im Dunkeln alle Räume zu finden. Manche davon sind sehr klein und versteckt hinter scharzen Vorhängen, andere sind riesig groß. In den großen Räume reagieren die Projektionen auf die Menschen. So ziehen Besucher, wenn sie vor einer Wand stehen, Regenbögen an.

In einer anderen Halle fließt digitales Wasser über Wände und „Steine“ aus Kunststoff, die auf dem Boden sind. Liegt oder stellt sich jemand in die Projektion, fließt das Wasser um ihn herum.

Manche Räume haben unebene Böden, in deren Vertiefungen sich projiziertes Wasser sammelt und über dessen Erhöhungen kleine Eidechsen wuseln. Als ich in einer Halle kurz stehen bleibe, beginnen unter meinen Schuhen Blumen zu wachsen. Ich mache eine Schritt nach vorne und rühre mich nicht. Wo ich eben noch stand, vergehen die Blumen langsam, aber unter meinen Füßen sprießen neue.

Eine wirklich eine magische Welt, die Modnerd und mich staunen lässt.

In einem Raum schwenken dutzende Scheinwerfer Muster zu Trance und Technomusik in den Raum. Das ist hypnotisch, und völlig fasziniert bleiben wir eine halbe Stunde dort stehen und beobachten das Lichtspiel.

Was wir gar nicht kapiert haben: Auch diese Installation wäre interaktiv gewesen. Wer sich auf dem verspiegelten Boden in die Mitte wagt und die Lichtstrahlen berührt, kann sie verändern. Aber das hat niemand aus dem Publikum gemacht, zu hypnotisiert waren alle schon von dem programmierten Lichtspiel. Das der verspiegelte Boden den Trägerinnen von Röcken Probleme bereiten kann hatte ich auch nicht von allein kapiert, erst als ich die Lösung beim Verlassen des Raums sehe, wird mir die Problematik bewusst.

Auch andere Räume haben verspiegelte Böden. In einem hängen LED-Lichterketten von der Decke und scheinen endlos in die Tiefe unter den eigenen Füßen zu reichen. Guckt man da zu lange hin, wird einem schwindelig.

In einem anderen Raum werden Musiker auf Plexiglasscheiben projiziert. Es sind dutzende von Scheiben, und Spiegelwände lassen sie endlos wirken. Das wirkt wie eine Armee aus musizierenden Geistern.

Eine der größten Attraktionen ist der Lampenraum, und für den muss man fast eine Stunde anstehen. Dann wird man durch eine Tür in einen verspiegelten Raum geführt, der voller Lampen hängt. Klingt trivial, ist aber völlig faszinierend plötzlich in einem endlosen Meer von Lampen zu stehen, die sanft ihre Farben ändern.

Zwei Minuten darf jede Besuchergruppe im Lampenhimmel bleiben, dann wird man durch eine Spiegeltour hinauskomplimentiert.

Es gibt auch Bereiche zum Mitmachen. Eine riesige Rutsche, oder Ballons, die in einem Raum quasi vom Boden bis zur Decke reichen und die darauf warten, anstupst zu werden und die dann ihre Farbe ändern.

Oder einen Kletterwald im Dunkeln, bei dem man sich für eine Farbe von Griffen entscheiden muss. Die Griffe sehen aus wie bunte Kristalle und summen leise. Berührt man dann beim Durchklettern nur die eigene Farbe, wird der Ton und das Licht immer heller.

Oder eine Halle voller künstlicher Seerosenblätter, auf dern Oberflächen Muster projiziert werden und durch die man sich wie durch einen Wald watend den Weg bahnen muss.

Als wir nach rund drei Stunden das Digitalmuseum verlassen, sind unsere Sinne überreizt von dem, was sie gerade erfahren haben.

Um wieder runter zu kommen, machen wir einen Spaziergang über Odaiba und gucken abgefahrene Architektur an, wie das Bayside Hotel…

…oder das „Tokyo Big Sights“, das auf vier Säulen steht und an eine Ölbohrplattform erinnert.

In die Rubrik „abgefahrene Architektur“ fällt auch das riesige Fuji Television Gebäude, das wirkt, als hätte es jemand aus Fischertechnik gebaut. Schon der endlose Treppenaufgang bis zum Haupteingang ist respekteinflössend.

Vor dem Gebäude hole ich mir an einem Food-Truck einen Döner, und der ist nicht so schlimm wie befürchtet.

