Reisetagebuch Japan (8): Handgemachte Klingeltöne

Reise durch Japan. Heute Überland, mit Informationen über Land und Hausschuhe sowie ein ironisches Bauwerk, das es nicht geben dürfte.

Freitag, 08. November 2019
Ryokan Miyataya, Sawatari
irgendwo in den japanischen Alpen

Beine aus dem Bett schwingen, Füße in die Haus-Hausschuhe. Zum Klo, Toilettentür auf, Haus-Hausschuhe aus, rein in die Toiletten-Hausschuhe, die man nur im Klo trägt. Uh, Fertig. Raus aus den Toiletten-Hausschuhen, rein in die Haus-Hausschuhe, ab zum Onsen, raus aus den Haus-Hausschuhen, rein in die Badevorzimmer-Hausschuhe.

Ich bin schon früh auf den Beinen und nehme noch ein Bad im heißen Vulkanwasser des Onsen. Es ist noch ruhig in dem Ryokan, dem klassischen japanischen Gasthaus, in dem wir die Nacht verbracht haben. Auf klassisch japanisches Frühstück verzichten Modnerd und ich aber, uns steht nicht der Sinn nach Reis mit Fisch und Grünem Tee.

Also in die Haus-Hausschuhe, zum Empfangsbereich, dort in unsere Straßenschuhe. Nach 8 Tagen in Japan haben Modnerd und ich das ständige Schuhewechseln mittlerweile drauf, auch wenn es noch nicht zur zweiten Natur geworden ist. Aber immerhin ist uns noch nicht das passiert, was angeblich jeder Ausländer irgendwann mal hinbekommt: In den Toiletten-Hausschuhen im Wohnbereich stehen und sich wundern, warum einen alle in Horror anstarren. Den Umstehenden schmilzt in solchen Fällen das Hirn. IN TOILETTENSCHUHEN! IM WOHNBEREICH! Vermutlich wird dann gleich das Haus angezündet und neu gebaut.

Keine Ahnung woher der Schuhwechselfetisch in Japan kommt. Vermutlich, weil früher einfach viel auf dem Boden gesessen und geschlafen wurde. Das ist heute nur noch zum Teil der Fall, aber Traditionen behält man halt bei, weil man das schon immer so gemacht hat. Das ist wirklich etwas fremdartig, während ansonsten alles erstaunlich vertraut wirkt. Kein Wunder, Japan ist Deutschland ähnlich by Design.

Geschichtlich gesehen war das japanische Kaiserreich lange isoliert, mehrere Hundert Jahre lang, einfach weil man sich für was Besseres hielt und mit der schmutzigen Welt nichts zu tun haben wollte.

Als sich Japan dann im 19. Jahrhundert auf „Wunsch“ insb. der Briten öffnete („Schönes Kaiserreich haben sie da. Wäre schön, wenn sie es für Handel und Kultur öffnen, sonst müssen wir das leider tun“), war es hoffnungslos hinten dran. Statt sich weiter zu entwickeln hatte man nämlich nur vierhundert Jahre lang Traditionen gepflegt. Darum hatte Japan nun viel aufzuholen.

Das tat es auch, und sogar im Eiltempo. Der Tenno schickte Emissäre in die ganze Welt, zum Studium von westlicher Kultur und Gesellschaft. Die Abgesandten prüften, wo was am Besten funktionierte und das wurde dann übernommen, indem man sich westliche Berater ins Land holte. Deshalb wirkt Japan an manchen Stellen auch wie ein Best-of der westlichen Welt: Weil es genau das ist.

Verkehrszeichen? Amerikanisch. Schulsystem? Britisch. Militärischer Aufbau, Armeeausbildung, medizinische Ausbildung und Versorgung, Gesundheits- und Verwaltungssystem: DEUTSCH. Sogar in der japanischen Verfassung findet man Ideen und teils sogar ganze Passagen aus der preußischen Verfassung. Die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Japan kühlten erst ab, als Kaiser Wilhelm II. was von der „gelben Gefahr“ schwadronierte und die Japaner aufforderte, gefälligst auf ihrer Insel zu bleiben und nicht Immobilien auf dem Festland zu erwerben.

