Corona (19): Alltagsmüdigkeit vs. Reiselust

Weltweit: 24.446.482 Infektionen, 831.827 Todesfälle
Deutschland: 240.573 Infektionen, 9.293 Todesfälle

Tag 169 seit Beginn der ersten Corona-Maßnahmen.

Seit dem letzten Blogeintrag zur Pandemie sind zwei Monate vergangen. Seitdem ist die Zahl der Infizierten von unter 10 Millionen auf 25 Millionen gesprungen, die der Toten hat sich verdoppelt. Nach wie vor sind die USA am Schlimmsten betroffen, politisch gibt es da auch immer noch keine Strategie. Es ist Wahlkampf, und Trump wurde gerade beim Parteitag der Republikaner als derjenige gefeiert, der durch sein schnelles und entschlossenes Eingreifen das Schlimmste verhindert hat. Wirklich, die Republikaner erklären Corona für besiegt und tun so, als ob es die bislang 180.000 Toten in den USA nicht gäbe. Stattdessen wurden die Testprozedere gerändert, und neuerdings erfolgt Reporting direkt an die Trump-Regierung und nur das Weiße Haus, nicht mehr das Gesundheitsamt, veröffentlicht Statistiken. Man kann sich vorstellen, was passiert: Die Zahl der Infektionen sinkt urplötzlich. Ein Wunder.

COVIDioten

In Deutschland sieht es besser aus, hier frisiert die Politik keine Zahlen, und in den letzten zwei Monaten gab es gerade mal 300 Todesfälle. Das Infektionsgeschehen ändert sich aber gerade, zum Schlechteren. Das liegt nicht in erster Linie an den „COVIDioten“, die für sich ein Phänomen sind: Da marschieren stramm Linke, Hippies, Esoteriker und Bildungsbürger Seite an Seite mit Reichsbürgern und Neonazis gemeinsam auf „Hygiene-Demos“ herum, aus Protest gegen die Anordnungen zum Tragen von Masken. Das deuten Sie als Einschränkung der Meinungsfreiheit oder ihrer freien Entfaltung oder wasweißich.

Sie alle eint das diffuse Gefühl, dass „die da oben“ in der Pandemie machen was sie wollen, und wittern überall Verschwörungen. Das ist eine normale, menschliche Reaktion: Die Bedrohung ist so groß und so wenig fassbar, dass der menschliche Geist es nicht begreift und annimmt, dass da mehr dahinterstecken muss als ein unsichtbarer Virus. In der Außenansicht ist es natürlich absurd dumm, ändert aber nichts daran, dass Verschwörungstheorien gerade starken Zulauf haben, und sich die Rechtsradikalen auf dieses Thema setzen. Die Politik ist in einer Zwickmühle: Damit nicht wieder 20.000 maskenverweigernde Covidioten unter der Führung von „Querdenkern“ aus Stuttgart durch Berlin marschieren, muss tatsächlich ein Grundrecht eingeschränkt werden: Das der Demonstrationsfreiheit. JETZT, wo keine Rechten Verschwörungsgläubigen mehr unter den Linden marschieren dürfen, jault sogar die BILD und fährt eine Kampagne dagegen, aber als die Demo zum Gedenken der Opfer des rechten Attentats von Hanau trotz Hygienekonzept abgesagt wurde: Schweigen im Wald.

Reiserückkehrer

Nein, die wahre Gefahr geht von den Reiserückkehrern aus. Viele, viele Menschen sind den Sommer über zu Hause geblieben, waren vorsichtig und haben lieber eine Veranda gebaut als weg zu fahren, aber eine ordentliche Zahl ist doch in den Sommerferien ins Ausland geflogen oder war in der Bahn unterwegs. Genau das sind für mich die kritischen Punkte. Die Züge sind schon wieder überfüllt und die Bahn nicht Willens Abstandsregeln einzuhalten und die Maskenpflicht durchzusetzen. Das hat dazu geführt, dass meine Firma die Bahncards der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekündigt hat. Nicht viel besser ist es in Flugzeugen. Auch hier sitzen die Leute dicht an dicht, und Aerosole werden über die Umluft der Kabine flächendeckend verteilt. Wenn man dann noch so Spezialisten da rumhocken hat, die „Ich habe ein Attest“ spielen oder den ganzen Flug über an einem Stück Brotrinde rumkauen weil „Zum Essen muss ich keine Maske tragen“, dann kann man sich denken, was passiert.