Ganz in der Nähe steht ein riesiger Roboter, ein sogenannter Gundam.

Und noch etwas gibt es hier: Den Nachbau der Freiheitsstatue. Direkt vor einer Brücke, die der Golden Gate ähnelt. Americas Best, versammelt im Hafen von Tokyo!

Ich schwitze ganz schön heftig, und mittlerweile ist es Nachmittag und Odaiba voll mit Leuten, die zur Motorshow wollen. Zeit, weiterzuziehen.
Wir nehmen den Zug zurück nach Sumida, aber dieses Mal ist unser Ziel nicht die Homebase, sondern der „Sky Tree“. Das ist ein Turm unweit unseres Oak Hostel Fuji, der aussieht, als wäre er aus Betonsäulen geflochten.

Ein großer Turm. Also, WIRKLICH groß. Sechshundertvierunddreißig Meter um ganz genau zu sein. Damit ist der Tokyo Skytree das zweithöchste Gebäude der Welt nach der Burj Khalifa in Dubai. Aus den eher niedrigen Häusern von Tokyo steht der Skytree heraus wie ein Gigant.

Bild: Wikmedia, Atomark, CC BY 2.0

In einer Ausstellung im Erdgeschoß lässt sich viel über den Turm erfahren. Wie z.B. das Abwasser der Toiletten von ganz oben verlangsamt wird, damit es nicht zu schnell durch die Rohre fällt. Oder dass das Design neofuturistisch ist, aber trotzdem Anleihen bei traditioneller, japanischer Bauweise macht.

Japans Inseln sind permanent von Erdbeben bedroht, weshalb die meisten Gebäude verstärkt und trotzdem nicht hoch sind. Der Skytree wirkt erst einmal wie ein sicherheitstechnischer Wahnsinn, soll aber tatsächlich sehr Erdbebensicher sein. In seiner Mitte ist eine zentrale Säule aus verstärktem Beton. Die ist ab dem 125. Höhenmeter nicht mehr fest mit der Außenstruktur verbunden, sondern über hydraulische Stoßdämpfer. Zusätzlich trägt der Turm in seiner Spitze ein Gewicht, das auf Federn ruht und das den Schwingungen, denen Gebäude bei Erdbeben ausgesetzt sind, entgegen wirken und sie so neutralisieren soll.

Gebaut wurde der Turm in nur drei Jahren, über den Namen hat die Bevölkerung Japans in einem Wettbewerb entschieden.

Der Turm hat zwei Aussichtsdecks, einmal auf 350 Metern Höhe mit Platz für 2.000 Personen, und dann noch einmal auf 450 Metern, mit Platz für 900 Menschen. Wir haben bereits Karten vorab übers Netz gekauft und die Info mitbekommen, dass wir uns an einem speziellen Schalter für Ausländer einfinden sollen. Anders als an den anderen Countern ist an dem keine Schlange, wir erhalten sofort Erkläungen auf Englisch und werden dann von einer uniformierten Hostess zu einem großen Fahrstuhl geleitet. Eine kurze Wartezeit später schießt die Kabine im Zentralkern des Turms nach oben und hält zuerst auf der 350-Metern-Aussichtsplattform.

Der Blick von hier oben ist großartig. Die Stadt zieht sich bis zum Horizont.

Aber wir wollen ja noch höher hinaus, und kurze Zeit später sind wir auf dem 450-Meter-Deck. Hier windet sich eine große Röhre aus Glas, ein „Skywalk“, an der Außenseite des Turms entlang und führt über zwei Etagen.

Es ist nicht superviel los, so können wir nach allen Seiten die Aussicht genießen über die endlose Häuserwüste.

Schon seltsam, von oben auf Wolkenkratzer hinabsehen zu können.

Wir sind absichtlich um diese Uhrzeit hier. Fast schlagartig geht um kurz vor 17:00 Uhr die Sonne unter, und vom Skytree aus kann ich sehen wie Schatten in die Häuserschluchten kriechen. Es ist als ob die Dunkelheit eine Flüssigkeit wäre, die erst in Bodennähe durch die Straßen hereinströmt, sich dann zwischen den Hochhäusern staut und sammelt und immer höher steigt. m gleichen Moment ist tief unten in den Straßen schon dunkle Nacht, während weiter oben noch die Sonne scheint. Dieses Schauspiel dauert nur wenige Minuten, dann ist aus der Betonwüste ein Lichtermeer geworden.