Bis dahin hat Japan viel von Deutschland und dem Rest der Welt gelernt und jeweils das Beste übernommen. Gut, es gibt Ausreißer. Keine Ahnung, was den Kaiser bewogen hat, ausgerechnet von den Briten die Verkehrsführung und von den Amerikanern das lausige Stromsystem zu übernehmen.

Ich meine, die Stecker sind ja schon doof, weil sie dauernd aus der Wand fallen…

…aber 110 Volt? Ernsthaft?

Zum Glück können meine mitgeführten Geräte darauf umschalten, und das Netbook und Telefon länger zum Laden brauchen ist zum Glück recht egal, aber bei unsmarten Geräten sieht das anders aus. Ein durchschnittlicher, europäischer Föhn zieht so viel Energie, dass in alten Häusern in Japan die Leitungen so heiß werden können, dass sie in den Wänden anfangen zu brennen. Deshalb bitten Hotels auch INSTÄNDIG darum, dass man sich als Europäer an der Rezeption einen Föhn leiht.

Beim Checkout werde ich daran erinnert, das Japan nicht nur in Sachen Verwaltung Deutschland sehr ähnlich ist. Modnerds Kreditkarte wird freundlich, aber bestimmt abgelehnt und auf Barzahlung bestanden. Ein Problem ist das freilich nicht, ich sehe immer zu, dass ich genug Bares für mindestens die nächste Übernachtung und eine Tankfüllung dabei habe. Plastikgeld ist schön, hilft aber in der Wallachei manchmal einfach nicht.

Nachdem der Check-Out friedlich gelöst ist, möchte Modnerd ein wenig durch Sawatari laufen, den Ort, an dem wir übernachtet haben. Ich habe da keine Lust drauf. Die Morgenluft ist kalt, und ich fühle mich krank. Mein Hals kratzt, und ich habe das Gefühl, ich muss mit meiner Energie haushalten. Die will ich nicht verbraten in dem ich doof Straßen den Berg hochlaufe in einem Ort, in dem es garantiert nichts zu sehen gibt. Aber Modnerd besteht darauf. Maulend folge ich ihm.

Es sieht so aus, als würde das Dorf aus wenig mehr als einer Straße bestehen, die einmal den Berg hoch und wieder runter führt. Die Häuser an dieser Straße sind alle über heißen Quellen gebaut, jedes hat einen Onsen im Angebot.

Die Häuser, die hier gebaut sind, wirken massiver als anderswo. Wir sind schon durch Orte gekommen mit Holzhäuschen, die wirken, als wäre sie nur temporär gebaut: Dünne Wände aus Brettern, billige Einfachfenster. Einweghäuser, sozusagen.

Das stimmt sogar. In Japan wird nicht für die Ewigkeit gebaut. Es kommt wohl sehr häufig vor und ist fast üblich, das Kinder das Haus ihrer Eltern, wenn sie es erben, abreißen und neu bauen. Ich habe schon gelesen das sei, damit sich keine bösen Geister in den Häusern ansammeln. Das glaube ich aber nicht. Ich glaube eher, dass der Grund für die Abrisse ist, das viele der Häuschen in so einer leicht- und Billigbauweise errichtet wurden, dass die nach 30 Jahren einfach hinüber sind und der Neubau günstiger ist als die Sanierung.

Die Dorfstraße ist unspektakulär. Es gibt einen hübschen Laden, ansonsten ist ein abgebranntes Holzhaus noch das aufregendste, was zu sehen ist.

Einmal durch den Ort zu wandern dauert keine zehn Minuten, dann stehen wir auf einer Brücke, die aus dem Dorf heraus und über eine breite Schlucht führt. Die Wälder leuchten herbstlich in der Morgensonne, und unter der Brücke fließt ein Fluss dahin. Das ist schön, und jetzt bin ich doch froh, dass Modnerd mich hier rausgeschleift hat.


Nicht groß: Sawatari.
Bild: Google Earth 2020.

Wir fahren los und wieder nach Westen, zum großen Teil den gleichen Weg, den wir gestern gekommen sind. Unterwegs halten wir an einem Conbini von Lawsons an. Lawsons auf dem Land sieht ein wenig aus wir eine Truckerhaltestelle. Hier versorgen wir uns mit Sandwiches und Kaffee. Das ist alles besser als Fisch zum Frühstück.

Über Landstraßen geht es weiter nach Westen.