Und tatsächlich sind die Zahlen an Neuinfektionen stark gestiegen, seitdem die Leute aus den Ferien zurückkommen. Hatten wir im Juli tageweise nur 200 Neuinfektionen, sind es nun 1.500 bis 2.000. Das entspricht dem Stand vom April.

Reiselust

Aber ach, man kann es ja niemandem verdenken, dass es einen in die Ferne zieht. Geht mir ja nicht anders. Nachdem die lange Sommertour mit dem Motorrad ausgefallen ist, hatte ich mit der Idee geliebäugelt, im September nach Rumänien zu fahren und endlich den Transfagarsan-Pass zu sehen. Wochenlang habe ich zu Rumänien recherchiert und eine geile Tour geplant. Kaum war die Planung fertig und die ersten Unterkünfte gebucht, gab es einen heftigen Ausbruch der Seuche und Rumänien wurde zum Krisengebiet. Also wieder verworfen. Und nun plagt mich Reisesehnsucht, verbunden mit einer tiefen Alltagsmüdigkeit. Ich habe zu nichts Lust, nicht mal zum bloggen. Ist schon oft gesagt worden: Dieses Jahr fühlt sich an wie der längste März aller Zeiten. Das jetzt schon Herbst sein soll kann ich kaum glauben.

Lasst mich hier liegen, ohne mich schafft ihr es vielleicht.

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Kategorien: Corona-Tagebuch | 5 Kommentare

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5 Gedanken zu „Corona (19): Alltagsmüdigkeit vs. Reiselust

  1. Bingo! Alles gesagt und wie mer treffend auf den Punkt gebracht!

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  2. Nicht alles Ralfi 🙂

    @Silencer Du MUSST nach Rumänien fahren…ich bin mit meinem Kumpel aus DD genau 4 Tage nachdem die Quarantänepflicht aufgehoben worden ist dieses Jahr 12 Tage dort gewesen…Transfaragasan, Transalpina waren eher eine Enttäuschung aber dafür sind wir 70% vom ACT Rumänien gefahren was für mich mit meinem Cacadoo eine ordentliche Herausforderung war…dennoch – Rumänien ist definitiv eine ganz tolles Land! Kleiner Tipp am Rande..vergiss Unterkünfte und fahr einfach hin – es gibt überall Campingplätze mit kleinen Holzhütten für 5-10€ die Nacht…wir haben nicht eine Nacht vorgeplant und sind immer und überall sofort untergekommen zu zweit…also – kannst auch Bescheid sagen wann Du losfährst – ich komm. def. wieder mit wenn´s darum geht dieses tolle Land ein weiteres mal zu bereisen 😉

    BG
    Meikel

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  3. Dr. Lektor: Merci!

    Meikel: Das bekräftigt mich, dass ich da unbedingt hin muss! Ich hole das auch definitiv nach. Aber im Moment kommt man zwar gut nach Rumänien hin, aber von da nur schwer wieder weg – Österreich und Ungarn sind da gerade sehr streng, und das zu recht, wenn man sich die explodierenden Infektionszahlen anguckt. Aber irgendwann schaffe ich es noch da hin!

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  4. ruediger

    .

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  5. Ali

    Silencer, du weißt von mir, daß Ostländer mein Hauptreisegebiet sind wobei Rumänien in dieser
    Aufführung eines der meistbesuchten ist.
    Ähnlich halte ich es mit der „Liebe“ auch Albanien. Heute bei meiner Schwägerin im Schwarzwald……
    hat just eine Untermieterin mit albanischem Freund…….und ich solle/müsse doch unbedingt
    vorbeikommen und dort übernachten. Liegt natürlich genau an meiner nächsten Reiseroute und dem
    komme ich gerne nach.
    Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte: Im Thema Gastfreundlichkeit ohne Gegenleistungserwartung haben die Ostländer – quasi vor unserer Haustüre – gegenüber unserer
    meist ellbogenbewaffneten Landesgesellschaft meist die Nase vorn, zudem ist die Gegend auch für uns
    suchendenden Möppfahrer nach interessanten Wegen nicht mit der Zahl von Verbotschildern gepflastert.

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