Momentaufnahme: September 2020

Herr Silencer im September 2020

Einen Monat keinen Blogeintrag? Gibt es auch selten.

Wetter: Als hätte jemand mit dem Finger geschnippt ist sofort am 01. September der Sommer vorbei. Mit morgens 9 Grad, Frühnebel und tagsüber 17 Grad fühlt sich alles nach Herbst an. Eben noch Hochsommer, jetzt fast Winter. Mitte des Monats wird es dann kreislaufstressig: Morgens nur 9 Grad, Nachmittags plötzlich über 30. Aber auch diese Hitzewelle geht vorbei, und dann kommt der Hebst wirklich.


Lesen:

Stephen King: If it bleeds
Vier Kurzgeschichten, die vierte davon ist „Rat“. Eine klassische Pakt-mit-dem-Teufel-Geschichte, aber in diesem Band die atmosphärisch dichteste Story. King beobachtet hier genau das Innere eines Schriftstellers, der so gerne einen Roman schreiben möchte, aber daran schon mehrfach gescheitert ist und Angst hat, dass sich das wiederholt – obwohl er doch dieses Mal so eine tolle Story im Kopf hat. Wenn da nicht die vielen Wörter wären!

Bob Woodward: Rage
"Fear" war Woodwards letztes Buch, und an dem verweigerte Trump die Mitarbeit. Das hat er wohl später bereut, weshalb er Anfang des Jahres dauernd bei Woodward anrief und ihn Stundenlang zutextete. Eine er Erkenntnisse: Trump wusste schon im Januar, dass COVID-19 über die Luft übertragbar ist, und er hat auch verstanden was das bedeutet – er hatte nur schlicht keinen Bock, sich damit zu beschäftigen.

Zwei Fragen: Wie schafft es Watergate-Urgestein Woodward immer wieder, intime Einblicke ins Weiße Haus zu bekommen und darüber brisante Bücher zu verfassen? Und: Wie schafft Trump es Kraft seines Willens, eine Paralelrealität zu erschaffen, in der er wirklich machen und sagen was er will und es ist egal? Darauf liefert auch dieses Buch keine Antwort.


Hören:


Sehen:

The good Liar [2019, Prime]

Ian McKellen ist ein Gentleman-Trickbetrüger, der auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt. Sein letzter großer Coup soll die Witwe Helen Mirren werden. Er umgarnt sie, erst auf Datingportalen, dann im echten Leben, und ehe man sich versieht wohnt er in ihrem langweiligen Londoner Reihenhaus und schlägt vor, ein gemeinsames Konto zur Alterssicherung anzulegen. Aber dann.

Am Ende fragt man sich, was man da gerade gesehen hat. Der im Deutschen mit „Das alte böse“ passend, aber ungelenk betitelte Film beginnt wie ein Gentlemen-Heist-Movie, überrascht zwischendurch mit krass grausamen Szenen und wird in seinem letzten Drittel so dunkel und bitter, dass man als Zuschauer ob der emotionalen Gemengelage leicht verwirrt zurückbleibt. Durch seine seltsame Kombination und die Art, wie die beiden Protagonisten in Szene gesetzt werden, wirkt der Film unfokussiert und als wüsste er nicht, was er sein möchte. Außerdem hätte aus geschichtlichen Gründen die Geschichte in den frühen 2000ern spielen müssen. So verkörpert die 71 jährige Helen Mirren und der 81jährige Ian McKellen Charaktere, die beide über 90 sein müssten, was nicht funktioniert. Immerhin sind die beiden Schauspieler, die hier erstmals gemeinsam vor der Kamera stehen, absolut großartig, genau sowie die Aufnahmen von London.

They Shall not Grow Old [Prime]
Sie zogen in den ersten weltweiten Krieg, der für die meisten an der Frontlinie zwischen Frankreich und Deutschland in blutigem Brei endete. 1918 gab es schon Filmaufnahmen, und nun hat Peter Jackson die genommen, colorieren und auf HD-Qualität mit 25 Frames pro Sekunde umrechnen lassen. Nun sieht man junge Männer, britische Freiwillige, die aussehen wie die Dorfdeppen von nebenan, die unbefangen und nichtsahnend in den Krieg ziehen, sicher, dass man binnen zwei Wochen wieder zu Hause sei. Dann gehen sie durch die Hölle, und die, die wiederkommen, sind Wracks und finden nicht mehr ins Leben zurück.

Die Originalbilder mit dem Voiceover der Veteranen hat erstaunlich wenig Impact bei mir gehabt. Aber gut, zum einen habe ich mich mit dem Thema schon lang und breit beschäftigt, zum anderen erkenne ich halt, wenn zum Dritten Mal die gleiche Sequenz in anderer Skalierung verwendet wird, weil sie so gut zur Erzählung passt. Technisch beeindruckend, sonst aber nicht.