Es geht durch weite Täler. Die Berge sind mit dichten Wäldern bedeckt, in den Tälern selbst drücken sch kleine Ortschaften an die Betten der Flüsse, die sich dort hindurchschlängeln. Es gibt viele Felder, vor allem Reis und Hirse wird hier angebaut.

Überall Vulkane!
Bild: Google Earth 2020.

Modnerd fährt den Toyota an diesem Morgen etwas merkwürdig. Er hat gute Laune, was auch darin Ausdruck findet, dass er nur eine Hand am Lenkrad hat, die aber alle paar Sekunden von links nach rechts zucken lässt. Durch die sehr direkte Lenkung des Aqua eiern wir deshalb in Schlangenlinien über die Straße. Ich muss ihn ab und an dran erinnen das zu lassen, weil davon nämlich mir schlecht wird. Dann genieße ich einfach die Fahrt und die Aussicht.

Beim Ort Hoshino besuchen wir ein äußerst ungewöhnliches Gebäude. Modnerd ist darauf bei seiner Reisevorbereitung gestoßen. Was das denn sei, will ich wissen, kriege aber wenig raus außer dem Stichwort „Tempel“ und dem Hinweis auf „krasse Architektur“ und so, wissen schon. Tatsächlich sieht das Gebäude äußerst ungewöhnlich aus. Es liegt im Wald, ist aus Natursteinen gebaut und rund geschwungen, so dass es einen organischen Eindruck macht und sich harmonisch in die Natur einfügt.

Modnerd behauptet, das seltsame Gebäude sei ein Tempel, aber als wir es betreten, sind die Wandschriften mit Verweisen auf die heilige Dreifaltigkeit nur schwer zu übersehenen. Tatsächlich ist das hier die Uchimura Kanzo Gedenkkirche, die von dem amerikanischen Architekten Kendrick Kellogg erdacht wurde, dem Begründer der „Organic Architecture Foundation“ und von dem das Zitat überliefert ist „If it is not a love affair with Mother Earth, it is not Architecture“. Fotos darf man leider nicht machen, und jede Ecke wird videoüberwacht. Das ist schade, denn das Innere der Kirche ist etwas ganz besonderes. Hier gibt es einen tollen Artikel mit schönen Bildern dazu. Hier ist außerdem die offizielle Website: https://www.stonechurch.jp/

Bild: Modnerd.

Es ist die zweitschönste organische Kirche, die ich je gesehen habe. Sie ist groß, zu groß für die Bezeichnung „Kapelle“, aber auch nicht riesig. Offenporiger Beton und Natursteinmauern bilden ein gestuftes und asymmetrisches Gewölbe, das sich anfühlt, als stünde man in einer großen Höhle oder einem riesigen Schneckenhaus. Dass das hier ein geweihter Ort ist, macht die Erhabenheit eines großen Fensters klar, durch das Sonnenlicht so seltsam einfällt, als würde der Finger Gottes persönlich in den Raum deuten. Das dies ein Ort der Schöpfung ist, machen die Pflanzen deutlich, die an den Wänden wachsen und von gluckernden, kleinen Wasserströmen versorgt werden.

Bild: Gaijingojapan.com

Quelle: Internet.

Quelle: Stone Church.

Ich bin Atheist, und trotzdem ergriffen. Der Ort hier verkörpert perfekt ein Streben nach Höherem und Einklang mit der Natur. Damit drücken die Steine und der Beton genau die Grundidee und die Philosophie aus, die ideell dahinter stehen. Ein so perfekter Ausdruck einer Idee in einem Bauwerk, das verdient schon höchsten Respekt. Wobei die Kirche bei genauer Auslegung eigentlich gar nicht existieren sollte.

Das es sie doch gibt, ist große Ironie. Denn diese Kirche ist zum Gedenken an Theologiephilosophen Uchimura Kanzo gebaut, der um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. lebte und gerne riesige Nietzsche-Gedenkschnäuzer trug. Er hatte in den USA studiert und nach seiner Rückkehr nach Japan eine „Non-Church“ Bewegung ins Leben gerufen. Es ging ihm gegen den Strich, was die Institution Kirche aus der christlichen Lehre gemacht hatte, und propagierte ein „Zurück zur Natur“ und das Studium und die Auslegung der Bibel in kleinen Gesprächskreisen. Das Treffen im Wohnzimmer als Gegenentwurf zum Kirchenbesuch. Das seine Anhänger ihm 1988 ausgerechnet eine der schönsten Kirchen überhaupt gebaut haben, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Im Keller der Kirche ist eine seltsame Kunstausstellung, zumindest sieht es so aus. Tatsächlich ist es ein Gedenkraum für den Kirchengründer. An den Wänden hängen Bilder mit englischen Sprüchen, von denen ich nicht weiß, ob der Autor wirklich immer wusste, was die Übersetzung bedeutet. Ich meine „Zahnmedizin ist ein Akt der Liebe?“ Echt jetzt?