Städte bei Nacht kann ich ja endlos gucken, und völlig fasziniert glotze ich von oben auf die Häuser und Straßen. Sogar Sportplätze sieht man von hier!

Was mir wieder auffällt: Wie wenige Autos in den Straßen unterwegs sind. Andere Städte wimmeln und wuseln im Dunkeln vor Autos, Tokyo nicht. Die Straßen sind beinahe leer, obwohl jetzt Rushhour sein müsste.

Über eineinhalb Stunden verbringe ich damit, fast ehrfürchtig auf die riesige Stadt unter mir zu starren. Modnerd erträgt das stumm und lässt mir die Zeit, und dafür bin ich ihm dankbar. Als ich es endlich schaffe mich los zu reißen, machen wir uns langsam wieder auf den Heimweg.

Es ist kurz vor 19:00 Uhr und eigentlich müsste jetzt Rushhour sein, aber auch jetzt sind die Straßen leer.

In Tokyo darf halt nur der ein Auto haben, der einen Parkplatz auf Privatgrund nachweisen kann. Parkplätze in einer Stadt mit so wenig Raum, das ist so irrsinig teuer, dass so gut wie niemand mehr einen Wagen hat. Modnerd wird später eine Statistik finden die besagt, dass 95% allen Verkehrs in Tokyo mit öffentlichen Verkehrsmitteln geschieht. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der höchste ÖPNV-Wert bei 37%, und das auch nur in Freiburg.

Die fehlenden Autos haben mehre Effekte:
1. Bessere Luft,
2. Mehr Platz. Weil die Straßen nicht links und rechts zugeparkt sind, hat man einfach sehr viel Raum. Die kleineren Straßen werden gemeinsam von Fußgängern, Radfahrern und Autos genutzt, Bürgersteige gibt es nur an den größeren Verkehrswegen.
3. Ruhe.

Wirklich, mangels Verkehrslärm ist Sumida abends geradezu still. Die Ruhe und dazu die kleinen Häuser und vor allem die Sauberkeit überall, das führt dazu, dass Tokyo gar nicht wie eine Großstadt wirkt – er wie ein Dorf.

Dazu trägt natürlich auch die Architektur bei. Es gibt nicht viel Grün in den Straßen, aber durchaus viel Wasser.

In einem Foodcourt in einer Mall essen wir zu Abend.

Überall läuft Weihnachtsmusik, und überall werden Süßigkeiten angeboten. Besonders „Christmas Cakes“ sind wohl voll der Renner.

Dann gehen wir zurück zum Hostel. Die Straßen sind dunkel, aber Angst braucht hier niemand zu haben. Tokyo ist die Stadt mit der weltweit niedrigsten Kriminalitätsrate.

Ein Bootshaus!

Mit einer Tüte „Crunchy Pickled Plums“ und einem Bier verziehe ich mich auf das Dach des Hostels. Barfuß hocke ich mich auf eine Holzbank und gucke den Skytree aus der Ferne an. Er wird von außen festlich illuminiert und um die Spitze kreist die Schrift „Tokyo 2020“ – ein Hinweis auf die olympischen Spiele im kommenden Jahr.

Die Nacht ist warm und Tokyo ganz still. „Crunchy pickled Plums“ sind harte Pflaumen, die in Essig eingelegt sind wie saure Gurken. Das schmeckt interessant, aber auch ein wenig widerlich.

Von Sumeda nach Odaiba und Retour.
Bild: Google Earth 2020.

Zurück zu Teil 3: Baumkuchen, Brüste und Igel

Nächste Woche: Your Name in Kamurocho

Kategorien: Reisen | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Reisetagebuch Japan (4): Teamlab Borderless & Skytree

  1. Ich frage mich ja wie ein wraparound skirt funktioniert?
    Und der Lampenraum erinnert mich gerade an Rapunzel – Voll verföhnt 🙂
    Danke fürs Mitnehmen!

    Gefällt 1 Person

  2. Rapunzel! Stimmt! Und ich habe die ganze Zeit überlegt, Wo ich so ein ähnliches Bild schon einmal gesehen habe.

    Ein wraparound Skirt ist einfach Ein Tuch mit Klettverschluss, was von den Hüften bis zum Boden reicht und verhindert, dass man im Spiegelboden unter einen kurzen Rock gucken kann.

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