Das letzte Wort [Netflix]
Gerade noch singt Anke Engelke „Ich kenn´Dich besser als Du Dich selbst“ auf der Geburtstagsfeier Ihres Mannes, da liegt der auch schon tot am Boden – und es stellt sich raus, das sie ihn gar nicht kannte. Nicht nur, das er ein Doppelleben führte, die Familie ist auch faktisch pleite. Engelke versucht sich daraufhin als Trauerrednerin bei einem Bestatter, der aber selbst Probleme hat.

Ja, hm. Einerseits nett gemacht und gut gespielt mit schönen Szenen, andererseits weiß die Serie nicht, wo sie in den ersten 5 Folgen, aus der die Staffel besteht eigentlich hin will. Ist das alles nur Setup für Staffel zwei? Oder hat hier wirklich einfach jemand „Six Feet Under“ und das „Bestatterweblog“ in den Mixer geworfen und hatte keinen Plan was ihn erwartet? Das Ergebnis ist auf jeden Fall weichgespült und belanglos, kein Faden wird zu einem Ende geführt. Es wird deutlich, dass die Hauptfiguren alle ihre Arten von Trauer entdecken, aber dann versackt alles. Staffel zwei sollte dringend ein Ziel haben – und Anke Engelke bitte Augenbrauen, ohne sieht sie extrem seltsam aus. Wunsch Nummer drei: Schluss mit der verdammten Quarzerei. Ich haben mal nachgezählt, bis auf den minderjährigen Sohn rauchen praktisch alle Hauptcharaktere und zahlreiche Nebenfiguren. Das geht nicht.

Der Spion von Nebenan [Prime]
Dave Bautista ist sein Leben lang Soldat gewesen, nun arbeitet er für die CIA – und ist richtig schlecht in seinem Job. Darum wird er zur Überwachung einer langweiligen Sache abgeschoben, doch auch die kriegt er nicht hin. Und dann wird er noch von der achtjährigen Tochter des Zielobjekts erpresst.

Lockerer Spaßfilm, der mich ein paar Mal sehr zum Lachen gebracht hat. Das liegt vor allen an den Hauptdarstellern. Dem Hünen Bautista nimmt man den grimmen Soldaten genauso ab wie dem Kind seine Cleverness, und zwar ohne das es nervt.

Bad Boys for Life [Prime]
Irgendwas mit Will Smith, war nicht gut und hat mich auch nicht wirklich interessiert.

Dr. Doolittle [Prime]
Dr. Doolittle und seine Tiere müssen die englische Königin retten und dafür eine Frucht finden die nur an einem Baum auf einer weit entfernten Insel wächst.

Zu wenig Pinguine (Lies: Gar Keine!) – das geht gar nicht! Immerhin, der Eisbär ist niedlich. Und die Geschichte fantasievoll, aber definitiv für kleine Kinder. Die haben ihren Spass dran, alle anderen sind genervt von den ADHS-Viechern.


Spielen:

Yakuza 4 [PS4]

Kamurocho, Tokyo: Ein ungewöhnlicher Finanzdienstleister trifft eine außergewöhnliche Frau. Ein zum Tode Verurteilter bricht aus dem Gefängnis aus. Ein Straßenpolizist ist auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Irgendwo eiert Kiryu Kazuma rum. Und alles hängt mit einem Ereignis im Jahr 1985 zusammen.

Der Remaster von Yakuza-Teil 4, der im Original für die PS3 im Jahr 2009 erschien. Sieht nicht so fürchterlich Grütze aus wie Teil 3. Die Story ist elaboriert und dreht sich zum Glück nicht mehr darum, hinter Arschlochkindern auf Okinawa herzulaufen. Stattdessen gibt es wieder eine düstere Erzählung in den Straßen Tokios.

Ich sehe, was die Macher hier versucht haben, als sie mit gleich vier Protagonisten rumjonglierten. Allein: Die Technik gab das damals nicht her, und der Remaster ändert daran leider nichts. Außer 1080P-Auflösung gibt es hier nichts Neues, im Untergrund werkelt die alte, kaputte Engine. Das ist schade, denn so machen die Spielsequenzen schlicht keinen Spaß. Was nützen die schönsten Zwischensequenzen, wenn sich die Spielfiguren in den Kampfsequenzen allesamt steuern wie Tanker, auf Eingaben nicht oder zu spät reagieren und streckenweise einfach unspielbar lahm sind? Dass diese fiesen Schnitzer im Remaster nicht behoben wurden ist eine Schande. Bislang zu zwei Dritteln durch, mal sehen, wie das endet.


Machen:

ArbeitArbeitArbeit, nebenbei Maßstäbe in Sachen Online-Kongresse gesetzt und zum Streaming-Experten geworden, dann: Motorradherbst!


Neues Spielzeug:

Archiv Momentaufnahmen ab 2008

Kategorien: Momentaufnahme | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Momentaufnahme: September 2020

  1. Mal überlegen, was ich am 01. September gemacht habe. Ach ja, jetzt fällt’s mir wieder ein – ein paar Mal mit dem Finger geschnippt… 😀

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  2. DU bist der Herbst? Gehuldigt sei Dir, oh antropomorphe Personifizierung!

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