Eigentlich wollen wir die Hochebene von Utsukushigahara, eine ganz besondere Landschaft in den Bergen, aber daraus wird nichts. Ich hatte zu Hause eine Route da hin zusammengestellt, allerdings ist Navigation in Japan mit Apps nicht ganz einfach. Mein geliebtes „Navigon“ gibt es praktisch nicht mehr, „Navigation“ von der MyRoute-App nutzt HERE und hat daher keine Karten für Japan an Bord, und die Navigation über Maps.Me ist Glücksache.

Google Maps funktioniert zwar gut, aber Modnerd erträgt das nach eigenem Bekunden nicht, weil eine ästhetische Zumutung oder so. Sein Apple Maps funktioniert allerdings nicht offline und verliert in den Bergen selten, aber doch gelegentlich das Netz und ist jetzt, in diesem speziellen Fall, etwas zu mutig. Wo Google Maps gar keinen Weg zeigt, schickt uns Apple auf auf eine Bergstraße, die aber nach wenigen Kilometern gesperrt ist. Durch den Umweg ist es dann zu spät um noch nach Utsu-dingens zu kommen.

Schöne Sackgassen entdecken mit Apple Maps.
Bild: Google Earth 2020.

Dann heißt es fahren-fahren-fahren – bei nur Tempo 50 kommt man halt nicht voran, und die ganze Zeit 50 oder 40 zu fahren ist echt anstrengend. Dafür hat unser Auto aber auch eine Reichweite von 700 Kilometern. Wir fahren wieder durch die Präfektur Nagano und vorbei an den Städten Matsumoto und Ueda, die wir gestern schon gesehen haben und wie graue Klekse in der herbstlichen Landschaft liegen.

In Japan ist man übrigens verrückt nach Jahreszeiten. Vielleicht gerade deshalb, weil so viele Menschen entkoppelt von der Natur in Millionenstädten leben, spielen Dinge wie die Kirschblüte im Frühjahr oder das Buntwerden des Laubs im Herbst eine erstaunlich große Rolle. Geradezu obsessiv verfolgt man auf im Fernsehen und auf Internetseiten die Ausbreitung von Frühjahr und Herbst. Zwischen Oktober und Dezember wird nach jedem Wetterbericht eine Karte eingeblendet, auf der gezeigt wird, wo sich das Herbstbunt jetzt befindet.

Zugegebenermaßen ist der Herbst aber auch wirklich wunderschön. Es gibt viele verschiedene Ahornbäume, die intensive Rot- und Orangetöne annehmen und wirklich toll leuchten. Das Herbstbunt beginnt immer im Norden und zieht sich dann langsam bis nach Süden durch.

Übrigens, was die Geografie angeht: Vor dieser Reise war mir überhaupt nicht klar, wie verteilt Japan eigentlich ist. Ich habe immer gedacht das wäre eine Insel im Pazifik, aber das stimmt nicht.

Japan besteht nicht aus einer Landmasse, sondern aus insgesamt 6.852 (!) Inseln, die sich über 380.000 (!!!) Quadratkilometer verteilen. Die meisten Inseln sind allerdings winzig und viele nicht mal bewohnt.

Die Hauptinseln sind die Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu. Die hängen zusammen und liegen quasi vor der Küste von Nord- und Südkorea.

Bild: Openstreetmaps 2020.

Hokkaido liegt ganz im Norden, ist nicht so dicht besiedelt und hat hohe Berge mit vielen Skigebieten. Und Kürbisse. Viele Kürbisse.

Honshu liegt in der Mitte und ist sowas wie Zentraljapan, mit der Hauptstadt Tokyo, aber auch Millionenstädten wie Nagoya, Fukushima, Hiroshima, Kyoto oder Osaka. 104 Millionen Menschen leben auf der Insel, die 1.300 Kilometer lang, aber nur 50 bis 230 Kilometer breit ist. Auch Honshu hat Berge und Skigebiete, die man von den olympischen Spielen in Nagano kennt.

Shikoku ist wesentlich kleiner und dünn besiedelt und hängt südlich unter dem Westzipfel von Honshu.

Kyushu ist die drittgrößte Insel und schließt die Gruppe der Hauptinseln ab. Sie ist geprägt von aktiven Vulkanen, dort gibt es viele Bäder und Erholungseinrichtungen. Diese vier Inseln sind über Brücken und Tunnel miteinander verbunden.

Die Hauptinseln haben eine Nord-Süd-Ausbreitung von 1.500 Kilometern. Hokkaido im Norden beginnt ungefähr auf der Höhe der Schweiz, Honshu liegt irgendwo zwischen Türkei und Tunesien, und das Südende von Kyushu auf der Höhe von Ägypten. Kein Wunder also, dass es hier auch im Herbst schön warm ist.

Im Sommer möchte man aber eher nicht nach Japan – man stelle sich Temperaturen wie in Nordafrika vor, aber mit der Luftfeuchtigkeit eines Urwalds. Das Wetter Japans wird von Australien beeinflusst, aber das nur am Rande.

Weit abseits im Süden, mitten im ostchinesischen Meer, liegt noch eine dicht besiedelte Insel: Okinawa. Die Insel ist mit 104 Kilometer Länge und 11 Kilometer Breite sehr klein, aber dafür leben 1.4 Millionen Menschen auf ihr. 26.000 davon sind amerikanische Soldaten, weil Okinawa, das vor Taiwan und China liegt, einen hohen geostrategischen Wert für die USA hat.

Wir fahren weiter durch die herbstlichen Alpen.

Unterwegs lese ich Twitter. Internet per SIM ist meist ganz OK, aber es ist schon seltsam, denn meine Timeline hat natürlich auch 8 Stunden Zeitversatz. Wenn ich aufstehe, geht man in Deutschland gerade schlafen. Wenn ich Dinge vom poste, ist es daheim meist mitten in der Nacht. Wenn meine Timeline langsam aufwacht, geht bei mir der Tag so langsam zu Ende. Wie so ein schräges Parallelweltleben.

Immer wieder fahren wir unter riesigen Brückenkonstruktionen hindurch. Japanische Autobahnen, in sehr gutem Zustandm, aber allesamt mautpflichtig.

Nach Einbruch der Dunkelheit kommen wir in der Stadt Takayama an. Die „Pension Yasuda“ ist eine merkwürdige Mischung aus B&B und Jugendherberge. Im Erdgeschoss ist ein großer Speise- und Wohnraum, im ersten Stock gibt es ein paar Gruppenzimmer und ein Waschbecken auf dem Gang, das wir uns mit einer Gruppe aufgeregt plappernder Renterninnen teilen.

Hier werden Klingeltöne noch von Hand verkauft:

Immerhin spricht der Gastwirt englisch. Wir bekommen noch ein Abendessen, trotz fehlender Voranmeldung.

Es gibt Paella. Das ist sehr lecker, aber: Warum? Der Gastwirt, ein Mann in den 40ern, lacht und erzählt in recht gutem Englisch, dass seine Eltern von 1971 bis ´75 in Spanien lebten und von dort die Küche mitbrachten.

Es gibt sogar einen privaten Onsen, und dieses Mal kann ich den benutzen ohne mein Tattoo abzukleben. Und: Ich weiß auf Anhieb wie das Waschprozedere ist und was wozu dient. Ein gutes Gefühl sich so langsam ein wenig auszukennen.

Von Sawatari nach Takayama. Rund 235 km, dafür den ganzen Tag gebraucht.

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Nächste Woche in Teil 9: Das Überflutungseichhörnchen

Kategorien: Reisen | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Reisetagebuch Japan (8): Handgemachte Klingeltöne

  1. Anonymous

    Die Kirche ist echt krass – mehr Demut vor der Schöpfung würde uns gut stehen…
    LG, Marcus

    Gefällt 1 Person

  2. Brigitte Eckert

    Heute auf Twitter gefunden, interessant?
    https://blog.britishmuseum.org/historical-city-travel-guide-edo-tokyo-early-19th-century/

    Gefällt 1 Person

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